Liebe Vielwissende
wie kann es geschehen, dass ein 23 jähriger, der 10-zigaretten am Tag raucht, an wochenenden gelegentlich kifft und einiges Bier trinkt, aber: weder an Bluthochdruck leidet (eher zu tief) und keinen hohen Cholesterinspiegel hat, nicht an Übergewicht oder Diabetes leidet, an einem waschechten Hirnschlag erkrankt? (über Stress weiss ich nichts) Er war bis dahin kerngesund und die Jahre zuvor schön sportlich tätig. Gibt es noch weitere körperliche Hinweise, dass man Risikopatient ist; oder psychische?
Was soll dieser Patient nun tun, damit ihm sowas nicht nochmals passiert? Was hätte er tun können vor dem Ereignis, damit es niemals passiert wäre? Gibt es denn übwerhaupt Erkennungsmerkmale, dass man Risikopatient ist und stimmt es, dass die einen eher zur Blutverdickung tendieren als die andern und wenn ja, warum (genetisch)?
Viele Fragen, vielleicht weiss jemand was.
Vielen Dank schon mal.
Andi
Rein laienhaft gesagt ist ein Hirnschlag nichts anderes als ein Herzinfarkt: der Verschluss wichtiger Arterien im Herz/Gehirn. Mit der Folge, dass die betroffene Region mit Blut unterversorgt wird und davon geschädigt werden kann. WODURCH diese Verstopfung hervorgerufen wird ist erst in zweiter Linie wichtig. Zu hohes (schädliches) Cholesterin oder dickeres Blut sind sicherlich Risikofaktoren, aber das gilt für Tabak oder Sauerstoff im Blut (=Embolie) oder andere Stoffe, die im Blut nichts verloren haben, genauso. Alternativ kann man ja mal eine Arterie manuell zuhalten und schauen was passiert…
Und 10 Zigaretten pro Tag ist ja wohl ein bisschen zu viel, oder ?
Hallo Andi!
Jo, das gibts. Den jüngsten Patienten den wir im Notaztdienst hatten, war ein 17jähriges Mädchen. Das sind in der Regel aber Ausnahmen. Die Sache ist aber so, dass bei Patienten diesen Alters meistens eine angeborene Engstelle in den versorgenden Gefäßen vorliegt. Natürlich bewirkt Nikotin etwas. Nikotin wirkt gefäßverengend. Lebenswandel spielt natürlich auch eine Rolle. Bei solchen angeborenen Engstellen hilft aber kein Sport ;o) Nur zur positiven Veränderung des Lebensstils.
Der Sohn meines Mathelehrers war noch keine 10 Jahre alt, als er auf dem Spielplatz einen Hirnschlag bekam, vom Gerüst kippte und sofort tot war. Der Junge war bis dato nicht krank, abgesehen von den üblichen Dingen, die Kinder so haben. Geraucht, gekifft und gesoffen hat er unter Garantie auch nicht.
Zunächst: „Hirnschlag“ ist nicht gleich „Hirnschlag“!
Es gibt Schlaganfälle die durch Blutung ins Gehirn entstehen und welche, die durch Unterbrechung der Blutversorgung entstehen.
Zum Typ der Blutung gehört die sogenannte Subarachnoidalblutung, dabei blutet es aus einer Aussackung (Aneurysma) der Hirngefäße, die als Gefäßmißbildung auftreten kann. Als Komplikation hiervon kann später auch noch eine Art Krampf der Hirngefäße hinzutreten, so daß auch noch eine Unterbrechung des Blutflusses auftreten kann.
Das zweite sind Probleme in der Wandstruktur der großen Gefäße am Hals (Dissektionen) die ebenfalls die Blutzufuhr unterbrechen. Sie können zum Beispiel bei diversen Verletzungen am Hals oder spontan auftreten. Mindestens ein Fall wird zum Beispiel im Zusammenhang mit Headbanging beschrieben.
Den jüngeren trifft meist eines dieser beiden Ereignisse und man muß sagen, daß dies einfach schicksalhaft ist, zum Glück nicht sehr häufig.