Hallo Wiz,
das würde ich so nicht unterschreiben.
Natürlich ist die Meinung des Patienten über den Arzt immer mehr oder weniger subjektiv geprägt. Aber es gibt nun mal gerade bei sehr speziellen Krankheiten Ärzte, die meinen, das behandeln zu können, ohne viel Ahnung gerade von dieser Krankheit zu haben. Das habe ich selbst schon zweimal erlebt.
Beim ersten Mal bin ich bei einer total verantwortungslosen Ärztin gelandet. Es bestand die Vermutung einer Diagnose, ihrer Meinung nach aber war die Ausprägung „sehr untypisch“, die Diagnose wurde verworfen, eine Behandlung sei nicht notwendig, meinte sie. Weitere Symptome, die ich ihr beschrieben hatte, hat sie als harmlos abgetan und sie überhaupt nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht.
Nun denn, ich habe dann eine Krankenhausambulanz ausfindig gemacht, die sich wirklich auf diese eine Krankheit spezialisiert und habe irgendwie über fünf Ecken eine Überweisung dorthin bekommen (man kann dort nur mit einer Überweisung eines „normalen“ Facharztes hin, aber es gibt halt auch Fachärzte, die ihre Grenzen kennen…).
Die Untersuchungen wurden dort wesentlich qualifizierter durchgeführt (das merke ich auch schon als Laie an bestimmten Kriterien), auch wurden zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Der behandelnde Arzt hat sich die Ergebnisse angeschaut, mich angeguckt (man konnte mir das Symptom, das die erste Ärztin übersehen hatte, sogar direkt ansehen, das ist diesem Arzt aufgefallen, ohne dass ich ihn darauf hingewiesen hätte) und meinte, ich sei doch ein Fall wie aus dem Lehrbuch. Er konnte mir einfach nicht glauben, dass eine Fachärztin nicht in der Lage war, die Diagnose zu stellen. Außerdem stellte sich heraus, dass man mit der Behandlung schon viel früher hätte anfangen müssen, denn je früher, desto besser die Aussichten…
Ein anderer Facharzt (dieselbe Krankheit, ich war aber gerade in einer anderen Stadt), der sich ebenfalls nicht direkt auf diese Krankheit spezialisiert hatte, hat bei leichtem Wiederauftreten eines der Symptome gleich angeordnet, die Medikamentendosis zu verdoppeln (!). Da mir dies spanisch vorkam, habe ich mich mit dem sonst behandelnden Krankenhaus in Verbindung gesetzt, das empfohlen hat, die Dosis so zu belassen, wie sie ist. Am Ende hat sich herausgestellt, dass anscheinend die Medikamentenanreicherung noch nicht im Gleichgewicht war, weil sich dieses Medikament nur langsam anreichert. Ich bin bei dieser Dosis geblieben und seitdem keine Beschwerden gehabt.
Insofern finde ich, dass es wichtig ist, für seltene Krankheiten nicht nur irgendeinen Facharzt aufzusuchen, sondern einen, der sich direkt auf diese Krankheit spezialisiert. Ich jedenfalls werde mich nie wieder von einem „Nur-Facharzt“ behandeln lassen. Dafür nehme ich mehrmals im Jahr eine Fahrt zum 600 km entfernten Spezialisten in Kauf, aber ich weiß, dass ich dort gut aufgehoben bin, einfach weil „normale“ Ärzte diesen Erfahrungsschatz nicht haben und sich mit seltenen Krankheiten nicht auskennen.
Meine Kritik gilt übrigens nicht der Tatsache, dass sich Ärzte mit seltenen Krankheiten nicht auskennen, wenn sie sich nicht explizit darauf spezialisieren. Vielmehr geht es mir darum, dass manche Ärzte ihre Grenzen nicht kennen. Mir wäre es v.a. bei der ersten Ärztin viel lieber gewesen (und ich hätte sie mit Sicherheit nicht in so schlechter Erinnerung), wenn sie mir gleich die Wahrheit gesagt hätte, nämlich, dass sie keine Ahnung hat. Aber sie hat sich sogar geweigert, mir diese Spezialüberweisung auszustellen. Dem verdanke ich eine höhere Medikamentendosis, weil mit der Behandlung zu spät begonnen wurde.
Zur Qualität der Behandlung gehört für mich aber auch, dass sich der Arzt meine Sorgen anhört und sie nicht einfach arrogant und/oder mit Verweis auf Zeitmangel abtut. Selbst wenn meine Ängste lächerlich sind, möchte ich vom Arzt doch ernstgenommen und über die Krankheiten, Medikamentennebenwirkungen etc. ausführlich aufgeklärt werden. Es gibt tatsächlich Ärzte, die sich für ein Gespräch mit einem aufgelösten Patienten trotz vollem Wartezimmer 2 h nehmen (so geschehen bei einer Bekannten von mir) und solch einen Arzt würde ich weiterempfehlen. Einen Krankenhausarzt, der nach einem Hinweis auf Vorerkrankungen der Patientin, die Einfluss auf die bestehende OP haben, sich für nicht zuständig erklärt und die OP ohne Rat vom Spezialisten durchführen will, finde ich inkompetent (so geschehen bei meiner Mutter, sie hat sich dann geweigert, in diesem Krankenhaus operiert zu werden und in dem anderen KH sind die Ärzte tatsächlich auch auf die Vorerkrankung eingegangen und haben das Narkosemittel entsprechend angepasst).
Insofern finde ich durchaus, dass es objektive Kriterien für die Qualität der Behandlung gibt:
- Der Arzt muss seine Grenzen kennen.
- Die durchgeführten Untersuchungen sollten, gerade bei unklaren Fällen, von hoher Qualität sein.
- Der Arzt muss sich für den Patienten Zeit nehmen, die Sorgen ernst nehmen und Geduld haben.
Schöne Grüße,
Anja