Kassenärztliche Vereinigungen

Hallo,

die Kassenärztlichen Vereinigungen, die jetzt wegen der hohen Vorstandsgehälter ins Gerede gekommen sind: Was tun die eigentlich?

Gruß
Peter

Hallo,

die Kassenärztlichen Vereinigungen, die jetzt wegen der hohen
Vorstandsgehälter ins Gerede gekommen sind: Was tun die
eigentlich?

Gute Frage, stelle ich mir auch manchmal…
Sie representieren die Gesammtzahl der niedergelassenen Ärzt und vertreten sie nach außen, ansonsten ???
Gruß Synapse

Hi Peter,

sie verteilen das Geld, das die Krankenkassen von ihren Mitgliedern einziehen. Die Krankenkassen handeln das Budget mit den KVen aus, die KVen sammeln die Belege der Ärzte, summieren sie auf, stellen den Kassen summarische Rechnungen, kriegen aber bestenfalls den gedeckelten Betrag, berechnen den Anteil des einzelnen Arztes und überweisen ihm das Geld. Damit ist dann der letzte Anschein von Wirtschaftlichkeit auch noch den Bach runter: Der Arzt weiß erst im Nachhinein (mindestens 3, eher 6 Monate später), was seine Leistung wert ist.

Hier werden also unglaubliche Summen bewegt, allerdings ohne nennenswerten Einfluss der KVen - Planwirtschaft pur. Und wer soviel Verantwortung trägt, der muss doch angemessen entlohnt werden, getreu dem alten Spruch „Wer nicht arbeitet, soll wenigstens gut essen!“

Gruß Ralf

Hallo Peter
Angeblich braucht es eine Art „Mittler“ zwischen den Krankenkassen, die „sparen“ wollen und den Ärzten, die ihren „Lohn“ haben wollen. Da sich möglicherweise die einzelnen Kankenkassen mit den einzelnen Ärzten sonst dauernd um die Knete streiten würden, wurde eine Institution dazwischen gesetzt: Die KV, die Kassenärztliche Vereinigung.
Es mag natürlich weit mehr Gründe geben, warum dieselbe sinnvoll ist (siehe meine Vor-Poster), aber manche Kollegen haben zunehmend den Eindruck, es gäbe noch weniger.
Es ist soo eine Sache mit der KV. Wir ärgern uns manchmal über sie, und wir sind auch der Meinung, da wird zuviel Geld versenkt, aber andererseits gibt es zuweilen so unseriuöse Versuche einzelner Kassen (ich nenne hier lieber mal keine) mit uns und den Patienten „deals“ zu machen, dass ich oft denke: Ein Glück, dass wir die Kassenärztliche Vereinigung (noch) haben.

Gruß,
Branden

Hallo Peter,

nachdem unser Staat in den 70er…80er Jahren die Rentenkasse übernommen hat und als zusätzliche Steuereinnahmen betrachtet gibt es da einen Vorstand. Bei den Krankenkassen ist es inzwischen ähnlich. Wichtig ist nur, daß der einzelne nicht mehr durchblickt.
Abgewrackte Politiker (z.B. die die Verantwortung übernehmen und zurücktreten) müßen beschäftigt werden.
In solchen Institutionen kann man eine Menge von den Pfeiffen unterbringen.

Wenn Du die Vereinigungsarbeit, als Altersteilzeit betrachtest, liegst Du richtig.

Gruß Norbert
-weiterhin mit einem unerschüttlichen Glauben an die „freie Marktwirtschaft“ und eine Selbstregulierung.

Hallo,
als „Krankenkassenmensch“ frage ich mich auch, ob die KVén noch
zeitgemäß sind. Richtiger Wettbewerb unter den Kassen gäbe meinem
Dafürhalten nur, wenn die Kassen Ihre Verträge direkt mit der
Ärzteschaft abschliessen könnte, Das Geld, das für den Betrieb
der KV`en letztendlich aus Beitragsgeldern aufgebracht werden
muss, käme u.U. den Ärzten direkt zu Gute (natürlich auch
den Krankenkassen, vielleicht, aber nur vielleicht sogar den
Beitragszahlern)

Gruss

Günter Czauderna

Hi,

sie verteidigen ihre ab 1933 erdienerten, erschleimten … Geschichten. Ärgerlich dabei ist, dass selbst der vernünftigste Kassenarzt zwangsweise mit sowas konfrontiert wird.
Gegen die Gehaltsgeschichte haben ja zwangsverbandelte Ärzte einiges an Aktivität sich getraut. In anderen Hoheitsgebieten wissen die Zwangsbeitragszahler nicht nur nicht, was mit dem Geld geschieht - sie sind offensichtlich so mit arztfremden aber praxiserhaltungsnotwendigen Sachen konfrontiert, dass sie nicht mal Puste zum Fragen haben.
Der Punkt ist ja nicht nur, dass die mit beamtenähnlichen Wesen auf Krankenkassenseite über den Kopf der ‚Frontkämpfer‘ Kassenarzt hinweg die Ressourcen verteilen. Sie bestimmen, wer wen kontrolliert, wie das verwaltungstechnisch zu laufen hat, wie viel Zeit ein Arzt brauchen darf, was er tun und lassen darf, was er verschreiben darf… und all den Kram in dem Bereich.

Gruß
R

Hallo Peter,

die Kassenärztlichen Vereinigungen, die jetzt wegen der hohen
Vorstandsgehälter ins Gerede gekommen sind: Was tun die
eigentlich?

das Verständnis für deren Arbeit liegt in der Vergangenheit. Warum wurden KVen gegründet? Betriebswirtschaftlich ausgedrückt als Faktoring-Einrichtung der Ärzte gegenüber den Krankenkassen. Wie würde es aussehen, wenn es keine KVen geben würde?

Am Ende des Quartals müsste der Arzt seine Behandlungsscheine oder besser die Leistungen, die er erbringt, per EDV mit jeder Krankenkasse einzeln abrechnen. Das würde bei hunderten ja tausenden Behandlungsfällen mit hunderten verschiedenen Krankenkassen zu einem Tohawobohu und einer sehr schwierigen Rechnungskontrolle führen.

Diese Arbeit nimmt ihm die KV ab. Sie steuert den Zahlungsfluss zwischen den Krankenkassen, der KV und den Ärzten. Sie teilt das Geld auf nach dem Honorarverteilungsmaßstab (HVM). Und jetzt sind wir beim „goldenen Kalb“, um das sich alles dreht. Das Gezerre um den HVM zwischen den Krankenkassen, den Ärzten und der Aufsichtsbehörde ist das eigentliche Geschäft der KV mit allen negativen Auswüchsen. Es kann nämlich nur das verteilt werden, was eingenommen wird, und das ist budgetiert, d.h. es gibt nur einen feststehenden Betrag, wieviel man auch arbeitet. Und wenn nun die Ärzte (von dem SGB V Leistungserbringer genannt) mehr arbeiten, dann wird die Arbeit weniger bezahlt. Methode Hamsterrad.

Die KVen werden von den Ärzten selber durch einen Kostenbeitrag selbst unterhalten. Die KVen sind Körperschaften öffentlichen Rechts und werden vom jeweiligen Gesundheitsministerium der Länder (zumindest in NRW) beaufsichtigt und kontrolliert. Ich verstehe die Aufregung um die Gehälter der KV-Vorständer nicht. Die sind doch den Politikern in den entsprechenden Ministerien vorgelegt worden, dann geprüft und genehmigt worden.

Die KVen haben noch jede Menge andere Aufgaben, die zu erläutern zu weit führen würde. Ich glaube, zum Verständnis und zum Geraderücken der vor der Landtagswahl NRW überschießenden Tiraden reichen meine Ausführungen.

Ich würde den Vorstandsposten nicht haben wollen für das Geld, das in der BILD kolportiert wurde (hier KZV Westfalen-Lippe).

Schönen Vatertag
Bernd

Ergänzung, halb off-topic
Ergänzend zu meinem Thema-Statement weiter unten möchte ich noch bemerken: Weitaus schlimmer als die Kassenärztlichen Vereinigungen sind die MDKs, die „Medizinischen Dienste der Krankenkassen“.
Eben hat mich mal wieder so eine amtsanmaßende Angestellte von dort in meiner Praxis angerufen und wollte dezidiert wissen, warum ich das und das über eine Patientin geschrieben habe usw. und das reiche nicht als Begründung. Die „Gute“ war weder Ärztin noch in irgendeiner Weise berechtigt - noch dazu am Telefon - mir solche Fragen zu stellen. Aber sie versuchen es immer wieder mal und der Unseriosigtät sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die muss ich ziehen, die Grenzen. Am Telefon und auch sonst. :wink:
Gruß,
Branden

Hallo Branden,
wenn wir als Krankenkassenmitarbeiter uns in der Gesamtheit
auf die Angaben der Ärzteschaft auch verlassen könnten, würden
wir den MDK in dieser Form nicht benötigen.
Wenn ich einen Arzt kontaktiere, erwarte ich eine Aussage und auch
eine Begründung, die für mich als medizinischer Laie und Nichtarzt
auch nachvollziehbar ist, schliesslich soll ich ja auch meine
Unterschrift unter die Bewilligung eines solchen Antrages setzen.
Wenn es „unter der Würde“ eines Arztes ist, sich mit einer solchen
Anfrage zu befassen, hat er seinem Patienten einen „Bärendienst“
erwiesen.
Gruss

Günter Czauderna

Hallo Guenter

Wenn es „unter der Würde“ eines Arztes ist, sich mit einer
solchen
Anfrage zu befassen, hat er seinem Patienten einen
„Bärendienst“
erwiesen.

Es geht dabei nicht um „Würde“, sondern es geht leider immer wieder um unseriöse Versuche, etwas „Neues“ oder „Andres“ am Telefon herauszubekommen, weil man dem Patienten oder dem Arzt oder beiden offenbar misstraut. Man bekommt dadurch im Laufe der Zeit das Gefühl, nicht so sehr als Arzt, sondern eher als Anwalt in ein Kreuzverhör in einem komplizierten juristischen Prozess geraten zu sein.
Wenn das was mit „Würde“ zu tun hat, dann mit Menschenwürde, die hier zum Teil auf der Strecke bleibt.
Gruß,
Branden

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Hallo Günter

Richtiger Wettbewerb unter den Kassen gäbe
meinem
Dafürhalten nur, wenn die Kassen Ihre Verträge direkt mit der
Ärzteschaft abschliessen könnte.

Aber da bestände eben das erhöhte Risiko einer „Erpressungs-Taktik“:
Einzelne Kassen würden (wie sie es schon versucht haben) versuchen, spezielle Verträge mit Ärzten zu machen. Es würden sich Cliquen bilden, andere w+ürden weiter unter Druck geraten usw usf.
Wir sehen das jetzt schon in gewissem Ausmaß. Noch ist die KV aber stark genug (mir fällt assoziativ eine starke Gewerkschaft ein…das könnten wir Ärzte eigentlich auch gebrauchen…), um solche Interessen im Zaume zu halten.
Gruß,
Branden

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Hallo Branden,
wir sind etwa im gleichen Alter - ich mache seit 37 Jahren nix anderes
als Krankenkasse.
Es war schon mal anders - Als ich anfing gab es noch
Arztpraxen,die an Ihren Eingängen ein Schild hängen hatten worauf
stand : „Nur Ersatzkassen“ !

Gruss

Günter

Hallo Guenter

Es war schon mal anders - Als ich anfing gab es noch
Arztpraxen,die an Ihren Eingängen ein Schild hängen hatten
worauf
stand : „Nur Ersatzkassen“ !

Nun ja, immerhin sind die Ersatzkassen ja wirtschaftlich angenehmer für uns Ärzte als AOK, BKK und IKK. Ich sehe wie fast alle meiner Kollegen, die ich kenne, nach wie vor das 3-Klassen-Gesundheitssystem:
1.Klasse: Privatpatienten
2.Klasse: Ersatzkassen-Patienten
3.Klasse: Gesetzliche, früher Reichsverordnungs-Kassen (AOK,BKK,IKK).

Ich nehme Patienten aus allen drei Bereichen. Die Indikation ist für mich das Wesentliche.
Übrigens - um zum Schluß die Geschichte hier noch etwas aufzulockern, erzähle ich Dir/Euch, was mir als junger Mensch durch den Kopf ging:

Ich war in der BARMER ERSATZKASSE versichert und hatte den für West-Berliner typischen BEHELSMÄSSIGEN PERSONALAUSWEIS.
Was glaubst Du, wie ich mich gefühlt habe? Mein Identitätsgefühl war schwer angeschlagen: Nichtmal inner richtigen Krankenkasse, nur inner ERSATZkasse zu sein und nur nen BEHELSMÄSSIGEN Perso zu haben, das war schon schwer. :wink:

Guß,
Branden

Sorry: 2x Druckfehler, meinte BEHELFSMÄSSIG
:wink: