1806: Tod der Frau bei der Geburt?

Hallo Experten!
In dem - faszinierenden - Roman „Krieg und Frieden“ lässt Tolstoi eine Fürstin im Jahr 1806 im Augenblick der Geburt sterben, während das Kind gesund zur Welt kommt. Ist das nicht aber sehr unrealistisch? Dass Frauen durch Infektionen als Folge der Geburt starben, ist klar, und ebenso, dass so eine Fürstin vielleicht körperlich sehr schwach und untrainiert sein konnte, aber gab es damals Todesgefahren im Moment der Geburt?
Gruß?
Christian

schwere Blutungen (owt)

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Hi,

wenn das Kind nicht auf natürliche Wege kam, war das damals schon ein schwerwiegendes Problem. Der Kaiserschnitt war zwar in diesen Kreisen verfügbar, aber wurde eher gemacht, um wenigstens das Kind zu retten. Die Überlebenschancen für die Mutter waren nämlich nicht allzu gut, da viele entscheidende Entdeckungen in Chirurgie, Antisepsis, Narkose etc. erst später gemacht wurden.

A.

fürs Kind gefährlich, für die Mutter nicht!
Hi,

wenn das Kind nicht auf natürliche Wege kam, war das damals
schon ein schwerwiegendes Problem.

Wenn ein Kind im Geburtstkanal „steckenbleibt“, kann es durch Sauerstoffmangel sterben (einklemmen der Nabelschnur, aber noch keine Eigenatmung). Das führt aber doch nicht zum plötzlichen, sofortigen Tod der Mutter. Mich irritiert, dass die Fürstin innerhalb von Minuten während der Geburt stirbt.
Gruß!
Christian

Hallo !

Zwischen 1601 und 1798 weiß man aus Mainz die Todesursachen in 1 309 Todesfällen.
84 Frauen starben im Kindbett.

  1. Jahrhundert. In Gießen starben bei 12 198 Todesfällen 27 Frauen im Kindbett.
    In den Landgemeinden um Gießen starben bei 12 802 Todesfällen 42 im Kindbett.

Eine Geburt ist heute immer noch keine einfache Sache, aber bei den Kenntnissen der Medizin doch wesentlich ungefährlicher, als damals.
Und trotz allem sterben heute auch noch Mütter bei der Geburt.

Das war vom alten Tolstoi sicher keine Sensationsmache, wenn da mal eine Frau während der Geburt stirbt. Das gehörte zum Leben.
Noch viel häufiger war die Kindssterblichkeit bis zur Taufe. Deshalb feierte man früher auch nicht den Tag der Geburt, sondern den Tag der Taufe. Viele Menschen wußten damals nur dieses eigene Datum.

mfgConrad

Hi Christian,

aber gab es damals Todesgefahren im Moment der
Geburt?

Derartige Gefahren gibt es doch heute auch noch,wenngleich bei uns inzwischen soweit möglich direkt operiert wird.
Anders sieht das in vielen Entwicklungsländern aus,wo nach wie vor viele Frauen während der Geburt z.b. an einer Uterusruptur (Gebärmutterriss) oder einem Gebärmutterhalsriss sterben/verbluten,insbesondere da die Gefahr einen solchen zu erleiden u.a. bei Mehrfachgebärenden erhöht ist.

Gruß Ango

hallo,

wie unten schon geschrieben gibt es das heute noch, dass frauen nach der geburt sterben. während der geburt hab ich noch nicht erlebt, wenn dann danach an uterusatonie.

das bedeutet, dass sich die gebärmutter nach der geburt wieder kontrahiert um die nachgeburt rauszubefördern und auch um die blutung zu stillen. die gebärmutter ist nach einer geburt innen wie eine große offene wunde.
indem sich die gebärmutter kontrahiert verschließen sich die gefäße und die blutung ufert nicht aus. liegt aber eine atonie vor, dann kann die frau verbluten.

Laura

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Danke für die Informationen …
…zu diesem schrecklichen Thema. Unabhängig von Tolstois ganz offenbar geringem Interesse an medizinischen Details kann ich übrigens diesen - 1600 Seiten langen - Roman nur mit Begeisterung empfehlen! Man sieht seine Mitmenschen nach der Lektüre mit anderen Augen!
Gruß!
Christian

Hi,
vielleicht gab es damals auch schon Aneurysmen? (Warum eigentlich nicht?) Habe vor kurzem gehört, dass durch die Anstrengung während der Geburt bis dato unbekannte Aneurysmen durchaus platzen können.
Grüße
Irene

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