Zeitpunkt Kernspin/MRT nach Knieunfall

Hallo,

jemand ist in der Dusche gestürzt. Dabei ist ihm
die Kniescheibe rausgesprungen (Patellalaxation steht in der Akte). Er hatte starke Schmerzen.
Per Röntgen wurde Fraktur ausgeschlossen.
Nun schlägt der Orthopäde MRT/Kernspin vor, um evtl.
Schäden abzuklären und kündigt an, dass ggf. insbesondere
bei Verletzung des Knorpels auch ein (mikro-)chirurgischer
Eingriff in Betracht kommen könnte.

Frage: Wann soll dieses MRT stattfinden.
Patient hat einen schnellen Termin bekommen, gerade mal
3 Tage nach dem Sturz. Ist das zu diesem frühen Zeitpunkt
überhaupt schon sinnvoll ?

Sollte man nicht das Knie erstmal „alleine“ heilen lassen, und
nach einigen Wochen dann „Dauerschäden“ per MRT klären.

Patient hat die laienhafte Vorstellung, dass man zur Zeit
kein MRT braucht, um zu wissen, dass Sehnen usw. gezerrt und
geschwollen sind, das Wasser im Knie ist etc. und es viel
spannender ist, zu wissen, was nach 2-4 Wochen noch für
Schäden da sind, und Patient hat zudem den leisen
Verdacht, dass er mit genau dieser Argumentation dann
in einigen Wochen vor einem (möglichen) chirurgischen Eingriff
dann noch mal unter den Kernspin soll und dies weniger
aus diagnostischer als aus abschreibungstechnischer Sicht
das Mittel der Wahl ist.

Also klare Frage: Macht MRT wenige Tage nach Unfall Sinn ?

Nur zur Klarstellung: Ein AKUTER „(Not-)Eingriff“ steht überhaupt
gar nicht zur Debatte. Knie wird als stabil, erstaunlich wenig
angeschwollen beurteilt, Beugefähigkeit schon kurz danach
wieder relativ gut und schmerzfrei, es geht ALLEIN um mögliche
Dauerschäden.

Bin für jeden schnellen Hinweis dankbar (Termin ist schon übermorgen)

Vielen Dank.

Hallo trobi,

Meines Erachtens macht ein MRT so kurz nach dem Unfall sinn, weil:
Zum Frakturausschluss reicht das Röntgenbild aus, zu mehr aber nicht. Bei diesem Patienten steht in der Akte Patellaluxation, sprich die Patella ist durch den Sturz aus ihrer ursprünglichen Haltung gerutscht und befindet sich jetzt an einer Stelle z.B. rechts oder links von ihrer Ausgangsstellung. Dadurch kann es zu Verletzungen des Sehnen / Diskus Meniskus Mechanismus durch die knöcherne Patella kommen.
Das MRT soll einfach jetzt abklären, wie genau der Weichteilanteil im Kniegelenk geschädigt ist, und ob ein mikrochirugischer Eingriff notwendig ist oder nicht. Sollte es zu diesem Eingriff kommen, wird unmittelbar danach nochmal ein MRT gefahren um den therapeutischen Nutzen abklären zu können.
Das Argument mit dem Knie alleine heilen lassen ist an Sicht schon richtig; das Problem ist aber dass das Knie auch pathologisch in der Stellung heilen kann, in die das Knie durch den Sturz gekommen ist, was zu einem späteren Zeitpunkt einen weiteren therapeutischen Eingriff notwendig machen kann.
Nach meinen Erfahrungen aus meiner MRT-Arbeit ist im diesem Fall das MRT auf jedem Fall indiziert (vielleicht ersparst Du dir einen Eingriff). Es gibt andere Sachen wo ein MRT nicht sinnvoll wäre.

Hallo Trobi,

gegen eine MRT kurz posttraumatisch spricht überhaupt nichts - im Gegenteil. Man kann sich einen möglichen Gelenkerguß auch zu Nutzen machen, indem er Bandstrukturen differenzierter erscheinen läßt, was u.U. die Diagnose einer z.B. Innenbandverletzung erleichtern kann.
Bei der Patella-Luxation ist es sehr gut möglich, dass sich die Patella wieder in ihre Ausgangsposition zurückbewegt hat, möglicherweise kann hier das sog. Retinaculum gerissen sein (das läßt sich aber nur per MRT feststellen…).
Trotz Frakturausschluß per konventionellem Röntgen, könnte eine sog. okkulte Fraktur oder ein Knochenmarködem entstanden sein - alles Domäne der MRT.
Wenn ein möglicher Knorpel- und/oder Meniskusschaden diagnostiziert wird, KANN es sogar ungünstig sein, die Arthroskopie unnötig hinauszuschieben. Im Normalfall wartet man aber, bis das Knie abgeschwollen ist, da die Arthroskopie selbst ja wieder einen Reiz für das Gelenk mit Schwellung darstellt.
Bei Spitzensportlern, die damit ihr Geld vedienen, wartet man nicht ab. Hier wird sofort die MRT gemacht und nicht selten am nächsten Tag operiert.
M.E. ist es unüblich, vor UND nach der OP eine MRT durchzuführen - eine Ausnahme wäre lediglich ein erneutes Trauma oder Beschwerdepersistenz.

Gruß, Jürgen

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