Vollnarkose

Hallo,

ich wurde vor kurzem operiert und habe einige Fragen zu dem, was ich v.a. bei der Narkose erlebt habe.

Im Vorbereitungsraum wurde mir ein Beruhigungsmittel über meinen Handzugang gegeben, von dem mir etwas schwummrig werden sollte. Dann wurde mir eine „Sauerstoffmaske“ aufgesetzt. Ziemlich bald wurde mein Kopf schwer und dann war ich ganz schnell „weg“. :smile:

–> Wurde ich da nun ganz geschickt ohne Vorwarnung narkotisiert oder ist es normal, dass das „Beruhigungsmittel“ einen schon außer GEfecht setzt? Oder war in der „Sauerstoffmaske“ womöglich gar ein völlig neutral riechendes Narkosegas?

Das nächste, das ich weiß, ist, dass ich kurz einen eher schlechten Traum hatte, dann ein Gefühl hatte, als bekäme ich keine Luft und dann war ich so halbwegs wieder bei Bewusstsein.

–> Sind Träume bzw. negative Traumbilder (hatte bei mir ganz konkret mit meiner beruflichen Situation zu tun) während der Narkose bzw. danach normal?

–> Dieses unangenehme Gefühl, das mich dann wohl letztlich geweckt hat, war wohl die Extubation, oder?

Die Narkose (ITN), die mir vorher noch als sehr gut verträglich angepriesen wurde, habe ich übrigens gar nicht vertragen - ich musste mich bis weit in die Nacht hinein bestimmt 5x übergeben; mindestens einer weiteren am gleichen Tag operierten Patientin ging es übrigens ähnlich.

–> Mir wurden gegen das Erbrechen mind. zwei Vomex-Infusionen gegeben, die aber nur sehr schleppend wirkten. Muss ich jetzt bei weiteren Narkosen grundsätzlich damit rechnen, dass es mir wieder so geht?

Im Voraus ganz herzlichen Dank für eure Hilfe!

Liebe Grüße,
Gwen

–> Wurde ich da nun ganz geschickt ohne Vorwarnung
narkotisiert oder ist es normal, dass das „Beruhigungsmittel“
einen schon außer GEfecht setzt?

Ersteres. „Beruhigungsmittel“ ist kein feststehender Begriff. Kann sein, dass Du noch eine Dosis „Beruhigungsmittel“ im engeren Sinne vor der Einleitung bekamst, also z.B. Midazolam. Was Du beschreibst, hört sich aber eher nach normaler Einleitung an. Es ist gang und gäbe, dass man den Patienten nicht jedes Medikament benennt wenn man es spritzt. Mit der Info „5 Tracrium, 300 Trapanal“ könntest Du in der Situation ja sowieso nix anfangen.

Oder war in der „Sauerstoffmaske“ womöglich gar ein völlig neutral :riechendes Narkosegas?

Über Xenon kann ich nix sagen, aber die anderen Mittel stinken ziemlich nach Fusel, also wohl nicht. Oder hat Dich der Anästhesist betäubt, der damals die Geiselnehmer in dem Moskauer Musical-Theater plattgemacht hat?

Das nächste, das ich weiß, ist, dass ich kurz einen eher
schlechten Traum hatte, dann ein Gefühl hatte, als bekäme ich
keine Luft und dann war ich so halbwegs wieder bei
Bewusstsein.

–> Sind Träume bzw. negative Traumbilder (hatte bei mir
ganz konkret mit meiner beruflichen Situation zu tun) während
der Narkose bzw. danach normal?

ja.

–> Dieses unangenehme Gefühl, das mich dann wohl letztlich
geweckt hat, war wohl die Extubation, oder?

Gut möglich.

Die Narkose (ITN), die mir vorher noch als sehr gut
verträglich angepriesen wurde, habe ich übrigens gar nicht
vertragen - ich musste mich bis weit in die Nacht hinein
bestimmt 5x übergeben; mindestens einer weiteren am gleichen
Tag operierten Patientin ging es übrigens ähnlich.

–> Mir wurden gegen das Erbrechen mind. zwei
Vomex-Infusionen gegeben, die aber nur sehr schleppend
wirkten. Muss ich jetzt bei weiteren Narkosen grundsätzlich
damit rechnen, dass es mir wieder so geht?

Dein Risiko ist tatsächlich erhöht. Du solltest diese Tatsache dem Narkosearzt im Vorgespräch berichten, dann kann man versuchen, die Narkoseführung entsprechend anzupassen.

Gruß, Dennis

Hallo Dennis,

vielen Dank für die rasche Antwort!

Kann sein, dass Du noch eine Dosis „Beruhigungsmittel“ im
engeren Sinne vor der Einleitung bekamst, also z.B. Midazolam.
Was Du beschreibst, hört sich aber eher nach normaler
Einleitung an. Es ist gang und gäbe, dass man den Patienten
nicht jedes Medikament benennt wenn man es spritzt. Mit der
Info „5 Tracrium, 300 Trapanal“ könntest Du in der Situation
ja sowieso nix anfangen.

Na ja, es hieß eigentlich, ich müsse noch ca. 20-30 MInuten warten, weil der OP-Saal noch nicht frei war. Weil ich einen recht hohen Puls und Blutdruck hatte, gab mir der Arzt dann dieses, wie er sagte, „Beruhigungsmittel“. Kann natürlich auch sein, dass das schon in der TAt die reguläre Einleitung der Narkose war, um mich schon mal von der Aufregung zu erlösen, wobei die andweren Mittel dann ja ggf. später dazugekommen sein könnten.

Am allerliebsten hätte ich von der gesamten Operation inkl. Vor- und Nachbereitung ein Video - das würde mich alles nämlich brennend interessieren. War nämlich meine erste OP überhaupt. :smile:

Viele Grüße,
Gwen

Hallo Gwen,
ich kann mich noch ganz schwach daran erinneren, daß es bei der Narkose verschiedene Stadien gibt mit verschiedenen Symptomen etc.
Ich stand aber immer auf der sauerstoffreichen Seite des Vorhangs, hier turnt jedoch jemand rum von der anderen Vorhangseite, sprich ein Narkosearzt. Der kann Dir bestimmt helfen.
Bis dann frieeda

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Aha!
Hi Gwen,

also das erklärt die Sache: Dann hast Du ziemlich sicher tatsächlich Midazolam bekommen, ein Beruhigungsmittel im engeren Sinne. Gibt man nicht standardmäßig, aber wenn Du sehr aufgeregt warst (Puls, Blutdruck) und es noch etwas länger bis zur Einleitung dauert macht es schon Sinn. Das abgefahrene an der Substanz ist u.a. die „anterograde Amnesie“, d.h. sobald und solange es wirkt, merkt man sich die folgenden Ereignisse allenfalls noch bruchstückhaft. Oft wissen die Leute dann später vom ganzen OP-Tag nix mehr, selbst von Phasen vor und nach der OP, in denen sie wach waren und sich ganz normal mit dem Personal unterhalten haben.
Die eigentliche Einleitung erfolgte dann erst nachdem der OP-Saal frei war, also 20-30min später.

Gruß, Dennis

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi!

Ergänzend zu dem Vorgänger-Posting:

–> Wurde ich da nun ganz geschickt ohne Vorwarnung
narkotisiert oder ist es normal, dass das „Beruhigungsmittel“
einen schon außer GEfecht setzt?

Doch kann schon sein. Kommt drauf an, was man dir verabreicht hat:
entweder schon das „richtige“ SChlafmittelchen oder tatsächlich nur das „Beruhigungsmittelchen“, wobei du dann bei letzterem vielleicht nicht mehr mitbekommen hast, daß danach noch etwas anderes gespritzt worden ist :wink:
Und es kommt auf dich selber an:
manche Patienten schlafen nach einer großen Dosis des Narkosemittels immer noch nicht und brauchen mehr, wieder andere sind allein schon vom Beruhigungsmittel völlig weg :wink:

Oder war in der
„Sauerstoffmaske“ womöglich gar ein völlig neutral riechendes
Narkosegas?

Nein, da hat man dich sicher nicht „betrogen“ :wink:
Es ist nämlich sehr wichtig, dem Patienten VOR der Intubation (Einlegen des Beatmungsschlauches in die Luftröhre) ausreichend Sauerstoff zu geben.
Denn wenn du einschläfst durch die NArkosemittel, hörst du auch auf von alleine zu atmen. Die Atemluft besteht aber nur zu ca 21% aus Sauerstoff, den größten ANteil nimmt STickstoff ein und danach folgen weitere Gase. In deiner Lunge ist also relativ wenig Sauerstoff.
Im normalen Leben ist das völlig ausreichend, aber leider nicht, wenn du aufhörst selber zu schnaufen :wink:

Dadurch, daß man dich vorher 100-prozentigen Sauerstoff atmen läßt, wird erreicht, daß all die anderen Gase möglichst „herrausgewaschen“ werden aus der Lunge und du nun einen größtmöglichen Vorrat an Sauerstoff hast.
Wenn du eingeschlafen bist und nicht mehr alleine atmest, hält dir der NArkosearzt eine Maske aufs Gesicht und beatmet dich über die Maske per Hand - und auch jetzt noch mit 100prozentigem Sauerstoff (ok, manchmal wird hier auch schon Gas mitdazugenommen, ist aber nicht unbedingt die Regel).

Mit der Maske beatmet dich der Narkosearzt so lange, bis alle Narkosemittel, die du bekommen hast, ausreichend wirken.
Erst dann (meist nach 1-5 Minuten) wird dir der Beatmungsschlauch in die Luftröhre gelegt.
Dieser Vorgang dauert je nach Geschick des Arztes und anderen Begebenheiten nur wenige Sekunden bis hin zu paar Minuten.
In dieser Zeit atmest du aber nicht und wirst auch nicht beatmet!
Da du aber diese große Sauerstoffreserve in der Lunge hast, ist dies nun auch kein Problem, paar Minuten ohne Beatmung auszukommen!
(Wenn es nicht gleich mit der Intubation klappt oder es zu lange dauert, wirst du natürlich zwischendrin wieder bißchen mit der Maske beatmet…)

Daher war es wirklcih eine „Sauerstoffmaske“ :wink:

Das nächste, das ich weiß, ist, dass ich kurz einen eher
schlechten Traum hatte, dann ein Gefühl hatte, als bekäme ich
keine Luft und dann war ich so halbwegs wieder bei
Bewusstsein.

Ich schätze, das war der Zeitpunkt, als du langsam wieder wach wurdest und der Schlauch entfernt wurde.
Den Schlauch darf man nicht entfernen, wenn der Patient nicht einigermaßen wach ist und vor allem noch nciht richtig selber atmen kann. Beim (Halb-)Wachwerden steckt also kurz noch der Schlauch in der Luftröhre und das kann schon mal das Gefühl verursachen, man bekäme keine Luft. Keine Sorge, auch über den Schlauch kann man atmen :wink:
Es ist halt nur dieses ungewohnte Gefühl - aber zum GLück wird der Schlauch dann auch sofort gezogen :wink:

–> Sind Träume bzw. negative Traumbilder (hatte bei mir
ganz konkret mit meiner beruflichen Situation zu tun) während
der Narkose bzw. danach normal?

Kann schon vorkommen. Einige Medikamente verursachen Träume, zwei berühmte Vertreter sind das Ketamin, welches eher unangenehme Träume verursacht und eins das Propofol, das angeblich schöööne Träume macht - zumindest bei Frauen *gg*
Hab ich zwar selbst nicht erlebt, aber wird wohl so manchmal berichtet :wink:

Die Narkose (ITN), die mir vorher noch als sehr gut
verträglich angepriesen wurde, habe ich übrigens gar nicht
vertragen - ich musste mich bis weit in die Nacht hinein
bestimmt 5x übergeben; mindestens einer weiteren am gleichen
Tag operierten Patientin ging es übrigens ähnlich.

Ist ein häufiges Problem, welches aber zumindest gemildert werden kann wenn nicht gar ganz vermieden - vor allem, wenn der Narkosearzt weiß, daß du auf eine OP so reagiert hast. Beim nächsten Mal unbedingt also erwähnen!
Der Arzt wird dann die Medikamente entsprechend auswählen.

–> Mir wurden gegen das Erbrechen mind. zwei
Vomex-Infusionen gegeben, die aber nur sehr schleppend
wirkten. Muss ich jetzt bei weiteren Narkosen grundsätzlich
damit rechnen, dass es mir wieder so geht?

Nein, wie gesagt, das kann man vermeiden oder zumindest mildern.
Völlig vermeiden kann man es leider nicht immer, da man während der Operation sehr starke Schmerzmittel bekommt, die leider diese Übelkeit verursachen. Aber man kann mit anderen Mitteln gegensteuern, so daß man nach der OP keine/wenige derartigen Beschwerden hat :wink:

Vomex und auch Paspertin (oder MCP) sind dabei (also nach OPs) übrigens meist nicht ausreichend wirksam, es gibt da weit bessere Mittel, die wir bei uns auch verwenden - und bei uns gab es kaum dieses Problem mit der Übelkeit nach OP.

Noch Fragen? Fragen! *g*

Gruß,
Sharon

Hallo Dennis,

Das abgefahrene an
der Substanz ist u.a. die „anterograde Amnesie“, d.h. sobald
und solange es wirkt, merkt man sich die folgenden Ereignisse
allenfalls noch bruchstückhaft. Oft wissen die Leute dann
später vom ganzen OP-Tag nix mehr, selbst von Phasen vor und
nach der OP, in denen sie wach waren und sich ganz normal mit
dem Personal unterhalten haben.

Das kann ich nur bestätigen. :smile: Vom Gefühl her war ich später auch nur ca. 5-10 Minuten lang im Aufwachraum (was aber gar nicht sein kann, da es sich um mehr als zwei Stunden gehandelt haben muss), aber entweder bin ich wirklich erst kurz vor der Verlegung auf meine Station halbwegs wach gewesen oder ich war vorher schon wach und es war mir nur nicht bewusst.

Ich bin eh den Rest des Tages über immer wieder „weggeduselt“ und rein gefühlsmäßig ist es fast so, als fehlte mir der Tag der OP irgendwie (also in dem Sinne, dass es z.B. schon Freitag ist, aber man noch meint, es sei erst DOnnerstag, weil eben dieser eine Tag nur ganz bruckstückhaft vorhanden ist).

Viele Grüße und danke nochmals,
Gwen