Moin Sharon,
ich freu mich schon seit einiger Zeit, dich wieder öfter zu lesen, wohin warst du denn verschwunden? Oder hab ich dich nur übersehen?
Hier jetzt ein Versuch der Antwort auf deine Frage.
Vorweg noch eine Bemerkung:
Es gibt viele unterschiedliche Arten Homöopathie zu betreiben und noch mehr verschiedene Erklärungsmuster, hier gibts jetzt meins und da ich eine große Freundin von Logik und Pragmatik bin, hoffe ich mich dir verständlich zu machen.
Das ganze natürlich vor dem Hintergrund, daß ich täglich in meiner Praxis die Erfahrung mache, das Homöopathie hilfreich und wirksam ist.
Was ist die Idee hinter der Verschreibung?
Homöopathische Arzneimittel (AM) sind in der Lage bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorzubringen, wie sie der Kranke hat, der sie verschrieben bekommt.
(Nebenbemerkung: bei Belladonna zum Beispiel ist das leicht sichtbar. Eine Belladonna-Vergiftung bringt: Unruhe, einen heißen roten Kopf u.a. Belladonna wird bei hohem Fieber mit großer Unruhe eingesetzt.)
Man kann dabei von einer Kunst-Krankheit sprechen. Dann wäre die Krankheit, die der Patient hat eine Natürliche Krankheit.
In der Idee muß, damit Heilung eintritt die Kunst-Krankheit die Natürliche Krankheit überwiegen, dann werden die Symptome eliminiert.
Dabei reicht ein kleines Überwiegen.
Kommt es zu einem größeren bis sehr großem Überwiegen, dann verstärken sich also die Symptome nach der Einnahme und es kommt zu dem was man Erstverschlimmerung nennt.
Bleibt man jetzt nur an diesem Punkt, spricht also gegen deinen Vorschlag: „gleich eine große Menge einer hohen Potenz“ zu geben, daß die Erstverschlimmerung dann entsprechend heftig ausfällt.
(Nebenbemerkung: Bei einigen Homöopathen und auch Patienten scheint die Meinung vorzuherrschen, nur dann wirkt die Homöopathie, wenn es zu einer heftigen Erstverschlimmerung kommt, dem ist aber nicht so. Man darf ruhig sanft mit sich und/oder seinen Patienten umgehen.)
Was steckt hinter den häufigen Gaben?
Hier muß ich noch Begriffe einführen.
Die Fähigkeit eines AM eine Kunstkrankheit zu erzeugen, wird Arzneikraft genannt, bzw. das mit dem sie diese Kunstkrankheit erzeugt Arzneireiz.
Wenn man also der Idee folgt, daß die Kunstkrankheit die Natürliche Krankheit so gering wie möglich übersteigen soll, dann benötige ich also einen möglichst kleinen Arzneireiz. Das wird aber dazu führen, daß die Arzneikraft des Mittels sich womöglich schneller verbrauchen wird, als die vollständige Heilung erfolgt, da es ja auch krankheitserhaltende Faktoren gibt, zum Beispiel Bakterien, die sich munter vermehren, bei einem aktuen Infekt.
Um diesem Problem entgegen zu wirken, wiederhole ich also die Mittelgabe in einem bestimmten Abstand. Dabei treibt mich die Hoffnung ein Gleichgewicht, zwischen benötigter Arzneikraft und möglichst geringer Erstverschlimmerung zu erreichen.
(Nebenbemerkung: Es gibt eine lange Latte schlechter Homöopathen, ich weiß nicht, wie man auf die für den Patienten richtige Dosierung kommen will, wenn man noch nicht mal erklären kann, wieso man eine bestimmte Dosierung gibt.)
Das ist war jetzt eine Einführung in die Geheimnisse der homöopathischen Verschreibung.
Ich hätte noch mehr Theorie zu bieten, was den unterschiedlichen Umgang bei D, C und LM-Potenzen angeht und wie man bei akuten Erkrankungen anders verschreibt als bei chronischen, aber das führt hier - scheint mir - zu weit.
Ich hoffe, ich konnte es einigermaßen verständlich rüberbringen.
Schönen Tag
Kerstin