Verliebt in einer psychosomatischen Klinik! Was tu

Hallo,

ich habe mich in einer psychosomatischen Klinik verliebt. Dieses Verliebtsein basiert auf Gegenseitigkeit.

Mir wurde von Therapeuten- und Arztseite empfohlen, zu dieser Person während der Therapie keinen Kontakt mehr zu haben, da sonst eine Therapie nicht mehr möglich ist, weil man aufgrund der Ablenkung und der positiven Gefühle nicht mehr frei ist und über seine Probleme spricht!

Wir treffen uns aber dennoch, da wir es noch schlimmer finden, wenn wir uns sehen, aber wissen, dass wir keinen Kontakt zueinander haben sollten.

Wir sind sicher, dass wir beide das Private von der Therapie trennen können und weiterhin an der Therapie erfolgreich teilnehmen werden und über unserere Probleme sprechen, weswegen wir in der Klinik sind!

Ich habe gehört, dass es möglich ist, dass man in einem solchen Fall auch zusammen therapiert werden. Wir gehören zwar unterschiedlichen Stationen an, aber unser Oberarzt ist der gleiche! Was können wir tun, damit wir zusammen therapiert werden und uns darüber hinaus trotzdem sehen dürfen?

Bitte um eure Meinungen, Hilfe, Antworten.

Vielen Dank im Voraus.

Gruß

Hallo,

Dein Posting hat nicht zufälligerweise etwas mit dem von jerry006 zu tun, in dem dieser u.a. genau das gleiche Problem wie Du geschildert hat:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Meine Antwort in Bezug auf

Wir sind sicher, dass wir beide das Private von der Therapie
trennen können und weiterhin an der Therapie erfolgreich
teilnehmen werden und über unserere Probleme sprechen,
weswegen wir in der Klinik sind!

war

„Ich halte es für fraglich, ob jemand, wenn er verliebt ist, eine gute Kontrolle über seine Gefühle hat, so daß er die Dinge klar trennen kann. Wir kennen ja alle die Kapriolen unserer Gefühle in dem Zustand der Verliebtheit.“

Generell ist es problematisch während einer Therapie Lebensentscheidungen wie z.B. für einen neuen Partner oder auch die Aufgabe eines Arbeitsplatzes zu treffen. Zu oft stellt es sich heraus, daß solche Entscheidungen durch die psychischen Probleme wesentlich beeinflußt sind, die man gerade bearbeitet. Man sollte lieber warten, bis man die eine Sache (psychische Probleme) so weit in den Griff bekommen hat, daß man anderes mit klarem Kopf entscheiden kann. Sonst ärgert man sich nachher und sagt: „Hätte ich doch gewartet!“

Könnte das der Hintergrund für die Empfehlungen Deiner Ärzte und Therapeuten sein?

Grüße,

Oliver Walter

Hallo kleinarnold,

ich habe mich in einer psychosomatischen Klinik verliebt.
Dieses Verliebtsein basiert auf Gegenseitigkeit.

ist mir derzeit auch passiert. Habe die Frau, mit der ich heute verheiratet bin, auf Therapie kennen gelernt. Meine Antworten hier, sind zunächst die, welche die Therapeuten damals auf meine diesbezüglichen Fragen gegeben haben. Am Ende erfährst Du dann, wie ich das Problem für mich lösen konnte.

Mir wurde von Therapeuten- und Arztseite empfohlen, zu dieser
Person während der Therapie keinen Kontakt mehr zu haben, da
sonst eine Therapie nicht mehr möglich ist, weil man aufgrund
der Ablenkung und der positiven Gefühle nicht mehr frei ist
und über seine Probleme spricht!

da ist durchaus was dran. Auch bei uns war es so, daß Beziehungen unter den Patienten nicht gestattet waren. Das ging so weit, daß Uneinsichtige die Therapie beenden und nach Hause fahren mußten.

Wir treffen uns aber dennoch, da wir es noch schlimmer finden,
wenn wir uns sehen, aber wissen, dass wir keinen Kontakt
zueinander haben sollten.

Wir sind sicher, dass wir beide das Private von der Therapie
trennen können und weiterhin an der Therapie erfolgreich
teilnehmen werden und über unserere Probleme sprechen,
weswegen wir in der Klinik sind!

Da irrt ihr gewaltig. Es ist in der Tat so, daß eine Beziehung von der Therapie ablenkt. Stell Dir mal vor, Deine neue Freundin wird in einem Gruppengespräch von der Gruppe zerlegt. Da fühlst Du Dich direkt mit angegriffen und würdest Deine Freundin verteidigen und in Schutz nehmen, auch unverdient.

Ich habe gehört, dass es möglich ist, dass man in einem
solchen Fall auch zusammen therapiert werden.

Das ging bei uns in gar keinem Fall. Nun muß ich dazu sagen, daß es eine Suchtklinik war. Psychosomatisch ist ja ein weiter Begriff. Mag sein, daß Deine Aussage zutreffend ist, mir wäre jedoch nicht eine Klinik bekannt, wo das praktiziert werden würde.

Bei uns wurden sogar Ehepaare, die zur Therapie kamen, getrennt und nicht nur in verschiedenen Gruppen, sondern in verschiedenen Häusern behandelt, sodaß auch eine räumliche Trennung hergestellt wurde und man sich nicht ständig besuchen konnte.

Wir gehören zwar
unterschiedlichen Stationen an, aber unser Oberarzt ist der
gleiche!

Unterschiedliche Stationen sind m.E. ein Vorteil für Euch, auch wenn ihr das selbst zur Zeit nicht erkennt.

Was können wir tun, damit wir zusammen therapiert
werden und uns darüber hinaus trotzdem sehen dürfen?

Ich würde darauf verzichten. Seht es doch als Prüfung. Ihr könnt doch nach erfolgreicher Therapie zusammen leben und machen was ihr wollt. Wartet aufeinander. Die Therapie wird ja nicht ewig dauern.

Und was (natürlich mit rosaroter Brille sehr schwer) zu beachten wäre, ist, daß das Angebot an Partnern auf Therapie recht eingeschränkt ist. Im richtigen Leben bietet sich da viel mehr an.
Unter Umständen ist die neue Freundin nur in der dortigen Zwangsgemeinschaft die erste Wahl?

So, das waren die Antworten, die ich damals auf meine Fragen bekommen hatte. Natürlich wollte ich das alles nicht hören. Obendrein wurde mir noch verklickert, daß eine Beziehung unter Süchtigen so gut wie unmöglich ist, weil bei einem Rückfall des einen Partners unweigerlich der andere Partner auch rückfällig werden würde.

Ich hab das Problem für mich dann lösen können, indem ich ein wenig geschummelt hab:

Ich wußte ja nun vom ersten Tag an, daß Beziehungen zu anderen Patienten untersagt waren und hab dann bei der Festsetzung meiner Therapieziele angegeben, daß ich Berührungsängste in Bezug auf das andere Geschlecht hätte. Ich fände es unerträglich, mich dem anderen Geschlecht auf nähere Distanz als 50 cm zu nähern, würde beim Unterschreiten dieses Mindestabstandes keine Luft mehr bekommen und nicht mehr frei sprechen können.

Das haben die Therapeuten dann gezielt behandelt. Ich sollte mir aus der Patientenschaft eine weibliche Person ausgucken, bei der ich es für Möglich hielt, diese Grenzen zu überschreiten.

Und siehe da, was für ein Wunder, ich hatte Glück. Bei meiner Jutta war das Unmögliche möglich. Bei ihr konnte ich die zahlreichen Tips der Therapeuten Schritt für Schritt umsetzen.

Sie wurde mir dann noch aus therapeutischen Gründen mit in den Urlaub gegeben, wo ich ausprobieren sollte, wie es denn außerhalb der Therapie-Käseglocke so mit Jutta läuft…

Allerdings war es für uns dann doch nicht ganz so witzig, wie es sich hier vielleicht anhört. Wir haben die Therapie schon ernst genommen und uns auch an die Regeln dort gehalten. Wir gehörten unterschiedlichen Gruppen an und haben nicht nur die Therapiezeiten, sondern auch unsere Freizeiten mit den Gruppen verbracht, obwohl wir uns lieber zurückgezogen hätten.

Uns war schon klar, daß auch die Freizeit in der Gruppe irgendwo Therapie war und man sich dort nicht einfach der Gruppe entziehen konnte, um seine Freizeit lieber mit dem neuen Partner zu verbringen.

Es wurden auf Therapie keine Zärtlichkeiten ausgetauscht, es gab keinen Sex. Nur am Sonntag nachmittags, wenn andere Besuch oder Ausgang hatten oder gar das WE zuhause verbrachten, knappsten wir mal ein wenig Freizeit ab, die wir dann gemeinsam verbrachten. Aber auch da war man meist nicht ganz allein und völlig ungestört. Im Gemeinschtsfernsehraum konnte man dann, in der letzten Reihe sitzend, heimlich Händchen halten. Das wars dann aber auch schon. Beziehungsmäßig ging so gut wie nix, man hatte sich im Prinzip nur gegenseitig für „die Zeit danach“ eben mehr versprechen können.

Wenn man sich auf dem Gelände sah, gab´s nur nen Händedruck und den Spruch „Fühl Dich geküßt“. War schon blöd, aber eben nicht für immer. Man wußte ja, daß beiden nach der Therapie alle Möglichkeiten offen stehen. Die 6 Monate sind nur lang, wenn man sie noch vor sich hat, im Nachherein war die Zeit schnell um.

Die Therapie war im Juli 1999 und ging bis Dezember. Wir sind nach der Therapie zusammen nach Lübeck gezogen, sind seit 2003 verheiratet und beide bisher nicht rückfällig.

Auf den späteren „Ehemaligentreffen“ erklärte man uns dann, daß es eben in Ausnahmefällen doch funktionieren kann und auch Beziehungen, die auf Therapie entstanden sind, von Bestand sein können. Aber es sei eben die große Ausnahme.

Ich weiß nicht, ob die Therapeuten recht haben, oder nur nicht ihr Gesicht verlieren wollten. Schließlich hatte man uns ja auf Therapie ganz was anderes verkauft. Ist uns auch völlig egal, ob wir nun die große Ausnahme sind, oder sowas generell funktionieren kann. Bei uns hat es funktioniert, sehr gut sogar.

Und das wünsche ich auch Dir und Deiner Freundin. Und nach Euch auch jedem anderen.

Gruß,
Gerhard