Flugangst/Platzangst

Liebe Wissenden,

Weihnachten steht vor der Tür und damit für mich auch eine Flugreise. An und für sich - und neben dem Sommerurlaub - endlich wieder DER Zeitpunkt, an dem sich die ganze Familie treffen wird. Deshalb freue ich mich grundsätzlich sehr darauf!

Aber ich leide unter Platzangst. Volle Fahrstühle? Lieber schleppe ich die schweren Tüten Hunderte von Stufen hoch. Kinobesuch? Ich setze mich an den Rand in die Nähe des Notausgangs. Weihnachtsmarkt? No way - der Große muss sich mit Freunden durchs Chaos wühlen, nicht mit mir. Konzertbesuch? Seit Jahren nicht mehr möglich, weil ich schon nach Minuten der Beklemmung den Saal wieder verlasse.

Das Schlimmst sind aber die Flüge! Letzten Endes hat es zwar immer irgendwie geklappt, und man lernt so interessante Leute wie Manager und Piloten kennen, Stewardessen gehalten einen genauestens im freundlichen Blickwinkel - aber das ist nicht das Wahre.

Natürlich habe ich schon viel ausprobiert: Am besten hilft Alkohol. Tabletten mit Wirkstoff Johanniskraut scheine ich überhaupt nicht zu vertragen, davon bekomme ich seltsamerweise Herzrasen… Viel probiert, nichts wirkte gut.

Diesmal kommt nun auch noch mein halbjähriges Baby mit, und ich habe anst, meine innere Unruhe auf das Kind zu übertragen. Ist hier vielleicht jemand, der mir noch einen Haustipp geben kann, den ich vielleicht noch nicht probiert habe? Was ist mit Baldriantropfen??? Atemübungen und Muskelrelaxion wende ich konsequent an, das setzt aber voraus, dass man in sich gehen kann. Mit Säugling stelle ich mir das ziemlich unmöglich vor…

Nochmal zur Anschaulichkeit meine Horrorvorstellungen:

Ich sitze im Flieger, dann geht die Tür zu und ich weiß: hier kommst Du jetzt nicht mehr raus!!! - PANIK!!!

Ich schaue mich im Flieger um, da sitzen ohne Ende fremde Leute, die vielleicht auch Panik haben/bekommen und dann schreien und unruhig werden, wodurch ich wiederum keine Luft mehr bekommen könnte… PANIK!!!

Das Baby schreit und beunruhigt so die anderen. Der Druck auf mich wächst, ich werde dadurch unruhiger… PANIK!!!

Hilflose fragende Grüße nach Tricks & Kniffen für den Panik-Moment an sich schickt euch

Jana :frowning:

Hallo Jana,

langfristig am günstigen ist es, wenn Du eine Therapie gegen Deine Angstzustände machen würdest. Verhaltenstherapeutische Methoden sind am erfolgversprechendsten. Dazu gehören auch die Kurse gegen Flugangst, die von Luftfahrgesellschaften angeboten werden. Die Wirksamkeit soll recht hoch sein. Auf die Schnelle möchte ich Dir aber keine „Tipps und Tricks“ nennen, weil bei mangelnder Übung viel schief gehen und die Angst schlimmer werden kann. Aber es gibt Selbsthilfebücher, in die Du schauen kannst:

Mathews und andere (1994). Platzangst. Ein Übungsprogramm für Betroffene und Angehörige. (Deutsche Bearbeitung von Hand & Fisser-Wilke). Basel: Karger

Schmidt-Traub, S. (1995). Angst bewältigen. Selbsthilfe bei Panik und Agoraphobie. Berlin usw.: Julius Springer.

Zur Beruhigung in akuten Paniksituationen kann man auch ein Benzodiazepin einnehmen. In Deutschland ist für diesen Zweck Alprazolam (Tafil) zugelassen. Allerdings ist dieses Medikament wirklich nur für die kurzfristige Anwendung empfehlenswert. Frag doch einmal Deinen Arzt, was er dazu meint.

Manche Patienten berichten tatsächlich davon, daß Baldrian ihnen in Paniksituationen hilft. Dafür gibt es allerdings keine ausreichenden Belege in wissenschaftlichen Untersuchungen. Daher ist es ein Risiko, wenn Du Dich auf Baldrian allein verlassen würdest.

Beste Grüße,

Oliver Walter

Hallo!

Auch, wenn es nicht wirklich hilfreich für dich sein wird, muß ich mal den Klugscheiß-Modus anwerfen: Du hast keine Platzangst, sondern Klaustrophobie! Platzangst ist nämlich das genaue Gegenteil - die Angst vor großen, leeren Plätzen…

Aber um doch noch was (vielleicht) Hilfreiches zu sagen: Gut ist es, das Personal am Flughafen bzw. in der Maschine über die Angst zu informieren. Man wird dann besonders auf Dich Acht geben.

meinst Du nicht, daß das Kind Dir vielleicht sogar eher eine Hilfe wäre? Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eigentlich panische Menschen über sich hinauswachsen, wenn sie sich plötzlich um jemanden kümmern müssen, der noch kleiner/hilfloser ist als sie selbst.

Außerdem ist das wohl Schlimmste die Angst vor der Angst. Du machst Dir jetzt schon so viele Gedanken darum, was passieren könnte, daß das allein schon hochschaukelt. Ich habe z.B. am ersten Tag im OP IMMER Angst, ich könnte umkippen, und kann an gar nichts anderes mehr denken. Fazit: mir wird schwindlig und ich muß raus… am nächsten Tag ist das kein Problem mehr, wenn ich es schaffe, nicht vorher drüber nachzudenken.
Das muß natürlich nicht bei jedem so sein, und wenn Du Dir wirklich große Sorgen machst, wäre ein Anti-Flugangst-Training vielleicht das Richtige (dauern meist so 2 Tage und helfen zumindest für 1-2 Flüge)! Wenn du dann mit gestärktem Selbstbewußtsein in den Flieger steigen kannst, wärs das bestimmt wert!!

Viel erfolg!!

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