Nach Schlaganfall blind

Hallo,

leider hatte mein Vater vor kurzer Zeit einen Schlaganfall erlitten und wird wahrscheinlich blind dadurch. Das Gehirn wurde duch die Schlaganfälle „angegriffen“.
Auch wenn Hilfe unverzüglich da war und wenig später notarztärztlich versorgt wurde.

Nunmehr stelle ich mir selbstverständlich die Frage ob man dies behandeln kann und wenn in wie weit, da er noch unter 70 ist und bislang recht fit.

Ich kenne mich im Bereich Medizin sehr wenig aus, und vielleicht bekomme ich hier Tipps bzw. Ansätze von jemanden der sich damit beschäftigt hat. Vielen Dank!

Mfg
Ralf

P.S.: Er hat ein wenig alterszucker.

Hallo Ralf,

es tut mir sehr leid, daß Dein Vater dies erleiden muß. Und ich weiß, auch für Dich ist es schwer.
Hinsichtlich der Blindheit als auch des Alterszuckers kann ich Dir nichts sagen, doch in gewisser Weise möchte ich Euch Mut machen.

Meine Mutter hatte vor 2 Jahren ihren ersten Schlaganfall erlitten. Da war sie 78 Jahre alt. Sie konnte über lange Zeit nur wenig sprechen, die Koordination im Gehirn funktionierte überhaupt nicht, die ganze rechte KÖrperhälfte war gelähmt. Wir rechneten mit dem schlimmsten. Sie war dann lange Zeit in der Reha (3 Monate insgesamt), wollte irgendwann nicht mehr, aber blieb tapfer und arbeitete hart. Rückblickend sagt sie, konnte sie sich an die ersten 6 - 8 Wochen gar nicht erinnern. - Auf jeden Fall konnte sie irgendwann wieder in ihrer Wohnung leben! Die Lähmung ist kaum besser geworden, ihr Sprachvermögen war fast vollständig wieder hergestellt. Sie lernte gehen, Treppen steigen, kocht heute jeden Tag ihr Essen, wäscht und bügelt ihre Wäsche - alles mit der einen noch gesunden Körperhälfte. Ihr äußerst starker Antrieb dabei war und ist immer der tiefe Wunsch, in ihrer Wohnung bleiben zu können und nicht in ein Heim zu müssen. - Leider hatte sie vor wenigen Monaten den 2. Schlaganfall, den sie zuerst anscheinend sehr gut überstand. Doch diesmal wird ihr Sprachvermögen mit der Zeit schlechter, Erschöpfungen kommen häufiger vor. Ihr Wille ist ungebrochen (jedenfalls meist). Fasnachtsdienstag wird sie 80 Jahre alt.

Was ich mit all dem sagen möchte: Es ist bekannt, daß Schlaganfälle sehr unterschiedlich verlaufen. Doch möchte ich Dir und Deinem Vater damit Mut machen! Oftmals dachten wir auch, es geht nicht mehr weiter:
aber der starke Wille, die harte Arbeit, natürlich auch vielfältige Unterstützung durch Ärzte und Therapeuten, und wichtig: auch die Angehörigen, haben bewirkt, was wir alle (auch die Fachleute) nicht für möglich gehalten hätten. Auch wenn alle Beteiligten dabei manchmal hart am Rande des persönlich Möglichen leben. Jeder Fortschritt ist ein Geschenk. Am Ende eines langen Weges aber die gesamten Fortschritte zu sehen, ist unbeschreiblich. Aber ja, es ist möglich. - Und ich wünsche es auch Euch von ganzem Herzen! Alles Gute für die bevorstehende Zeit.

Liebe Grüsse, Eva

Hallo Ralf,

strengstens genommen ist es keine Erblindung, sondern ein Ausfall des Gesichtsfeldes, der entgegen der landläufigen Meinung keinesfalls grundsätzlich irreversibel ist.

Wenn die Nervenzellen in den betroffenen Arealen nicht abgestorben sind, sondern ‚nur‘ geschädigt wurden, lassen sich bei über 60 % der Patienten gute Erfolge mit der noch recht neuen Visuellen Restitutionstherapie erzielen. Lesestoff zum Thema findest Du hier:

http://www.novavision.de/sehtherapie_vrt_nach_schlag…
http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921…

Die mögliche Erblindung bei Diabetes hat mit dem Schlaganfall nun gar nix zu tun, weil der ‚Erblindungsmechanismus‘ anders ist: bei Diabetes liegt die Ursache nicht im Absterben der Nervenzellen, sondern in der Veränderung der Blutgefäße im Auge (diabetische Retinopathie), der dadurch bedingten schlechteren Durchblutung der Netzhaut und schließlich deren Ablösung.

Grüße
Renee