Citalopram - wer kennt's?

Hiho, Leute,

ich frage für eine Freundin von mir nach. Sie hat seit einiger Zeit schlimmer werdende Depressionen und war nun damit erst bei einem Arzt, der sie dann zu einer Psychologin überwiesen hat.

Diese hat vorgeschlagen, daß sie Citalopram nehmen sollte. Nun hat sie in einer Woche einen erneuten Termin bei der Psychologin und sollte sich bis dahin entschieden haben, ob sie das Psychopharmakum nehmen will oder nicht.

Sie ist aber sehr unschlüssig. Sie ist alleinerziehend mit einem kleinen Mädchen und geht tagsüber arbeiten, also kann sie sich „keine Nebenwirkungen leisten“, wie sie sagt, aber bei Citalopram sollen in den ersten zwei Wochen heftige Nebenwirkungen auftreten.

Hat jemand von Euch Erfahrungen mit dem Mittel? Ich wäre für alle Hinweise und Ratschläge dankbar.

Liebe Grüße,
Nike

Hallo! :smile:

Citalopram ist genau das selbe wie Cipramil, und die nehme ich.
Ich habe mich ca.10 Jahre mit schweren Depressionen gequält, weil ich Angst hatte vor Antidepressivas und deren Nebenwirkungen. Schön blöd, kann ich heute nur sagen.

Ganz am Anfang meiner Depressionen ging ich mal zum Arzt, und bekam Tabletten (Ich weiss heute nicht mehr wie die hießen) davon sollte ich 1x2 Stück nehmen. Die machten mich allerdings so müde dass ich umgekippt und eingeschlafen bin. Ich hab es dann gelassen, denn wer will schon (mit einem Kleinkind) immer müde sein, und dick werden, und was damals halt so alles an Nebenwirkungen dabei war.

10 Jahre später war ich auf Mutter-Kind-Kur, zu der Zeit ging es mir extrem schlecht und ich habe eigentlich täglich nur darüber nachgedacht, von welcher Brücke ich springe oder wie ich mich sonst am besten aus der Welt schaffen kann.

Die Ärztin dort hat mir Cipramil gegeben und mir gesagt, die Wirkung setzt nach ca. 10 Tagen voll ein. Es sind keine „Happy Pillen“, aber man ist in der Lage wieder seinem Alltag nachzugehen ohne ständig zu weinen oder Selbstmordgedanken zu hegen. Die Tablette bringen einen zurück in die Normalität.

Als Nebenwirkungen hatte ich: Vermehrtes Gähnen (ohne dabei besonders müde zu sein *L*) und Mundtrockenheit. Sonst nichts. Und das auch nur für ca 14 Tage, dann hatte sich der Körper an die Tabletten gewöhnt.
Mir wurde gesagt, es wäre die neueste Generation von Antidepressiva, die nicht abhängig machen.

Alles in allem, ich bin sehr zufrieden damit.
Begleitend soltle natürlich immer eine Therapie stattfinden.

Lieber Gruß
Claudia

Noch was gefunden:
Wie wirkt der Inhaltsstoff?

Citalopram wird zur Behandlung depressiver Erkrankungen angewendet.

Im Gegensatz zu alltäglichen Stimmungsschwankungen handelt es sich bei der Depression um eine häufige und schwere Erkrankung. Bis heute ist die Ursache nicht bekannt. Vieles deutet darauf hin, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Neurotransmitter - chemische Stoffe, die Nervensignale übertragen - im Gehirn gestört ist. Denn die Beschwerden lassen sich durch Medikamente bessern, die die Wirkung mancher Neurotransmitter verstärken - hier sind vor allem die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin zu nennen.

Citalopram ist ein Selektiver-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI): Er blockiert Transportstoffe, die Serotonin nach erfolgter Signalübertragung wieder in die Speicherplätze zurückbefördern. Serotonin verbleibt länger am Wirkort, und seine Wirksamkeit steigt.

Citalopram wirkt stimmungsaufhellend und hat in der Regel keinen beruhigenden oder dämpfenden Effekt. Die Wirkung setzt nach etwa einer Woche ein - die volle Wirksamkeit entfaltet sich möglicherweise erst nach zwei bis vier Wochen.

Hallo,

ich denke, Citalopram hat im Gegensatz zu anderen Antidepressiva noch einigermaßen milde Nebenwirkungen, die darüber hinaus auch nicht allzu lange andauern. Bei anderen Antidepressiva muss man sogar noch 6 Wochen warten, bis sie überhaupt anschlagen.

Also wenn die Ärztin es für notwendig hält, das Mittel zu geben: Augen zu und durch. Es wird besser werden :smile: Die anderen Mittel sind auch nicht wirklich milder, daher denke ich, ist die Wahl nicht schlecht.

LG

Claudia

Hi Nike,
Citalopram, oder Cipramil, ist ein sehr gut verträgliches SSRI, und ist in der Tat ‚moderner‘ als SSRIs wie zB Prozac.

Ich würde auf jeden Fall empfehlen, es zu nehmen!

Die Wirkung ist unglaublich gut. Ich hatte in meinem letzten Herbst in Irland ganz plötzlich und unerwartet eine Depression bekommen.

Ging zum Hausarzt (GP), und der verschrieb mir eben Cipramil. Ich hatte noch ein paar auf Rezept, als ich dann in Deutschland ankam, und als sie alle waren, war es Frühling, und es ging auch ohne.

Nebenwirkungen, die wirkliche Probleme darstellen, kenne ich bei Cipramil nicht.

Aber zwei, drei Sächelchen schreib ich Dir trotzdem per mail - also guck irgendwann mal in deine inbox.

Gruss, Isabel

Hi Nike ,

Citalopram gehört wohl zu den „neueren“ nebenwirkungsarmen Mitteln.
Allerdings kann meiner Meinug nach niemand vorhersagen, ob die beschriebenen Nebenwirkungen bei Deiner Freundin eintreten werden oder nicht.
Ich habe auch erst das zweite Mittel, was mir der Arzt verschrieben hat vertragen (ich nehme jetzt Nortrilen). Vom ersten ist mir ziemlich kotzeübel geworden (obwohl ich bewußterweise den Zettel mit den Nebenwirkungen **nicht>/b> gelesen habe).

Falls allerdings bei einem Patienten „Nur-Psychotherapie“ nicht hilft, wird sowohl von Seiten der Ärzte als auch von vielen Psychotherapeuten die zusätzliche Gabe eines Anti-Depressivums befürwortet.

Ein praktischer Tip:
Vielleicht sollte Deine Freundin den Beginn der Behandlung auf einen Termin legen, an dem sie ein- zwei Tage nicht soviel zu tun hat. Ich habe damals einen Tag vor einer längeren Autofahrt - ich bin nicht selbst gefahren - angefangen (mit dem „üblen“ Mittel) und fand das alles andere als berauschend…

Viele Grüße
HylTox

**

Danke Euch vieren!!! mT
Hallihallo,

bin immer wieder erstaunt, wie schnell hier Antworten kommen. :smile:

Jedenfalls bin ich für Eure sehr dankbar. Mich erreichte eben - zeitgleich - eine Mail meiner Freundin, daß sie dazu tendiert, es mit dem Mittel zu versuchen. Das an sich erstaunt mich nicht, der Leidensdruck ist, wenn ich das auf die Ferne (sie lebt 600km entfernt von mir) beurteilen kann, ziemlich groß.

Sie hat nur einfach große Angst davor, Psychopharmaka zu nehmen. Ich glaube, vor der Stigmatisierung noch mehr als vor den Nebenwirkungen.

Auf jeden Fall habe ich ihr jetzt Eure Antworten geschickt und glaube, daß sie ihr die Angst ein wenig nehmen können.

Danke nochmal, ich schmeiß 'ne Runde Sternchen für alle. :wink:

Liebe Grüße,
Nike

Hallo Nike,

Sie hat nur einfach große Angst davor, Psychopharmaka zu
nehmen. Ich glaube, vor der Stigmatisierung noch mehr als vor
den Nebenwirkungen.

Ich denke, die Stigmatisierung resultiert nicht aus der Einnahme der Psychopillen. Die geschieht schon dadurch, daß die entsprechende Person „outet“ in psychotherapeutischer bzw. psychiatrischer Behandlung zu sein. Schlimmer noch, wenn sie wegen solcher Beschwerde in eine (oft DIE bekannte) Landesklinik kommt.
(„Der spinnt, der war schon mal in Klingenmünster!“)

Aus einigen Gesprächen mit psychisch Kranken weiß ich allerdings von einer anderen Angst der potentiellen Konsumenten. Sie befürchten nicht mehr Herr über ihre Gefühle, nicht mehr „sie selbst“ zu sein, sie fühlen sich „ferngesteuert“.
Als Gegenargument fallen mir nur (aus meiner eigenen Erfahrung) die Fragen ein: Wie sehr blockieren mich die depressiven Gedanken? Wie sehr bin ich noch der, der ich vor den Depressionen war?
Mit den Tabletten gelingt es mir doch wieder mehr, meine eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Es gelingt mir eher, Probleme anzupacken und zu versuchen zu lösen anstatt sofort zu kapitulieren! („Das schaff’ ich doch eh’ nicht!“).

Das ist nur ein Ansatz, aber vielleicht machen ihr diese Fragen eine Entscheidung leichter.

Viele Grüße
HylTox

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Eine Anmerkung zum Abhängigkeitsgedanken
Hallo,

Aus einigen Gesprächen mit psychisch Kranken weiß ich
allerdings von einer anderen Angst der potentiellen
Konsumenten. Sie befürchten nicht mehr Herr über ihre Gefühle,
nicht mehr „sie selbst“ zu sein, sie fühlen sich
„ferngesteuert“.

aus diesem Grunde sollten Psychopharmaka nicht ohne stützende psychotherapeutische Intervention eingenommen werden.

Beste Grüße

Hallo,

aus diesem Grunde sollten Psychopharmaka nicht ohne
stützende psychotherapeutische Intervention
eingenommen
werden.

Danke, daß Du nochmals darauf hinweißt.
Ich hatte es in meinem ersten Posting schon erwähnt, aber dazusagen kann man es nicht genug.
Es ist wohl der (Wunsch-)Gedanke vieler Leute, daß sie eine Pille einschmeißen und damit alle Probleme weg seien. Dem ist oft natürlich nicht so.

Mit der Abhängigkeit ist das natürlich auch so eine Sache. Als (trockener) Alkoholabhängiger weiß ich um die Problematik durchaus Bescheid. Allerdings gibt es auf dem Gebiet der Anti-Depressiva heute schon ein breites Spektrum an Mitteln, die kein oder nur ein sehr geringes Abhängigkeitspotential haben.
Daß es allerdings auch heute noch Ärzte gibt, die nach dem Motto „Ein bissl Valium, das hilft immer und schadet nicht“ handeln steht auf einem anderen Blatt.

Viele Grüße
HylTox