Hi Sabine,
Hallo Elke,
hiernach dann per mail :o)
Erstmal moechte ich betonen (auch fuer andere), dass
ich mit dem Wort „Möchtegerneltern“ nichts Negatives
ausdruecken wollte. Wir haben in Suedafrika adoptiert,
dort zaehlten die, die auf Adoption warteten zu den
‚couples in waiting‘, privat haben wir das immer mit
M. uebersetzt. DAss das niht adaequat ist, weiss ich,
halt nur eben privater Sprachgebrauch.
Hört sich ein bisschen negativ an … aber mit dem Hintergrund ist es wohl ok
Samenspende Eizellenspende.
Auch Samenspende ist in Ado-Kreisen umstritten.
Mit Sicherheit die anonyme Samenspende.
„Jeder Mensch hat ein Recht darauf, seine Wurzeln zu kennen.“
Stimme ich dir zu, darum plädiere ich dafür, keine anonymen Eltern/Hinterbliebenen-Eltern/ Spender zuzulassen.
Kennst du denn die ELtern deiner (Adoptiv)Kinder und hast du die Möglichkeit, mit deinen Kindern zu ihren Ursprüngen zu reeisen und sie entsprechend zu begleiten?
Das war eine Grundvoraussetzung für uns, dass ein Kontakt für das Kind möglich ist, wenn es das möchte.
Nicht jede Frau, die ein Kind abgibt, tut das aus Egoismus, sondern viele aus einer Not heraus. Und ich möchte mein Glück nicht auf dem Unglück eines anderen aufbauen.
Warum muß ein Mensch den Kontakt gänzlich aufgeben, nur weil er für einen anderen nicht sorgen kann oder darf? Das ist doch krank, denn nicht jede Mama die ihr Kind abgibt, liebt dieses Kind nicht oder hasst es sogar, eher im Gegenteil! Was gibt es für einen größeren Liebesbeweis, das Kind abzugeben, statt es mit Krampf oder Gewalt aufzuziehen, nur aus dem Egoismus seiner selbst oder der Familie/Nachbarn heraus? Daraus kann durchaus eine konstruktive Beziehung ohne die beschriebenen Probleme entstehen.
Wir haben über den Umgang mit Ex-Eltern/-familien viel in einem Seminar gelernt. Und da haben wir auch viel über uns nachgedacht und sicher auch viele eingefahrene Meinungen revidiert, nur weil wir die Dinge aus anderen Perspektiven betrachteten.
Ich habe kurz angerissen von meinem Freund mit der
Spenderniere erzählt, er wäre jetzt tot, wenn er nicht die
Niere hätte, warum ist das so schrecklich, wenn er leben darf,
weil er eine Niere geschenkt bekommen hat?
Das ist kein Mensch.
Ich wollte damit sagen, dass er als Mensch keine Chance gehabt hätte, wenn diese Möglichkeit nicht gewesen wäre. Und diesen Punkt kann man durchaus auch mitdisskutieren, denn ohne diese Möglichkeiten gäbe es manches Leben nicht und das sollte man durchaus zu bedenken geben.
Und ist denn eine Eizellspende/Samenspende/Leihmutterschaft
was anderes?
Weil das „Endergebnis“ ein Kind ist, das nie gefragt werden
kann,
ob es auf diese Weise entstehen moechte.
Werden denn Kinder gefragt, ob sie zur Welt kommen möchten? Ich meine jetzt leibliche?
Werden Kinder gefragt, ob sie mißhandelt und mißbraucht werden möchten?
Werden Kinder gefragt, ob sie in einen Krieg geboren werden?
Wurden deine Kinder gefragt, ob sie vielleicht Kindersoldaten werden möchten?
Das ist leider kein Argument, dass ich als richtig überzeugend betrachten kann.
Doch, die Adoptiveltern denken im Allgemeinen so.
Sie trauen es sich nur nicht mehr so oft laut zu sagen.
Warum ist es soooo schlecht, einen -zunächst fremden kleinen Menschen lieben zu können?
Was ist so falsch daran?
Denn es ist ein Glueck, dass auf dem Unglueck von anderen
aufgebaut ist (naemlich der Herkunftseltern).
Nicht zwingend. Ich denke, dass es wichtig ist, WIE man daran geht, wie man das Kind einbezieht, wie man mit der Herkunftsfamilie umgehen kann.
Es wäre
der Welt dadurch viel Schönes genommen worden, wenn sie nicht
adoptiert worden wären, denn dann hätte es dies ganzen vielen
nachfolgenden Menschen nicht gegeben, Männer hätten die Liebe
ihres Lebens nicht getroffen, Frauen nicht erfahren wie schön
und manchmal furchtbar schwer es ist Kinder zu erhalten, sie
zu gebären und für sie zu sorgen, mit Liebe und auch mit einem
liebenden, schützenden Partner.
Du schreibst aus einer Position der Enttaeuschung heraus.
Das kann ich verstehen. Aber wie soll Adoption ohne Kontrolle
funktionieren?
Tut mir leid, nein, ich schreibe nicht aus Enttäuschung, es ist für uns nicht so irre dramatisch wichtig, jetzt noch ein Kind aufzuziehen, dass es unser Leben beherrscht, wir haben ein wunderbares Kind.
Wir haben aber noch die Liebe und auch die Möglichkeiten, einem 2. Kind ein zuhause zu bieten. Dies ist aber kein allumspannender Wunsch, ohne den unser Leben nicht mehr weitergeht, oder der unter allen Umständen erfüllt sein muss.
Wenn ich meine 9-jährige Tochter frage, ob sie nicht gern
leben würde, wenn sie ein Arzt im Reagenzglas gebaut hätte,
fragte sie mich, ob ich noch ganz dicht wäre, es wäre doch
egal, wie sie gezeugt würde, hauptsache sie lebte.
Weil sie sich gar nicht vorstellen kann, wie das ist,
wenn man diesen Hintergrund hat.
Aber auch ein „normal“ gezeugtes Kind hat doch keinen anderen Hintergrund als den seiner Entstehung. Was „unnormales“ macht man doch nur durch seine persönliche Umgangsform daraus. Ich denke, dass in 10 Jahren dieses Thema nicht mehr mit soviel Brisanz diskutiert wird wie heute, weil es dann schon zur Normalität gehört und nichts besonderes mehr ist. So wie Retortenbabys, so wie Leihmutterschaft, so wie Eizellenspenden.
Ich würde spenden, auch Nicht-anonym. Und wenn irgendwann ein Mensch vor mir steht und mich ansieht, herzlich willkommen im Leben! Ich wünsche dir alles Glück darin! Schön, dass es dich gibt, wer du auch sein magst, denn du bist wichtig, auch wenn du ungewöhnlich gezeugt wurdest!
Auch ich kann nur annaehernd
wissen, was es fuer meine Kinder bedeutet, nicht bei ihren
Herkunftsfamilien aufzuwachsen – nie jemanden zu kennen,
der mit ihnen biologische verwandt ist, immer zu wissen: da
draussen gibt es ein anderes Leben, das ich leben koennte,
viel, viel konkreter als das jeder von sich vorstellen kann.
Kannst du nichts herausfinden, woher sie kommen? Oder ein klein wenig über ihre Herkunft? Ich denke, damit gibst du ihnen wenigstens das Gefühl, dass ihre Wurzeln auch für dich nicht nur herausgerissene Verpflanzung von Zellen ist, sondern dich wirklich auch für alles was sie betrifft interessierst. Daas wird vermutlich wichtig, wenn sie in die Pubertät / junges Erwachsenenalter kommen.
Meine 19-jährige Tochter sieht das auch so.
Das sind junge Menschen, die mit den Errungenschaften der
Technologie anders umgehen können als wir es tun, oftmals
toleranter und aufgeschlossener sind als wir es je sein
können. Die auch weniger Angst davor haben.
Und die trotzdem mit den gleichen, fundamentalen Problemen
zu kaempfen haben, den Fragen: wer bin ich, wo komme ich
her, wo gehe ich hin – und die an diese Fragen fundamental
anders herangehen (muessen) als Nicht-Adoptierte.
Aber das sind für alle Kinder die gleichen Fragen, und eine wirkliche Antwort erfahren die wenigsten, auch bei Nichtadoptierten sieht es nicht viel anders aus, die Fragen bleiben doch die ähnlichen. Das wohin … höre ich auch von meiner Großen, das woher, habe ich mich auch schon oft gefragt, nie mit Antwort zu kriegen befriedigt…
Aber auch nicht wirklich allumfassend wichtig.
Und wenn Erwachsene offener mit ihren adoptierten Kindern
umgehen würden, die ganze Sache weniger spektakulär machten
durch mehr Offenheit, würden sicherlich viele der in dem Forum
geschilderten Probleme nicht existieren.
Das ist die Hoffnung vieler juengerer Ado-Eltern. Ob wir
damit
wirklich richtig liegen, werden wir erst in 20, 30 Jahren
wissen,
wenn unsere Kinder erwachsen sind und das beantworten koennen.
Na klar, aber der Anfang ist gemacht und der ist meiner Meinung nach besser als dass was früher lief. Stillschweigen bis ins Grab und darüber hinaus…
Ich verstehe, dass ihr enttaeuscht ueber die Ablehnung seid
und natuerlich kann ich sie nicht kommentieren.
Nein, ich glaube, du hast mich falsch verstanden, besser gesagt, ich habe mich falsch ausgedrückt. Die Entäuschung liegt lediglich da, dass wir alles Erforderliche gemacht haben, aber von vornherein klar war, dass wir durch die langen Wartzeiten generell rausfallen. Hätte man von anfang an klar gesagt, dass es so nicht geht, hätten wir andere Wege (Dauerpflegekind, Auslandsadoption, …) eingeschlagen.
Aber selbst
Paare ohne leibliche Kinder haben mit der gleichen Alters-
grenze zu kaempfen. Es ist nunmal so, dass es in Deutschland
(wie in der ganzen westlichen Welt) wesentlich mehr Menschen
einen Adoptionswunsch haben, als es Kinder gibt, die adoptiert
werden koennen. Und da Adoption immer heisst: es werden
Eltern fuer Kinder gesucht (und nicht Kinder fuer Eltern),
heisst das, dass die Jugendaemter Kriterien aufstellen
koennen.
Alles klar, habe ich auch gelernt im Seminar und vertrete das durchaus auch als meine Meinung.
Dass Alter auch bei biologischer Elternschaft ein Thema ist,
das diskutiert wird, konnte man vor wenigen Tagen im L&L Brett
sehen.
Was ist das L&L Brett (sorry, bin in Abkürzungen nicht so gut)
Bei Adoptivkindern finde ich das noch angebrachter,
weil diese Kinder meist etwas mehr Turbulenz in ihre Familien
bringen.
Viele Paare, die von Jugendaemtern fuer Inlandadoptionen
abgelehnt
wurden, suchen deshalb den Weg der Auslandsadoption. Auch
dort
gibt es Kriterien, allerdings oft weitergefasst als bei
Inlands-
adoptionen. Ob das richtig ist, kann man diskutieren - gerade
auslaendische Kinder, die in Deutschland adoptiert werden,
brauchen
mehr nicht weniger Kompetenz,
stimme ich dir voll und ganz zu!
aber es ist - ganz brutal - eine
Frage der Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage.
Wie schrecklich, aber das haben wir auch schon erfahren. Leider kann man für Geld alles kaufen, auch Kinder…
Ansonsten: you have mail.
Gerne!
Gruesse
Elke
Viele Grüße
Sabine