Parodontalbehandlung - Wahnsinnige Phobie

Hallo Ihr Experten,

ich bin einer der vielen leidtragenden Mitmenschen, welche im fortgeschrittenen Alter an Paradontitis erkrankt sind.
Ich leide seit meiner Kindheit an eine extreme Zahnarztphobie und bin dementsprechend auch nur zum Zahnarzt gegangen, wenn es schmerzhaft wurde.

Nun habe ich eine heftige Zahnfleischentzündung hinter mir und mußte mir von einer Prophylaxeassistentin Plaque entfernen lassen und alles was noch dazu gehört.Auch Zahntaschenmessung habe ich über mich ergehen lassen, aber jetzt soll in einem chirurgischen Eingriff das Zahnfleisch abgeklappt werden, die Wurzeloberflächen unter Sicht gereinigt werden und das Zahnfleisch wieder fest angenäht werden.

Das werde ich mit meiner Angst nicht überleben. Ich kann schon garnicht mehr schlafen und wenn ich an den Zahnarztstuhl nur denke bin ich total verkramft und erstarre.

Hat irgend jemand dort draussen so etwas schon mitgemacht??
Ist das schmerzhaft?
Ich würde auch die Kosten für eine Vollnarkose selber tragen! Wäre dies bei meiner Phobie bei diesem chirurgischen Eingriff ratsam?

Bitte lasst mich mit meiner Angst nicht alleine.

Eure Claire

hi claire,

ich habe eine parodontose behandlung hinter mir. aber das:

aber jetzt soll in einem
chirurgischen Eingriff das Zahnfleisch abgeklappt werden, die
Wurzeloberflächen unter Sicht gereinigt werden und das
Zahnfleisch wieder fest angenäht werden.

ist m.w. eine veraltete methode. ich weiß es aber nicht genau.
vielleicht kann hier ein zahnarzt was dazu sagen.

bei mir wurde aus den taschen „geschabt“ und eine antibiotikumkur
verordnet. ich habe heute nach 2 jahren um 80% kleinere taschen, wenn
überhaupt noch taschen vorhanden sind.

erkundige dich mal hierzu. denn bei der ersten methode verdient der za
wahrscheinlich mehr. bei der mir gemachten schuftet er ganz schön.

cu
alex

Hi!

Davon mal abgesehen, dass mir die Methode ein wenig suspekt ist kannst du jede Behandlung unter Vollnarkose machen lassen. Bei deiner Phobie würde ich das machen lassen.

Jetzt darfst du mich mal bedauern: Ich soll an der Niere operiert werden und habe ne Megaphobie davor, dass ich bei dem Gedanken daran schon nen Heulkrampf bekomme. Die legen mir nen Schlauch von der Blase in die Niere und der bleibt erst mal drin und nach der Op hängt mir nen Schlauch aus der Seite und die Niere sitzt nen paar Zentimeter tiefer. Klasse. Ich werde das nervlich nicht überleben! Die können mich gleich ins künstliche Koma legen bis alle verheilt ist. Mit mir werden die ihren schwierigsten Patienten aller Zeiten bekommen!

Mitfühlende Grüße
Tara

Hallo Claire,

es gibt Zahnärzte, die sich auf Eingriffe unter Vollnarkose (ambulant) spezialisiert haben. Nimm mal die Gelben Seiten und klapper die Ärtze ab.

Gandalf
derkeineangstvormzahnarzthat - zum Glück

Hi Tara,

es tut mir leid zu hören, dass Du Dich einer solchen OP unterziehen musst.Sicherlich ist diese OP notwendig um Deine Niere wieder voll funktionstüchtig werden zu lassen. Bitte denke an all die Menschen, die Dich lieben und brauchen - schon deshalb musst Du stark sein und es über Dich ergehen lassen. Der Schlauch wird ja wieder nach ein paar Tagen entfernt werden und Du bist wieder ganz die alte Tara.

Ich drück Dir die Daumen, dass alles schnell vobei geht und die Wunden gut verheilen.

Alles Liebe und Danke für die mitfühlenden Grüsse von Claire

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jetzt soll in einem
chirurgischen Eingriff das Zahnfleisch abgeklappt werden, die
Wurzeloberflächen unter Sicht gereinigt werden und das
Zahnfleisch wieder fest angenäht werden.

Das werde ich mit meiner Angst nicht überleben.

Servus Antje,
die geschilderte Methode ist insofern ‚veraltet‘, als man es in der Regel erst mal mit der ‚Schabemethode‘ versuchen wird. Das ‚Schaben‘ kann man heute getrost mit Ultraschallinstrumenten machen - die Ergebnisse sind auf Dauer besser, als bei der manuellen ‚Kratz- und Schabetechnik‘. Ich würde mir trotzdem lieber auch dabei Spritzen geben lassen, weil ja schon das Warten auf den Schmerz unangenehm ist.
Mein Rat für Dich:
wenn’s bei Dir so schlimm ist, daß Schneiden, Schaben, Nähen für Deinen Zahnarzt das richtige zu sein scheint, hast Du wohl eine massive Parodontitis. Trotzdem gibt es gute Chancen (wenn Du Nichtraucherin bist, keinen uneingestellten Diabetes hast) mit Ultraschallgeräten, aus denen ‚CHX‘ gesprüht wird und/oder mit einem feinen nassen Sandstrahlgerät aus dem ‚Clinpro‘ kommt Deine Wurzeloberflächen sauber zu kriegen. Dann sollte ohnehin erst mal abgewartet werden, was die Parodontien dazu ‚sagen‘. In der Zwischenzeit hast Du optimale Zahnpflege (Schallbürste, Zahnseide) gelernt, hast festgestellt, daß Deine Prophylaxeassistentin sehr zart und gefühlvoll mit Dir umgeht, daß der häßliche Geschmack aus den Zahfleischtaschen nicht mehr da ist und daß es beim Putzen und Apfelessen nicht mehr blutet.
Was gibt’s dabei auszuhalten?

  1. Das Gespräch mit Deinem Zahnarzt, daß Du nicht geschnitten werden willst. (Kannst ihm ja einen Ausdruck dieses Ratschlags mitbringen), sondern eine konservative Methode vorziehst.
  2. Mehrere Lokalanästhesien. Vergiß die Narkose - dabei wirst Du auch gestochen.

UND

  1. Mindestens alle 6 Monate professionelle Zahnreinigung und Kontrollen. Konsequent und lebenslang!!! Nix mehr ‚Angst fressen Seele auf‘. Such Dir eine betont prophylaxeorientierte Praxis mit einer Zahnhygienikerin, die Du magst. Das Schlimmste, was Dir bei einem Wechsel passieren kann, ist daß die Taschenmessungen nochmal gemacht werden.

UND

Ja, Du wirst für Teile der Behandlung selber blechen müssen. Such is life today. Gebisse sind auch nicht umsonst.

Ich habe in den letzten Jahren meiner Tätigkeit und Zusammenarbeit mit einer Prophylaxeassistentin so oft Patienten lachend und mit einem lustvollen Lecken über die glatten sauberen Zähne aus ihrem Zimmer kommen sehen, daß es eine helle Freude war.

Motiviert?

Alles Gute!
Kai

hallo ihr zwei,

kai, DAS finde ich ganz wichtig:

  1. Mindestens alle 6 Monate professionelle Zahnreinigung und
    Kontrollen. Konsequent und lebenslang!!! Nix mehr ‚Angst
    fressen Seele auf‘.

ich war jahrelang das versuchskaninchen meines kieferorthopäden, wurde 6x operiert und hatte daher eine ausgeprägte phobie - sprich, ich bin gar nicht mehr zum zahnarzt gegangen.
nach ca. 13 jahren ist mir ein stück zahn weggebrochen. ich kann mich noch gut an diese panik erinnern :wink:
ich hatte damals das glück, daß ein guter freund von mir zahnarzt war (leider hat er sich inzwischen aus dem berufsleben verabschiedet - ich trauere ihm heute noch nach!) und ich wenigstens nicht das problem hatte, meine angst „maskieren“ zu müssen. in diesem sommer bin ich jede woche zur behandlung bei ihm gewesen und habe mir das komplette gebiss sanieren lassen.
und seither gehe ich konsequent alle vier monate zum zahnarzt, eben zum „nachschauen“ und zum reinigen. und inzwischen sogar einigermaßen angstfrei!

viele grüße,
i.

Hallo Claire,

ich bin einer der vielen leidtragenden Mitmenschen, welche im
fortgeschrittenen Alter an Paradontitis erkrankt sind.

[…]

Das werde ich mit meiner Angst nicht überleben. Ich kann schon
garnicht mehr schlafen und wenn ich an den Zahnarztstuhl nur
denke bin ich total verkramft und erstarre.

durch Drogensucht und Alkoholismus habe ich (nur eben selbst verschuldet) das gleiche Problem gehabt.

Hat irgend jemand dort draussen so etwas schon mitgemacht??

Mein Zahnarzt ist Oralchirurg und hat es bei mir so gemacht, wie Du es beschrieben hast. Mit anschließendem Nähen.

Ist das schmerzhaft?

Nein, nicht schmerzhaft. Es wird vorher eine Betäubung gemacht, bei der das Mittel in die Kieferdrainage gespritzt wird. Die Spritze spürst Du beim Setzen, anschließend ist alles taub. Ich habe nicht einmal beim Ausschnupfen meine Nase mehr gefühlt.

Allerdings spürst Du das Gekratze. Ich hab völlig verspannt auf dem Stuhl gesessen und ständig auf den Schmerz gewartet. Aber da kam nix. Das Gekratze hab ich dennoch als unangenehm empfunden und war natürlich froh als alles vorüber war. Ich war den Tag beim Zahnarzt der einzige Patient, er hat sich viel Zeit für mich genommen. Aber Schmerzen, das kann ich Dir versichern, wirst Du nicht haben.

Ich würde auch die Kosten für eine Vollnarkose selber tragen!
Wäre dies bei meiner Phobie bei diesem chirurgischen Eingriff
ratsam?

Wenn ich heute nochmal so was vor mir hätte, würde ich das auch in Vollnarkose machen lassen.

Bitte lasst mich mit meiner Angst nicht alleine.

Vielleicht beruhigt Dich ja, daß ich (inzwischen clean und trocken) diese Behandlung habe 1993 machen lassen und habe bis heute keine erneuten Probleme in dieser Richtung gehabt. Der Aufwand hat sich also unbedingt gelohnt!

Es war meine zweite PA Behandlung, bei der ersten wurde nur mit Schabetechnik gearbeitet, das Zahnfleisch nicht weggeklappt. Hatte nur 2 Jahr vorgehalten und es ging mit den ständigen Zahnfleischtaschenentzündungen wieder los. Bis eben die große Behandlung gemacht wurde, die Du jetzt vor Dir hast. Die brachte endgültig Ruhe.

Ich wünsche Dir viel Glück und die Kraft alle Ängste zu überwinden. Es lohnt sich wirklich.

Gruß,
Gerhard

Hallo Antje,

die Art der Parodontalbehandlung richtet sich u.a. nach der Taschentiefe. Sind deine Taschen sehr tief, dann muß evtl. auch chirurgisch behandelt werden, so wie du es beschrieben hast. Und eine Parallelbehandlung mit einem Antibiotikum ist unumgänglich, da für die Parodontose in erster Linie Bakterien verantwortlich sind, und da hilft nicht allein die Entfernung der Beläge.
Sollte deine Zahnarzt sowas nicht machen, dann ist er vielleicht schon zu alt. Geh` lieber zu einem Arzt der auf Parodontalbehandlungen spezialisiert ist.
Es gibt auch Zahnärzte die sind auf Hypnosebehandlungen spezialisiert. Ich kannte mal jemanden, der hat es ausprobiert und war begeistert. Völlige Entspannung und keine Schmerzen.
Wie weit du eine PA-Behandlung zahlen mußt, richtet sich auch nach der Taschentiefe und dem Krankheitsgrad. Frag doch sonst einfach bei deiner Krankenkasse nach.

Hilfreich ist es auf jeden Fall, einen zweiten Zahnarzt aufzusuchen. Vielleicht muß gar nicht chirurgisch behandelt werden.

Maria