Psychische Probleme...(langer Text!)

Von: , Frage gestellt am Mo, 24. Jul 2000

Hi,

ich hätte mal eine Frage zu psychischen Problemen beziehungsweise zu einem bestimmten Medikament.

Folgende Sachlage:
Der Bruder meines Mannes hat BWL studiert (9 Jahre insg.)...tja, dass tun viele, doch bei Ihm hat es schwerwiegende Probleme ausgelöst. Bedingt durch den Leistungsdruck hat er absolute Probleme damit bekommen, sein Lernverhalten in den Griff zu bekommen, seinen normalen Tagesablauf zu regeln und ist letztendlich durch alle Prüfungen gefallen.

Das Schlimmste aber ist, dass er richtige Aussetzer hatte, d.h. er ist Nachts durch die Straßen geirrt, hat Blumen im Stadtpark umgepflanzt oder rannte auf der Schnellstraße rum, bis ihn beinah ein Auto angefahren hätte....

Er hat sich dann natürlich von Ärzten behandeln lassen....ob man die "Krankheit" so richtig benennen kann, weiss ich nicht, - auf jeden Fall hat er ein Medikament namens "Zyprexa" bekommen.

Leider kommt er überhaupt nicht mit den Nebenwirkungen klar. Er ist supermüde, ihm ist alles egal (vorallem direkt nach Einnahme ist absolut nichts mit ihm anzufangen) und das Schlimmste für ihn, er bekommt keinen hoch, also keine Errektion.

Das alles hatte leider zur Folge, dass er das Medikament in geringerer Dosis eingenommen hat und letztendlich abgesetzt hat. Seinem Arzt und uns hat er nichts erzählt und wir haben es erst gemerkt, als er wieder einen seiner berühmten Aussetzer hatte. Er ist nun seinen Job los, weil er absolut bescheuerte Mails in der Firma verschickt hat und sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Er bekommt ja nicht mal mehr so einfach Dinge wie seine Küche in den Griff und überall liegt das alte Essen rum!

Es ist wirklich schlimm für ihn und uns! Leider können wir ihn nicht davon überzeugen, dass ohne die Medikamente nichts geht, - er will sie auf keinen Fall nehmen, wegen der Nebenwirkungen! Ich kann das ja auch irgendwie verstehen, aber wir wissen uns nicht mehr zu helfen und nun frage ich euch im Rat...

Vielen Dank im voraus für Eure Antworten :-)
Antonia

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
    Re: Psychische Probleme...(langer Text!)

    Hi! Folgende Sachlage:
    Der Bruder meines Mannes hat BWL studiert (9 Jahre
    insg.)...tja, dass tun viele, doch bei Ihm hat es
    schwerwiegende Probleme ausgelöst. Bedingt durch den
    Leistungsdruck hat er absolute Probleme damit bekommen, sein
    Lernverhalten in den Griff zu bekommen, seinen normalen
    Tagesablauf zu regeln und ist letztendlich durch alle
    Prüfungen gefallen.
    Das Studium sieht wie der Auslöser AUS, muss er aber nicht sein - möglicherweise ist es genau anders rum. Das Schlimmste aber ist, dass er richtige Aussetzer hatte,
    d.h. er ist Nachts durch die Straßen geirrt, hat Blumen im
    Stadtpark umgepflanzt oder rannte auf der Schnellstraße rum,
    bis ihn beinah ein Auto angefahren hätte....
    Geht von der Symptomatik her in Richtung Psychose oder manische Depression. Er hat sich dann natürlich von Ärzten behandeln lassen....ob
    man die "Krankheit" so richtig benennen kann, weiss ich nicht,
    - auf jeden Fall hat er ein Medikament namens "Zyprexa"
    bekommen.
    Was für Ärzte? War das der Haus- oder irgendein Allgemeinarzt? Meines Erachtens sollten die ihre Finger von solchen Medikamenten lassen! Das ist Sache eines Psychiaters, und die Behandlung muss unter regelm. Kontrolle am Besten in Kombination mit Gesprächen erfolgen! Leider kommt er überhaupt nicht mit den Nebenwirkungen klar.
    Er ist supermüde, ihm ist alles egal (vorallem direkt nach
    Einnahme ist absolut nichts mit ihm anzufangen) und das
    Schlimmste für ihn, er bekommt keinen hoch, also keine
    Errektion.
    Davon abgesehen, dass diese Nebenwirkungen für alle Beteiligten echt schlimm sind, sollte er eigentlich andere Probleme bevorzugt betrachten, aber anscheinend ist er dazu - wie viele andere in ähnlichen Situationen auch - schon nicht mehr in der Lage. Das alles hatte leider zur Folge, dass er das Medikament in
    geringerer Dosis eingenommen hat und letztendlich abgesetzt
    hat. Seinem Arzt und uns hat er nichts erzählt und wir haben
    es erst gemerkt, als er wieder einen seiner berühmten
    Aussetzer hatte. Er ist nun seinen Job los, weil er absolut
    bescheuerte Mails in der Firma verschickt hat und sich nicht
    mehr unter Kontrolle hatte. Er bekommt ja nicht mal mehr so
    einfach Dinge wie seine Küche in den Griff und überall liegt
    das alte Essen rum!
    Das Bild ist weiter verbreitet als man gewöhnlich glaubt und mir selbst leider auch nur all zu gut bekannt. Es ist wirklich schlimm für ihn und uns! Leider können wir ihn
    nicht davon überzeugen, dass ohne die Medikamente nichts geht,
    - er will sie auf keinen Fall nehmen, wegen der
    Nebenwirkungen! Ich kann das ja auch irgendwie verstehen, aber
    wir wissen uns nicht mehr zu helfen und nun frage ich euch im
    Rat...
    Also: Medikamente allein bringen keine Besserung. Er gehört ohne Zweifel in die Obhut eines guten Psychiaters - nur der kann ihm, mit oder ohne medikamentöse Unterstützung, einen Weg aufzeigen, wie er sich aus diesem Schlamassel befreien kann. Drängen nutzt hier gar nichts, weil Menschen mit dieser Symptomatik schnell eine Verschwörung wittern - das kann wiederum dazu führen, dass sich die Symptome bis hin zum absoluten Realitätsverlust langsam steigern und er um die Einweisung in eine psychiatrische Klinik nicht mehr herum kommt.

    Wenn einer von Euch sich stark genug fühlt, Ihn mit seiner Verwirrtheit zu verstehen, sollte er alles daran setzen, ihn vorsichtig von der Notwendigkeit einer Psychotherapie zu überzeugen.

    Vorsicht ist geboten, weil dies im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung gerade den ENGSTEN Bezugspersonen (Partner, Eltern, Geschwister) oft NICHT gelingt, es sei denn, sie haben sowieso einen absolut dominanten Einfluss. Im letzten Fall ist das besonders fatal, da er sich der Therapie dann letzlich UNFREIWILLIG unterziehen wird - fast immer ein Grund für das Scheitern. Vielen Dank im voraus für Eure Antworten :-)
    Antonia
    Viel Kraft, endlos dicke Nerven und alles Gute wünscht Dir
    Ulli

    • Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
      Re^2: Psychische Probleme...(langer Text!)

      Tja...
      Tatsächlich sind wir hier nicht fähig, seriöse Diagnostik zu betreiben.
      Kurzschlüsse halte ich auch für wenig zielführend. Aber aus der Schilderung wiederkehrender unangepasster Verhaltensweisen - mit wie großer Krankheitseinsicht des Schwagers? - und der nun abgesetzten Medikation (Nebenwirkungen sind typisch) kann natürlich auch auf psychotische Schübe geschlossen werden.
      Dabe ist es weniger wichtig, auf die Auslöser zu schauen, sondern darauf, was die Psychose denn so mitteilt, ganz nebenher, aber oft mit der Deutlichkeit der Traumsprache.
      Es ist auch klar, dass unterschiedliche psychische Störungen medikamentös nur gedämpft werden können, das sagt noch nicht viel über Heilerfolge in Kombi-Therapie aus. Das kapitel der Heilung von Psychosen durch Psychotherapie ist in der Fachwelt lang diskutiert worden. Manche sprechen gut an, oft ist das Familiensystem einzubeziehen. Und hier scheint ja ganz offensichtlich ein solches Einbeziehen schon vorzuliegen, da die Schwägerin sich Sorgen macht und angefragt hat.
      Liebe Schwägerin, nicht den Mut verlieren, sondern eine genaue Diagnostik betreiben lassen und danach eine entsprechende kombinierte Psychotherapie anstreben. Das täte auc hder betroffenen Familie gut. Systemisch gesehen, wäre es absolut erforderlich, auch wenn alle anderen "störungsfrei" sind!
      V.

  2. Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
    Re: Psychische Probleme...(langer Text!)

    Hi,

    ich hätte mal eine Frage zu psychischen Problemen
    beziehungsweise zu einem bestimmten Medikament.

    hallo, antonia

    ganz kurz eine kleine beschreibung der arzneimittelwirkungen und nebenwirkungen.

    Schizophrene Psychosen
    Therapiefortschritt durch atypische Neuroleptika

    Das Hauptindikationsgebiet für Neuroleptika ist die schizophrene Psychose. Diese erfordert unter Umständen eine lebenslange Therapie. Ein Therapieerfolg tritt bei 70 bis 75% der behandelten Patienten ein.


    Allerdings kann eine schizophrene Psychose nicht geheilt werden, da Neuroleptika die Symptome nur unterdrücken. Durch Neuroleptika werden vor allem produktive Symptome wie Wahn und Halluzinationen gebessert; Defizitsymptome wie Motivations- und Antriebslosigkeit, Apathie, Phantasielosigkeit oder affektive Verflachung werden hingegen kaum beeinflußt.

    Schizophrene Psychosen verlaufen meist chronisch rezidivierend

    Schizophrene Psychosen verlaufen meist chronisch oder chronisch rezidivierend. Nach Absetzen des Neuroleptikums beträgt die Rezidivrate bereits im ersten Jahr rund 70%. Durch eine Langzeitbehandlung kann die Rückfallquote auf 16% gesenkt werden. Gründe für ein Rezidiv liegen meist in der fehlenden Compliance von Therapeut und Patienten. Von ärztlicher Sicht aus wird häufig versäumt, auf eine konsequente Rezidivprophylaxe zu achten; Gründe für die Noncompliance des Patienten liegen unter anderem in den unerwünschten Begleiterscheinungen (Akutdystonie, Akathisie, Parkinsonoid, Zungen-Schlund-Krampf, Spätdyskinesien, Rabbit-Syndrom) der "typischen" Neuroleptika.


    Die Wirkung tritt erst nach mehreren Tagen ein

    Alle Neuroleptika blockieren Dopamin-D2-Rezeptoren. Trotz der unmittelbaren Rezeptorblockade treten die antipsychotische Wirkung und das Parkinsonoid erst innerhalb von Tagen bis Wochen ein. Vermutlich entwickelt sich der Depolarisationsblock der dopaminergen Neuronen nur langsam, und die Neuronen stellen ihre elektrische Aktivität in den verschiedenen Hirnregionen unterschiedlich rasch ein. Die antipsychotische Wirkung der Neuroleptika wird dem Depolarisationsblock im mesolimbischen und mesokortikalen dopaminergen System zugeschrieben; extrapyramidale Begleiterscheinungen werden durch den Depolarisationsblock im nigrostrialen System verursacht.


    Das ideale Neuroleptikum steht noch aus

    Mit Clozapin (Leponex(r)) kam Ende der 60er Jahre das erste atypische Neuroleptikum auf den Markt, das auch bei therapieresistenten Fällen eingesetzt werden kann und das zudem frei von motorischen Begleiterscheinungen ist. Clozapin kann allerdings aufgrund seines Agranulozytoserisikos nur bedingt und unter engmaschiger Kontrolle verordnet werden.

    In den letzten Jahren wurden einige neue atypische Neuroleptika eingeführt: Risperidon (Risperdal(r)), Olanzapin (Zyprexa(r)), Sertindol (Serdolect(r)) und Amisulprid (Solian(r)). Diese Substanzen unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Nebenwirkungsspektrum. Sertindol ist nur in einem engen Dosisbereich frei von motorischen Störungen; Olanzapin, Risperidon und Amisulprid führen auch in hoher Dosierung nicht zu extrapyramidalen Störungen. Olanzapin kann eine ausgeprägte Gewichtszunahme auslösen. Amisulprid stimuliert die Prolaktinsekretion, was in seltenen Fällen zu einer Galaktorrhö führen kann.

    Bislang ist nicht eindeutig geklärt, ob die neuen atypischen Neuroleptika auch bei therapieresistenten Fällen wirksam sind.

    Quelle

    Prof. Dr. Jürgen Fritze, Frankfurt; BPI-Presseseminar "Schatten auf der Seele: Arzneimittel in der Psychiatrie", Eltville, 21. bis 22. September 1998, veranstaltet vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Frankfurt/M.

    alles gute


    Peter

    • Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
      Re^2: Wie kann aus der Ferne man so genau ....

      auf schizophrene Psychose diagnostizieren? Wird das erwähnte Medikament ausschliesslich bei dieser Diagnose verabreicht? Sind die genannten Symptome eindeutig? Was dieser allgemein beschriebenen Wirkungsweisen von Neuroleptika ist konkret auf Zyprexa anzuwenden?

      Meiner Ex-Frau hatte ein (Kinder-(!!!!!))arzt bei den ersten Symptomen ohne weitere Diagnostik so ein Mittelchen aus der Jackentasche gezaubert - mit verheerenden Folgen! Da kann ich nur zur Vorsicht mahnen.

      Ulli

      • Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
        Re^3: Wie kann aus der Ferne man so genau ....

        hi ulli,

        zyprexa sollte nur bei schizophrenen psychosen verordnet werden und zwar nur von fachärzten für neurologie & psychiatrie.
        das mit dem kinderarzt klingt für mich unglaublich. DEN habt ihr doch hoffentlich gewechselt.....

        zyprexa ist ein neuroleptikum. alle allgemeinen wirkungsweisen sind darauf anzuwenden. die nebenwirkungsrate ist geringer als bei den "alten" produkten.

        die zulassung für deutschland ist: behandlung einer krankheit mit symptomen wie hören, sehen oder fühlen von dingen, die nicht wirklich da sind, irrige überzeugungen,ungewöhnliches misstrauen und rückzug von der umwelt.<---- schizophrene psychosen.

        peter [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
          Re^4: Wie kann aus der Ferne man so genau ....

          zyprexa sollte nur bei schizophrenen psychosen verordnet
          werden ...
          und wie sieht es bei "Psychosen aus dem schizoidem Formenkreis" aus, wo dieses Medikamnt auch verschrieben wird ? zyprexa ist ein neuroleptikum. Die nebenwirkungsrate ist geringer als bei den "alten" produkten.
          sagte mein psychater auch, als er es mir verschrieb, 3 Monate später setzte er es sehr plötzlich wieder ab, wegen eines "Links-Blocks" in meinem EKG darf ich dieses Medikament nicht mehr einnehmen, da ich sonst ein "erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt" in Kauf nehmen müßte, gleichzeitig wurde ich darüber informiert das dieses medikament einer Anwendungsbeschränkung unterliegt "wegen plötzlicher Todesfälle" und mußte dieses mit unterschrift bestätigen.

          ciao norbert

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