Polyneuropathie durch Krebs unheilbar?

Hallo,
angenommen, jemand, fast 80 Jahre alt, ist im Krankenhaus und hat durch einen bösartigen Prostatakrebs zudem noch Polyneurapathien, also in dem Fall kein Gefühl mehr in Armen und Beinen. Nach Feststellung der Ursache für diese Nervenentzündung (Ursache ist also Krebs) wird dem Mann am Gründonnerstag von einer Ärztin gesagt, dass man nichts mehr für ihn tun kann und schickt ihn einfach nach Hause. Da er keine Treppen mehr steigen kann, wird er von Verwandten (Anrufen vom Handy kann er noch) nach Hause gebracht. Seine Frau ist selbst schwerkrank, so dass der Mann hilflos sich selbst überlassen wird. Das ist aber nicht das eigentliche Problem, da die Kinder sich (sie sind aber nicht vom Krankenhaus informiert worden) darum kümmern, dass er erst mal mit Essen und Trinken versorgt wird.

Aber durch die Abschiebung ohne weitere Erklärung wie es für den Mann weitergehen soll verfällt er in schwere Depressionen. Am Ostermontag schießt er sich aus purer Verzweiflung eine Kugel (er war Jäger) durch den Körper, überlebt aber wie durch ein Wunder (Milz musste entfernt werden). Warum ist der soziale Dienst nicht eingeschaltet worden? In den Entlassungspapieren steht, eine Operation ist nicht möglich aufgrund des Alters und der körperlichen Gesundheitszustandes. Eine Chemoprophylaxe oder Bestrahlung wird nicht in Erwägung gezogen. An wen kann man sich wenden, um sich über diese Art der Behandlung zu beschweren und wie kann man dem Mann noch Mut machen? Ich bin für jede Hilfe dankbar.

Viele Grüße
Peter

Hallo Peter,

schlimme Sache und schwierige Situation. Rein medizinisch kann man natürlich andere Ärzte aufsuchen und hoffen, dass diese ggf. noch andere Therapiemöglichkeiten sehen. Rein rechtlich kann man natürlich versuchen dem Krankenhaus an den Karren zu fahren. Rein menschlich würde ich aber mal überlegen, wie man die Gesamtsituation für den Betroffenen und seine Angehörigen in den Griff bekommen kann. Und die sieht nicht gut aus.

Ohne Mediziner zu sein, kann man wohl feststellen, dass aufgrund des Alters und des komplexen Erkrankungsbildes mehr oder weniger kurzfristig damit zu rechnen sein wird, dass der Betroffene versterben wird. Das kann Tage, Wochen oder Monate bedeuten, genaue Prognosen sind da schwierig und man sollte Ärzte auch nicht bedrängen, diese möglichst präzise zu treffen, dies ist oft einfach gar nicht möglich.

Wichtiger als therapeutische medizinische Maßnahmen ist in solchen Situationen die menschliche und ggf. seelsorgerische Betreuung und eine auf schmerzlindernde und angstlösende Behandlungsformen beschränkte ärztliche Betreuung.

Soweit und solange der Betroffene in der eigenen Wohnung bleiben kann, würde ich die Einschaltung eines ambulanten Hospizdienstes empfehlen, und andernfalls überlegen, ob nicht der Umzug in ein stationäres Hospiz ggf. möglich ist. Gerade aber auch dann, wenn vermutlich noch mehr Zeit bleibt, ist der ambulante Hospizdienst sicher der beste Ansprechpartner. Darüber hinaus sollte man sich an den Hausarzt wenden und mit diesem die weitere medizinische Versorgung klären. Ist dieser nicht zu einer rein palliativen Arbeit bereit, findet sich sicher mit Hilfe des Hospizdienstes ein anderer Arzt, der diese Versorgung übernimmt. Die Mitarbeiter der Hospizdienste sind üblicherweise gut ausgebildet und arbeiten ehrenamtlich. Ihre Aufgabe ist dabei nicht die Versorgung (das machen Pflegedienste), sondern die Beschäftigung mit Menschen am Ende ihres Lebens und deren Angehörigen. Sie nehmen sich Zeit für lange Gespräche, versuchen Antworten zu geben, und sind auch bei vielen organisatorischen Dingen behilflich, weil sie aus teilweise jahrelanger Praxis eben alle nötigen Kontakte haben, und wissen wie was funktioniert. Insbesondere schaffen sie aber auch für pflegende und betreuende Angehörige Freiräume, um z.B. auch mal eigene Dinge erledigen zu können.

Da ich selbst viel mit einem Hospizverein und diversen Pflegediensten durch meinen beruflichen Schwerpunkt im Bereich Betreuungsrecht und angrenzenden Bereichen zu tun habe, und letztes Jahr auch selbst betroffener Angehöriger war, kann ich dir für die kommende Zeit nur viel Kraft wünschen. Und eine ganz große Bitte an alle betroffenen Angehörigen in deinem Fall (zum eigenen Schutz): Nicht an irreale Hoffnungen klammern! Erst wenn man die Tatsachen akzeptiert, kann man richtig mit ihnen umgehen. Wenn man sich immer wieder vormacht, Dinge ändern zu können, die nicht mehr zu ändern sind, geht man selbst daran schnell kaputt.

Gruß vom Wiz

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