Hallo Katrin,
ich war etwa 20, als mein Arzt Gallensteine festgestellt hatte. Er meinte, die Blase sei voll mit kleinen Steinen und selbst mit Medikamenten waere nach einem Jahr vielleicht die Haelfte weg (haengt wohl von der Steinart ab) und die Medikamente waeren zudem sehr belastend. Er meinte, eine OP sei unumgaenglich, entweder in ein paar Wochen, ein paar Jahren oder auch erst in 30 Jahren, je nach Beschwerden. Seine groesste Sorge war, ich koenne schwanger werden, Herzbeschwerden oder Aehnliches haben und dann noch obendrein eine Gallenkolik haben. Daher sollte ich die OP eher frueher haben als spaeter.
Ueber die naechsten fuenf Jahre hinweg hatte ich wiederholt sehr starke Schmerzen bis ich dann morgens um fuenf im Krankenhaus gelandet bin (die detaillierte Geschichte vom jungen Arzt, der meinte, nachdem ich schon Stunden ohne Schmerzmittel ausgekommen waere, koenne ich noch weitere fuenf Minuten warten und mir dann anderthalb Stunden spaeter erst was gegeben hat – was etwig nicht geholfen hatte -, und obendrein trotz meiner Aussage, es seien die Gallensteine, diese nicht einmal auf dem Ultraschall gesehen und eine Magenverstimmung diagnostiziert hatte, erspare ich dir). Derartige Schmerzen wuerde man nicht mal seinem schlimmsten Feind wuenschen.
Ein paar Stunden spaeter hatte sich die Kolik beruhigt und mein Hausarzt meinte, die OP sei jetzt unumgaenglich und fuenf Tage spaeter war die Gallenblase raus. Du schreibst, du haettest noch keine Kolik gehabt und glaub mir, das ist etwas, das du niemals erleben moechtest.
Meine Gallenblase wurde im Endoskopieverfahren (ich glaube so hiess es) entfernt, also nicht mit einem langen Schnitt, sondern fuenf kleinen. Ich habe eine kleine Narbe am Bauchnabel, Bauchmitte, zwei rechts und eine links. Nach der OP bekam ich Schmerzmittel fuer zwei Tage oder so und das einzige was wehtat, war mein Ruecken (das sei wohl normal durch das lange Liegen unter der Narkose). Gleich nach der OP nach dem Aufwachen kriegte ich einen Napf auf den Bauch gelegt, da manche sich wohl uebergeben muessten. Ich war eine davon, da aber nichts drin war, war’s das.
Ich kann mich nicht mehr richtig erinnern, meine aber, irgendwo war da ein Schlauch der seitlich an mir runterhing fuer einen Tag oder so. So unwichtig, dass ich mich nur vage erinnere.
Am schlimmsten war die Erfahrung, mit drei weiteren Personen das Zimmer teilen zu muessen und keinen Schlaf zu bekommen weil mindestens eine Person nachts unglaublich laut schnarchte und tagsueber ununterbrochen babbelte. Dann noch deren Besuch, der mich anstarrte, waehrend ich mich kurz nach der OP uebergeben musste und ueberhaupt ziemlich gruselig aussah. Keinen Anstand, manche Leute. Und dann waren da noch die Krankenschwestern, die auch morgens um drei ins Zimmer reingeplatzt kamen, ohne sich die geringste Muehe zu geben, leise zu sein, so dass man vor Schreck fast vom Bett viel. Die einzige Person die schlief, war der Schnarcher. Krankenhaus an sich war viel schlimmer als die ganze OP.
Ich war raus nach fuenf Tagen, jedoch auf mein Draengen (ich war damals selbstaendig und keiner bezahlte mich fuers im Krankenhaus liegen). Ich glaube sieben Tage ist der Durchschnitt. Durch die Narbe am Bauchnabel konnte ich fuer einige Tage nur Hosen mit lockerem Bund tragen. Das Faedenziehen war kein Thema.
Mein Arzt meinte, manche Leute wuerden ohne die Gallenblase manche Nahrungsmitteln nicht vertragen. Ich habe keinerlei Beschwerden.
Ich wusste nicht mal, dass so eine OP lokal gemacht wird. Nachdem ein ganzes inneres Organ entfernt wird, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass jemand freiwillig auf eine Vollnarkose verzichten wuerde.
Alles in allem gibt es sehr viel schlimmere OPs und ich bin sehr, sehr froh, meine gemacht zu haben – wenn auch gezwungenermassen, wer ist schon scharf auf eine OP …
Gruesse,
Kris