Hallo Claudia,
Bei Typ I Diabetikern kann man, so wurde uns das bei meiner Tochter beigebracht, davon ausgehen, daß es eine Phase mit deutlich geringerem Insulinbedarf kommen kann. Diese Phase kann bis zu 2 Jahren dauern, in der dann der Insulinbedarf von außen stark kontrolliert werden muß, weil er sich nochmal stark minimieren kann.
"Remission
(lat. Remisso = gleich Nachlassen, Erholung) Unter Remission versteht man eine kurze Zeit nach dem Erstauftreten eines Diabetes mellitus Typ-1 zu beobachtende spontane Stoffwechselverbesserung. Typischerweise kommt es zu einer Verminderung des Insulinbedarfs bis hin zur völligen Insulinfreiheit. Für die Annahme einer Remission wird gefordert, daß bei guter Blutzuckereinstellung der Insulinbedarf unter 0,5 E/kg Körpergewicht täglich liegt. Dies wäre eine partielle Remission. Eine totale Remission liegt vor, wenn bei normalen Blutzuckerwerten (Normoglykämie) kein Insulin gespritzt werden muß, d.h. eine normale Insulinsekretion besteht. Die Häufigkeit einer Remission wird unterschiedlich angegeben. 6 Monate nach Erstauftreten eines Typ-1-Diabetes wird sie in etwa 20% der Fälle beobachtet. Ihre Dauer ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von 4 Wochen bis zu 2 Jahren, in jedem Fall kommt es jedoch zu einem Wiederauftreten des Diabetes. Die Hoffnung, daß mit Eintreten der Remission der Typ-1-Diabetes „geheilt“ sein könnte, ist leider trügerisch.
Warum es zu einer Remission kommt und warum sie nach einem überschaubaren Zeitraum wieder zu Ende geht, ist unklar. Günstig auf die Dauer der Remission wirkt sich eine von Anfang an aggressive Insulin-Therapie aus. Das Ende der Remission wird nicht selten von Infekten bzw. Infektionen angekündigt. Interessant ist sicher, daß bei Patienten, die mit immunsuppressiver Therapie (z.B. Cyclosporin A) behandelt werden, die Remission im Schnitt länger dauert als bei nicht Behandelten. Immunsuppressiva sind Medikamente, die nach Organverpflanzungen durch Unterdrückung der körpereigenen Abwehrkräfte Abstoßungsreaktionen vermeiden helfen. Der Einsatz der Immunsuppressiva bei Diabetikern geht auf die Annahme zurück, daß es sich beim Typ-1-Diabetes um eine Erkrankung handelt, bei der der Körper sein eigenes Gewebe (in diesem Falle seine Inselzellen) abstößt. Solche Erkrankungen nennt man auch Autoimmunerkrankungen. Da Immunsuppressiva erhebliche Nebenwirkungen haben, ist ein routinemäßiger Einsatz bei neu entstandenem Typ-1-Diabetes nur dann sinnvoll, wenn der Nutzen dieser Behandlung durch Studien belegt ist. Solche Studien laufen derzeit in mehreren Ländern."
Das ist auch bei meiner Tochter nach der Erstmanifestation so gewesen. Die ersten 1 1/2 Jahre kamen wir mit deutlichen geringeren Mengen Insulin über den Tag, so daß im Endeffekt zwei Injektionen mit einem Gemisch aus zwei Insulinen reichte. Heute, nach fast 5 Jahren sind wir bei mindestens vier Spritzen mit bis zu drei verschiedenen Insulinen.
Hinzu kommen unterschiedliche körperliche und seelische Beanspruchung die großen Einfluß auf den Blutzuckerspiegel haben können.
Meine Empfehlung: dringend die Werte weiterhin regelmäßig über den Tag (wenn möglich auch Nachts mal) kontrollieren und Insulindosis anpassen… bei niedrigem Wert ev. KE mit z.B. Apfelsaft nachdosieren, damit Du nicht in einen für Dich alleine nicht mehr kontrollierbaren Unterzucker kommst - Wenn Du, was verständlich wäre, damit Probleme hast, melde Dich bei der Klinik, die Dich geschult und eingestellt hat. Da sollten eigentlich immer Leute sein, die Dich da unterstützen können. Wenn Deine Werte durchgängig zu niedrig sind auf jeden Fall nachfragen, wie Du die Dosis am Besten anpassen kannst. Das Insulin ganz wegzulassen, kann ich Dir keinesfalls empfehlen. Frag nach! Sonst kommen Deine Werte wieder komplett durcheinander, Du fängst von vorne an und eventuelle Spätfolgen werden wahrscheinlicher.
Du kannst Dich auch gerne per Mail melden - ich sehe gerade, Du wohnst auch um München rum, vielleicht kann ich Dich ja ein bissi beruhigen.
Liebe Grüße
Uschi
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