Antibiotoka

Hallo,

Aus gegebenem Anlass: Gibt es eigentlich einen Grund, mit Antibiotika restriktiv umzugehen, sprich, sie nicht gleich bei jeder Erkältung einzusetzen? (Ich setze dabei die richtige Anwendung nach ärztlicher Verordnung voraus.)
Gibt es Gründe (Allergien, Resistenzen, etc.) die Anwendung von Antibiotika auf maximal x-mal im Jahr zu begrenzen?

Mit vielen Grüssen, Walkuerax
(Gerade auf Antibiotika wegen starker Erkältung, die sich in den Nebenhöhlen verlagert hat, das letzte Mal davor war es im Dezember.)

Sagen wir’s mal so… ich habe immer wieder Patienten gehabt, die sehr enttäuscht waren, dass ich ihnen nicht mal ein Antibiotikum wegen ihres Schnupfens verschrieben habe… Es war nicht ganz einfach, ihnen zu erklären, dass sie zu großer Wahrscheinlichkeit einen viralen Infekt haben und daher Antibiotika nichts bringen.

Ansonsten gilt eigentlich: Wenn es sich um einen bakteriellen Infekt handelt, der auf den Organismus überzugreifen droht und das lokale System verlässt, gibt es keine Beschränkung für den Gebrauch von Antibiotika. Natürlich sollte man sich überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, eine erneute Erkrankung zu vermeiden (z.B. wenn es immer wieder eine Nebenhöhlenentzündung bakterieller Natur gibt). Aber wenn das Kind erstmal in den Brunnen gefallen ist, muss man wohl mit Antibiotika ran.

LG

Claudia

Hallo Claudia,

hm, bei mir ist es anderst herum, ich muß meine Ärzte immer betteln, daß sie mir nicht sofort ein Antibiotika geben.

Gruß rene

Hallo,

wäre noch zu erwähnen, dass zwar die Anwendung eines Antibiotikums nicht grundsätzlich auf eine bestimmte maximale Häufigkeit (z.B. pro Jahr) eschränkt, es aber z.B. bei Reinfektionen oder in kurzem Abstand unabhängig voneinander auftretenden Infektionen ratsam ist, das Antibiotikum zu wechseln.

Ich stimme meiner Vorrednerin zu. Es geht oft nicht darum, mit Antibiotika restriktiv umzugehen, sondern darum, dass sie oft einfach keinen Effekt hätten.

Wirklich restriktiv sollte man mit Antibiotika IMHO viel mehr in der Fleischproduktion umgehen, wo auch Unmengen davon in die freie Natur gelangen. Gerade erst vor einigen Tagen wurde berichtet, dass Spuren von Antibiotika in mit Gülle gedüngtem Getreide nachweisbar sind. Diese großflächige Verbreitung ist die beste Voraussetzung zur Entwicklung von Allergien und Resistenzen.

Natürlich kann es auch in der Klinik und zu Hause bei mit Antibiotika behandelten Infektionen zu Resistenzentwicklungen kommen. Dann ist es einfach mal so und man muss dann eben umschwenken. Es geht aber dennoch in solchen Fällen oft kein Weg an der Antibiose vorbei. Also nicht restriktiv, sondern vernünftig damit umgehen, heißt die Devise.

Gruß
Heiliger Bimbam

Hi,

hm, bei mir ist es anderst herum, ich muß meine Ärzte immer
betteln, daß sie mir nicht sofort ein Antibiotika geben.

Und das ist, fürchte ich, die Regel. Und da die wenigsten sich dann
noch an die Dosierung/Dauer halten, sind die Resistenzen
vorprogrammiert…

Cu
Lalle

Hallo,
der Nutzen von Antibiotika ist unumstritten. Leider kursieren aber auch viele Halb- und Unwahrheiten sowie falsche Vorstellungen über Antibiotika. Bereits erwähnt wurde ja, dass z.B. bei viralem Schnupfen Antibiotika vollkommen sinnlos sind. Gerade hier entsteht jedoch bei vielen Patienten/Innen eine unkritische Erwartungshaltung, d.h., sie erwarten geradezu, dass der behandelnde Arzt Antibiotika verschreibt. Insofern trägt eine unsachgemäße Verschreibungspraxis zur Entstehung von Resistenzen bei. Inwieweit die weiter unten geäußerten Befürchtungen, dass die Antibiotika, die in der Vet.medizin eingesetzt werden, die Resistenzspirale bei humanpathogenen Bakterien mit beeinflußen wird heiß debattiert.
Eine wichtige Sache sollte aber bei längerfristigem Einsatz von Antibiotika immer beachtet werden. Antibiotika erfassen i.d.R. nicht nur den Infektionsverursachenden Keim sondern reduzieren quasi als Kollateralschaden auch die physiologische Flora, was zu Durchfällen und Pilzinfektionen (v.a. der Vagina) führen kann, da Pilze von der reduzierten physiologischen Flora profitieren. Je länger Antibiotika eingesetzt werden, desto höher die Gefahr solcher unerwünschten Effekte.
Gerade bei Nasennebenhöhleninfektion (NNH) (aber auch bei Infekten wie Furunkulose) kommen andere Probleme ins Spiel. Bei NNH-Infekten können Polypen beteiligt sein, die den Sekretabfluß behindern. Dann helfen auch Antibiotika nur bedingt oder gar nicht, da die Entzündung über den Sekretstau und die darin befindlichen Bakterien gefördert wird. Innerhalb von Entzündungsbereichen -dies ist z.B. beim Furunkel ein großes Problem- kann dann noch der Zugang vieler Antibiotika sehr stark limitiert sein, d.h. obwohl der auslösende Erreger vieleicht empfindlich gegen das eingesetzte Antibiotikum ist, wird er von diesem gar nicht oder nur unzureichend erreicht, was zum einen zu einem ‚Therapieversagen‘ führt, zum anderen die Gefahr der Resistenzentwicklung beinhaltet.
Insgesamt also ein hochkomplexes Thema bei dem Pauschalaussagen sehr gefährlich sind.
Im spezifischen Fall, bei rezidivierenden NNH-Infektionen, sollte man auf jeden Fall auch die anatomischen Gegebenheiten abklären (Polypen) und ggf. mit alten Hausmittelchen (Kamilledampfbad) unterstützend eingreifen um den Sekretabfluß zu erleichtern.
Viele Grüße,
Oliver

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Hallo,

Danke schonmal für die Antwort.

Ansonsten gilt eigentlich: Wenn es sich um einen bakteriellen
Infekt handelt, der auf den Organismus überzugreifen droht und
das lokale System verlässt, gibt es keine Beschränkung für den
Gebrauch von Antibiotika.

Gilt dies schon bei einer Erkältung, die im Hals anfängt (lokal), sich dann in die Nase verlagert und schliesslich höher steigt, so dass man bis zur Stirn hinauf druckempfindlich wird? Hat sie damit schon das lokale System verlassen, oder gelten Hals-Nase hier noch als eine lokale Einheit?

Ob es sich um Viren oder Bakterien handelt, kann man vermutlich immer nur vermuten, oder? Bei mir meinte der Arzt, dass die Nebenhöhle-Geschichte wohl eine bakterielle Sekundärinfektion ist. Ich nehme an, dies ist Erfahrungswissen? Er scheint übrigens recht zu haben, denn heute geht es mir wesentlich besser, die Spannungen im Gesicht sind so gut wie weg.

Natürlich sollte man sich überlegen,
welche Möglichkeiten es gibt, eine erneute Erkrankung zu
vermeiden (z.B. wenn es immer wieder eine
Nebenhöhlenentzündung bakterieller Natur gibt). Aber wenn das
Kind erstmal in den Brunnen gefallen ist, muss man wohl mit
Antibiotika ran.

Naja, man könnte sich 1-2 Wochen ins Bett legen, mit allen Unannehmlichkeiten, die das im heutigen Arbeitsleben mit sich bringt.

Viele Gruesse, Walkuerax

Hallo,

Hier lese ich indirekt heraus, dass die Resistenzen nur bei zu kurz oder in falscher Dosierung eingenommenen Antibiotika ein Problem darstellen?

Viele Grüsse, Walkuerax

Hallöchen,
so einfach ist es denn doch nicht. Ob und unter welchen Bedingungen Resistenzen entstehen hängt vom Erreger und von der Art des Antibiotikums ab.
Beispiel: Meningokokken (Erreger der Gehirnhautentzündung) können spontan unter regelgerechter Einnahme von Rifampicin gegen Rifampicin resistent werden.
Im Prinzip gilt: wenn ein Antibiotikum verschrieben wird (und die Verschreibung gerechtfertigt ist), dann sollte die Einnahme peinlich genau nach den Vorgaben des Arztes respektive des Beipackzettels erfolgen. Also kein zu frühes Absetzen, keine Einnahmepausen, etc. Damit minimiert man das Risiko der Resistenzentwicklung.
Zwei Dinge noch in Ergänzung, auch zu meinem oben gesagten:
1.) Man kann sich bereits mit resistenten Erregern anstecken (bspw. MRSA!) und
2.) Resistenzen können zwischen Bakterien weiter gegeben werden. Soll heißen, dass die Bakterien der physiologischen Flora ihre Resistenzgene unter bestimmten Bedingungen an Krankheitserreger weitergeben können.
Ich sag ja, komplizierte Materie.
Viele Grüße,
Oliver

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ob es sich um Viren oder Bakterien handelt, kann man
vermutlich immer nur vermuten, oder?

Hallo,
gerade bei rezidivierenden Infekten sollte Nasensekret (oder Sekret der Nebenhöhlen) mikrobiologisch untersucht werden. Der Einfacheit halber auf Bakterien, da die bei NNH-Infekten die Hauptrolle spielen. Die nachgewiesenen Erreger werden dann i.d.R. durch das Labor getestet, sprich, auf ihre Empfindlichkeit/Resistenz gegenüber den häufig gebrauchten Antibiotika getestet. Aus dem Ergebnis kann dann -sollte eine antibiotische Therapie notwendig sein- auf das am besten geeignte Antibiotikum geschlossen werden.

Viele Grüße,
Oliver

Im Prinzip gilt: wenn ein Antibiotikum verschrieben wird (und
die Verschreibung gerechtfertigt ist), dann sollte die
Einnahme peinlich genau nach den Vorgaben des Arztes
respektive des Beipackzettels erfolgen. Also kein zu frühes
Absetzen, keine Einnahmepausen, etc. Damit minimiert man das
Risiko der Resistenzentwicklung.

Danke, exakt das meinte ich.
Die Gefahr entsteht, wenn z.B. das Medikament zu früh abgesetzt wird oder falsch dosiert wird, nicht alle Viecher sind abgetötet worden, die paar Überlebenden haben die Chance, Resistenzen „aufzubauen“ und vermehren sich dann wie blöd.

Zwei Dinge noch in Ergänzung, auch zu meinem oben gesagten:
1.) Man kann sich bereits mit resistenten Erregern anstecken
(bspw. MRSA!) und

Nicht selten in Krankenhäusern, Altenpflegeheimen o.ä.

2.) Resistenzen können zwischen Bakterien weiter gegeben
werden. Soll heißen, dass die Bakterien der physiologischen
Flora ihre Resistenzgene unter bestimmten Bedingungen an
Krankheitserreger weitergeben können.

Und genau darin liegt das wesentliche Problem.(Horizontaler Transfer) Wenn es bisher halt Resistenzen bei den unterschiedlichen Arten gab, hat man halt nen anderes Mittel genommen. Wenn jetzt aber alle gegen alles resistent werden (mal übertrieben), sind die Alternativen quasi gleich null. Dazu gibt es mittlerweile schon Romane und vermutlich auch bald Kinofilme (Outbreak II ?)…

CU
Lalle

Hallo,
nimm lieber stattdessen Sinupret Trf. und Gelomyrtol forte Kaps. ein und inhaliere mit Kamille per Dampfbad!

Du mußt mur bei den ersten Schnupfenanzeichen sofort mit Sinupret beginnen, dann kannst Du Dir alle Antibiotika sparen.

Gruß Rosa

Aus gegebenem Anlass: Gibt es eigentlich einen Grund, mit
Antibiotika restriktiv umzugehen, sprich, sie nicht gleich bei
jeder Erkältung einzusetzen? (Ich setze dabei die richtige
Anwendung nach ärztlicher Verordnung voraus.)
Gibt es Gründe (Allergien, Resistenzen, etc.) die Anwendung
von Antibiotika auf maximal x-mal im Jahr zu begrenzen?

Mit vielen Grüssen, Walkuerax
(Gerade auf Antibiotika wegen starker Erkältung, die sich in
den Nebenhöhlen verlagert hat, das letzte Mal davor war es im
Dezember.)

Nee…
Hallo,

Ich kenne Sinuspret und auch andere schleimlösenden Mittel - aber ich versichere Dir, meine Schnupfen sind i. A. stärker. Trotzdem Danke,

Walkuerax

Hallo,
nimm lieber stattdessen Sinupret Trf. und Gelomyrtol forte Kaps. ein und inhaliere mit Kamille per Dampfbad!

Du mußt mur bei den ersten Schnupfenanzeichen sofort mit
Sinupret beginnen, dann kannst Du Dir alle Antibiotika sparen.

Gruß Rosa

Hallo nochmal !!

Gilt dies schon bei einer Erkältung, die im Hals anfängt
(lokal), sich dann in die Nase verlagert und schliesslich
höher steigt, so dass man bis zur Stirn hinauf
druckempfindlich wird? Hat sie damit schon das lokale System
verlassen, oder gelten Hals-Nase hier noch als eine lokale
Einheit?

Ich sehe bei den Behandlungen, die ich mache, die Nase, Rachen und Nasennebenhöhlen (also auch die Stirnhöhle) als lokale Einheit.

Ob es sich um Viren oder Bakterien handelt, kann man
vermutlich immer nur vermuten, oder? Bei mir meinte der Arzt,
dass die Nebenhöhle-Geschichte wohl eine bakterielle
Sekundärinfektion ist. Ich nehme an, dies ist
Erfahrungswissen?

Richtig, meiner Erfahrung nach sind es in den meisten Fällen virale Infektionen, auf die sich dann bei entsprechender Vorschädigung eine bakterielle Erkrankung aufpropft.

Natürlich sollte man sich überlegen,
welche Möglichkeiten es gibt, eine erneute Erkrankung zu
vermeiden (z.B. wenn es immer wieder eine
Nebenhöhlenentzündung bakterieller Natur gibt).

Naja, man könnte sich 1-2 Wochen ins Bett legen, mit allen
Unannehmlichkeiten, die das im heutigen Arbeitsleben mit sich
bringt.

Nun, ich denke, es gibt noch viele andere Möglichkeiten. Meine chronische Stirnhöhlenentzündung wurde gut mit Akupunktur behandelt und wenn es mich wieder mal erwischt (besonders gerne in der Zeit, wo ich durch Allergien und allergisches Asthma eh schon vorbelastet bin), dann gehe ich erst mal intensivst mit Gelomyrtol oder Sinupret forte ran, aber nicht ohne 3x Inhalieren täglich. Nur so geht es bei mir. Antibiotika gebe ich mir auch bei bakteriellen Erkrankungen nur selten, da ich auf die meisten Antibiotika allergisch bin und mir daher die Wirkung, wenn es mal wirklich ernst sein sollte, nicht verschenken möchte.

Glaub mir, man kann auch anders, aber man muss halt dann, wenn es wieder mal so weit ist, hinterher sein und konsequent über 1-2 Wochen behandeln. Das geht auch mit Beruf.

LG

Claudia