Apropos Vollnarkose

Hi all,
aufgrund der Frage zu Narkose weiter unten fiel mir auf, mal zu fragen, was mich seit geraumer Zeit wundert:

Wieso ist es heute normal, einen Patienten nach einer VOLLnarkose am selben Nachmittag nach Hause zu schicken?

Ich hatte erst einmal Vollnarkose - war nur ne Kniespiegelung, aber ich war noch einige Tage danach im Krankenhaus.

Und am Tag der OP war ich abends noch völlig ‚wuschig‘, nahm alles ‚like in a haze‘ wahr, so wie in Watte eingepolstert, halt nicht ganz da.

Das war 1990. Sind die Antesthetics heute anders, oder sind die Patienten dann noch so ‚wuschig‘, wenn man sie heimschickt???

Danke für ne etwaige Antwort,
gruss, isabel

Hallo,

das verstehe ich auch nicht :o) Ih hatte vor zwei Monaten eine Vollnarkose. Die OP war morgens um 10 und ich bin abends um sechs erst wieder einigermaßen klar im Kopf gewesen. Da ich eh bleiben musste weiss ich natürlich nicht ob ich in dem Zustand hätte gehen dürfen. Würde mich aber auch Interessieren wie die das heute machen.

LG
Sandy

hi,

ja, es kommt tatsaechlich auf das narkosemittel an und auf die praemedikation, die du vor dem eingriff erhaeltst.

eines der modernsten mittel ist das propofol, welches einen sehr schnellen wirkungseintritt hat, die durchfuehrung einer TIVA ( total intravenoese anaesthesie- also ohne narkosegas) ermoeglicht und sehr schnell vom koerper wieder abgebaut wird. die leute sind, je nach eingriff natuerlich, nach der narkose schnell wieder fit!

wenn du vor der narkose zur sedierung allerdings noch eine ladung dormicum oder aehnliches verpasst bekommst, bist du hinterher noch eine zeitlang „breit“.

gruss,
ramona

Servus Isabel,

als absoluter Medizinlaie hier nur meine Erfahrung:

  1. Vollnarkose bei stationärer OP im Krankenhaus, 1993:
    Da war ich sowieso noch ein paar Tage im Krankenhaus (wobei heute ein Blinddarm-OP teilweise auch schon ambulant gemacht wird).
  2. Vollnarkose bei ambulatern OP im Krankenhaus, 2000:
    Nach dem Aufwachen ca. 1 Std. unter Beobachtung, danach durfte mein Männe mich abholen. Ich war Zuhause noch den ganzen Tag „high“ (sprich in der horizontalen im Bett).
  3. Vollnarkose bei ambulater OP bei einem niedergelassenen Chirurg in der Praxis, 2003:
    Nach dem Aufwachen eine Stunde unter Beobachtung in der Praxis, dann wieder Abholung durch Göttergatterich. Die Nachwehen der Narkose waren nur noch zwei, drei weitere Stunden zu spüren (eine Stunde in der Falle), abends war ich wieder relativ fit (ans Autofahren o.Ä. trotzdem noch nicht zu denken!!!).

Bei beiden ambulanten OP´s war Voraussetzung, dass ich Zuhause nicht allein war. D.h. eine häusliche Aufsicht musste vorhanden sein, die im Notfall (umkippen) auch den Notarzt rufen konnte.

Grüße von
Tinchen

Hi!

Bin letztes Jahr am Fuß mit Vollnarkose operiert worden. Bin aus der Narkose aufgewacht und mir war nicht schlecht und ich war gleich hellwach. Bin schon eine halbe Stunden später mit Krücken zum Klo gehumpelt ( hatte keine Lust auf diese Bettpfannen ). Habe auch den Rest des Tages nicht mehr geschlafen oder war müde.

Tara

Hallo Isabel,

es gibt mehrere Arten der Narkose.

Die eine ist die Kurznarkose bzw. Rauschnarkose, bei der der Patient für sehr kurze und einfache Eingriffe bzw. diagnostische Maßnahmen mit intravenös verabreichten Medikamenten in einen „Rausch“ versetzt wird, und bei der keine Intubation (Beatmung) nötig ist. Die Medikamente werden bolusweise (fraktionierte Einzedosen) gegeben und es wird auch etwas Sauerstoff insuffliert. Man nennt solche Kurznarkosen bei Verwendung von Ketamin auch „dissoziative Analgesie“. Hierbei kommen weder Opioide noch Muskelrelaxantien zum Einsatz, was den Erhalt der Spontanatmung gewährleistet und auch ein schnelles und fast immer problemloses Erwachen zur Folge hat. Je nach Erkrankung und Eingriff ist also eine Entlassung am OP-Tag möglich.

Eine andere Methode ist die unten bereits erwähnte TIVA (totale intravenöse Anästhesie). Hierbei werden ebenfalls ausschließlich intravenös verabreichte Narkosemedikamente verwendet. Diese werden mittels elektronischer Spritzenpumpen kontinuierlich gegeben. D.h. Nach der Einleitungsdosis werden die Narkosemedikamente mit der kontinuierlichen Flussrate (z.B. 30 ml/h) injiziert, die gerade zur Erhaltung der Narkose erforderlich ist. Bei der TIVA ist allerdings eine Intubation und Beatmung für die Dauer der Narkose erforderlich, weil hier auch ein Opiat und ein Muskelrelaxans verwendet werden. Opiate (zur Schmerzbekämpfung) führen zur so genannten „Atemdepression“ d.h. der Atemantrieb wird als Nebenwirkung gehemmt. Muskelrelaxantien führen zur Erschlaffung (Lähmung) der gesamten Körpermuskulatur. Dies ist bei Vielen chirurgischen Eingriffen erwünscht. Eine Spontanatmung ist allerdings dann nicht mehr möglich. Darum die Intubation. Mit Muskelrelaxans ist auch die Beatmung leichter. Die bei der TIVA benutzten Medikamente sind allerdings ausschließlich sehr kurz wirksam. Das meist verwendete, ultrakurzwirksame Opioid ist Remifentanyl (Ultiva). Das bereits erwähnte Schlafmittel Propofol (Disoprivan) ist ebenfalls schnell „verflogen“. Von den Muskelrelaxantien kennt man ebenfalls sehr gut die Wirkung (sie ist auch mit Stromreizen intraoperativ nachprüfbar) und die werden so dosiert, dass sie bei der Narkoseausleitung auch i.d.R. kein Problem darstellen. Alles in allem ist der Patient also sehr schnell wieder wach und mit Nachwirkungen der Narkose ist nach dem Aufwachen nicht mehr zu rechnen. Also kann er auch hier ggf. am selben Tag nach Hause. Es hängt natürlich alles auch immer von der Schwere der Erkrankung und des Eingriffs ab.

Letztlich ist auch noch die „balancierte Narkose“, oft einfach auch „ITN“ (Intubationsnarkose) genannt, zu nennen. Bei ihr werden im Unterschied zur TIVA (die ja auch eine ITN i.e.S. ist) meist länger wirksame Opioide verwendet und zusätzlich Narkosegase wie z.B. Lachgas, Isofluran, Halothan, Desfluran etc. Die Narkose wird also Intravenös eingeleitet und mit den Narkosegasen aufrecht erhalten. „Balanciert“ heißt die Narkose deswegen, weil die Gas- und Opioidzufuhr nach Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Reaktionen des Patienten gesteuert werden. Die Narkose kann dabei in Abhängigkeit vom Eingriff und von den vom Chirurgen gerade gesetzten Schmerzreizen oberflächlich oder sehr tief gehalten werden, auch kurzfristig, um die Belastung des Patienten den Erfordernissen anzupassen. So ist z.B. die Haut sehr schmerzempfindlich, weswegen am Ende bei der Hautnaht evtl. wieder kurz etwas mehr Gas gegeben werden muss. Auch hier ist selbstverständlich eine Intubation erforderlich (mal von der Maskennarkose abgesehen). Die lang wirksamen Opiate decken den postoperativen Schmerz mit ab. Bestimmte Narkosegase brauchen auch eine ganze Weile bis sie wieder ausgeatmet worden sind.

Wegen der guten Steuerbarkeit wird die balancierte Narkose gerne bevorzugt. Sie wird, sofern nicht Lokalanästhesie (Blockadetechniken wie SPA, PDA und Leitungs- oder Infiltrationsanästhesien etc.) zum Einsatz kommt, meist bei den Eingriffen angewandt, bei denen schon aus Krankheits- oder Eingriffsgründen eine Entlassung sowieso nicht möglich ist. Bei ambulanter Behandlung kommt dann die Kurznarkose oder die TIVA zum Einsatz. Aber auch nach Lokalanästhesien wie z.B. einer Armplexus-Blockade (kurz „Plexus“) können die Patienten nach Wiedererlangung des Empfindens nach Hause gehen, aber wenn möglich immer schön in Begleitung.

Gruß
Huttatta

Hallo,

in der Klinik, in der ich arbeite, hängt das vom Patienten ab. Die „gleichen“ Narkosen werden nämlich sehr unterschiedlich verkraftet. Bei OPs, die eine prompte Entlassung eigentlich gestatten, also z.B. Leistenbruch-OPs, kommt es auch vor, daß die Patienten über Nacht dabehalten werden - wenn sie noch sehr groggy sind oder sich übergeben müssen. Es wird niemand „rausgeworfen“, dem es nicht auch entsprechend geht!
Andererseits würde ich persönlich das Angebot wenn möglich warnehmen… es geht nämlich nix über das eigene Bett! Ich würde nicht in einem Dreibettzimmer oder mehr bleiben, wo die Hälfte der Leute schnarcht wie ein Sägewerk, wenn es nicht absolut nötig wäre!

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Hi Isabel,

Also verstehen kann ich das auch nicht. Als ich meine letzte Vollnarkose bekam (Zahn-OP) hatte man mir morgens (vor 8:00) ein Beruhigungsmittel gegeben. Danach (ca. 10:00) kam ich in den OP,wo ich die Narkose bekam. Ich war allerdings vorher schon reichlich benommen. Aufgewacht bin ich erst wieder abends (war schon dunkel), weil mir die Schwester das Nachthemd und den Kissenbezug gewechselt hat. Ich lag in einem Blutbad…
Allerdings meinte sie, daß es bereits das zweite mal war daß sie mich umziehen mußte.
„Richtig“ wach war ich erst wieder am nächsten Morgen…

Grüße
HylTox

PS: „Wuschig“ kenn ich eigentlich in einer anderen Bedeutung…

danke an alle!
ja, danke, wie gesagt.

Nun, ich muss demnächst ambulant ins Krankenhaus, und ich hab natürlich null Ahnung, was der Anästhesiearzt verwenden wird.

Nur, ich wurde, als mir der Termin gegeben wurde, zur Anästhesie geschickt, wo ich nen Fragebogen ausfüllen musste, und mir eine Dame dann noch ein paar Fragen stellte und mich ‚informierte‘.

Naja, zumindest informierte sie mich darüber, dass ich halt völlig nüchtern antreten sollte. Okay, logisch.

Dann sagte ich ihr, dass ich bei meiner einzigen Vollnarkose unheimliche Schmerzen hatte, als mir das Mittel gespritzt wurde (ich kam mir vor as if this was my own execution!).

Da meinte sie, ok, das notiere ich. Damit halt vorher irgendwas gemacht wird (Beruhigungsmittel???), damit’s nicht so schmerzt.

Nun, daher gehe ich davon aus, dass die Narkose nicht sooo viel anders sein wird als die, die ich erlebte.

Und da WAR ich eben noch lange danach wuschig.

Sch… ich meine, die werden mich ja schliesslich nicht im Krankenwagen nach Hause fahren, und anderswo muss man halt beim Transport sitzen…

Ich hab zwar kein Bock auf Krankenhaus, klar wär’ ich zu Hause besser aufgehoben.

Aber wenn Du dann Schmerzen hast, oder blutest, oder was auch immer, und keinen fragen kannst, ob das so richtig und normal ist - naja, da find’ ich’s dann zu Hause halt doch wieder nicht so lustig.

Egal, da muss ich halt durch - vielleicht ist’s ja gar nicht so schlimm.

Aber ich reagiere nicht gerade gut auf Anesthetica - selbst bei local anesthetics beim Zahnarzt geht’s mir danach echt übel.

Aaaaaaaaaargh!
Je mehr ich drüber nachdenke, desto mulmiger wird’s mir…

Egal, es muss halt sein.

Ich hab mir gestern vorgenommen, dass ich (aus reinem Aberglauben) mal mein Zeug zum Übernachten einpacke, DAMIT alles klargeht und ich nicht übernachten muss… (you know, Murphy’s Law: genau wie ich nen Regenschirm nicht einpacke, damit ich bei Regen nicht nass werde, sondern damit’s gar nicht erst regnet).

Das Krankenhaus ist um die Eck’ - mit dem Taxi so um die 5 Minuten, das werd’ ich also schon schaffen, die paar Minuten zu sitzen.

Und danach ins Bett & schlafen & mich verwöhnen lassen… Das wäre schön.

Also, danke nochmal, auch wenn ich durch Eure Infos nicht, wie erhofft, ein bisschen relaxed habe.

gruss, isabel

Lass Dich abholen. Derjenige kann auch all die Fragen stellen, die Du dann erst mal nicht stellen kannst. I. a. sollte auch der Arzt danach noch telefonisch erreichbar sein.

Ich hatte auch eine ambulante Zahn-OP mit Vollnarkose. War alles super. Klar war ich an dem Abend nicht mehr so gut drauf, aber ich hatte eine super Betreuung zuhause und notfalls wär ein Arzt ganz schnell da gewesen oder ich eben ganz schnell im Krankenhaus. Aber es gab keine Probleme. Allerdings scheint es so, als wärest Du schon mit dem Anästhesisten nicht zufrieden gewesen. Der hätte sich eigentlich so viel Zeit nehmen müssen, wie Du brauchst, um alle Deine Fragen zu beantworten. Schließlich musst Du genau diesem Menschen ziemliches Vertrauen entgegen bringen.

Ich hatte im übrigen eine intravenöse Narkose und musste über die Nase beatmet werden (ist ja logisch, im Mund hat ja der Arzt rumhantiert). Ich persönlich hatte wirklich keinerlei Beschwerden. War aber auch ganz entspannt, angesichts dessen, dass ich nichts von der OP mitkriegen würde. Als mein Zahnarzt neulich mal eine Stelle betäuben musste, hat’s schon aufgrund der Panikattacke wegen der Optik der beißsicheren Spritze nichts gebracht. Die doppelte Dosis hat dann natürlich danach auch doppelt gewirkt.

Bis denne
Schnoof

Hoi Isabel!

Ich wurde vor einem Jahr an einem Trümmerbruch operiert.
Die komischen Tropfen vorher habe ich dankend abgelehnt, im OP die Narkose verabreicht bekommen, bin nach der OP won der Anästesistin aufgeweckt worden und dann „wach“ in mein Zimmer gebracht worden, wo mir dann das Mittagessen serviert wurde.
Ich war da doch ein wenig überrascht und habe mich bei der Schwester erkundigt, ob es denn diese „Aufwachzimmer“ (schlimme Erfahrung aus frühester Kindheit) nicht mehr gibt.
Mir wurde erklärt, dass es unterschiedliche Arten von Narkose gibt, die sich u.a. im Preis unterscheiden. Im betreffenden Krankenhaus würde nur die „menschenfreundliche“ Variante verwendet, die deutlich weniger Nebenwirkungen - aber auch höhere Kosten mit sich bringen würde.
Wir frischoperierten hatten jedenfalls einen recht netten Nachmittag im Krankenhaus, ohne Übelkeit, ohne „Betthaft“.

Kann mir jemand den Wahrheitsgehalt in den Aussagen der Schwester erläutern?
Ich erinner mich jedenfalls an die Kindheitsnarkose mit Schrecken!!!

neugierige Grüsse
Ulli

Hey,

ich kenne es nur so, dass man nach einer Vollnarkoste nur dann nach Hause darf, wenn man erstens heim begleitet wird und außerdem zu Hause beobachtet, sprich, man braucht einen Aufpasser.

Gruß
Cess