Rechtshändig als Folge unserer Gesellschaft?

Liebe Leute,
hatte eben eine angeregte Diskussion mit einer Freundin(gelernte Ergotherapeutin) über die genetische Veranlagung zu Rechts- bzw. Linkshändigkeit.
Ich war eigentlich der Ansicht, daß es von Natur aus einen wesentlich höheren Anteil an Rechtshändern gab/gibt(daher auch die These, daß der Mann heute meist links von der Frau läuft, um sie mit seiner stärkeren Hand festhalten/kontrollieren zu können).
Meine Freundin erklärte mir nun, daß in Wahrheit eine Vielzahl veranlagter Linkshänder fast unbemerkt/automatisch als Rechtshänder erzogen werden. Dies sei insofern problematisch, da je nach Veranlagung unterschiedliche Gehirnhälften aktiviert werden.
Wenn nun ein genetischer Linkshänder mit rechts agiert, so wird zunächst die falsche Gehirnhälfte in Anspruch genommen, bis dann die Signale in der richtigen landen.
Dieser Irrtum hat leider zur Folge, daß viele der „Rechtshänder“ ihr eigentliches Potential nie abrufen können, bzw. erst durch einen entsprechenden Test erfahren, was Sache ist, dann „umlernen“ und plötzlich in den entsprechenden Bereichen viel besser werden(sagt meine Bekannte).
Wer kann uns mehr dazu sagen?
Schöne Grüße und vielen Dank im Voraus…
Thanatos

Ich war eigentlich der Ansicht, daß es von Natur aus einen
wesentlich höheren Anteil an Rechtshändern gab/gibt

Dafür gibt es ein deutliches Indiz: Wenn man mit Hammer und Meißel arbeitet, hält man als Rechtshänder den Hammer rechts und den Meißel links. Wenn man so Buchstaben schreibt, ergibt das eine Schrift, die von rechts nach links läuft. Erst als die Menschen begannen mit Griffel auf Wachstafeln und mit Farbe auf Papier zu schreiben, kehrte sich die Schrift um. Daher laufen die jüngeren Alphabete (griechisch, latein und kyrillisch) von links nach rechts, und die älteren Vorbilder seit damals von rechts nach links. Es ist schwieriger mit einem Federhalter zum inneren des Körpers zu schreiben als nach außen vom Körper weg. Probier es aus.

Daher MUSS die Mehrheit der Menschen von je her rechtshändig gewesen sein.

Gruß
dataf0x

Hi!

Ich war eigentlich der Ansicht, daß es von Natur aus einen
wesentlich höheren Anteil an Rechtshändern gab/gibt(daher auch
die These, daß der Mann heute meist links von der Frau läuft,
um sie mit seiner stärkeren Hand festhalten/kontrollieren zu
können).

Da kenne ich aber eine andere These. Es soll noch auf die Zeit zurück gehen, wo die Männer ständig einen Säbel oder Schwert bei sich trugen. Dieses Schwert wurde mit der rechten Hand geführt und wurde daher auf der linken Körperseite getragen. Wenn nun die Frau links laufen würde und der Mann das Schwert ziehen müsste, so wäre das nicht so optimal für die Frau gewesen :wink: . Daher lief die Frau rechts, damit sie gleich von dem Schwert geschützt wird und nicht aufgeschlitzt.

Bye

Tara

Hi Thanatos,

dann „umlernen“ und plötzlich in den entsprechenden
Bereichen viel besser werden(sagt meine Bekannte).

das glaube ich erst, wenn sie mir einen dieser Umgelernten zeigt. Bislang kenne ich (bin schon watt älter) nur die Fälle, in denen das Schreiben mit links aberzogen werden sollte, was meist zu einem grauenhaften Schriftbild führt, das sich auch nicht bessert, wenn derjenige dann mit links schreiben darf. Und außerdem arbeiten die meisten Linkshänder sowieso linksrum, auch wenn sie mit rechts schreiben. Fazit: Viel domm Tüch.

Gruß Ralf

Hallo dataFox.
Habe ich es richtig verstanden, daß Du die Ausprägung der Rechtshändigkeit allein an der Entwicklung verschiedener Schrift- bzw. Alphabettypen festmachst, obwohl doch der Großteil der Menschheit noch vor wenigen Jahrhunderten(und auch heute noch knapp die Hälfte) nicht in der Lage war zu schreiben? Diese Theorie erscheint mir, mit Verlaub, etwas zu einseitig, aber dennoch Dank für die Mühe.
Gruß Thanatos

Hallo,

ich hab´s anders verstanden.

Die (möglicherweise vorzugsweise vorgegebene) Rechthändigkeit bewirkt, dass ein Werkzeug so geführt wird, dass die Kraft von der rechten Hand ausgeführt wird und die Linke nur „Hilsfunktion“ hat. D.h. beim Schreiben mit dem Meißel Schrift von Re -> Li, aber beim Federkiel von Li -> Re.
Auf jeden Fall finde ich diesen Aspekt sehr interessant.

In meiner Familie ist mein Sohn Linkshänder, meine Frau vermtl., ebenso wie eine Schwester von ihr, verkannte Linkshänder, alle haben eine „S…klaue“

Gruß Volker

Hallo!
Laut medizinischen Studien sind nur etwa zehn (!) Prozent der Menschheit als Linkshänder veranlagt. Und das ist nach neurologischen Ansichten und Studien eher einfach eine Laune der Natur, sozusagen eine zufällige, harmlose Fehlverschaltung im Hirn.
Allerdings ist es tatsächlich nicht zu leugnen, daß die Armen, die zu Rechtshändern zwangserzogen werden, obwohl sie eigentlich Linkshänder sind, diverse Schwierigkeiten, vor allem ein saumäßiges Schriftbild haben!
Ich kenne allerdings keinen, der sein geistiges Potential dadurch verloren hätte!
mfg Kati

Meine Freundin erklärte mir nun, daß in Wahrheit eine Vielzahl
veranlagter Linkshänder fast unbemerkt/automatisch als
Rechtshänder erzogen werden.

Hallo,

das halte ich für zweifelhaft - weil ich weiß, wie anstrengend es war, als linkshändige Kinder noch zwangsumerzogen wurden. Da mußten schon härteste Strafen angewandt werden - und selbst dann wurde noch unbewußt vielleicht nicht der Stift, aber doch das Werkzeug o.ä. in die Linke genommen…
Hast Du mal versucht, einem Kleinkind bei den ersten Kritzelversuchen den Stift in die andere Hand zu geben? Ich schon (natürlich nicht als Umerziehungsversuch, sondern nur einmalig aus Neugier). Funktioniert nicht! Schon viel früher, bei ersten Greifversuchen, wird eine Hand bevorzugt. Da muß schon böser Wille dahinter sein, um eine Umerziehung durchzusetzen!

Ich selbst bin ein nicht umerzogener, sozusagen naturbelassener bio-Linkshänder.
Viele Tätigkeiten habe ich mir allerdings selbst auf Rechts umgewöhnt - oder war ich von Anfang an beidhändig angelegt??? Dosenöffner z.B. sind in linkshändiger Ausführung kaum zu kriegen - ich habe es nie versucht. Und mit Linkshänder-Scheren komme ich überhaupt nicht erst klar, das geht nur mit Rechts, obwohl meine Eltern mir ein extra links-Bastelscherchen spendiert haben.
Werkzeuge (mit denen ich ohnehin keine Wunder vollbringen kann) bediene ich je nach günstigerem Winkel oder Armermüdung beidhändig gleich gut, und daß ich das Messer in der Rechten halte, ist auch nur gesellschaftlich bestimmt (zum Brotbeschmieren nehme ich die Linke!!).

Ich habe trotz des Verwisch-Problems eine sauberere Schrift als die meisten meiner Altersgenossen - und mag trotz gesellschaftlich erzwungener rechts-Tätigkeiten auch nicht recht glauben, daß mein Gehirn darunter gelitten hätte. Den doppelten Armbruch links zur Schul- und Klausurenzeit sah ich schriftlich eher als Herausforderung - mit etwas Training ist eine recht leserliche Schrift draus geworden. Nervig war eher, daß ich nicht ins Freibad konnte:wink:

Fazit: Ich glaube gern, daß Linkshänder gesellschaftlich dazu gezwungen werden, die Rechte mehr zu benutzen als Rechtshänder die Linke. Doch solange kein absoluter Zwang besteht, die natürlich stärkere Hand komplett zu vernachlässigen, sehe ich eher Vor- als Nachteile (man denke an Feldenkrais) in der Beidhändigeit!

Liebe Grüße,
L.Weipert

Liebe® Thanatos,

ich habe einen Sohn der Rechtshänder ist und einen, der ist Linkshänder.
Der große (Rechtshänder) zeigte dem kleinen im Spiel viele Sachen, z.B. wie man mit dem Hammer Nägel einschlägt.
Der kleine stellte sich immer so ungeschickt an, dß wir schon Sorge hatten, er hätte ein Koordinierungsproblem.
Irgendwann kam der kleine auf die Idee, den Hammer in die Linke zu nehmen und schon klappe es!
Er hat also erst mal den großen Bruder kopiert und als es nicht klappen wollte etwas anderes.

Die Anzahl der Linkshänder mag sicher höher liegen als die der als solche agierende, aber nach meinene Beobachtungen gleicht sich die Zahl der fakultativen zu den tatsächlichen immer mehr an, weil es keine (bzw. immer weniger) Umerziehung mehr gibt.

Trotzdem gibt es mehr Rechtshänder als Linkshänder.

Gandalf

Habe ich es richtig verstanden, daß Du die Ausprägung der
Rechtshändigkeit allein an der Entwicklung verschiedener
Schrift- bzw. Alphabettypen festmachst, obwohl doch der
Großteil der Menschheit noch vor wenigen Jahrhunderten(und
auch heute noch knapp die Hälfte) nicht in der Lage war zu
schreiben?

Nein umgekehrt. Durch die vorwiegende Rechtshändigkeit haben sich die Alphabete so entwickelt und nicht verkehrtherum.

Gruß
dataf0x

In meiner Familie ist mein Sohn Linkshänder, meine Frau
vermtl., ebenso wie eine Schwester von ihr, verkannte
Linkshänder, alle haben eine „S…klaue“

Das könnte daran liegen, daß diese Menschen dazu gezwungen werden, mit einem Federhalter zu schreiben. Dieses ist praktisch unmöglich, weil man die Hand verbiegen muß, um nicht über die nasse Tinte zu wischen.

Dazu auch etwas „Privates“. Da man in Israel von Rechts nach Links schreibt, sind gewissermaßen alle 90% Rechtshänder „Linkshänder“. Mit Federhalter wird praktisch nicht geschrieben, weil das nur 10%, nämlich die eigentlichen Linkshänder, schön hinbekommen würden.

Gruß
dataf0x

Hallo Thanatos
Am Wichtigsten scheint mir aber bei der ganzen Diskussion zu sein, dass Derlenige, der lernt, beide Hände vielseitig einzusetzen, eindeutig dem klaren Rechts- oder Linkshänder überlegen ist.
Ich selbst habe im Laufe des Lebens festgestellt, dass ich bestimmte Dinge eher mit der linken Hand machen kann, andere wiederum besser mit der rechten.
Im Falle eines Schlaganfalles o.ä. kann man dann auch hoffen, dass es einen nicht „ganz so vernichtet“. Aber das ist nicht der einzige Vorteil des beidhändig Differenzierten.
Gruß,
Branden

Hallo dataf0x,

Das könnte daran liegen, daß diese Menschen dazu gezwungen
werden, mit einem Federhalter zu schreiben. Dieses ist
praktisch unmöglich, weil man die Hand verbiegen muß, um nicht
über die nasse Tinte zu wischen.

Nur der Vollständigkeit halber:
Natürlich kann man als Linkshänder mit einem Federhalter sauber und leserlich schreiben ohne daß die Tinte verschmiert. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

Angeblich waren die Menschen in grauer Vorzeit beidhändig veranlagt. Das hat man anhand von Faustkeilen festgestellt, die sowohl für rechts und links zu gebrauchen waren. Ob`s stimmt?

Gruß

Maria