Verhalten bei epileptischen Anfall

Hi WWW-lers!

Neulich kam eine Diskussion über das richtige Verhalten bei einem epileptischen Anfall.

Der Mensch A behauptet, der Mund zu keilen um eigenen Zungenbisse ist veraltert und macht man heutzutage nicht mehr.

Der mensch B meint, dadurch daß ohne keilen der Gefahr besteht, daß die Zunge zurückfällt und der Kranke bei Bedarf nicht reanimeirt werden kann, ist diese Maßnahme durchaus sinnvoll.

Meine Frage an Euch:
Wer hat Recht? Und vorallem, warum???

Für eure zahlreiche Antworten schon jetzt vielen Dank!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Helena,

die Deutsche Epilepsievereinigung rät vom Keilen des Mundes ab. Zum einen besteht die Gefahr, daß Du den Epileptiker verletzt - zum anderen, daß er Dich verletzt. Epileptische Anfälle sehen für gewöhnlich für Außenstehende so erschreckend aus, daß sie fast schon reflexartig versucht sind, den Krampfenden festzuhalten. Bitte, bitte, sein lassen! Was man machen kann: den Kopf schützen, d. h. eine Jacke, einen Mantel oder notfalls die Hände drunterlegen bzw. den Kopf locker abstützen. Bei einem Grand mal sind die Krämpfe manchmal so stark, daß derjenige richtig heftig mit dem Kopf aufknallt, was z. B. auf Gehwegplatten mehr als unangenehm werden kann.

Grundsätzliches zum Thema ‚Erste Hilfe bei Epilepsie-Anfällen‘ kannst Du hier nachlesen:

http://www.epilepsie.sh/Ersthelfer.37.98.html

Viele Grüße

Renee

Hi WWW-lers!

Neulich kam eine Diskussion über das richtige Verhalten bei
einem epileptischen Anfall.

Der Mensch A behauptet, der Mund zu keilen um eigenen
Zungenbisse ist veraltert und macht man heutzutage nicht mehr.

stimmt, man nimmt keinen keil mehr, denn davon gehen nur die zähne des krampfenden menschen kaputt.
im akutfall nimmt man etwas weiches was nachgibt, z.b. die geldbörse oder ein stück stoff, den ärmel der jacke o.ä.
etwas weicheres jedenfalls als einen keil aus hartgummi.

Der mensch B meint, dadurch daß ohne keilen der Gefahr
besteht, daß die Zunge zurückfällt und der Kranke bei Bedarf
nicht reanimeirt werden kann, ist diese Maßnahme durchaus
sinnvoll.

macht man nichts, dann beißt derjenige sich evtl. auf die zunge.
die schwillt dann so massiv an und blutet auch sehr stark, dass hier ebenfalls beeintächtigungen der atmung zu erwarten sind. außerdem kann das blut auch aspiriert werden, was zu pneumonie führen kann.

Laura

Hallo Helena,

Neulich kam eine Diskussion über das richtige Verhalten bei
einem epileptischen Anfall.

Der Mensch A behauptet, der Mund zu keilen um eigenen
Zungenbisse ist veraltert und macht man heutzutage nicht mehr.

Der mensch B meint, dadurch daß ohne keilen der Gefahr
besteht, daß die Zunge zurückfällt und der Kranke bei Bedarf
nicht reanimeirt werden kann, ist diese Maßnahme durchaus
sinnvoll.

Da ich mich auch sehr mit dem Thema beschäftigt habe, wurde mir von vielen Leuten erzählt, dass man auf keinen Fall einen Keil in den Mund schieben soll. Die Gefahr hierbei gebissen zu werden sei viel zu groß. Das Rückfallen der Zunge soll auch nicht während des Anfalls geschehen, sondern nach einem Anfall sobald die Muskeln erschlaffen. Hierbei sollte dann beachtet werden, dass der Anfallsleidende nicht mit dem Kopf zu weit nach hinten liegt (evtl. Kopf hochhalten oder ein Kissen hinter legen).Oftmals wird dann auch die stabile Seitenlage vorgeschlagen. Während des Anfalls sollte man nur darauf achten, dass keine spitzen Gegenstände oder dergleichen im Weg rumliegen, damit sich der Anfallsleidende nicht verletzt. Mehr -hat man mir zumindest gesagt - kann man während eines Anfalls nicht tun. Aber vielleicht bekommst Du ja noch von anderen ein paar wertvolle Tips. Das ist nur das, was man mir geantwortet hat!

Meine Frage an Euch:
Wer hat Recht? Und vorallem, warum???

Für eure zahlreiche Antworten schon jetzt vielen Dank!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Schönen Gruß,
Diana

Vielen herzlichen Dank, Diana, Laura und Renee!!!
Hi Laura Diana und Renee!

Vielen herzlichen Dank für eure sehr schnelle und fundierten Antworten.

Wie ich sehe, Mensch A hatte Recht.

Zu erwähnen noch ist, daß beide über die anderen Maßnahmen informiert und sich einig darüber sind.

Wie Diana sagte (oder war es doch Laura?) Mensch B fürchtete sich um genau diese Konsequenzen, die Du genannt hast, wenn den Mund nicht verkeilt wird (Zungenschwellung; starke Blutung --> Aspirationsgefahr)

Ansonsten würde ebenfalls erwähnt, was für ein Keil verwendet werden soll. Natürlich meinte Mensch B nicht ein Stein oder so etwas grobes sondern eben einen Jäckchenärmel o.Ä.

Jedenfalls Euch drei vielen Dank und jeweils ein Sternchen von mir!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hi,

als Ersthelfer kann man nichts anders tun als dafür zu sorgen daß sich der Patient nicht verletzt, also gefährliche Gegenstände aus dem Weg räumen. Den Krampfenden festzuhalten sollte man deswegen vermeiden weil die Leute eine solche Kraft entwickeln daß man demjenigen sogar Knochen brechen kann wenn man konsequent dagegenhält - oder man verletzt sich selber.

Daß ein Keil das Zurückfallen der Zunge verhindern soll ist von der grundsätzlichen Überlegung her schon Unsinn, denn die Zunge fällt nur dann zurück wenn bestimmte Muskeln erschlaffen. Das wird man mit einem Keil aber nicht verhindern… insofern ist das auch ein logischer Fehler.

Gruß,

MecFleih

Das kann ich nicht so gut nachvollziehen…
Hi,

Daß ein Keil das Zurückfallen der Zunge verhindern soll ist
von der grundsätzlichen Überlegung her schon Unsinn, denn die
Zunge fällt nur dann zurück wenn bestimmte Muskeln
erschlaffen. Das wird man mit einem Keil aber nicht
verhindern… insofern ist das auch ein logischer Fehler.

…denn genau das ist was man beabsichtigt, wenn man eine Kanüle legt.
Ich weiß, die geht viel tiefer rein und dient andere Zwecke, aber Tatsache ist, daß die Zunge nicht zurückfällt.

Ansonsten alles andere war schon klar. Es ging dabei nur um das keilen.

Vielen herzlichen Dank für Deine Antwort.

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo,
der Keil hat mit der Zunge eher nichts zu tun - der war wirklich nur dazu da, dass die Zähne nicht auf die Zunge, die Lippen und die Wangenschleimhaut hätte beissen sollen. Die Verletzung bzw Aushebeln der Zähne des Krampfenden durch die notwendige „Gewalt“ den Keil gegen diesen immensen Widerstand einzuführen war weitaus häufiger als der Nutzen.
Ganz abgesehen davon kannst du das Zurücksinken der Zunge mit Verlegung der Atemwege im Notfall mit einem Güdeltubus oder mit einer Schutzintubation verhindern. Letztere verhindert dann auch die Aspiration von Mageninhalt in die Lunge.
gruss rico

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Du meinst einen Tubus, oder? (owT)

Grüße,

Tom

Genau das habe ich…
Hi,

Verlegung der Atemwege im Notfall mit einem Güdeltubus oder
mit einer Schutzintubation verhindern. Letztere verhindert
dann auch die Aspiration von Mageninhalt in die Lunge.

…gemeint als ich von Kanüle sprach. Sorry. Ich hatte den Text zu schnell geschrieben und gesendet.

Der Tubus war gemeint.

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Ja, genau! Sorry (MIT Text)
Hi Tom!
Bitte lies meine Antwort an Rico: Genau das hatte ich gemeint. Sorry!
Schöne Grüße,
Helena