Wetterfühligkeit und so weiter

Sehr geehrte Damen und Herren,
meine Mutter leidet sehr unter Wetterfühligkeit. Wetterumschwünge machen sie müde und stürzen sie in seelische Tiefs. Sie bekommt außerdem Schwindel und Probleme mit dem Blutdruck (zu hoch). Seit dem sie sich im Klimakterium befindet hat sie extreme Probleme im Herz-Kreislauf-Bereich, was auch sehr von dem Wetter abhängig ist. Auserdem leidet sie sehr an Angstzustände, Angst alleine zu sein und traut sich nicht alleine aus dem Haus. Die Ärzte sind dabei zimlich hilflos und ratten zu einer Psychotherapie, was sie schon angefangen hat aber nicht sonderlich zufridenstellend ist.
Bitte, vielleich könnten sie mir ein paar Tip geben, wie ich ihr helfen könnte.
Vielen Dank im Voraus
Dolores

Hallo Dolores,

klingt nicht einfach, weil mehrere Symptome kumulieren -.

Zunächst mal muss man der Betroffenen klar machen, dass die Leute, die täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, oder bei jedem Wetter mit dem Hund rausgehen, usw. in der Regel nicht wetterfühlig sind, sondern diejenigen, die sich zu Hause einigeln und das Wetter in der Natur nicht mehr wirklich „fühlen“!
Das führt dazu, dass der Kreislauf nicht mehr „trainiert“ ist und bei der geringsten Kleinigkeit „verrückt“ spielt.

Nur wer das Geschehen versteht, der weiß, er muss:

Raus an die Luft! Wann hat die Mutter zuletzt
Regentropfen oder kalten Wind auf der
Haut gespürt? Das Mittel gegen
Wetterfühligkeit ist Wetter pur.
Bewegen! Jeden Tag eine halbe Stunde
gehen, laufen oder radfahren, möglichst
auch bei Nässe und Kälte. Das härtet ab,
und man hält nicht nur winterliches
Schmuddelwetter, sondern auch schwüle
Sommertage besser aus.
Wechselbäder nehmen! Solche Wechselbäder halten den
Stoffwechsel auf Trab und machen ihn fit
für wechselnde Wetterlagen. Am besten
gleich morgens anfangen: erst wie gewohnt
warm duschen, dann einen kurzen eiskalten
Guß. Wenn sie kann, geht sie wöchentlich 1x in die Sauna.

Durch diese Aktivitäten werden Endorphine (sog.Glückshormone) freigesetzt, die die Stimmung aufhellen oder depressive Phasen reduzieren können.

Natürlich muss sie erst eine Lösung finden, wie sie den Teufelskreis durchbricht und wieder lernt, auch allein das Haus zu verlassen (Psychotherapie fortsetzen).
Anfangs müsste sie jemand finden, der sie draußen begleitet. „Konfrontation“ = das Haus verlassen, nur dadurch kann sie wieder lernen, es irgendwann angstfrei zu tun.

Die aktuellen Ansagen des Deutschen Wetterdienstes für Wetterfühlige (Biowetter)
laufen unter 01 90/11 54 60. (Psychologisch sinnvoll ist der Hinweis auf diese Tel.Nr. sicher nicht, denn dann konzentriert sie sich wieder viel zu sehr, auf die angekündigten Beschwerden.)

Alles Gute und viele Grüße,

Renate

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Danke für die Antwort:smile:
Das Problem bei meiner Mutter ist, sobald wir rausgehen wird ihr übel, ihr ist schwindlig und dann sehe ich zu, dass wir schnell nach Hause kommen, weil ich Angst habe, dass sie umkippen kann. Die Psychotherapie kann sie auch nicht regelmäßig besuchen, weil da wo wir jetzt wohnen kein Psychotherapeut ist, sie muß mit dem Bus in die nächste Stadt fahren und das kann sie im Moment schlecht machen. Teufelskreis. Sie traut den Arzten nicht mehr, denkt dass sie vielleicht Herzinfakt bekommt.
Gibt es dagegen irgendwelche Naturpräparate? Denn sie nimmt schon Tablette gegen hohen Blutdruck und die haben viele Nebenwirkungen.

Hallo Dolores,

ist der Blutdruck deiner Mutter gut eingestellt? Verträgt sie die Tabletten gut?
Wenn ihr übel und schwindlig wird, beim Rausgehen, könnte man daran denken, dass möglicherweise ihr Blutdruck nicht ausreichend stabilisiert ist.
Diese Fragen müssten an den Hausarzt herangetragen werden. Durch eine „24-Std.-Blutdruckmessung“ lässt sich leicht herausfinden, ob die Dosierung ausreicht oder gar zu hoch ist.

Wenn die Blutdruckeinstellung in Ordnung sein sollte, könnte sie mit der Frauenärztin evt. besprechen, ob für sie eine Hormonsubstitutions-Behandlung in Frage kommt.
Die kann bei Wechseljahr-Beschwerden wahre Wunder bewirken. Die genannten Herzsymptome bis hin zur Angst, treten bei manchen Frauen während des Klimakteriums besonders in Stresssituationen auf.

(Bei meiner Mutter war das vor Jahren sehr dramatisch: der Blutdruck war labil, sie hatte Herz- Angst- und Luftnotsymptome und Panik, wenn es wieder losging. Dadurch war es manchmal fast unmöglich, dass sie alleine in die Stadt ging.)

Wie gesagt, die fehlenden Hormone können für einen Ausgleich sorgen, tägliche Kalziumgabe, solange die Panik anhält.
Manche Frauen schwören auch auf Johanniskraut - sollte aber eher begleitend genommen werden (gegen Depressionen - macht die Haut lichtempfindlich!)

Gruß, Renate

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Hallo Dolores,

ich denke, die von Dir geschilderten Symptome deuten stark darauf, dass Deine Mutter auf dem Besten Wege ist, sich in Zwangsvorstellungen zu verrennen (genauer: sie steckt schon mitten drin).
Die geschilderten Herzbeschwerden, der Schwindel etc haben ihre Ursache wahrscheinlich nicht im koerperlichen sondern im psychischen Bereich. Die gedankliche Koppelung zwischen den Umstaenden (Bewegung im Freien) und den Symptomen, fuehrt zwangslaeufig zu eben diesen Beschwerden, sobald Deine Mutter ins Freie tritt. Deine Muter hat daraufhin Vermeidungsstrategien entwickelt, die ihre Vermutung bestaetigen: Solange sie nicht rausgeht, geht es ihr leidlich gut. Logischerweise wird dadurch das Problem aber nur verschaerft, da die zunaechst nur gedanklich vorhandene Koppelung damit durchaus koerperlich werden kann (es wurde schon gesagt, dass Bewegung notwendig ist).
Wenn ihr nicht durch entsprechende fachliche (psychologische) Betreuung geholfen wird, wird sich das Problem im Laufe der Zeit immer weiter verschlimmern. Es kann zB dazu kommen, dass sie bestimmte Nahrungsmittel anfaengt zu vermeiden, weil sie meint, dadurch Beschwerden zu bekommen. Dass sie weitere Medikamente nimmt etc.
Die Ursache des Ganzen kann alles moegliche sein. evtl fuehlt sich deine Mutter vereinsamt und ueberfluessig. Moeglicherweise bemitleidet sie sich selbst, dass es ihr nicht so gut geht wie „den anderen“. Das sind aber alles nur Vermutungen meinerseits. Was die eigentliche Ursache ist sollte eben der Psychologe klaeren.

Ich moechte damit nicht sagen, dass die Wetterfuehligkeit nur eingebildet ist. Deine Mutter muss aber lernen, dem Ganzen den richtigen Stellenwert zuzuordnen. Im Moment dreht sich ihr ganzes Leben nur noch um diese Beschwerden!

Gruss, Niels