Medizingeschichte (online)

Hallo an Alle!

Wer kann mir eine gute „Geschichte der Medizin“ empfehlen (am liebsten natürlich online), in der ausführlich nachzulesen ist, wie einzelne Krankheiten vor Entdeckung von Antibiotika und Penicillin behandelt wurden ?

Vielen Dank im Voraus,
Clarissa

Also mir ist noch keine gute Online-Medizingeschichte begegnet, dagen sogar grauenhafte Skipte sogar von manchen Uni-Profs. Eine gute Ausgangsseite für Medizingeschichtliche Recherchen bietet Axel BAuers Internet-Surfboard (lass dich nicht von der optik täuschen, aber der Kerl ist MedGesch. Prof.).
Wenn du mir verrätst welche Krankheiten dich besonders interessieren, kann ich mal schauen, welche Literatur dazu zu empfehlen ist. Zur Seuchengeschichte an sich kann ich Stefan Winkle empfehlen (so zu pest Cholera und co.), zur Lepra gab es auch mal ein zweibändiges Werk „Lepra Aussatz Hansenkrankheit, hg. j.H. Wolf“, aber da du speziell nach Vor-Anitbiotika gefragt hast, denke ich mal, dass du evtl etwas spezielleres im Hinterkopf hast.
Falls dir mir allgemeiner Lekture auch gedient ist, dann kann ich Roy Porter „Die Kunst des Heilens“ empfehlen.
Es gibt auch seit letzem Jahr eine „Enzyklopädie Medizingeschichte“, die recht teuer ist, aber vermutlich in der nächstgelegenen Uni-Bibliothek steht.
Überhaupt sollte man sich bei medizinhistorischer Literatur oder Websites immer schlau machen, wie derjenige dazu kommt, sich damit zu beschäftigen, denn hier gibt es zu viele Hobbyhistoriker, die leider nicht genau auf quellenkritik achten…
Schöne Grüße
Susanne

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Medizingeschichte (online)
Hallo Susanne,

danke, dass ist ja schon mal ein guter Anfang!

Mir geht es vor allem darum, zuverlässig recherchieren zu können, wie heute mit Antibiotika beherrschbare Krankheiten Infektionskrankheiten (auch Kinderkrankheiten) im 18. und 19. Jahrhundert behandelt wurden, als es ja im Grunde keinerlei wirklich wirksame Arznei gab.
Ein zweiter Aspekt wäre der, allgemeine Krankheitsbilder wie „Schwindsucht“ anhand von zeitgenössischen Krankheitsbeschreibungen und dem medizinischen Wissen von heute etwas differenzierter zu betrachten.

Danke für Deine Mühe und viele Grüße,
Clarissa

Hallo,
im ausgehenden 19. Jahrhundert, nachdem die medizinische Mikrobiologie durch Koch in neue Bahnen gelenkt wurde, hat sich die so genannte Vakzin-Therapie etabliert (auch unter dem Begriff Autovakzine/autogene Vaccine bekannt geworden und heute noch (selten) in der Anwendung). Erst durch die Arbeiten von Koch war klar geworden, dass bestimmte Krankheiten _Infektions-_krankheiten waren und einen definierten Erreger hatten. Koch selber versuchte mit Hilfe des Tuberkulins (ein Kulturüberstand von Mykobakterien) einen therapeutischen Impfstoff gegen die Tuberkulose zu entwickeln und legte damit den Grundstein für die 1902 erstmals durch Sir Almroth Wright publizierte Vakzin-Therapie. Die Vakzin-Therapie (und daraus entwickelt die Serum-Therapie) blieben bis zur Einführung der ersten Antibiotika die Standardbehandlung für Infektionkrankheiten. Erst nach Einführung der Antibiotika verschwand die Vakzin-Therapie beinahe gänzlich von der Bildfläche. Ironischerweise war Fleming, der das Penicillin entdeckte (welches später durch Flory und Chain anwendungsreif gemacht wurde) einer der besten Schüler Wrights.

Es handelte sich bei der Vakzin-Therapie gewissermaßen um eine Heilimpfung bei der man den individuellen Erreger zur Impfung des bereits Erkrankten einsetzt. Dies auf einem aus heutiger Sicht eher ‚rührenden‘ Verständnisses des Immunsystems.

Einige Info’s zur Vakzin-Therapie/Autovakzine findest Du hier:
http://www.autovaccine.de/ bzw. hier:
http://www.euro-atvocard.de/ND/intro.html

einen Auszug aus meiner Habilschrift zum Thema Vakzin-Therapie und Autovakzine findest Du hier:
http://www.olivernolte.de/P/project_autovaccine.html

und eine ausführliche Referenzliste zum Thema findest Du hier:
http://www.autovaccine.de/english/references.html

Ich kann Dir ansonsten noch gerne einen deutschsprachigen Übersichtsartikel zuschicken, in dem ich das Thema diskutiert habe.
Bei Bedarf einfach E-mailen.
Viele Grüße,
Oliver

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Link zu Axel Bauers Surfboard?
Hallo Susanne,

kannst Du mal den Link zu Axel Bauers Surfboard einstellen? Finde ihn leider nicht.

Vielen Dank!

Lieben Gruß
Dantis

hier
http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak5/igm/g47/…

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Hallo Susanne,

danke, dass ist ja schon mal ein guter Anfang!

Mir geht es vor allem darum, zuverlässig recherchieren zu
können, wie heute mit Antibiotika beherrschbare Krankheiten
Infektionskrankheiten (auch Kinderkrankheiten) im 18. und 19.
Jahrhundert behandelt wurden, als es ja im Grunde keinerlei
wirklich wirksame Arznei gab.

Danke für Deine Mühe und viele Grüße,
Clarissa

Hallo Clarissa, heute behandelbare Krankheiten ist ein dehnbarer Begriff unter den hunderte Krankheiten fallen: Ich kann mich erst mal um die klassischen „Kinderkrankheiten“ stürzen und mal schaune ob ich etwas dazu finde, aber deine zweite Aussage

Ein zweiter Aspekt wäre der, allgemeine Krankheitsbilder wie
„Schwindsucht“ anhand von zeitgenössischen
Krankheitsbeschreibungen und dem medizinischen Wissen von
heute etwas differenzierter zu betrachten.

deutet ja darauf hin, dass es auch um andere der geschichtlich bedeutsamen Krankeiten geht. Schwindsucht ist im übrigen keine „allgemeine Krankheitsbeschreibung“ wie schnupfen oder so, sondern einfach ein alter Name für Tuberkulose.
Das Kapitel alte NAmen für heute anders benannte Krankheiten ist eines für sich. Oft sind regionale Bezüge dabei, zB. englische Krankheit = Rachitis, FranzosenKrankheit = Syphillis, englischer Schweiß = Diphterie etc.
Das was du sucht ist im Grunde eine komplette Bibiographie der Medizingeschichte. Das gibt es zawr auch, aber ich werd sie sicher nicht hier abschreiben.
Drum wäre ich dankbar, wenn du dein Interesse auf ein paar Krankheiten eigrenzen könnest. ansonsten werd ich mich schon mal nach etwas umfassender Literatur umschauen. An die einzelnen Quellen musst du dann schon selbst gehen (zB. gibt es im Corpus hippocraticum eine schöne Beschreibung von Mumps).

Was die Behandlungsmöglichkeiten angeht sind sie sehr beschränkt gewesen, eher eine Unterstützung der Selbstheilungskräfte und das ist wirklich nicht ausreichend (entsprechend gab es hohe Sterberaten). Schwitzen und Bettruhe ist meistens das Mittel der Wahl gewesen, ab und an noch Kräuter u.a. Mittel als Tee, Extrakt etc. Nur bei einzelnen Krankheiten gab es wirklich wirksame Arzneien, die allerdings nicht ohne Nebenwirkungen waren (also nichts mit weniger Nebenwirkung als Antibiotika), aber die These dass es gar keine wirksamen Arzneien gab, stimmt eben auch nicht.
Bei der Syphillis hat man vor allem eine Quecksilbersalbe angewendet (was durchaus ein hilfreiches Arzneimittel gerade für die Hauterscheinungen war)und wieder Schwitzkuren, oft auch kombiniert wodurch allerding auch manch Syphillisopfer eher durch das Quecksilber starb.
Später hat man dann zusätzlich das Guajakholz als Tee verabreicht (ebenfalls hilfreich und wirksam).
Bei Malaria war es das Cinin aus der Chinarinde. Das wirkt u.a. auch Abtreibend.
Zu diesen Maßnahmen kam natürlich bei vielen Krankheiten als wesentliches Mittel auch die Quarantäne/Isolation und etwas später die Impfung.
Mehr sobald ich die Bücher gewälzt hab, da kam ich noch nicht zu, denn gegen Schnupfen und die klassische Erkältung ist heute immer noch Bettruhe das beste.
Schöne GrüßeSusanne

Hallo Susanne,

Du hast natürlich genau ins Schwarze getroffen !

Das was du sucht ist im Grunde eine komplette Bibiographie der
Medizingeschichte.

Der Punkt ist, dass ich solche Recherchen zur Medizingeschichte immer mal wieder habe, und immer mit anderen Krankheiten oder pathologischen Zuständen, deshalb suche ich ja primär nach passenden Nachschlagewerken, die ich dann entsprechend konsultieren könnte.
Aber um Dich nicht über Gebühr zu strapazieren, beschränke ich mich jetzt mal auf folgende, ganz konkrete Fragestellungen:

* Umgang mit Lungenentzündung um 1900
* die üblichen und typischen Kinderkrankheiten um 1900, deren Behandlung und deren Sterblichkeitsraten

Übrigens ist mir die Quecksilbersalbe auch schon untergekommen, und zwar als „Geheimtipp“ bei der (vermeintlichen) Behandlung von Tollwut, auch lange bevor es die Impfung gab. Und als Alternative zum Hubertusschlüssel, der in den katholischen Gegenden an erster Stelle stand :wink:)

In diesem Sinne nochmals vielen Dank und liebe Grüße,
Clarissa

Danke! owt
owt