Ritalin-Umsatz in Deutschland?

Guten Tag zusammen!
Google gab mir nicht viel an Zahlen…
Mich interessiert, wie viele Kinder in Deutschland denn nun wirklich aktuell Ritalin oder ein ähnliches Medikament einnehmen, das müsste man doch an den Umsatzzahlen einigermassen messen können…?
Es gibt Angaben wie: Etwa 5 % der Kinder (90 % davon Jungs) sind ADS-diagnostiziert.
Wer kann helfen, wer hat Tipps, wie ich an aktuelle Zahlen komme? Wurde das hier im Forum vielleicht schon geschrieben?
Bin dankbar für jeden Hinweis
engelsauge

Tach,

leider hab ich keine Ahnung, aber trotzdem was zu sagen: In den U.S.A. liegt der Umsatz über dem von Aspirin.

Chris

Brett ‚Kinder‘ evtl. in den FAQ:1236
Hallo Engelsauge!

Konkrete Zahlen kann ich Dir zwar nicht nennen, aber schau mal in den FAQ 1236 im Brett Kinder und Eltern.

Dort geht es um AD(H)S, und Du findest eine umfangreiche Linksammlung.

Bei allem Interesse an Zahlen darf man m.E. nicht außer Acht lassen, dass immer noch eine große Menge von ADS-lern keine Behandlung bekommt (unabhängig davon, ob Medikation oder nicht), weil u.a. Therapieplätze fehlen.

Wünschenswert ist eine multimodale Behandlung auf (bei Bedarf medikamentöser) und verhaltenstherapeutischer Basis.

Ebenso, dass die Zahl der Erwachsenen, die erst durch eine adäquate Behandlung wieder in der Lage sind ihr Leben auf die Reihe zu bekommen, stetig wächst.

Dass eine Zunahme der Verordnung von Medikamenten bei AD(H)S zu verzeichnen ist liegt nicht daran, dass AD(H)S plötzlich häufiger vorkommt, oder dass mit der Verordnung von hochwirksamen Medikamenten inflationär umgegangen wird, sondern dass das Wissen darum zunimmt und sich (endlich) ausbreitet. Die Medikation ist nur EIN Baustein der Behandlung.

Verrätst Du mir, warum Dich diese Zahlen interessieren?
Angelika

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Methylphenidat
Hi,
ich weiss leider nichts zu den aktuellen Zahlen, ich weiss nur, dass oft nicht Ritalin, sondern Medikinet oder Concerta gegeben wird. Eine überdurchschnittliche Anzahl an ADSlern haben Weizenallergien, und sollten somit nicht das auf Weizen basierende Ritalin nehmen (wg rebound).

Du müsstest also versuchen, herauszufinden, wieviel % Medikamente gegen ADS nehmen, bzw wie viele Methylphenidat nehmen.

Es gibt übrigens eine sehr wirksame Methode, ohne Medizin neurologische Veränderungen in einem ADSler zu bewirken:
Neurofeedback. Kannst mal nach googlen.

Ist aber nicht billig & wird nicht von Kassen getragen. Ist auch in D. noch nicht allzu weit verbreitet - in der Schweiz schon.

Gruss, isabel

Hi,

leider hab ich keine Ahnung, aber trotzdem was zu sagen: In
den U.S.A. liegt der Umsatz über dem von Aspirin.

da aber Aspirin (in den USA=ASS) in den USA

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Hallo Isabel!

ich weiss leider nichts zu den aktuellen Zahlen, ich weiss
nur, dass oft nicht Ritalin, sondern Medikinet oder Concerta
gegeben wird. Eine überdurchschnittliche Anzahl an ADSlern
haben Weizenallergien, und sollten somit nicht das auf Weizen
basierende Ritalin nehmen (wg rebound).

Der Rebound („zurückfallen“) hat nichts mit einer Unverträglichkeit der Trägersubstanz zu tun, sondern erfolgt, wenn das MPH, egal auf welcher Basis vom Körper verstoffwechselt wurde. Wenn man dann nicht „nachlegt“ kommt es zum rebound, unabhängig von der Darreichungsform.

Du müsstest also versuchen, herauszufinden, wieviel %
Medikamente gegen ADS nehmen, bzw wie viele Methylphenidat
nehmen.

Methylphenidat kommt in unterschiedlichsten Darreichungsformen daher. Auch die Handelsnamen sind - trotz gleichen Wirkstoffes - unterschiedlich.

z.B. Equasym, Medikinet, Ritalin.

Concerta, Ritalin SR, Ritalin LA, Medikinet retard sind zwar auch MPH-Präparate, haben aber eine andere Beschaffenheit, z.B. in Kapselform, und dadurch eine andere Wirkweise (Langzeitwirkung).

Zudem sind andere, nicht BTM-pflichtige Medikamente zur AD(H)S-Therapie auf dem Markt.

Somit stellt sich dann die Frage, ist Engelsauge an den Zahlen der MPH-Verordnung interessiert, oder aber daran, wie viele AD(H)S-ler insgesamt mit Medikamenten behandelt werden.

Das herauszufinden ist aber m.E. unmöglich.

Angelika

Es gibt übrigens eine sehr wirksame Methode, ohne Medizin
neurologische Veränderungen in einem ADSler zu bewirken:
Neurofeedback. Kannst mal nach googlen.

Ist aber nicht billig & wird nicht von Kassen getragen. Ist
auch in D. noch nicht allzu weit verbreitet - in der Schweiz
schon.

Gruss, isabel

Der Rebound („zurückfallen“) hat nichts mit einer
Unverträglichkeit der Trägersubstanz zu tun, sondern erfolgt,

Hi Angelika,
natürlich gibt es den ‚normalen‘ rebound -
wenn Du etwas GEGEN ein Symptom nimmst, gleichzeitig aber etwas nimmst (Weizen) das die Symptome fördert, gibt es halt ein ‚verfrühtes rebound‘. Diese ADSler werden, wenn sie anfangs Ritalin nahmen, dann auf ein weizenfreies Medikament umgestellt, wie eben zB Medikinet.

Gruss, Isabel

Ich bin ehrlich gesagt bei dem schönen Wetter etwas zu faul zu suchen.
Meine letzten Zahlen aus „dem Kopf“ lagen um 2000 bei ca 75000 Kinder, die Methylphenidat zumindest einmal erhalten haben (nach Prof. Glaeske).

Bei einer vermuteten Häufigkeit von ADHS mit niedrig geschätzt 2 - 5 % der Bevölkerung (nach den Diagnosekriterien des Hyperkinetischen Syndroms) und der Annahme, dass ca 1/3 der eingestellten Patienten nicht von der Medikation profitieren (sehr hoch geschätzt), 1/3 die Medikation von vornherein ablehnen (eher niedrig angesetzt) bleiben 1/3, die auf jeden Fall von der Medikation profitieren und sie erhalten sollten. Natürlich in einem multimodalen Behandlungsansatz mit Psychotherapie bzw. psychosozialen Therapieangeboten.

Selbst unter dieser groben Annahme geht man immer noch von einer deutlichen Unterversorgung hinsichtlich der medikamentösen Therapie der ADHS in Deutschland aus. Besonders problematisch dabei : Viele Kinder haben nur ein Rezept erhalten, was sicher Quatsch wäre (d.h. die Behandlung wurde nicht fortgesetzt). Und : In den Statistiken ist die zunehmende Verordnung von Methylpheniat an Erwachsene noch nicht berücksichtigt.

Wie schon angedeutet, sind Generika wie Medikinet, Equasym oder von Hexal auf dem Markt. Daneben die „Langzeitpräparate“ wie Medikinet retard oder Concerta. All dies ändert aber noch nicht viel an den Statistiken. Nur : Ritalin von Novartis macht längst nicht mehr den Marktführer in den USA aus und ich bezweifele, dass er noch Marktführer in Deutschland ist (weiss ich aber nicht).

Vielleicht magst Du ja was zum Umsatz von Heilpraktikern bei Kindern mit entsprechenden Symptomen schreiben? Nach meinem Kenntnisstand boomt da eine Branche, obwohl seriöse Heilpraktiker keinen Nutzen von Homöopathie und anderen angeblich „natürlichen“ Behandlungsmethoden sehen. Dafür tummeln sich jede Menge fragwürdige Therapieangebote von Magnetfeldtherapie, Nahrungsergänzungsmitteln mit z.T. toxischen Effekten für die Kinder und anderer Quatsch auf dem Markt und ziehen verzweifelten Eltern das Geld aus der Tasche.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

…bedeutet, die gesellschaftliche Relevanz einschätzen zu können.

Danke Angelika für Deinen Artikel.

Verrätst Du mir, warum Dich diese Zahlen interessieren?
Angelika

Es wundert mich sehr, dass es mir nicht möglich ist, an Zahlen zu kommen, die mir eine Einschätzung darüber erlauben, welche Brisanz das Thema inzwischen hat.

Ich mache mir Gedanken über die gesellschaftliche Entwicklung. In diesem Rahmen um die kulturelle, technische und sozialpolitische Entwicklung der letzten hundert Jahre. Und in diesem Zusammenhang um die (Weiter-)Entwicklung der Menschen.

Genauer gesagt: Es hat meines Wissens in den letzten - sagen wir mal - zweitausend Jahren keine so rasante (technische) Entwicklung gegeben wie in den letzten hundert (oder??). Ein Kind, das heute zur Welt kommt, hat um ein Vielfaches mehr Reize zu verarbeiten als eben vor hundert Jahren. Das wiederum muss doch bedeuten, dass der Mensch sich verändern muss(Anpassungsfähigkeit), um in dieser „neuen Welt“ zu leben… (Evolutionsprofis unter uns??)

Nun ja, wir können ein Problem nur einschätzen, wenn wir es kennen. Daher mein Interesse an Zahlen :smile:
gruss engelsauge

Hallo Engelsauge!

Konkrete Zahlen kann ich Dir zwar nicht nennen, aber schau mal
in den FAQ 1236 im Brett Kinder und Eltern.

Dort geht es um AD(H)S, und Du findest eine umfangreiche
Linksammlung.

Bei allem Interesse an Zahlen darf man m.E. nicht außer Acht
lassen, dass immer noch eine große Menge von ADS-lern keine
Behandlung bekommt (unabhängig davon, ob Medikation oder
nicht), weil u.a. Therapieplätze fehlen.

Wünschenswert ist eine multimodale Behandlung auf (bei Bedarf
medikamentöser) und verhaltenstherapeutischer Basis.

Ebenso, dass die Zahl der Erwachsenen, die erst durch eine
adäquate Behandlung wieder in der Lage sind ihr Leben auf die
Reihe zu bekommen, stetig wächst.

Dass eine Zunahme der Verordnung von Medikamenten bei AD(H)S
zu verzeichnen ist liegt nicht daran, dass AD(H)S plötzlich
häufiger vorkommt, oder dass mit der Verordnung von
hochwirksamen Medikamenten inflationär umgegangen wird,
sondern dass das Wissen darum zunimmt und sich (endlich)
ausbreitet. Die Medikation ist nur EIN Baustein der
Behandlung.

Hi,

leider hab ich keine Ahnung, aber trotzdem was zu sagen: In
den U.S.A. liegt der Umsatz über dem von Aspirin.

da aber Aspirin (in den USA=ASS) in den USA

Hi,

wieso kann man das nicht?

weil sich Umsätze auf den Preis beziehen. Wäre Ritalin 110-mal so teuer wie ASS (z.B. bezogen auf die Tagesdosis) wäre bei hundertfach höherem Gebrauch von ASS Ritalin immer noch umsatzstärker. Und ASS kostet in den USA nüscht…

J~

Hi,

wieso kann man das nicht?

weil sich Umsätze auf den Preis beziehen. Wäre Ritalin 110-mal
so teuer wie ASS (z.B. bezogen auf die Tagesdosis) wäre bei
hundertfach höherem Gebrauch von ASS Ritalin immer noch
umsatzstärker. Und ASS kostet in den USA nüscht…

Janaja, aber wenn ich weiß, was ich vergleiche und das auch klar mache, kann ich doch Umsätze vergleichen ?!

Schöne Grüße,

Chris

…also ich find das schon heftig, weil ASS ja (und grade die Amis) jeder und wohl auch recht oft nimmt und Methylphenhydat ist ja doch eher was sehr spezielles, da relativiert sichs ja wieder ein bischen.

Schöne Grüße,

Chris

Vielen Dank für Eure Antworten. Ein Bild über das Ausmaß der Medikation kann ich mir leider noch immer nicht machen, die Links verraten mir auch nicht mehr :frowning:
Hat jemand noch einen heissen Tipp???
Danke und
gruss engelsauge

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich bin ehrlich gesagt bei dem schönen Wetter etwas zu faul zu
suchen.

Hallo Martin.
…dann doppelt Dank für deinen Artikel :smile:

Meine letzten Zahlen aus „dem Kopf“ lagen um 2000 bei ca 75000
Kinder, die Methylphenidat zumindest einmal erhalten haben
(nach Prof. Glaeske).

Da sich die Zahl vervielfacht haben soll, was schätzt du, wo wir jetzt liegen?

Bei einer vermuteten Häufigkeit von ADHS mit niedrig geschätzt
2 - 5 % der Bevölkerung (nach den Diagnosekriterien des
Hyperkinetischen Syndroms) und der Annahme, dass ca 1/3 der
eingestellten Patienten nicht von der Medikation profitieren
(sehr hoch geschätzt), 1/3 die Medikation von vornherein
ablehnen (eher niedrig angesetzt) bleiben 1/3, die auf jeden
Fall von der Medikation profitieren und sie erhalten sollten.
Natürlich in einem multimodalen Behandlungsansatz mit
Psychotherapie bzw. psychosozialen Therapieangeboten.

Selbst unter dieser groben Annahme geht man immer noch von
einer deutlichen Unterversorgung hinsichtlich der
medikamentösen Therapie der ADHS in Deutschland aus. Besonders
problematisch dabei : Viele Kinder haben nur ein Rezept
erhalten, was sicher Quatsch wäre (d.h. die Behandlung wurde
nicht fortgesetzt). Und : In den Statistiken ist die
zunehmende Verordnung von Methylpheniat an Erwachsene noch
nicht berücksichtigt.

Wie schon angedeutet, sind Generika wie Medikinet, Equasym
oder von Hexal auf dem Markt. Daneben die „Langzeitpräparate“
wie Medikinet retard oder Concerta. All dies ändert aber noch
nicht viel an den Statistiken. Nur : Ritalin von Novartis
macht längst nicht mehr den Marktführer in den USA aus und ich
bezweifele, dass er noch Marktführer in Deutschland ist (weiss
ich aber nicht).

Vielleicht magst Du ja was zum Umsatz von Heilpraktikern bei
Kindern mit entsprechenden Symptomen schreiben? Nach meinem

Nein, mag ich nicht. Mich interessiert insbesondere die gesellschaftliche Komponente (siehe mein Artikel weiter unten)
gruss engelsauge

Kenntnisstand boomt da eine Branche, obwohl seriöse
Heilpraktiker keinen Nutzen von Homöopathie und anderen
angeblich „natürlichen“ Behandlungsmethoden sehen. Dafür
tummeln sich jede Menge fragwürdige Therapieangebote von
Magnetfeldtherapie, Nahrungsergänzungsmitteln mit z.T.
toxischen Effekten für die Kinder und anderer Quatsch auf dem
Markt und ziehen verzweifelten Eltern das Geld aus der Tasche.

Sehr geehrter Herr Kollege,

es ist sicher richtig, daß viele ADSH-Patienten nicht adäquat behandelt werden. Aber man darf auch die Augen nicht davor verschließen, daß viele Patienten nach der Diagnose ADSH behandelt werden, bei denen die diagnostischen Kriterien nicht zutreffen.

Aufklärung und Sachinformation ist deswegen wichtig!

Ausdrücklich möchte ich mich ihrer Bewertung der Fragwürdigkeit von „naturheilkundlichen“ Methoden bei ADSH anschließen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Marx

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]