Seit Monaten dick belegte (Haar-)Zunge!

Liebe ForumsteilnehmerInnen,

seit ewig langer Zeit habe ich eine furchtbar dick belegte Zunge, teilweise „behaart“!! Das ist nicht nur sehr unangenehm, mir ist auch ein Rätsel, woher die kommt!?
Mein Hausarzt sagte, das sei harmlos, eine Überreaktion der Papillen, die ich einfach abbürsten soll…

Aber das alleine kann doch nicht die Lösung sein, oder?
Was kann die Ursache sein?

Ich freue mich auf eine Antwort!

Viele Grüße,
Gabriele Stumpf

Hallo Gabriele,ich habe da einen Artikel,vielleicht hilft der Dir ein wenig.
Freundliche Grüße
AGNES

Orale Candidose

Leitlinien sind systematisch erarbeitete Empfehlungen, um den Kliniker und Praktiker bei Entscheidungen über die angemessene Versorgung des Patienten im Rahmen spezifischer klinischer Umstände zu unterstützen. Leitlinien gelten für „Standardsituationen“ und berücksichtigen die aktuellen, zu den entsprechenden Fragestellungen zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Leitlinien bedürfen der ständigen Überprüfung und eventuell der Änderung auf dem Boden des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes und der Praktikabilität in der täglichen Praxis. Durch die Leitlinien soll die Methodenfreiheit des Arztes nicht eingeschränkt werden. Ihre Beachtung garantiert nicht in jedem Fall den diagnostischen oder therapeutischen Erfolg. Leitlinien erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Entscheidung über die Angemessenheit der zu ergreifenden Maßnahmen trifft der Arzt unter Berücksichtigung der individuellen Problematik.
Die in dieser Leitlinien vorgeschlagenen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sind medizinisch notwendig und entsprechen dem allgemeinen anerkannten Stand der Wissenschaft.


Leitlinie ``Orale Candidose" - C. Seebacher - Januar 1998

Leitlinie

Orale Candidose

Definition
Manifeste Infektion der Mundhöhle und /oder im Lippenbereich mit pathogenen Hefen. Der alleinige Nachweis einer Hefe (auch opportunistische Candida-Arten) definiert noch keine orale Candidose. Die verschiedenen klinischen Krankheitsbilder entstehen durch die Anwesenheit einer Candida-Species bei gleichzeitig bestehenden prädisponierenden Faktoren (z. B. Zahnprothesen, Diabetes mellitus, gestörte Immunabwehr u. a.).

Klinische Bilder
Bewährt ist die Untergliederung der verschiedenen klinischen Bilder nach akuten und chronischen Formen.

Das Leitsymptom der akuten oralen Candidose (Synonyme: akute pseudomembranöse Candidose, Soor, oral thrush) sind die stippchenförmigen, später konfluierenden, weißen, abstreifbaren (z. B. mit Holzspatel) Beläge, unter denen sich eine hochrote leicht blutende Schleimhaut befindet; subjektiv eher Mißempfindungen (Geschmacksstörungen, Pelzigkeitsgefühl) als Schmerz. Häufigste Patientengruppen: Säuglinge und erwachsene Menschen mit schweren Grundkrankheiten.

Leitsymptom der chronischen oralen Candidose (Prothesen-Stomatitis; chronische atrophische Candidose) ist ein Erythem und Ödem der Mundschleimhaut an Kontaktstellen mit Prothesenteilen, vorwiegend am harten Gaumen. Subjektiv bestehen leichte Mißempfindungen oder auch Beschwerdefreiheit.

Weitere klinische Bilder sind die mykotische Perlèche, die Candida-Leukoplakie, die Candida-Cheilitis, sowie die seltene mit einem Immundefekt assoziierte chronische mucocutane Candidose. Die mediane rhomboide Glossitis und die schwarze Haarzunge sind nur dann als orale Candidose definiert, wenn der Nachweis ihrer Verursachung durch eine pathogene Hefe geführt wurde.

Wichtigster Vertreter der Gruppe der pathogenen Hefen als Ursache der oralen Candidose ist Candida albicans.

Untersuchungen

  • Notwendig:

  • klinische Inspektion

  • Materialgewinnung für die Laboratoriumsdiagnostik
    Mittels steriler Platinöse bzw. eines sterilisierten Watteträgers wird die verdächtige Stelle abgestrichen. Sofern möglich, sollte das Material sofort auf einen Pilznährboden ausgestrichen bzw. auf dem kürzesten Wege unter Schutz vor Austrocknung in das Labor transportiert werden. Die Materialentnahme erfolgt am Ort der höchsten Erregerwahrscheinlichkeit, z. B. unter der Zahnprothese, aus weißen Belägen, aus Schuppenmaterial des Lippenwinkels. Rachengurgelwasser: mit 10 ml sterilem Wasser eine Minute gurgeln. Wasser in sterilisiertes Weithalsgefäß mit Verschluß speien.

-Nativpräparat: unter Zusatz von physiologischer Kochsalzlösung oder (bei Belägen und Schuppen) von 15%iger Kalilauge oder 20%iger Tetraethylammoniumhydroxidlösung mit oder ohne Farbstoffzusätzen. Bessere Aussagen erlangt man mit einem Ausstrichpräparat, das mit Methylenblau oder nach Gram gefärbt ist. Mikroskopische Untersuchung eines mit einem Deckgläschen bedeckten Präparates bei ca. 10- (Übersicht) bis 40- (Detail) facher Objektiv- und 10-facher Okularvergrößerung (Nachweis von Pilzelementen: Sproßzellen, Pseudomycelien, Mycel). Die Untersuchung des Nativpräparats ist orientierend und ersetzt keinesfalls die zusätzlich anzulegende Kultur.

-Kultur: Anzüchtung auf geeignetem Nährboden (Sabouraud-Glucose-Agar oder vergleichbarer Agar) bei 36 1C über drei bis vier Tage. Das weitere Vorgehen bis zur Bestimmung der Pilzart erfolgt wie bei Candidose der Haut beschrieben.

-Suche nach prädisponierenden Faktoren: Überprüfung von Zahnprothesen bezüglich ihres Sitzes, ihrer Oberfläche und ihres Pflegezustandes; Ausschluß von Diabetes mellitus, Leukämie, immunschwächenden Erkrankungen, begleitenden erosiven Krankheiten der Mundschleimhaut. Die pseudomembranöse Candidose (Soor) kann ein Zeichen einer HIV-Infektion oder der AIDS-Erkrankung sein. Sie ist immer ein Hinweis auf eine schwerwiegende Grundkrankheit! Mögliche medikamentöse Auslöser: Zytostatika; Glukokortikoide, speziell auch bei inhalativer Applikation.

Therapie
Im Regelfall topische Therapie mit bewährten Antimykotika vom Polyen-Typ (Nystatin, Amphotericin-B oder Natamycin) oder Azol-Typ (speziell Miconazol) in geeigneten Zubereitungen (Lösungen, Suspensionen, Lutschtabletten oder Mundgele, bei Lippenbeteiligung auch Cremes).

Beachten: Die Gabe der Polyen-Antimykotika in Tablettenform bewirkt eine Lokaltherapie des Orogastrointestinal-Traktes und ist wegen fehlender Resorbierbarkeit dieser Wirkstoffe nicht als systemische Therapie zu interpretieren.

In bestimmten Fällen auch systemische Therapie (bei Versagen der topischen Behandlung oder bei Besorgnis mangelnder Wirksamkeit bei ausgeprägter Immunschwäche, z. B. chronische mucocutane Candidose). In diesen Fällen sind Azole (Fluconazol, Ketoconazol) angezeigt. Bei Versagen der oralen Therapie auch Amphotericin B in parenteraler Applikation.

In allen Fällen von verzögerter Wirksamkeit oder Therapieversagen sollten prädisponierende Faktoren weiter abgeklärt werden. Darüberhinaus muß auch an die Ausbildung von resistenten Stämmen bzw. einen Erregerwechsel, vor allem bei Anwendung von Azolantimykotika, gedacht und entsprechende Untersuchungen veranlaßt werden.

Im Einzelfall nützlich:

-Schutz vor Schmierinfektionen.

  • Mund- und Prothesenpflege mit geeigneten desinfizierenden oder antimyzetisch wirksamenSubstanzen.

Ambulant/stationär: Behandlung im Regelfall ambulant. Stationäre Behandlung nur bei aus-sergewöhnlich schweren Verlaufsformen beim Vorliegen von schweren Grundkrankheiten.

Erarbeitet von der Subkommission Mykologie der Kommission Qualitätssicherung

Deutsche Dermatologische Gesellschaft

Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V.

Abgestimmt mit dem Vorstand der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft

D. Reinel, Hamburg, C. Seebacher, Dresden, H. C. Korting, München, J. Brasch, Kiel, H.-J. Tietz, Berlin, D. Abeck, München, K.-H. Schlacke, Bremerhaven, G. Hamm, Halle, N. Haake, Essen, H. Bernhardt, Greifswald, W. Fegeler, Münster.


Die „Leitlinien“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen e.V. sind Empfehlungen für ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen. Sie schildern ausschließlich ärztlich-wissenschaftliche und keine wirtschaftlichen Aspekte. Die „Leitlinien“ sind für Ärzte unverbindlich und haben weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Wenn Du eine Chlohexidinhaltige Mundspüllösung verwendest, kann diese Mitursache für die haarige Zunge sein. Wenn ja, nicht weiterverwenden. Ansonsten empfiehlt sich tatsächlich das regelmäßige Abbürsten der Zunge. Wenn keine Besserung zu erzielen ist und Du Dich mit der Haarzunge nicht abfinden kannst, suche eine oralchirurgisch tätigen Zahnarzt auf, der diese hypertrophierten Papillen entfernen kann.

Gruß,

Marcel

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]