Blinddarm?

Hallo,
ich komme gleich zu meinem Anliegen; ich habe Beschwerden, rechts im Unterbauch. Man denkt sofort Blinddarm; das Problem ist, dass ich diese Beschwerden schonmal vor 6 Jahren hatte. Es ging 3 Jahre hin und her, Blinddarnentzündung habe ich gedacht… Oh Schreck! Man hat Blut untersucht, war aber in Ordnung, ich konnte mein Bein problemlos bewegen, keine Übelkeit, beim Tasten(Drücken) keine großen Schmerzen… Blinddarmreizung, Nierenbeckenentzündung, Reizblase, psychosomatische Schmerzen /Nervenschmerzen, es kamen so viele Theorien. Dann eines Tages durch Zufall hat man Gallensteine festgestellt, nach mehreren Entzündungen war meine Gallenblase geschrumpft und voller Steine. Ich landete im Krankenhaus, nach 3 Jahren vollgemerkt. Ich hatte furchtbare Angst, in die ich mich in Laufe der 3 Jahren so zimlich gesteigert habe. Die Angst vor dem Krankenhaus wurde zur Bessesenheit. Ich achtete nur auf die Stelle im Unterbauch. Als man mir schließlich die Gallenblase entfernt hatte und ich sehen konnte, dass ichs überlebt habe, gingen auch diese Schmerzen im Unterbauch weg. Nun sind diese Schmerzen wieder da, seit einpaar Tagen und ich bin wieder in der Vergangenheit. Es war eine schlimme Zeit und ich möchte sie nicht nochmal durchmachen müssen. Was soll ich machen, kann mir jemand was gutes raten. Ich weiss, es gibt schlimmeres, Blinddarm, Galle heutzutage sind das kleine Eingriffe, aber trotzdem…
Vielen Dank !
Dolores

Hallo Dolores,
Sie machen Ihrem Namen doch Ehre, wenn Sie sich so sehr mit Schmerz befassen. Dennoch kann ich mit Bezug auf Appendicitis (Entzündung des Blinddarm-Wurmfortsatzes) sagen, dass eine Diagnose erstaunlicherweise relativ schwierig ist.
Eine A. kann chronisch verlaufen oder akut. Im akuten Blutbild sind die Leukozyten nach den ersten Stunden um ein Vielfaches des Normwertes erhöht. Meistens. Denn dieser Wert hängt sehr davon ab, wann er gemessen wird.
Wie Sie das schildern, haben Sie wohl bereits vor Jahren eine entzündliche Erkrankung der Appendix vermiformis durchgemacht, diese ist vorübergehend abgeheilt, um dann und wann wieder mal aufzutreten: das wäre ein eher chronischer Verlauf in Schüben.
Dass Sie daran so einen „psychosomatischen“ Überbau geknüpft haben, ist eine andere Geschichte und interessiert mich naturgemäß auch. Denn es geht dabei ja um Ihre Angst vor einem Eingriff in Ihre bisher kaum angetastete Ganzheit.

Zurück zu Ihrer Frage: Ich würde in dem Fall meinen Hausarzt bitten, eine Blinddarm-Füllung zu veranlassen, dabei nehmen Sie abends ein Abführmittel und darauf ein Kontrastmittel, um am folgenden Morgen zum Darmröntgen zu gehen. Hier läßt sich die Kontur und der Füllungstzustand des Wurmfortsatzes schön - und nicht invasiv - darstellen. Wenn er sich schlecht füllt - z.B. durch sog. Koprolithen, Kotbröckelchen - oder sonstwie atypisch verwachsen da liegt, würde ich eine geplante Operation einer Not-Operation 10:1 vorziehen. Ihre Verweildauer im Krankenhaus wäre im günstigen Fall 4-5 Tage mit weinigen Wochen Erholung (nichts Schweres heben, etc). Wenn Sie es darauf ankommen lassen und einen akuten Schub abwarten wollen, so gehen Sie das Risiko ein, nicht innerhalb von 24 Stunden operiert zu werden und einen lebensgefährlichen Durchbruch zu erleiden.
Immer günstig ist es auch, die Adnexen mit zu beurteilen, denn eine Entzündung der Eierstöcke bzw. Tuben oder eine Eileiter-Schwangerschaft machen eine oft mit Appendicitis verwechselte Symptomatik.
Was die psychische Symbolik des Schmerzes im Bauch betrifft, möchte ich hier nicht weiter Stellung nehmen, Sie können aber gerne direkt Kontakt aufnehmen.
Liebe Grüße,
V.