Verhalten bei krebsdiagnose

hallo liebes forum.

ich war gerade mit einem bekannten unterwegs. da hat er mir erzählt, dass mein ex-freund (25 jahre) ihm gestern erzählt hat dass er einen gehirntumor hat.
ich habe mit ihm schon vor tagen gesprochen und da viel mir schon auf dass etwas nicht stimmt, er wollte nicht so reden wie sonst immer. momentan chatte ich mit ihm. er macht witze und ist lustig fast wie immer, aber er will mir partout nicht sagen was los ist. aber ich frage auch nicht dauernd nach, ich denke er soll es von sich selbst sagen.

aber wie soll ich denn reagieren wenn ers mir erzählt? ein „oje, das tut mir leid“ ist so überflüssig wie sonstwas. ich weiss nicht ob man darüber reden kann. vor allem weiss ich nicht was man da redet. man weiss ja nie von was es kommt. natürlich werd ich ihm sagen dass ich für ihn da bin wenn er was braucht. aber ich will ihn nicht durch dämliche fragen nerven oder zu nahe treten, da er anscheinend ja selbst nicht damit klar kommt.
er hat sich auch gegen eine op entschieden, und will sich (zumindest momentan) ausschließlich einer chemo-therapie unterziehen.
ich verfüge nicht über genügend fachwissen, umd ihm davon abzuraten oder zuzureden.

oder soll ich ihm erzählen dass ich es inzwischen weiss? zum glück hatte ich bisher weder im verwandten- noch bekanntenkreis eine krebserkrankung und bin daher völlig überfordert.

es wäre nett, wenn mir vielleicht jemand „tipps“ geben könnte.
wenn gewünscht gerne auch über mail.

vielen dank schoneinmal im voraus, schönes wochenende.

grüße

stefan

Hallo Stefan,

ich würde ihm nicht sagen, dass du es weißt. Als Betroffener wäre ich verletzt, dass meine Diagnose „weitergetratscht“ wurde, ich würde gern selbst entscheiden, wem ich es mitteile und wem eben nicht. Ohne pessimistisch klingen zu wollen kann ein Gehirntumor zum Tod führen - und wer wissen soll, dass ich vielleicht bald sterbe würde ich selbst entscheiden wollen.

Wenn er dir nicht sagen will, was er hat dann lass ihn. Sag ihm, dass du immer für ihn da bist, wenn er Probleme hat und versichere ihm, dass du das ernst meinst, es nicht nur eine Floskel ist. Vielleicht ist er selbst damit noch ziemlich überfordert und braucht noch eine Weile, bis er mit anderen (jedem Hinz und Kunz) darüber reden kann.

Meine Erfahrung ist allerdings: Je länger Betroffene unter ihrer Krankheit leiden desto nüchterner gehen sie damit um. Der ständige Umgang mit der Krankheit (Ärzte, Krankenhaus, Behandlungen, Medikamente - andauernde Konfrontation) normalisiert den Zustand und macht es einfacher, auch normal damit umzugehen. Dann kommt eben irgendwann nach dem obligaorischen „Wie gehts dir?“ eine ernstgemeinte Kurzfassung über die gegenwärtige Gesundheit, ob der Tumor größer geworden ist, wo er andrückt und ob man operieren sollte usw.

aber wie soll ich denn reagieren wenn ers mir erzählt? ein
„oje, das tut mir leid“ ist so überflüssig wie sonstwas.

Was war denn das erste, was du gedacht hast, als du es erfahren hast? Oh, Scheiße? Das ist zumindest das, was ich eigentlich fast immer gedacht habe, wenn mir von einer schweres Krankheit erzählt wurde. Weil ich auch nicht viel von irgendwelchem Gehabe halte war auch meistens mein erster Satz danach: „Oh, Scheiße, wie kommst du damit klar?“ Das war immer ehrlich und es hat nie jemand böse aufgenommen.

ich
weiss nicht ob man darüber reden kann.

Wenn er soweit ist wird und kann er darüber reden.

vor allem weiss ich
nicht was man da redet.

Er wird Gesprächsstoff haben. Seien es die Medikamente, die er nimmt und ihre Nebenwirkungen, sei es die Diagnose eines Arztes, die ihn beschäftigt usw. Es gibt wirklich massig Gesprächsstoff, wenn du ihm zuhörst. Aber lass ihm die Zeit auf dich zuzugehen.

man weiss ja nie von was es kommt.

Frag ihn. Vielleicht wurde es ihm gesagt, oder er kann dir erklären, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist, sowas zu bekommen und dass es dafür keine erkennbaren Gründe gibt.

er hat sich auch gegen eine op entschieden, und will sich
(zumindest momentan) ausschließlich einer chemo-therapie
unterziehen.
ich verfüge nicht über genügend fachwissen, umd ihm davon
abzuraten oder zuzureden.

Du bist auch nur ein Freund, kein Arzt. Mit Ärtzten wird er in der nächsten Zeit genug zu tun haben also sei ein Freund. Das kann er besser gebrauchen.

Liebe Grüße,
Sue

Hallo Stefan!

Meine Freundin bekam vor 6 Jahren die Krebsdiagnose.

Sie hat sich anfangs sehr zurückgezogen, und ich denke, man sollte das respektieren.

Auch während der vielen Krankenhausaufenthalte wollte sie ausschließlich ihre Familie sehen, aber es gibt ja andere Wege zu kommunizieren.

Was ich sagen will ist, geh mit ihm um wie sonst auch. (So gut es möglich ist mit dem Wissen im Hinterkopf).

Wenn er Dir von seiner Erkrankung erzählt - so habe ich es für mich jedenfalls gehalten - war meine Antwort ähnlich wie bei Sue, und ein „was kann ich für Dich tun?“ bringt bei engen Freunden doch Antworten.

Viele Krebskranke erleben mit der Diagnose, dass sich Leute aus dem Freundes- und Bekanntenkreis zurückziehen bzw. sich überhaupt nicht mehr melden.
Mag mit Unsicherheit und der Konfrontation mit dem Tod zu tun haben.

Meine Freundin hat „ganz normale“ Unternehmungen wie Stadtbummel etc. genossen, und trotz der dunklen Wolke (oder vielleicht grade deswegen) ihr Leben versucht sehr bewusst zu leben.

Die Berg- und Talfahrten zwischen Hoffen, Bangen und möglicher Aussichtslosigkeit machen hilflos und traurig, aber man sollte wissen, dass sie kommen können.
Sei für Deinen Freund da, nimm ihn in den Arm, tröste ihn, lach mit ihm und wein mit ihm…aber nur, wenn er es zulassen kann.

Um die medizinische Seiten kümmern sich die Ärzte, und für alles andere sind Familie/Freunde am Wichtigsten.

Alles Gute für Deinen Freund und Dich,
Angelika

Hallo Stefan
Ich antworte dir jetzt als med. Laie, aber als Betroffene, da ich vor 2 Jahren selber die Diagnose Hirntumor bekam.
Ich habe es zu Anfang nur meiner Familie erzählt und meinen besten Freunden, ohne sie zur „schweigepflicht zu verdonnern“.Mit jedem hätte ich auch gar nicht darüber reden wollen, weil man als Betroffener selber überfordert ist, das alles erstmal zu verkraften.Für mich war es wichtig, dass ich zwei, drei Personen hatte, die ich vollheulen konnte und die mich zu den Ärzten begleitet haben, aber ansonsten erstmal von den anderen in Ruhe gelassen wurde.
Ich denke, irgendwann wird er dir von sich aus von seiner Erkrankung erzählen, wenn ihr guten Kontakt habt.Wenn du dann wirklich für ihn da bist, ihn erzählen läßt,vielleicht auch mit ihm mitheulen mußt brauchst du keine medizinischen Ratschläge geben.Dafür sind die Ärzte da.Ich hatte das Glück, dass ich von medizinischer und auch von psychlologischer Seite gute Ärzte um mich hatte.Ich wünsche ihm, dass er das auch hat.Und halt gute Freunde, die wirklich Freunde sind.
Alles Liebe
Michaela

ich war gerade mit einem bekannten unterwegs. da hat er mir
erzählt, dass mein ex-freund (25 jahre) ihm gestern erzählt
hat dass er einen gehirntumor hat.
ich habe mit ihm schon vor tagen gesprochen und da viel mir
schon auf dass etwas nicht stimmt, er wollte nicht so reden
wie sonst immer. momentan chatte ich mit ihm. er macht witze
und ist lustig fast wie immer, aber er will mir partout nicht
sagen was los ist. aber ich frage auch nicht dauernd nach, ich
denke er soll es von sich selbst sagen.

Das finde ich auch.

aber wie soll ich denn reagieren wenn ers mir erzählt? ein
„oje, das tut mir leid“ ist so überflüssig wie sonstwas. ich
weiss nicht ob man darüber reden kann. vor allem weiss ich
nicht was man da redet. man weiss ja nie von was es kommt.

natürlich werd ich ihm sagen dass ich für ihn da bin wenn er
was braucht. aber ich will ihn nicht durch dämliche fragen
nerven oder zu nahe treten, da er anscheinend ja selbst nicht
damit klar kommt.
er hat sich auch gegen eine op entschieden, und will sich
(zumindest momentan) ausschließlich einer chemo-therapie
unterziehen.
ich verfüge nicht über genügend fachwissen, umd ihm davon
abzuraten oder zuzureden.

oder soll ich ihm erzählen dass ich es inzwischen weiss? zum
glück hatte ich bisher weder im verwandten- noch
bekanntenkreis eine krebserkrankung und bin daher völlig
überfordert.

es wäre nett, wenn mir vielleicht jemand „tipps“ geben könnte.
wenn gewünscht gerne auch über mail.

vielen dank schoneinmal im voraus, schönes wochenende.

grüße

stefan

Hallo,
zusaetzlich lesen, wie Andere ihren Krebs ueberlebten, so kann viel Hoffnung wachsen. Einfach geschehenlassen was die Medizin so macht, reicht wohl nicht, die Patienten sind auch gefordert, steht hier

Titel: Leben mit Krebs
Untertitel: Neue Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit. Patienten und Ärzte berichten.
Hrsg. v. Jean Pütz und Monika Kirschner
Verlag: vgs, 1998
ISBN 3-802-51355-X Buch anschauen, Verlagstext
Krebs - diese Diagnose wird häufig von Patienten als Todesurteil empfunden. Doch neue Erkenntnisse zeigen: informierte Patienten leiden weniger, ihre Therapien verlaufen erfolgreicher, sie erholen sich schneller und haben weniger Probleme mit ihrem sozialen Umfeld. Vier Millionen Menschen in Deutschland leben mit Krebs, Tendenz steigend. Zwei von drei Familien - Kinder und Erwachsene - werden mit einem Krankheitsfall konfrontiert. Was die meisten jedoch nicht wissen: Gut ein Drittel aller Krebspatienten wird heute durch die moderne Medizin geheilt. Zum ersten Mal geht die Sterberate zurück, immer mehr Menschen leben immer länger mit der Krankheit. Es wird also Zeit, diese in einem neuen Licht zu betrachten, ungetrübt von weit verbreiteten Mythen und düsteren Visionen.
Die Wissenschaftsjournalistin Monika Kirschner ging den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nach und befragte Ärzte und Patienten nach ihren Erfahrungen.Sie berichten von Erlebnissen im Umgang mit Ärzten, Erfahrungen mit alternativen Ergänzungstherapien, der Unterstützung in Selbsthilfegruppen und von Selbstfindungsprozessen, die sie die Krankheit leichter haben überstehen lassen.

mehr: http://www.krebs-kompass.org/Forum/showthread.php?t=…

Hallo Stefan!

Vielleicht kannst Du ihn fragen, wie es sich damit fühlt, ob er verzweifelt ist oder ob er Hoffnung hat. Ich denke, auf der psychischen Ebene kannst Du ihn am besten erreichen.
ALlesGute für Deinen (Ex)Freund
leloup