Hallo!
Mein Schwiegervater wurde ins künstliche KOma versetzt.
Nun würde mich mal interessieren, wie das funktioniert. Wie eine Narkose?
Welchen Sinn hat es?
Danke!!!
Gruß
Carmen
Hallo!
Mein Schwiegervater wurde ins künstliche KOma versetzt.
Nun würde mich mal interessieren, wie das funktioniert. Wie eine Narkose?
Welchen Sinn hat es?
Danke!!!
Gruß
Carmen
Narkose
Hallo,
ein „künstliches Koma“ ist ein Narkose. Nur werden die Medikamente etwas anders dosiert (man schneidet ja gerade an niemanden herum) und man gibt kein Narkose-Gas sondern macht das mit Medikamenten. Die Narkose kann leichter sein.
Welchen Sinn hat es?
Dem Körper soll Zeit gegeben werden sich zu erholen und wenn starke Schmerzen zu erwarten sind erträgt man die in Narkose besser. Hat jemand Probleme mit der Atmung, kann man ihn im „künstlichen Koma“ besser behandeln, da hier ein Gerät die Atemarbeit leistet.
Gruß
Juhe
Hallo,
wenn es nicht wegen einer Operation ist folgendermaßen:
Man hat ihm einen Venenzugang gelegt („einen Tropf“), über den ihm Medikamente gegeben werden können. Zugänge legt man am Handrücken, dem Unterarm oder in der Ellenbeuge.
Allerdings sind diese Bereiche bei schwer Kranken mitunter nicht so gut durchblutet, deswegen legt man den Zugang dann gerne in eine Vene am Hals oder neben der Schulter.
An diesem Zugang angeschlossen sind dann Schläuche zu sog. Perfusoren, oder deutsch: Spritzenpumpen. Das sind Maschinen, in die man sehr große Spritzen einlegen kann und die Maschine drückt dann gemäß ihrer Einstellung gaaaaaaanz langsam aber kontinuierlich die Medikamente aus der Spritze in den Körper. So stellt man sicher daß Dein Opa die notwendigen Medikamente langsam und ununterbrochen in der erforderlichen Dosis bekommt. Da er wahrscheinlich mehrere Sachen bekommt hängen auch mehrere Schläuche, die über „Kupplungen“ und „Verteiler“ verbunden sind, zusammen.
Man benutzt als Narkosemittel starke Schlaf- Beruhigungs- und Schmerzmittel und hat diese aber nicht zusammengemixt in einem Cocktail, sondern einzeln in verschiedenen Spritzen, damit man die Mischung individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zuschneiden kann.
Zugleich werden die meisten Patienten künstlich beatmet. Dazu wird ein Atemschlauch über Mund oder Nase in die Luftröhre geschoben - das nennt man Intubation - und darüber wird der Patient künstlich beatmet. So kann man auch bei schwer kranken Menschen sicherstellen daß sie genügend Sauerstoff bekommen. Allerdings ist der Nachteil einer langfristigen Beatmung: wenn wir selber atmen nutzen wir dazu unsere Muskulatur, die letztlich über einen Unterdruck Luft in den Körper saugt. Bei der künstlichen Beatmung pumpt eine „Luftpumpe“ einem den Sauerstoff in den Körper, also mit „Überdrück“ von aussen. Hier wird also das Prinzip umgedreht und die Muskulatur nicht mehr beansprucht - was langfristig nicht gut ist, aber mitunter nicht anders geht.
Dieser genannte Atemschlauch, man nennt ihn Tubus, führt dann letztlich zu einem Beatmungsgerät, welches Atemfrequenz, die Luftmenge pro Atemzug und vieles mehr steuert.
Da ein Patient, der intubiert und beatmet ist - und somit in Narkose liegt - sich selber nicht äußern kann muß man seine kompletten Körperfunktionen von aussen überwachen.
Zuerst fallen einem auf die Brust geklebte Elektroden auf, die zum EKG gehören und die Herztätigkeit überwachen - die Werte kann man auf einem neben dem Bett stehenden Computermonitor kontinuierlich beobachten. Am Arm befindet sich eine Manschette, mit der automatisch in regelmäßigen Abständen der Blutdruck gemessen wird.
Oft bekommen die Patienten auch einen Blasenkatheter. Dadurch kann Urin einfach in einem Beutel aufgefangen werden, was zum einen eine saubere Sache ist und zum anderen eine gute Überwachung der ausgeschiedenen Flüssigkeitsmenge ermöglicht.
Es kann natürlich noch andere Instrumentarien geben und meistens sind zusätzliche Meßfühler da, die melden würden wenn z. B. etwas mit der Beatmung nicht stimmt etc.
Es kommt also der oft also Horror dargestellte Kabelsalat und ein Schlauchgewirr zusammen, was in der Tat erstmal erschreckend wirkt.
Wie Du an meiner Beschreibung erkennst hat das aber alles seinen Sinn und dient dazu den Menschen optimal mit allem, was er braucht, zu versorgen und das sicher zu überwachen.
Um diese Überwachung kontinuierlich aufrecht erhalten zu können steht neben dem Bett oft ein Computeraufbau, der alles zu überwachen hilft und ggf. Alarm schlägt.
Damit das Personal sofort da ist und eingreift und weil so viele Instrumente und Geräte am Laufen zu halten sind liegen intubierte und beatmete Patienten immer auf der Intensivstation.
Dort gelten übrigens eingeschränkte Besuchszeiten und man muß spezielle Kittel tragen um das Personal und die Patienten nicht allzu lange abzulenken und die Belastung mit Krankheitserregern, die von aussen eingeschleppt werden könnten, so gering wie möglich zu halten.
Für medizinisch unbedarfte Menschen sieht es immer sehr schockierend nach „Geräte-Medizin“ aus. Aber wenn man ein bißchen versteht was das alles soll und warum es gemacht wird ist es nur noch halb so schlimm.
Der Vorteil einer solchen Narkose liegt einfach darin daß man den Menschen in eine Art „Heilschlaf“ versetzen kann. Derjenige spürt keine Schmerzen und keine Angst, der Körper wird optimal mit Atemluft und kontinuierlich mit notwendigen Medikamenten versorgt. Dieser Zustand ist für den Patienten also keine Quälerei, sondern eine sehr starke Entlastung in seiner Situation.
Ehrlicherweise will ich Dir aber nicht verschweigen daß man jemanden nur dann intubiert und beatmet wenn sein Zustand „ernst“ ist. Solange man eine Narkose vermeiden kann wird man das immer tun. Dein Opa ist also in jedem Fall recht krank und leidet nicht nur an einem kleinen Schnupfen.
Ich wünsche Deinem Opa alles Gute und Euch viel Kraft!
Gruß,
MecFleih
Hei MecFleih,
donnerwetter, super Erklärung! Ein Stern von mir! Zwei gehen ja nicht.
Warst du im Leben mal was anderes als jetzt? Oder bist du jetzt was anderes als früher? - Frage das , weil du im Fliegerbrett oft zu lesen bist!
Gruss rico
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Hallo,
danke für das Kompliment, freut mich
.
Ich bin immer noch dasselbe, was ich immer war man kann ja von verschiedenen Dingen Ahnung haben… da bin ich aber nicht der Einzige.
Schöne Grüße,
MecFleih
hi MecFleih,
von was Du so alles eine Ahnung (nnd nicht nur das) das hast… Chapeau!
und „rucola“ ist wieder im Forum, schön! Entschuldige, dass ich Dich „ricola“ genannt habe, war mir nur so rausgerutscht…
EInen schönen, sonnigen Freitag
wünscht Synapse
Danke Dir!
Hi!
WOW! Super Erklärung!!! So ungefähr war es mir zwar schon klar, aber nun weiß ich ja echt viel mehr!
Es geht ihm zwar nicht besser bisher, aber es braucht halt alles Zeit, was er über MOnate versaubeutelt hat, können Docs ja nun nicht in 5 Tagen korrigieren…
Der Begriff Koma hat ja etwas negatives, aber das ist es ja eigentlich nicht…
Wir müssen abwarten.
Jedenfalls Danke auch für die guten Wünsche!
LG
Carmen
PS: Es ist mein Schwiegervater, aber egal…