Blutzuckerschwankungen bei Angstpatienten!
Hallo David,
In der Arztpraxis bin ich immer sehr
aufgeregt was sich auch an meinen Blutdruckwerten
wiederspiegelt. In der Praxis um die 160/90 (Arztmessung)aber
zuhause wieder 120/70 (Selbstmessung kurz darauf). Mein Arzt
scheint mir dies nicht so richtig zu glauben (evtl. folgt nun
Langzeitmessung). Ich habe deshalb folgende Frage:
- Kann ein Blutzuckerwert ansteigen infolge einer psychischen
Stresssituation? Beim Blutdruck scheint es ja so zu sein!!!
In gewissem Maß schon, denn bei Stress passiert so Einiges:
Es werden vermehrt die Hormone Adrenalin, Noradrenalin, sowie die Stresshormone Cortisol und Corticosteron ausgeschüttet.
Das steigert die Herzfrequenz, erhöht die Atmung, den Blutdruck und - den Blutzuckerwert -
durch Umwandlung des in der Leber und Skelettmuskulatur gespeicherten Glykogen in Glukose (Traubenzucker) mit anschließender vermehrter Zuckerausschüttung in das Blut, um mehr Energie für den sofortigen Verbrauch der Muskeltätigkeit bereitzustellen.
Einige Menschen leiden unter dem sog. „Whitecoat-Syndrom“, das dazu führt, dass z. B. Blutdruckwerte bei der ärztl. Messung nicht verwertbar sind. Hier hilft tatsächlich häufig nur die ambulante RR-Langzeitmessung oder die Selbstmessung zu Hause, wenn sie richtig durchgeführt wird.
Ein Syndrom besteht bekanntlich aus einem Symptomenkomplex, wozu u. a. wenn auch nicht oft, ein instabiler Blutzuckerspiegel gehören kann, wenn eine gewisse (nicht immer offen gezeigte) Panik beim Arztbesuch besteht.
Die meisten Patienten, die einen grenzwertigen Nüchtern-BZ haben, gaben oft nach einigem Überlegen an, dass sie zwar nüchtern waren, aber gerade ein Bonbon gelutscht, einen Kaugummi gekaut oder ein wenig Orangensaft getrunken hatten. Bei den wenigen, auf die dies nicht zutrifft und die daraufhin einen unauffälligen oGTT haben, kann eine gewisse Paniksituation vor der Blutentnahme dafür verantwortlich sein.
Ein Psychologe weiß (der Hausarzt vielleicht nicht immer), dass
Angstpatienten in der Regel Schwankungen des Blutzuckerspiegels aufweisen (instabile Blutzuckerwerte) ohne deshalb gleich Diabetiker zu sein.
Daher müsste man bei dir die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass der ungewöhnlich starke Blutzuckeranstieg eine Folge von sehr starkem Stress/Angst sein könnte.
3.Bei der ersten Messung wurde auch der Langzeitwert bestimmt.
Dieser befand sich im Normbereich was was mich nun komplett
verwirrt. Wie ist das zu werten?
Befindet sich der HbA1C-Wert im Normbereich (unter 6,5 - 7%), handelt es sich nicht um einen manifesten Diabetes.
Die Vorstufen zum Diabetes (es gibt mehrere Stufen auf dem Weg zum manifesten Diabetes > latenter Diabetes) lassen sich genauer mit einem oralen Glukosetoleranztest (oGTT) nachweisen, wobei man eine genau festgelegte Menge an in Flüssigkeit gelöster Glukose (75-100g) trinkt und z. B. genau nach 30 Min., 60 Min., 120 und evt. nach 180 Min. jeweils eine Glukosebestimmung durchführt, wobei der Patient in dieser Zeit weder körperlich (lange Spaziergänge) noch psychisch (Angstbelastung) belastet sein sollte, da dies die Ergebnisse verfälscht.
Folglich: In großen Stresssituationen werden neben Blutdruck, Puls, Atmung, u. a. der auch Blutzucker mobilisiert, das ist ganz normal. Bei psychisch empfindlich auf die ärztliche Situation mit Angst, Panik = Stress reagierenden Patienten passiert das ebenfalls genau so, was natürlich die Diagnosefindung erschwert.
Viele Grüße
Renate