Hi Chris,
Immer mehr Frauen und Männer fragen sich, ob sie einen Test auf HIV-Antikörper (oft fälschlicherweise AIDS-Test genannt) durchführen lassen sollen. Die Ungewißheit, „Habe ich das Virus oder nicht?“, quält aus völlig unterschiedlichen, individuellen Gründen.
Wichtig ist die Hilfe für eine persönliche Entscheidung, denn es gibt eine Reihe von Gründen für und viele gegen den Test.
Generell ist es sinnvoll, sich folgende Fragen vorab zu stellen:
Warum will ich gerade jetzt einen HIV-Test durchführen lassen?
Welche Informationen verspreche ich mir davon?
Welche „Entscheidungen“ will ich davon abhängig machen?
Habe ich mir über mögliche Konsequenzen und seelische Verarbeitungsmöglichkeiten eines positiven Testergebnisses Gedanken gemacht?
Wer gibt hier möglicherweise Halt, wie wird mein Partner reagieren?
Was kann der Test?
Der HIV-Test kann lediglich nachweisen, ob der Körper mit dem HI-Virus in Kontakt gekommen ist und dementsprechend HIV-Antikörper gebildet hat.
Was kann der Test nicht?
Der Test ist kein direkter Virusnachweis. Er ist auch kein AIDS-Test, d.h., er erlaubt keine Aussage, ob und wann jemand an AIDS erkranken wird.
Wann kann ein Test sinnvoll sein?
Bei über einen längeren Zeitraum vorliegenden Infektionen, die auf eine Schwächung der körpereigenen Abwehr hindeuten. In diesen Fällen kann das Wissen um die Ursachen einer möglichen Abwehrschwäche es dem Arzt ermöglichen, für bestimmte, charakteristische Infektionen vorgewarnt zu sein und rechtzeitig mögliche Behandlungen (z.B. bei einer Pneumocystis Carinii Pneumonie [Lungenentzündung]) einzuleiten, d.h. es gilt, opportunistische Infektionen rechtzeitig zu entdecken und gezielt zu behandeln. In jedem Fall können dies aber nur Ärzte, die spezielle Kenntnisse und Erfahrungen in der Behandlung von Menschen mit HIV und AIDS erworben haben.
Wenn die Ungewißheit über den eigenen Antikörper-Status eine größere Belastung darstellt als ein eventuelles positives Testergebnis, mit dem sich der/die Betroffene dann aktiv auseinandersetzen kann.
Wann ist ein Test weniger sinnvoll?
Wenn jemand bloß einfach mal so wissen will, was mit ihm los ist, ohne daß er/sie sich Gedanken über mögliche Konsequenzen gemacht hat. In der Regel hofft jede/jeder auf ein negatives Testergebnis, um so größer ist der Schock bei positivem Testausgang!
Wenn eine Veränderung des Sexualverhaltens vom Testergebnis abhängig gemacht werden soll. Empfehlungen zum sichern Sexualverhalten gelten für alle, die Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern haben, unabhängig vom Teststatus.
Wenn zukunftsweisende Lebensentscheidungen von ein Testergebnis abhängig gemacht werden sollen, obwohl diese Entscheidungen unabhängig davon getroffen werden könnten und vielleicht auch sollten. In solchen Fällen kann eine persönliche Beratung klärend sein.
Zur Frage des Zeitpunktes
Sinnvoll ist ein Test frühestens nach 10, besser erst 12 Wochen nach dem letzten Sexualkontakt, der zu einer Ansteckung hätte führen können. Diese Zeit braucht der Körper, um nach einer eventuellen Ansteckung mit dem HI-Virus die spezifischen Antikörper zu bilden, die dann im Test nachgewiesen werden.
Manchmal kann es sinnvoll sein, die Entscheidung pro/contra Testdurchführung zu vertagen, z.B. in Situationen schwerer Belastung oder in persönlichen Krisen, wo die Auseinandersetzung mit einem positiven Testergebnis eine nicht zu verkraftende zusätzliche Belastung darstellen würde. Hier kann es sinnvoll sein, erst dringende persönliche Probleme zu klären und sich dann die Frage des Tests erneut zu stellen.
Zur Frage der Testdurchführung
Folgende Bedingungen sollten für eine Testdurchführung gegeben sein. Wenn eine davon nicht gegeben ist, sollte der Test nicht durchgeführt werden:
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Anonymität
Wer sich für einen Test entscheidet, sollte unbedingt auf die Anonymität seiner Daten achten. In den meisten großen Städten gibt es öffentliche Beratungsstellen, bei denen die Untersuchung z.B. unter Ziffern oder Codenamen anstelle des eigenen Namens durchgeführt werden kann. Durch ein positives Testergebniss können sich Konsequenzen für Private Krankenkassen, Zusatzkassen und Lebensversicherungen ergeben.
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Persönliches Umfeld
Ohne stabiles persönliches Umfeld zur Unterstützung (Freundinnen und Freunde, Familie und Kollegen), verständnisvolle und gut informierte Gesprächspartner ist ein möglicherweise „positives“ Testergebnis für viele kaum zu ertragen. Manch einer überschätzt seine psychischen Kräfte und kommt unerwartet in eine schwere Krise. Es ist also entscheidend wichtig, sich seines Umfeldes durch vorbereitende Gespräche zu vergewissern.
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Wissen um Sinn und Unsinn des HIV-Antikörpertests
Dies bedeutet eine persönliche Auseinandersetzung mit den für und gegen den Test sprechenden Argumenten (s.o.).
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Kompetente Testdurchführung
Der Test sollte bei einer erfahrenen Stelle bzw. einem kompetenten Arzt gemacht werden. Insbesondere auf die Durchführung eines Bestätigungstests vor Mitteilung des (positiven) Ergebnisses muß man sich verlassen können. Dies Verfahren dauert in der Regel 10-14 Tage. Auch muß das Ergebnis persönlich (nicht telephonisch) und in Ruhe, evtl. verbunden mit einer nochmaligen Beratung über die Konsequenzen (so oder so!), mitgeteilt werden.
Solange keine auffällien, eine Behandlung erforderlichen Symptome vorliegen, ist es wenig ratsam, den Test bei einem niedergelassenen Arzt durchführen zu lassen, da dort erstens nicht die Voraussetzung der Anonymität gegeben ist, zweitens sich die Fragen der Abrechnung des Tests über die Krankenkasse stellt und drittens jeder Arzt verpflichtet ist, Behandlungsdaten über einen Patienten bis zu dessen Tod aufzubewahren.
Zur Sicherheit eines positiven Testergebnisses
Der Test wird heute fast immer in zwei Stufen durchgeführt
ELISA-Suchtest: Abkürzung für (engl.) enzyme-linked imunosorbent assay. Empfindlicher Test zum Nachweis von Substanzen durch Antigen- Antikörper-Reaktion und Enzym-Reaktion. Mit dem ELISA können z.B. Antikörper gegen HIV durch eine Farbreaktion identifiziert werden. Anwendung bei der HIV-Diagnostik erfolgt als Suchtest.
Falls der ELISA-Suchtest ein positives Ergebnis aufweist, erfolgt im Anschluss ein Bestätigungstest.
Bestätigungstest: WESTERN BLOT: (engl.) Labortest bei dem Proteine aufgetrennt, mit radioaktivem Antikörper markiert und anschließend durch eine Farbreaktion identifiziert werden. Verwendung z.B. als Bestätigungstest zum Nachweis bestimmter Proteine von HIV.
Zwangstest - Meldepflicht
Immer wieder hört man von Fällen von „Zwangstestung“, d.h., dass Betroffenen gegen ihren Willen Blut für einen HIV-Test abgenommen wird oder bei einer Blutabnahme zum Zweck anderer Untersuchungen, zu denen der/die Betroffene einwilligt, ohne die ausdrückliche Zustimmung auch ein HIV-Test durchgeführt wird. Hierbei handelt es sich dann um eine Körperverletzung. Generell ist eine Testung ohne Zustimmung des/der Betroffenen selbst dann nicht rechtens, wenn der Arzt diese für die Bestimmung von Diagnose und Behandlung für erforderlich hält. Aller Erfahrung nach stimmen Patienten einem HIV-Test auch immer zu, wenn der Arzt ihnen die medizinischen Gründe in ihrem Fall erläutert. Es sind auch routinemäßige (geheime?) HIV-Antikörpertests bei Einstellungsuntersuchungen rechtswidrig. Deshalb sollten alle Fälle von „Zwangstestungen“ den AIDS-Hilfen (auch anonym) gemeldet werden, um gegen diese Praxis gemeinsam vorgehen zu könne
Liebe Grüße - Heike
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