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Re: Aspirin, wie funktionierts?
Servus Max.Ich hab dir da was rausgesucht.Ich glaube das beantwortet dir deine Frage bestimmt.Gruß aus Kärnten,Albin
Wirkungsweise
ASS ist ein analgetisches (=schmerzlinderndes), antipyretisches (= fiebersenkend)es und antiphlogistisches (= entzündungshemmendes) Medikament.
Anfang dieses Jahrhunderts wurde ASS verabreicht, ohne deren Wirkung im Körper zu kennen. Selbst heute sind noch nicht alle Fragen über den Wirkungsmechanismus geklärt.
Erst 1971 entdeckte J.A.VANE, daß ASS die Synthese bestimmter Botenstoffe (Prostaglandine) im Körper hemmt und erhielt dafür 1982 den Nobelpreis für Medizin. Prostaglandine regulieren die Erweiterung und Verengung von Blutgefäßen, die Aktivität der Blutplättchen und sind maßgeblich an der Entstehung von Fieber, Schmerz und Entzündungsvorgängen im Organismus beteiligt.
Wirkung gegen Schmerzen
Schmerzen entstehen durch die Reizung von Nervenfasern, an deren Enden Schmerzrezeptoren sitzen. Werden Zellen verletzt, setzen die Zellmembranen Arachidonsäure frei - das ist eine Fettsäure, die die Zellwände geschmeidig hält.
Unter Einwirkung des Enzyms Cyclooxygenase (kurz COX) wird die Arachidonsäure in Prostaglandine umgewandelt.
ASS unterbricht den Schlüssel-Schloß-Mechanismus der Cyclooxygenase, indem es das Enzym blockiert.
CD-Römpp Chemie Lexikon - Version 1.0, Stuttgart / New York: Georg Thieme Verlag, 1995
Wirkung gegen Fieber
Fieber stellt so wie Schmerzen einen wichtigen Überlebensmechanismus unseres Organismus dar.
Dringen Viren oder Bakterien in unseren Körper ein, werden sie von den Leukozyten (weißen Blutkörperchen) bekämpft. Die Zerfallsprodukte der abgetöteten Krankheitserreger enthalten fiebererregende Eiweißstoffe (Pyrogene). Diese Substanzen wirken auf das Wärmeregulationszentrum unseres Gehirns temperatursteigernd; d.h. unserer Organismus empfindet Kühle und erzeugt mehr Wärme. Deshalb beginnen viele Fieberanfälle mit Schüttelfrost; wir beginnen zu zittern. Durch diese gesteigerte Muskelaktivität wird Wärme produziert, der Stoffwechsel gesteigert, Atmung und Puls beschleunigt und die Blutgefäße verengt. Die erhöhte Körpertemperatur bewirkt auch das Absterben der eingedrungenen Mikroorganismen.
ASS erweitert die Hautkapillaren, wodurch unser Organismus mehr Wärme an die Umgebung abgibt.
Wirkung gegen Erkältung
Bei der Bekämpfung von Viren durch die Lymphozyten werden Zytokine abgegeben, die sowohl zur Ausschüttung von Histamin (wirkt gefäßerweiterend) und Bradykinin (senkt den Blutdruck und steigert die Kapillardurchlässigkeit) führen als auch eine Entzündung des Gewebes und die Bildung von Prostaglandinen bewirken.
ASS verhindert die Prostaglandinsynthese.
Wirkung gegen Kopfschmerzen
Die Medizin unterscheidet zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Sekundäre sind die Folgeerscheinung einer anderen Erkrankung, wie zum Beispiel Blutgefäßerkrankungen, Kopfverletzungen, Augen-, Zahn- oder Kieferentzündungen.
ASS kann bei primären Kopfschmerzen, zB. Migräne, nur vorbeugend eingesetzt werden. Zur Bekämpfung von Migräne werden zentrale Analgetika eingesetzt, die die Übertragung von Schmerzsignalen ins Gehirn blockieren.
Zur Linderung der sekundären Kopfschmerzen kann ASS erfolgreich eingesetzt werden.
Neue Untersuchungen
Obwohl ASS bereits 100 Jahre alt ist, zeigen Untersuchungen über diesen Wirkstoff immer neue Indikationsmöglichkeiten.
ASS beugt dem Herzinfarkt vor
1950 beschrieb L.L.CRAVEN, daß ASS die Gerinnungszeit des Blutes verlängert und regte den Einsatz dieses Medikaments bei der Verhinderung von Thrombosen (Blutgerinnseln) an.
Mittlerweile haben mehrere Studien gezeigt, daß ASS bei der instabilen Angina pectoris (fortgeschrittene Arteriosklerose; die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels ist im Ruhezustand nicht mehr gewährleistet ) das Risiko eines Herzinfarkts senkt. Auch wird ASS als Notfallsmedikament bei akutem Herzinfarkt eingesetzt. Sie verhindert die Entstehung eines Thrombus an einer anderen Stelle und verringert die Sterblichkeitsrate um 25 %.
Die Bildung von Thrombosen ist dem Vorgang der Blutgerinnung gleich. Im Blut sorgen die Blutplättchen (Thrombozyten) für die Wundverschließung. Bei einer Verletzung eines Blutgefäßes ändern die Thrombozyten ihre Form von Scheiben zu Kugeln und bilden Pseudopodien - lange, fadenförmige Auswüchse - mit denen sie sich an die verletzte Gefäßwand heften und untereinander verankern. Während dieser Thrombozytenaggregation wird Thromboxan A2, ein Prostaglandin, ausgeschüttet, das eine zusammenziehende Wirkung auf die Blutgefäße hat. Die aktivierten Blutplättchen schütten zusätzlich Gerinnungsfaktoren aus, das Fibrin (fadenförmige Eiweißmoleküle).
Durch arteriosklerotische Ablagerungen im Gefäßsystem kann dieser beschriebene Vorgang zur Thrombosenbildung führen.
ASS vermindert die Bildung von Thromboxan und damit wird das Zusammenkleben der Blutplättchen gehemmt.
ASS beugt einem Schlaganfall vor
Auch schlaganfallgefährdete Patienten können von ASS profitieren. Bei Menschen, die schon einmal einen Schlaganfall oder dessen Vorboten - eine transitorische ischämische Attacke (die Blutzufuhr wird zu einem Teil des Gehirns durch einen vorübergehenden Verschluß oder die starke arteriosklerotische Verengung einer Arterie für kurze Zeit unterbrochen) - erlitten haben, läßt sich das Schlaganfallrisiko durch Einnahme von ASS um bis zu 30% senken. Acetylsalicylsäure wird auch zur Schlaganfallprophylaxe häufig eingesetzt.
Die Wirksamkeit von ASS gegen Schlaganfälle beruht wieder auf der Thrombozytenaggregationshemmung.
ASS beugt verschiedenen Krebsarten vor
Klinische Studien haben ergeben, daß ASS sogar bei bestimmten Krebsarten, wie Dickdarm- und Speiseröhrenkrebs eine vorbeugende Wirkung zu haben scheint. Um bis zu 50% ließ sich das Krebsrisiko in den Studien durch langjährige ASS-Einnahme reduzieren. Kopfzerbrechen bereitet den Wissenschaftlern nach wie vor die Frage, auf welche Weise ASS unseren Organismus vor Krebs schützt. Man vermutet, daß Prostaglandine die Entstehung, das Wachstum und die Ausbreitung von Tumoren fördern und gleichzeitig die Immunreaktion unseres Körpers schwächen und ASS wirkt dem entgegen.
Dosierung
Für die Thromboseprophylaxe sind nur geringe ASS-Gaben zwischen 100 bis 300 mg pro Tag erforderlich. Für die Bekämpfung von Schmerzen ist eine viel höhere Dosierung nötig (1000 bis 3000 mg täglich). Bei der Rheumabehandlung werden sogar bis zu 6000 mg pro Tag verabreicht, weshalb die Therapie mit ASS abzulehnen ist.
Die letale Dosis liegt bei 30-40 g ASS.