Ganzkörpertomographie und Diagnose ?

Sehr geehrte Damen und Herren,

mich interessiert folgendes zum Thema Ganzkörpertomographie mit z.B. einem Kernspintomographen:

Mein Doc erzählte mir, daß die Menschen denken, wenn sie sich einer Ganzkörpertomographie unterziehen, daß dann im ganzen Körper

irgendwelche Veränderungen sichtbar würden und so beurteilt werden könne ob sie gesund seien.

Dies meinte er wäre so nicht möglich, man würde gar nichts sehen!
Man sieht immer nur das wonach man sucht, man bräuchte also sozusagen ein Ziel für die Untersuchung.

Wie ist das zu verstehen?

Kann man die Ganzkörpertomographie mit z.B. Kernspintomographen nicht so einstufen, wie den Koffer am Flugplatz bei der Röntgenkontrolle

wo man wirklich alles sieht was los ist?

Vielen Dank für Ihre Mühe
Beste Grüße
Christine Kaller

Hallo Christine,

ich stelle dir mal (hypothetisch) eine Aufgabe: Finde bitte alle blauen Häuser in Deutschland, in denen ein Herr Schmidt wohnt! Entweder du brauchst dafür superlange oder du teilst das Ganze auf sehr viele Leute auf. So ist es auch mit den Tomogrammen: Die Informationsflut ist einfach zu groß. Ein Arzt alleine würde sehr lange dafür brauchen oder er müsste viele Kollegen zur Hilfe nehmen, um in einigermaßen angemessener Zeit einigermaßen sichere Aussagen zu treffen. Diese Untersuchung wäre natürlich unbezahlbar, und erst recht nicht, wenn sie lediglich zur Vorsorge durchgeführt würde. Und dann müsste bei jeder verdächtigen Veränderung auch ganz genau nachgesehen werden (an jedem blauen Haus angehalten werden), ob sie wirklich relevant und behandlungsbedürftig ist (ob auch ein Herr Schmidt darin wohnt). Wenn man aber die Vorgabe hat, dass der Patient z.B. Beschwerden im linken Knie hat (das Haus im Dorf Habach/Saarland steht), wird der Arzt die Ursache mit großer Wahrscheinlichkeit finden (bzw. du das passende Haus bzw. die passenden Häuser). Theoretisch wäre also eine solche Untersuchung zwar schon möglich, so wie ich dir die Aufgabe stellen kann, alle blauen Schmidt-Häuser Deutschlands zu finden, aber praktisch ist sie nicht durchführbar. Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich.

LG
Huttatta

Hi Christine,

bei der Ganzkörpertomographie fallen dermaßen viele Bilder an, dass ein ganzer Stab von Fachärzten wochenlang beschäftigt wäre. Das Problem dabei ist tatsächlich, dass nicht gut ohne begründeten Verdacht gesucht werden kann. Wenn eine Leber Symptome zeigt, kann sie genauer untersucht werden - wenn sie nur komisch aussieht, muss deshalb noch lange kein Schaden vorliegen. Die Leber ist dabei übrigens eines der einfacheren Untersuchungsobjekte.

Gruß Ralf

Wie meine Vorredner schon schrieben:

Technisch ist es kein Problem, bei einer Ganzkörpertomographie auch den leisesten Anflug eines Krebsgeschwüres o. ä. zu entdecken. Aber der Aufwand und die Kosten dafür sind dermaßen hoch, daß dies wirtschaftlich und auch personell einfach nicht mehr vertratbar ist.

Einzelne Organe können dagegen sehr gut untersucht werden. So kann man beispielsweise sein Herz intensiv durchleuchten lassen und so erkennen, ob und wann sich dort vielleicht Gefäße verschließen, die dann einen Herzinfarkt ergeben. Solche Vorsorgeuntersuchungen ohne direkten Verdacht sind möglich, werden nicht selten getan, müssen aber natürlich selbst bezahlt werden ode rman hat eine gute Privatversicherung.

Benni

Hallo Christine,

Mein Doc erzählte mir, daß die Menschen denken, wenn sie sich
einer Ganzkörpertomographie unterziehen, daß dann im ganzen
Körper

Ja und das ist leider falsch, denn die ‚Beurteilbarkeit‘ eines Ganzkörper-MRT immer von der genauen Fragestellung abhängt. Wir hatten hier gerade vor drei Wochen einen solchen Fall: die Patientin brachte uns stolz eine CD mit gut 1.300 Aufnahmen, allerdings lautete die Fragestellung ‚Filiae (=Metastasen) bei malignem Melanom‘. Uns in der Orthopädie interessierten allerdings die Binnenräume der Kniegelenke, die auf diesen Aufnahmen ums Verrecken nicht zu beurteilen waren. Laut der Radiologin hätten bei unserer Verdachtsdiagnose (Meniskusläsion) die Aufnahmen

  • in einer anderer Orientierung,
  • mit anderen Sequenzen und
  • in einer anderen Auflösung

erfolgen müssen. Also konnten wir uns die tausend Bildchen quasi vor den Popo klatschen. :wink: Um meine Granny zu zitieren: ‚Kind, sag laut und deutlich, was Du willst, dann bekommst Du es auch…‘.

Grüße
Renee

Wie meine Vorredner schon schrieben:

Technisch ist es kein Problem, bei einer Ganzkörpertomographie
auch den leisesten Anflug eines Krebsgeschwüres o. ä. zu
entdecken.

Hi Benni!

Das ist so sicher nicht richtig!
Das ist vielleicht möglich bei Tumoren in Geweben wie der Leber etc. Bei allen Hohlorganen wird es da schon schwieriger. Es gibt Tumoren auf Schleimhäuten, die in Tomografien nicht erkannt wurden. Auch im Umkehrschluß, wenn man durch Augenschein einen Tumor zum Beispiel im Rachen gesehen hat, und den Patienten danach zum Radiologen schickt, kann trotz konkreter Fragestellung der Tumor nicht immer in den bildgebenden Verfahren dargestellt werden.

Gruß
Peter

Vielen lieben Dank an alle für die aufschlußreichen Infos!

wirklich anschaulich und verständlich erklärt!

Heißen Dank
liebe Grüße
Chrisi

Es gibt Tumoren auf Schleimhäuten, die in Tomografien nicht
erkannt wurden. Auch im Umkehrschluß, wenn man durch
Augenschein einen Tumor zum Beispiel im Rachen gesehen hat,
und den Patienten danach zum Radiologen schickt, kann trotz
konkreter Fragestellung der Tumor nicht immer in den
bildgebenden Verfahren dargestellt werden.

Es gibt ja eine Reihe von bildgebenden Verfahren, Röntgen, normales CT, MRT, PET und und und. Mit entsprechendem Aufwand, kann man praktisch alles sehen. Nur ergibt dies weder medizinisch noch wirtschaftlich einen Sinn.

Benni

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Wir hatten hier gerade vor drei Wochen einen solchen Fall: die
Patientin brachte uns stolz eine CD mit gut 1.300 Aufnahmen,
allerdings lautete die Fragestellung ‚Filiae (=Metastasen) bei
malignem Melanom‘.

Servus Renee,
was PR-Tanten so alles machen ;-o

verwirrt
Kai

Sehr geehrte Christine

das Kollegium hat soweit alles geschildert was auf dem radiologischen Feld der Diagnostik uptodate ist.
Dem wäre nur noch die ultimativ-innovativste,sicherste und kostengünstigste Krebsdiagnostik anzugliedern.

geschulte Hundenase.

gruß,ho

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Kai,

Servus Renee,
was PR-Tanten so alles machen ;-o

*grins* Eine längere Geschichte, die hier etwas zu weit führen würde. Nur soviel: ich bin zwar PR-Beraterin (unter anderem), arbeite aber im Moment als Chefarztsekretärin in der Orthopädie.

Entwirrende Grüße
Renee