Elektronische Gesundheitskarte

Hallo,

habe das eben mal gelesen und mal ne Frage dazu.
http://www.ard.de/ratgeber/gesundheit/patienten-wiss…

Wenn alle Daten gespeichert werden, hat das sicher ne menge Vorteile. Aber- wie ist es, wenn ich zum Beispiel eine zweite Fachmeinung einholen möchte. Der zweite Arzt baut natürlich auf die Meinung des ersten auf. Und wird den natürlich auch nicht in die Pfanne hauen wollen. Eine Krähe hackt der anderen nämlich kein Auge aus.
Es ist ja schon oft erwiesen das, wenn mehrere Ärzte konsultiert wurden, auch sehr unterschiedliche Meinungen entstanden. - was ja auch nachvollziehbar ist und dem Patienten letztendlich zur richtigen Diagnose führen kann.

Bin auf Eure Meinung sehr gespannt

Gruß
Lutz

Hallo,
die Speicherung von med. Daten auf der neuen Karte ist freiwillig.
Das der Arzt bei der Diagnostik auf die Daten, die evtl. auf der Karte
gespeichert sind, aufbaut halte ich eher für ausgeschlossen.
Nach unseren Informationen sollen solche Daten auch nicht gespeichert werden, sondern z.B. Daten über Medikamente, Impfungen, Allergien
usw.
Eine zweite Arztmeinung kann in manchen Fällen wirklich hilfreich sein, aber es gibt auch den schönen Spruch „Viele Köche verderben den Brei“. Fünf verschiedene Äerzte - fünf verschiedene Meinungen - wie
soll da ein Patient noch wissen, wem er vertrauen soll ??
Gruss
Günter Czauderna

Hallo Lutz,

du hast das Problem sehr gut erkannt. Und genau das ist der Grund, warum ich der elektronischen Speicherung von Gesundheitsdaten auf dieser Karte nur zustimmen werde, wenn man mich wirklich dazu zwingt (wenn die Karte also sonst nicht mehr gültig ist, oder ähnliches).

Das KANN nur Probleme geben. Das schwerwiegendste Problem ist meiner Meinung nach der Verlust des Vertrauens zu seinem Arzt. Dies bemängeln auch die Organisatoren des Ärzteprotestes auf ihrer Website www.protesttag.de

Mein Vertrauen in Ärzte habe ich ohnehin schon verloren. Man bekommt von ihnen sowieso keine Hilfe; sie sind höchstens die gegnerische Partei in den Verhandlungen um eine Behandlung. Leider kann man es sich nicht leisten, alle Medikamente selber zu zahlen, sonst würde mich so bald kein Arzt mehr sehen.

Schöne Grüße

Petra

Hallo Petra_44,
normalerweise mische ich bei solchen Beiträgen nicht ein, aber
hier fallen sich mir als Forums-Leser doch zwei Wiedersprüche
in deinem Beitrag auf.

  1. Wenn die Initiatoren des Ärzteprotestes den Verlust des
    Patientenvertrauens anführen, dann doch sicher nicht aus den Gründen,
    dass das Verhältnis Arzt/Patient nur durch diese beiden gestört wird,
    sondern massgeblich die Politik, Gesetzgebung, Interesssenverbände
    und auch die Krankenkasse dies zu verantworten haben.
  2. Wie willst du denn an die Medikamente kommen, die du benötigst,
    wenn du keinen Arzt deines Vertrauens findest, der sie dir auch verordnet. Auch wenn das Geld hättest, was nach eigener Aussage ja nicht der Fall ist - ohne Arzt geht da nix.
    Mich sieht auch kein Arzt - es sei denn ich benötige ihn.
    Gruss und nix für ungut wegen dem „Einmischen“
    Günter Czauderna
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Hallo Günter,

ein Privatrezept zu bekommen, wäre für mich gar kein Problem. Das würde ich mir einfach von der Uniklinik holen, oder von einem netten Krankenhaus-Neuro in Bochum, oder von meiner Hausärztin, und auch eine Bekannte von mir hat einen Rezeptblock, was mir nur leider nichts nützt, weil sie als Hautärztin keine Interferone verschreiben darf.

Ein Kassenrezept zu bekommen, wird aber zu einem immer größeren Problem. Wenn es so weitergeht, breche ich die Therapie ab.

Interferone kosten ca. EUR 1300,- für 4 Wochen und verlangsamen den Verlauf der MS um ca. 1/3. Sie sind momentan der Standard der Behandlung. … Und wenn ich die nicht mehr bekomme, warum dann zum Arzt gehen? Einen Rollstuhl kann ich mir auch auf eBay ersteigern.

Natürlich leidet das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nicht nur durch die Gesundheitskarte. Aber so eine Karte, auf der alles gespeichert wird, führt mit Sicherheit dazu, dass man sich sehr genau überlegt, was man seinem Arzt erzählt und was man ihm verschweigt. Ganz nach dem Motto: „Alles, was Sie von jetzt an sagen, kann gegen Sie verwendet werden.“

Ich glaube, wenn man gesund ist, hat man gar keine Vorstellung davon, was momentan wirklich abläuft. Das Gesundheitssystem bricht gerade zusammen.

Schöne Grüße

Petra

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Hallo Lutz,

was bedeutet denn eine „zweite Meinung“? Es ist ja nicht so, das dafür die selben Labortests nocheinmal gemacht werden müssen, oder die Lunge nochmal geröngt (wenn denn der erste Versuch qualitativ akzeptabel war). Die gesuchte Meinung ist doch eher die Interpretation der eben beschriebenen Befunde. Wenn Du willst, kannst Du ja Deinen Arzt bitten, ob er sich zuerst überlegt, was er untersuchen will, und dann nachschaut, was schon gemacht wurde.
Darüberhinaus darf man das mit der Krähe nicht so einfach sehen: Ärzte haben im Allgemeinen einen ziemlichen Spass daran, sich gegenüber Zunftgenossen zu profilieren. Damit ist erst Schluss, wenn Du Sie in juristische Gewässer bringst. Dann ist Ende mit Meckern.
Und eins noch: Die Rechnung „gewonnene Akkurazität“ versus „vorgefasste Meinung“ ist meiner Meinung nach ein klare Ungleichung, bei der das Krokodil den rechten Teil frisst.

Grusz, Dennis

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Petra,
ich kann deinen Frust gut verstehen, habe ich doch seit nunmehr 38
Jahren beruflich damit zu tun - ich bin bei einer gesetzlichen Krankenkasse beschäftigt und u.a. auch für Leistungsbewilligungen zuständig. Du kannst mir glauben, dass es nicht immer einfach ist
einem Versicherten klar zu machen, dass wir die eine oder andere Leistung nicht bezahlen dürfen, und ich betone das Wort „dürfen“.
Wenn man davon ausgeht, das 97% aller Leistungen der gesetzlichen
Krankenkasse gesetzlich reglementiert sind, dann sagt das eigentlich
schon alles. Der gesunde Menschenverstand bei einem Krankenkassenmitarbeiter hört immer dann auf zu funktionieren, wenn
die Mitarbeiterhaftung droht - leider ist das auch bei mir so, wenn
gewisse Summen erreicht werden, um die es dann geht.
Feststellen will ich aber trotzdem noch einmal, dass auch Du auf den
Arzt angewiesen bist - schreibst du ja selbst.
Und nochmal - es besteht keine Pflicht, irgendwelche medizinischen Daten auf der Gesundheitskarte speichern zu lassen.
Gruss
Günter Czauderna

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Hallo,

da sind imho noch ein paar andere Dinge nicht geklärt. Beispiele:

  • Patient erreicht während des Jahres die Zuzahlungsgrenze und hat keine Filiale seiner Kasse in zumutbarer Reichweite. Wie wird der Zuzahlungsstatus auf der Karte aktualisiert? Einschicken der Karte hat für die Dauer der Abwesenheit zur Folge praktisch keine Leistungen in Anspruch nehmen zu können.
  • Beim Betriebsarzt anläßlich einer Einstellungsuntersuchung:
    Arzt:„Geben sie mir mal Ihre Gesundheitskarte und schalten Sie sie frei.“ Was soll der Bewerber tun? Zustimmung verweigern? Dann kann er in den meisten Fällen den Job vergessen. Zustimmung erteilen? Dann ist er der gläserne Bewerber, wenn er medizinische Daten auf der Karte hat.

Es läßt sich mehr zu dem Thema mit Tante Google finden. Exemplarisch nur mal:
http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/new…