Sebstverstümmelung?

Halo zusammen,

zu folgendem Thema interessiert mich die Meinung aller Leute, die selbst im medizinischen Bereich tätig sind:

"Ein 39-jähriger Deutscher […] sucht „nach einer Möglichkeit, meine innere Identität als Mensch mit einer Querschnittlähmung zu realisieren und somit psychische Heilung zu erlangen.“ Er wünscht sich einen Arzt, der ihm das Knochenmark durchtrennt. Seit seinem sechsten Lebensjahr sehne er den „Eintritt einer schwerwiegenden orthopädischen Behinderung“ herbei. Kann dem Manne geholfen werden?

Noch heute stockt einem der Atem, wenn man die Gespräche nachliest, die die britische BBC Anfang 2000 führte. Damals hatte ein Krankenhaus im schottischen Falkirk bestätigt, zwei körperlich gesunden Menschen auf deren Wunsch hin je ein Bein amputiert zu haben.

Einer der beiden Patienten, Hans aus Deutschland, erklärte, nun erst, ohne das rechte Bein, fühle er sich komplett; Depressionen und Selbstmordgedanken seien verschwunden."

(Quelle: Süddeutsche, http://www.sueddeutsche.de/,tt5m3/kultur/artikel/756…)

Mal abgesehen davon, dass diese Leute meiner Meinung nach eher einen Psychiater brauchen, als eine Operation. Widerspricht das Verhalten der Ärzte nicht dem hippokratischen Eid? Ist es ethisch in Ordnung, wenn der Arzt einem solchen Ersuchen nachkommt und einen gesunden Menschen auf eigenen Wunsch hin verstümmelt?

Ciao
Andreas

Ist es
ethisch in Ordnung, wenn der Arzt einem solchen Ersuchen
nachkommt und einen gesunden Menschen auf eigenen Wunsch hin
verstümmelt?

Ciao
Andreas

Hallo Andreas,

es gibt verschiedene psychische Störungen, die derartige Wünsche auslösen können. Es ist ethisch nicht vertretbar, diese durch medizinische Eingriffe wie Amputationen oder plastische Veränderungen zu behandeln - dafür gibt es psychotherapeutische und psychiatrische Behandlungsmethoden, die den Patienten ohne Verstümmelungen helfen.

Viele Grüße,
Sam

Hallo!

es gibt verschiedene psychische Störungen, die derartige
Wünsche auslösen können. Es ist ethisch nicht vertretbar,
diese durch medizinische Eingriffe wie Amputationen oder
plastische Veränderungen zu behandeln - dafür gibt es
psychotherapeutische und psychiatrische Behandlungsmethoden,
die den Patienten ohne Verstümmelungen helfen.

Ich gebe dir im Grunde recht.

Aber was ist, wenn der Patient schon jahrelang Therapien macht, diese Wünsche aber nicht weg gehen? Wenn die Krankenkassen schon keine Behandlungen mehr bezahlen wollen? In so einem Falle finde ich es besser, wenn so eine gewollte Verstümmelung ( ist für mich im Grunde nicht sinn - voller oder loser, als Schönheitsops ) kontrolliert von Ärzten in einem Krankenhaus durchgeführt wird, wo weiter Komplikationen ausgeschlossen werden können. Das wäre allemal besser, als wenn sich so ein Typ vor ein Auto wirft und so vielleicht sogar noch andere Menschen tötet/verstümmelt.

Aber ich glaube diese Meinung teilen nicht viele. Ich persönlich befürworte ja auch die Sterbehilfe. Wir werden schon ohne unseren Willen in die Welt gesetzt. Warum dürfen wir dann nicht wenigstens entscheiden, wann wir sie wieder verlassen wollen? Vorherige Therapien durch Psychologen natürlich vorausgesetzt.

Tara

Hallo,

es ist sicher einfach, sich als Arzt bei so einem Wunsch mit Grausen abzuwenden, und noch leichter, einen Arzt dafür zu verurteilen, dass er so einem Wunsch nachgegeben hat. Schwieriger ist aber die Frage, wie man einem Betroffenen helfen kann. Und ich kann mir hier durchaus vorstellen, dass es Fälle geben mag, in denen psychische Behandlungsversuche über lange Zeit fehlgeschlagen sind, und die Lebensqualität des Betroffenen hierunter massiv gelitten hat. Unterstellt man jetzt, dass die handelnden Ärzte keine Schlächter sind, die aus reinem Spaß an der Freude anderen Leuten Glieder abschneiden, sondern ihren Job ernst nehmen, dann werden sie sicherlich genau hierauf abstellen und nicht gleich bei erster und bester Gelegenheit zum Messer greifen. Und wenn klar ist, dass bislang alle Versuche anderweitiger Behandlung fehlgeschlagen sind, und andererseits eine günstige Prognose besteht, dass nach einer Amputation tatsächlich eine Besserung der psychischen Verfassung eintreten wird, dann halte ich einen solchen Eingriff durchaus für vertretbar, und zolle Ärzten meinen Respekt, die sich einer so schwierigen und angreifbaren Situation stellen, und Verantwortung wahrnehmen.

BTW: Die Sache mit dem Eid wird üblicherweise vollkommen überschätzt. Er ist in D z.B. keine Vorschrift im rechtlichen Sinne, und wenn man ihn mal wörtlich betrachtet, gibt es im Original auch nur eine Klausel, wonach ein Arzt niemandem auf Wunsch ein tödliches Gift verabreichen wird (und übrigens auch keine Schwangerschaftsabbrüche oder Blasenstein-OPs durchführen wird). Er enthält aber auch die Formulierung: Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil, …", und wenn nun mal einem Kranken nicht anders als durch eine Amputation geholfen werden kann, dann wäre dies hierdurch sicherlich abgedeckt.

Gruß vom Wiz

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Schwieriger ist aber die Frage, wie man einem Betroffenen
helfen kann. Und ich kann mir hier durchaus vorstellen, dass
es Fälle geben mag, in denen psychische Behandlungsversuche
über lange Zeit fehlgeschlagen sind, und die Lebensqualität
des Betroffenen hierunter massiv gelitten hat.

Ich halte das für eine schlechte Rechtfertigung. Ist es nicht so, dass die psychische Behandlung einfach versagt hat, weil sie in die falsche Richtung ging oder falsch angewendet wurde? Rechtfertigt eni Versagen der psychischen Behandlung denn eine Amputation? Da habe ich meine Zweifel. Das ist für mich so, als würde man bei einem Auto, bei dem man den Fehler in der Bordelektronik nicht findet, mal eben die Hinterachse durchsägen. Nur weil der Fahrer denkt, dass er sich dann vielleicht besser fühlt, wenn schon der Elektriker keinen Erfolg hat.

Unterstellt man
jetzt, dass die handelnden Ärzte keine Schlächter sind, die
aus reinem Spaß an der Freude anderen Leuten Glieder
abschneiden, sondern ihren Job ernst nehmen, dann werden sie
sicherlich genau hierauf abstellen und nicht gleich bei erster
und bester Gelegenheit zum Messer greifen.

Auch das bezweifle ich. Vor Ärzten habe ich nicht mehr Respekt, als vor jedem anderen Beruf, in dem es von Pfuschern nur so wimmelt, und für Geld alles getan wird. Deine Unterstellung ist schon sehr idealistisch.

Und wenn klar ist,
dass bislang alle Versuche anderweitiger Behandlung
fehlgeschlagen sind, und andererseits eine günstige Prognose
besteht, dass nach einer Amputation tatsächlich eine Besserung
der psychischen Verfassung eintreten wird, dann halte ich
einen solchen Eingriff durchaus für vertretbar

Genau das kann ich mir in dem erwähnten Fall eben nicht vorstellen. Ich glaube (!), dass man dem Patienten dadurch nicht hilft, weil durch solche Methoden die Ursache des Problems keinesfalls beseitigt wird.

Ciao
Andreas

Hi!

Genau das kann ich mir in dem erwähnten Fall eben nicht
vorstellen. Ich glaube (!), dass man dem Patienten dadurch
nicht hilft, weil durch solche Methoden die Ursache des
Problems keinesfalls beseitigt wird.

Darüber habe ich mal eine Reportage gesehen. Dabei ging es um eine Frau in den USA die bereits seit ihrer Kindheit Verstümmelungswünsche hat. Sie hat auch jahrelange Therapien gemacht, aber ihr ging es immer schlechter. Ihr wurde dann eine Amputation ihrer Beines ( ich glaube es war das Bein ) zugesagt und seitdem fühlte sie sich besser.

Wie ist denn deine Einstellung zu Geschlechtsumwandlungen? Müssen die auch eine Therapie machen? Bist du dagegen? Ist nur interessenhalber

Tara

Hi Andreas,

zur eigentlichen Sache hab ich noch nicht genug nachgedacht, als dass ich meine Meinung kund tun könnte. Das heisst ehrlich gesagt, hatte ich bisher weder gehört noch geahnt, dass es Leute gibt, die derlei Wünsche verspüren. Aber sei es mal so.

Was mich jetzt interessieren würde: wer zahlt das denn? Da ist ja zum einen die OP, die sicherlich nicht besonders kostengünstig ist. Und dann ist’s ja so, dass der betroffene Mensch sein Leben lang Hilfsmittel (Rollstuhl, spezielles Auto, Prothese, weiss-der-Geier-was-noch) benötigen wird. Wie wird das denn gehandhabt?

Ist ja eigentlich ein wenig anders als bei einer Schönheits-OP wo im Normalfall hinterher keine absehbaren Folgekosten auftreten. Sprich: ich lasse mir heute für xxx Euro Fett absaugen oder die Brust/Nase vergrössern und dann renne ich für den Rest meines Lebens mit weniger Fett mehr Brust/Nase durch die Lande. Gut, es kann sein, dass ich das eines schönen Tages rückgängig machen will/muss - aber auch das ist ja nur eine weitere OP (im Normalfall).

Bei den Verstümmelungen reden wir aber doch von kontinuierlichen Kosten (So Hilfsmittel halten ja nicht ewig). Wie sieht das also dort aus?

*wink*

Petzi

Wie ist denn deine Einstellung zu Geschlechtsumwandlungen?
Müssen die auch eine Therapie machen?

Ja. Ein Jahr psychotherapeutische Begleitung bis die Umwandlung genehmigt wird. Allerdings ist die Umwandlung unter Klinikern als Lösung von Transsexualismus umstritten: langfristige Auswirkungen von Hormontherapie und nachfolgende Umwandlung liegen kaum vor; einige Patienten kommen danach gut zurecht, andere entwickeln schwere psychische Störungen nach der Umwandlung.

Sam

Hallo,

Ich gebe dir im Grunde recht.

Aha.

Aber was ist, wenn der Patient schon jahrelang Therapien
macht, diese Wünsche aber nicht weg gehen?

Es existieren verschiedene Möglichkeiten der Behandlung, neben medikamentösen Therapie werden Psychotherapien und kombinierte Therapiemethoden angewandt. Bei den meisten Störungen, die derartige Symptome hervorrufen, können damit gute Behandlungserfolge erzielt werden.

In so einem Falle finde ich es besser, wenn so eine gewollte
Verstümmelung ( ist für mich im Grunde nicht sinn - voller
oder loser, als Schönheitsops ) kontrolliert von Ärzten in
einem Krankenhaus durchgeführt wird, wo weiter Komplikationen
ausgeschlossen werden können.

Damit würdest Du einer Person, die aufgrund einer psychischen Störung nicht in der Lage ist, einen klaren Entschluss zu fassen, darin unterstützen, unnötige, riskante und gesundheitsschädigende medizinische Eingriffe vornehmen zu lassen.

Das wäre allemal besser, als
wenn sich so ein Typ vor ein Auto wirft und so vielleicht
sogar noch andere Menschen tötet/verstümmelt.

Eine Person, die derartige Pläne fasst, gehört in psychische Behandlung und nicht in eine medizinische, die Amputationen vornimmt. Und was passiert eigentlich, wenn die Menschen z.B. nach erfolgreicher Psychotherapie nicht mehr die Symptome haben und dann aber schon Amputationen vorgenommen wurden? Man kann es nicht rechtfertigen - die Selbstbestimmung der psychisch gestörten Patienten zu einer klaren Entscheidung für einen kosmetischen Eingriff oder einer Amutation ist nicht gegeben.

Aber ich glaube diese Meinung teilen nicht viele. Ich
persönlich befürworte ja auch die Sterbehilfe. Wir werden
schon ohne unseren Willen in die Welt gesetzt. Warum dürfen
wir dann nicht wenigstens entscheiden, wann wir sie wieder
verlassen wollen?

Es ist ein Unterschied, wenn sich jemand aus medizinischen Gründen oder psychologischen Gründen zu einer Selbstverstümmelung oder Suizid entscheidet; denn der psychische Patient ist nicht entscheidungsfähig.

Sam

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Hi!

Ja. Ein Jahr psychotherapeutische Begleitung bis die
Umwandlung genehmigt wird. Allerdings ist die Umwandlung unter
Klinikern als Lösung von Transsexualismus umstritten:
langfristige Auswirkungen von Hormontherapie und nachfolgende
Umwandlung liegen kaum vor; einige Patienten kommen danach gut
zurecht, andere entwickeln schwere psychische Störungen nach
der Umwandlung.

Interessant. Es gibt ja auch so Fälle, wo ein Mensch mit einem weiblichen Körper, aber mit einem männlichen Gehirn zur Welt kommt ( fehlender oder übermäßiger Hormonausstoß während der Schwangerschaft innerhalb einer bestimmten Zeit ). Ich denke, dass solche Patienten keine psychischen Störungen bekommen würden. Aber interessant ist dieses Thema ja schon.

Zu den Selbstverstümmelungen: Könnte es nicht sein, dass das Gehirn dieser Leute einen „Schaden“ haben könnte( ähnlich wie ein paar Zeilen drüber ), so dass es einen Teil des Körpers als Fremdkörper ansieht? Gibt es dazu irgendwelche Untersuchungen?

Tara

Zu den Selbstverstümmelungen: Könnte es nicht sein, dass das
Gehirn dieser Leute einen „Schaden“ haben könnte( ähnlich wie
ein paar Zeilen drüber ), so dass es einen Teil des Körpers
als Fremdkörper ansieht? Gibt es dazu irgendwelche
Untersuchungen?

Es gibt viele verschiedene psychische Störungen, die entsprechende Symptome hervorrufen können, zu ihnen gibt es jeweils verschiedene Theorien, oft auch neurobiologische. Diese Störungen hier darzustellen, ihre Theorien zu nennen und Erklärungen zu liefern, sprengte hier völlig den Rahmen.

Sam

Hallo Petzi,

ich kann mir gut vorstellen, dass sowohl Krankenversicherung als auch Staat sich quer stellen, wenn es um die Beantragung irgendwelcher Hilfsmittel oder Unterstützungsgelder geht. Alles andere würde mich stark wundern, nachdem man ja bei diesen Institutionen grundsätzlich jeden Euro, den man braucht zehnfach begründen und beweisen muss.

Ciao
Andreas

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Hi!

Genau das kann ich mir in dem erwähnten Fall eben nicht
vorstellen. Ich glaube (!), dass man dem Patienten dadurch
nicht hilft, weil durch solche Methoden die Ursache des
Problems keinesfalls beseitigt wird.

Darüber habe ich mal eine Reportage gesehen. Dabei ging es um
eine Frau in den USA die bereits seit ihrer Kindheit
Verstümmelungswünsche hat. Sie hat auch jahrelange Therapien
gemacht, aber ihr ging es immer schlechter. Ihr wurde dann
eine Amputation ihrer Beines ( ich glaube es war das Bein )
zugesagt und seitdem fühlte sie sich besser.

Wie ist denn deine Einstellung zu Geschlechtsumwandlungen?
Müssen die auch eine Therapie machen? Bist du dagegen? Ist nur
interessenhalber

Hallo Tara,

bei Geschlechtsumwandlungen sieht m.E. die Sachlage anders aus. Als Laie werde ich versuchen, dies halbwegs sinnvoll zu formulieren: Es gibt durchaus Fälle, in denen Störungen (hormonell, genetisch, und was es da sonst noch für Ursachen geben kann) von Geburt an verankert sind, die dazu führen, dass das Geschlecht nicht zu dem passt, was der Mensch „fühlt“ (oder was in seinem Gehirn verankert ist).

Ich bezweifle, dass es eine schlüssige Begründung dafür gibt, warum ein Mensch denkt, das Bein gehöre nicht zu seinem Körper. Das sieht mir eher nach einer „erworbenen“ psychischen Störung aus.

Viele Grüße
Andreas

Hallo Andreas

Ich halte das für eine schlechte Rechtfertigung. Ist es nicht
so, dass die psychische Behandlung einfach versagt hat, weil
sie in die falsche Richtung ging oder falsch angewendet wurde?
Rechtfertigt eni Versagen der psychischen Behandlung denn eine
Amputation? Da habe ich meine Zweifel. Das ist für mich so,
als würde man bei einem Auto, bei dem man den Fehler in der
Bordelektronik nicht findet, mal eben die Hinterachse
durchsägen. Nur weil der Fahrer denkt, dass er sich dann
vielleicht besser fühlt, wenn schon der Elektriker keinen
Erfolg hat.

Ich finde, dass Du im Prinzip recht hast. Das Leid einer Querschnittslähmung kann eigentlich nicht durch subjelktives Wohlgefühl ausgeglichen werden. Ich bezweifle das jedenfalls auf längere Sicht. In vielen Fällen muss man weiter nach einer für diesen Patienten geeigneten Psychotherapie suchen, und wenn absolut keine anschlägt, würtde ich zunächst auch noch Psychopharmaka einsetzen wollen, bevor man jemand das Rückenmark durchtrennt und ihn für den Rest seines Lebens bewegungsunfähig macht.
Man sollte vielleicht auch nicht jedem Wunsch und jedem Lebensgefühl von Menschen entsprechen wollen.
Als Arzt wäge ich das schon jedesmal ab. Es gibt sehr viele Wünsche, die ich zunächst einmal in Ruhe anschaue und nicht jedem sofort entspreche.
Ich schaffe einem Lustmörder ja auch nicht Opfer herbei, weil er sonst nicht den iultimtiven Kick bekommt.
Gruß,
Branden

Hi,
ich hab jetzt mal absichtlich nichts in diesem thread gelesen.
Aber er würde tatsächlich besser ins Brett Psychologie passen - Du hast ja schon erkannt, dass hier eine psychische Störung zugrunde liegt.

Eine, die mir völlig unmöglich ist, auch nur irgendwie nachzuvollziehen, die aber existiert, wenn auch recht selten.

Ich wollte nur mal eine winzige ‚Parallele‘ erwähnen: gender identity disorder.

Parallele? Nun, insofern, als es akzeptierte Meinung ist, dass es natürlich besser, einfacher und angenehmer für den Betroffenen wäre, wenn man das, was ihn im Gehirn zum anderen Geschlecht macht, dem physischen Geschlecht anpassen könnte.

Kann man aber nicht - also passt man das physische Geschlecht an das psychisch ‚gefühlte‘ an.

Und es ist ja nicht so, als ob man das wegtherapieren könnte!
Es ist eine echte Störung, mit der der Mensch geboren wurde.
Und ich möchte nicht in jemandes Schuhen stecken, der gender identity disorder hat.

Nun, das mit der Selbstverstümmelung kann ich nach wie vor überhaupt nicht nachvollziehen - ich will nur sagen, WENN man es wegtherapieren KÖNNTE, dann würden sich diese ethischen Fragen nicht stellen.

Aber ich denke mal, dass es sich eben so wenig wegtherapieren lässt wie gender identity disorder.

gruss,
isabel

Hallo Andreas,

Mal abgesehen davon, dass diese Leute meiner Meinung nach eher
einen Psychiater brauchen, als eine Operation.

ich erinnere mich an diesen Beitrag (er lief glaube ich als BBC-Dokumentation auf VOX). Einer dieser ‚Patienten‘ war selber Psychater oder Psychotheapeut.
Ihm war die Irrealität seines Wunsches völlig klar - rationeal.
Allerdings war das Sehnen nach der Amputation so stark, daß es seine Ratio völlig übermantelte.

Wie es ihnen weiter erging, kann ich nicht sagen, der Bericht hat mich aber tief bewegt, auch in Hinblick auf die Stärke von (irrealen) Trieben und Wünschen.

Gandalf

Hallo Andreas,

den Bericht mit der Klinik in Falkirk habe ich damals gesehen (mit offenem Mund ehrlich gesagt). Eine der Begründung der Ärzte war, dass die „Patienten“ oft auch nach langjähriger psychiatrischer Betreuung diese Wünsche haben und ohne medizinische Unterstützung hergehen und sich tatsächlich selbst verstümmeln.

Von auf ein Bein auf die Gleise legen und vom Zug überfahren lassen bis zur Kettensäge war da alles dabei. Die Ärzte meinten, dass es oft „einfacher“ sei, den Ursprungswunsch fachmännisch auszuführen, als nach erfolgter Selbstverstümmelung die multiplen Verletzungen die entstanden sind zu behandeln und zu heilen.

Dies nur zu der Begründung der Ärzte. Soweit ich mich erinnere, ist nur ein oder höchstens zwei Betroffene® überhaupt operiert worden, danach ist diese Methode sofort untersagt worden.

Ich gestehe, dass mir für dieses Thema jegliches Verständnis abgeht und ich betone, dass es hierbei um Verständnis im Sinne von „verstehen“ geht. Es gibt ja Dinge, die man irgendwie nachvollziehen kann, weil man von diesen Wünschen oder ähnlichen zumindest mal gestreift wurde. Das sich aber jemand herbeisehnt, was andere in ihren Alpträumen fürchten, das eben kann ich absolut nicht nachvollziehen, deswegen verstehe ich es nicht und habe also kein Verständnis dafür.

Ja ich bin so verwirrt, dass es mir nicht einmal recht gelingt dazu eine eigene Meinung zu haben. Der o.g. Bericht war da auch nicht erhellend. Diese Menschen sind keine Freaks oder schäumende Irre, sondern können auf der Strasse nur als völlige Normalos nicht erkannt werden.

Was soll man dazu sagen? Ich weiss es wirklich nicht.

Gruß
Nita

Hallo Andreas,

Mal abgesehen davon, dass diese Leute meiner Meinung nach eher
einen Psychiater brauchen, als eine Operation.

Was durchaus offensichtlich Bestandteil der Leidensgeschichte war:
http://www.medicalpost.com/mpcontent/article.jsp?con…

Widerspricht
das Verhalten der Ärzte nicht dem hippokratischen Eid?

Den Körper heil zu lassen und die „Seele“ weiter leiden zu lassen, wenn es denn keine andere Lösung gibt? Keine Ahnung. Was hälst Du für wichtiger im Bezug auf die Ethik?

Ist es
ethisch in Ordnung, wenn der Arzt einem solchen Ersuchen
nachkommt und einen gesunden Menschen auf eigenen Wunsch hin
verstümmelt?

Ich bin kein Mediziner (antworte aber trotzdem):
Wo ist bitte der Unterschied zwischen einer Fettabsaugung, einer Brustvergrößerung oder der Amputation eines unerwünschten Körperteils?
Ich halte im Prinzip alles für absolut unnötig und in der Regel rein psychologisch motiviert, aber sicher genau deshalb auch diskussionswürdig in diesem Zusammenhang.
Ich zumindest erkenne nämlich keinen(!) Unterschied darin. Denn der scheinbare Unterschied, dass der eine noch laufen kann, der andere aber nicht, ist in meinen Augen sehr „vordergründig“ im Zusammenhang mit der Ethik einer medizinisch unnötigen Körperverletzung auf eigenen Wunsch …

Grüße
Jürgen

Ich glaube, das ist sehr schwierig zu beantworten.

zumindest in der Privaten Krankenversicherung heißt es dazu:
(§ 5 I (1b): für auf Vorsatz beruhende Krankheiten und Unfälle besteht keine Leistungspflicht).

Also müsste bewiesen werden, dass kein Vorsatz (wie zum Beispiel bei Betrügern, die sich wegen hoher Invaliditätsversicherungen Glieder abtrennen) vorliegt, also so etwas wie eine das rationale Denken ausschaltende Erkrankung vorliegt. Das wär wohl so, wenn man sich auf das Bahngleis legt, wie beschrieben und ähnlich wie bei Selbsttötungsversuchen, da werden die Kosten, die dadurch entstehen, ja auch übernommen.

Bei einer geplanten OP aber? Schwierig zu entscheiden (insbesondere im Nachhinein). Wäre sicher was für die Gerichte.

Punkt zwei wäre dann natürlich auch zu beachten, ob der Arzt hier einen Eingriff ohne medizinische Rechtfertigung vornimmt, was eine vorsätzliche Körperverletzung darstellt. Der kann eventuell dann auch belangt werden.

die Selbstbestimmung der

psychisch gestörten Patienten zu einer klaren Entscheidung für
einen kosmetischen Eingriff oder einer Amutation ist nicht
gegeben.

Und wer legt fest, wann ein Mensch so stark psychisch gestört ist, dass er keine eigenen Entscheidungen mehr zu treffen im Stande ist? Müsste dieser Mensch dann nicht entmündigt werden? Und wie machst du ihm das klar?
Gruß, Miriam