Durchblutungsstörungen im Gehirn

Hallo,

ich frage hier bezüglich meines Vaters (65). Er bekommt gegen Depressionen Medikamente, die die Serotonin- und Noradrenalinverfügbarkeit im Gehirn erhöhen. Eine typische Nebenwirkung ist Tachykardie, die bei ihm so bei 120 Schlägen liegt. Auf Dauer natürlich nicht haltbar. Er bekommt dagegen wahrscheinlich demnächst Betablocker. Weiterhin nimmt er Statine gegen Cholesterin. Schilddrüsenhormone sind mittlerweile abgesetzt worden, um die Tachykardie nicht noch zu verschlimmern. Soweit die Vorgeschichte.

Bei einem MRT und EEG wurden nun Durchblutungsstörungen im Gehirn diagnostiziert. Verschiedene Bereiche des Gehirn sind schlecht durchblutet. Er muß sich nun Ginkopräparate kaufen. Andere Maßnahmen wurden nicht ergriffen.

Nun zu meiner Frage: Sollte und müßte nicht erst einmal die Ursache der Durchblutungsstörungen abgeklärt werden? Seine Halsschlagadern sind jungfräulich (durch Doppleruntersuchung bestätigt) und Anzeichen für aterielle Ablagerungen über dem altersgerechten Maß liegen nicht vor.

Ich bin der Meinung, daß Durchblutungsstörungen, insbesondere im Gehirn, ersten immer eine Ursache haben müssen und zweitens behandlungsbedürftig sind. Mit Ginko ist es da natürlich nicht getan.

Sollte er noch weitere Ärzte aufsuchen, neben der behandelnen Neurologin und Internistin? Falls ja, welche?

Benni

hallo benni,

ein kardiologe und/oder gefäßspezialist sollte auch hinzugezogen werden, damit erstmal abgeklärt wird, ob nicht pumpe oder leitungssystem schon einen fehler haben, der den sauerstoffmangel verursacht (durchblutungsstörungen).

gruß
ann

ein kardiologe und/oder gefäßspezialist sollte auch
hinzugezogen werden, damit erstmal abgeklärt wird, ob nicht
pumpe oder leitungssystem schon einen fehler haben, der den
sauerstoffmangel verursacht (durchblutungsstörungen).

Ich vergaß das zu erwähnen: Kardiloge war schon dran. Ist alles in Ordnung, auch ein Belastungs-EKG war unauffällig. Ein Gefäßspezialist war auch schon dran. Er schaute sich Halsschlagadern und Beinvenen an (es mußten ein paar gezogen werden).

Jemand anderes schlug mir per Email vor, doch mal die Halswirbelsäule testen zu lasten. Das werde ich meinem Vater gleich vorschlagen. Es wurde auch nach Ernährungs- und Gebißzustand gefragt. Da ist ebenfalls alles in Ordnung.

Benni

Hallo Benni,

um mehr dazu sagen zu können, fehlen zum Patienten auch noch Angaben, wie z. B.:
BMI, bzw. ist Übergewicht vorhanden (schließlich bekommt er einen Lipidsenker = Statine) oder leidet er gar zusätzlich noch an Bewegungsmangel (Trainingsmangel - hoher Puls), raucht er? Depressionen können zu Bewegungsmangel führen und umgekehrt. War der Puls vor Einnahme des Antidepressivums schon im höheren Bereich? Herzinsuffizienz konnte ausgeschlossen werden (Belastungs-EKG), Schilddrüsenüberfunktion ebenfalls, denn die lässt kein Arzt unbehandelt.

So versuche ich, die Antwort allgemein zu halten.

Nun zu meiner Frage: Sollte und müßte nicht erst einmal die
Ursache der Durchblutungsstörungen abgeklärt werden?
Seine
Halsschlagadern sind jungfräulich (durch Doppleruntersuchung
bestätigt)

Die möglichen Ursachen wurden durch eine umfangreich stattgefundene Diagnostik stark eingegrenzt.
Ablagerungen und folglich mechanische Verengungen in der Arteria Carotis (Halsschlagader), sowie Verengungen durch Neubildungen (Tumore) konnten also ausgeschlossen werden.

Nun kann man davon ausgehen, dass sich die Durchblutungsstörungen entweder durch eine herabgesetzte Fließeigenschaft des Blutes (z. B. Fehl-, Überernährung, zu wenig Flüssigkeit), oder kontraktäre Gefäßverengungen aufgrund von Medikamenten oder Nikotin begründen lassen.

Ich bin der Meinung, daß Durchblutungsstörungen, insbesondere
im Gehirn, ersten immer eine Ursache haben müssen und zweitens
behandlungsbedürftig sind. Mit Ginko ist es da natürlich nicht
getan.

Wesentliche Faktoren für herabgesetzte Fließeigenschaften des Blutes können sein:
Metabolisches Syndrom: Bewegungsmangel und Übergewicht, Bauch, Lipidämie, Hypertonie, Diabetes, usw.
weiterhin: Rauchen, Stress, mangelnde Flüssigkeitsaufnahme.
Nikotin sorgt z. B. für Gefäßverengung, auch im Gehirn.

So verschlechtert z. B. Bewegungsmangel die Cholesterin-Werte, die Triglyzerid-Werte und den Blutzucker.
In dieser Kombination verschlechtern sich die Blutgerinnungs- und die Entzündungswerte, sodass die Gefahr, dass sich Thromben bilden können steigt.
Vielfach raten Ärzte ihren Patienten zur Steigerung der Viskosität des Blutes, bzw. als Gerinnungshemmer, beispielsweise zur täglichen Einnahme von ASS, Aspirin (Acetylsalicylsäure), manche raten aber auch zu Gingko, der Studien zufolge, ebenfalls die Hirndurchblutung steigern soll, indem die Blutfließeigenschaften gesteigert werden.

Auf eine Ernährungsumstellung und regelmäßige, ausreichende Bewegung wird häufig nicht oder zu zaghaft hingewiesen (Resignation?), wodurch beim Patienten der Eindruck entstehen kann, dass nichts oder nur Tabletten helfen können - .

Sollte er noch weitere Ärzte aufsuchen, neben der
behandelnen Neurologin und Internistin? Falls ja, welche?

Es handelt sich ja hier nicht um Reizleitungsprobleme, und EEG wurde bereits erstellt. Falls metabolische Ursachen in Frage kommen, dann wäre der Ansatz hierin zu sehen!

Gruß, Renate

Hallo Renate,

danke für Deine ausführliche Antwort.

BMI, bzw. ist Übergewicht vorhanden (schließlich bekommt er
einen Lipidsenker = Statine) oder leidet er gar zusätzlich
noch an Bewegungsmangel (Trainingsmangel - hoher Puls), raucht
er?

Alles nein, sprich kein Übergewicht, kein Bewegungsmangel, hoher Puls ist eindeutig Nebenwirkung der erhöhten Noradrenalinverfügbarkeit, kein Raucher, kein Trinker. Leicht erhöhte Cholesterinwerte sind bei einem 65jährigen absolut normal und keine Folge der Ernährung (die ist absolut ok), sondern in seinem Fall eher erblicher Natur.

War der Puls vor Einnahme des Antidepressivums
schon im höheren Bereich?

Nein.

Herzinsuffizienz konnte
ausgeschlossen werden (Belastungs-EKG),
Schilddrüsenüberfunktion ebenfalls, denn die lässt kein Arzt
unbehandelt.

So ist es.

Die möglichen Ursachen wurden durch eine umfangreich
stattgefundene Diagnostik stark eingegrenzt.
Ablagerungen und folglich mechanische Verengungen in der
Arteria Carotis (Halsschlagader), sowie Verengungen durch
Neubildungen (Tumore) konnten also ausgeschlossen werden.

Ja.

Nun kann man davon ausgehen, dass sich die
Durchblutungsstörungen entweder durch eine herabgesetzte
Fließeigenschaft des Blutes (z. B. Fehl-, Überernährung, zu
wenig Flüssigkeit),

Ernährung ist ok, Flüssigkeitsaufnahme ebenso (etwa zwei Liter pro Tag).

oder kontraktäre Gefäßverengungen aufgrund
von Medikamenten oder Nikotin begründen lassen.

Nikotin fällt raus, ebenso andere Medikamente, da er außer den genannten keine einnimmt.

Wesentliche Faktoren für herabgesetzte Fließeigenschaften des
Blutes können sein:
Metabolisches Syndrom: Bewegungsmangel und Übergewicht, Bauch,
Lipidämie, Hypertonie, Diabetes, usw.

Alles negativ.

weiterhin: Rauchen, Stress, mangelnde Flüssigkeitsaufnahme.
Nikotin sorgt z. B. für Gefäßverengung, auch im Gehirn.

Auch alles negativ.

Vielfach raten Ärzte ihren Patienten zur Steigerung der
Viskosität des Blutes, bzw. als Gerinnungshemmer,
beispielsweise zur täglichen Einnahme von ASS, Aspirin
(Acetylsalicylsäure), manche raten aber auch zu Gingko, der
Studien zufolge, ebenfalls die Hirndurchblutung steigern soll,
indem die Blutfließeigenschaften gesteigert werden.

Gut, dann war der Ginko-Tip der Neurologin ja durchaus richtig. Niedrig dosierte ASS nahm mein Vatrer vor einiger Zeit ein, was aber zu unerwünschten Nebenwirkungen führte (ständiges Nasenbluten, sehr viele Blutergüsse, Magenprobleme) und daher abgesetzt wurde.

Auf eine Ernährungsumstellung und regelmäßige, ausreichende
Bewegung wird häufig nicht oder zu zaghaft hingewiesen
(Resignation?), wodurch beim Patienten der Eindruck entstehen
kann, dass nichts oder nur Tabletten helfen können - .

Guter Hinweis, abewr seine Ernährung ist absolut ok und Bewegung ist auch ausreichend vorhanden.

Es handelt sich ja hier nicht um Reizleitungsprobleme, und EEG
wurde bereits erstellt. Falls metabolische Ursachen in Frage
kommen, dann wäre der Ansatz hierin zu sehen!

Gut, dann scheint mein Vater ja weitesgehend ausgetestet zu sein, nachdem neulich auch die Blutuntersuchung keinerlei abnormalen Werte erbrachte.

Wenn ich Dich richtig verstehe, ist die Ginkoeinnahme also durchaus angeraten und viel mehr kann man nicht mehr tun?!

Benni

Hallo Benni,

mittlerweile gibt es „anfängliche“ wissenschaftliche Studien darüber, dass es eine durchblutungsfördernde Wirkung durch Gingko biloba gibt, aber die Wirkungsweise selbst ist noch recht unerforscht:

http://www.aerztezeitung.de/docs/2005/05/12/086a1302…

Studien belegen aber auch, dass es andere, besser wirksame Medikamente gibt. Hierzu könntest Du Dich, falls nötig, mit dem behandelnden Arzt unterhalten.

Interessant ist für Euch auch aus http://www.neuro24.de/d9.htm - scrollen bis zu Mitte:
Depressionen im Alter können auch Folge von Durchblutungsstörungen sein www. neuro24.de
Zitat: „Die Bedeutung von Hinweisen auf Durchblutungsstörungen in kernspintomographischen Untersuchungen ist noch schlecht untersucht. Ihre Bewertung ist strittig, ihre Mitteilung verunsichert viele Patienten. Die Interpretation der in den Bildern erkennbaren weißen Flecken ist weiter strittig. Eine neue Untersuchung bringt ein bisschen mehr Licht ins Dunkel…“ usw.

Möglicherweise stützen die behandelnden Ärzte ihre Diagnose ausschließlich auf die MRT.

Ich denke, z. Z. kommst Du nur weiter, wenn Dir der Arzt als Fachmann, der das MRT selbst durchgeführt und den Arztbericht (wird entweder dem Patienten gleich mitgegeben oder später dem Hausarzt übermittelt) geschrieben hat, persönlich Deine ausstehenden Fragen beantwortet.

Gruß, Renate

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

1 „Gefällt mir“

Hallo Renate,

vielen Dank für Deine Antwort.

Studien belegen aber auch, dass es andere, besser wirksame
Medikamente gibt. Hierzu könntest Du Dich, falls nötig, mit
dem behandelnden Arzt unterhalten.

Welche Medikamente sind denn das? Wenn mein Vater demnächst wieder zu seiner Internistin geht, würde ich ihm gerne diesbezüglich ein paar Gesprächanregungen geben.

Depressionen im Alter können auch Folge von
Durchblutungsstörungen sein www. neuro24.de

Das ist ja sehr interessant. Auf den ersten Blick würde dies genau auf meinen Vater zutreffen.

Möglicherweise stützen die behandelnden Ärzte ihre Diagnose
ausschließlich auf die MRT.

Du meinst was die Durchblutungsstörungen anbetrifft? Ja, daß wurde laut meinem Vater erst im MRT diagnostiziert und wohl beim EEG bestätigt.

Benni

Hallo Benni,

Welche Medikamente sind denn das? Wenn mein Vater demnächst
wieder zu seiner Internistin geht, würde ich ihm gerne
diesbezüglich ein paar Gesprächanregungen geben.

Hier findest Du eine Übersicht über die durchblutungsfördernden Wirkstoffe in Medikamenten, die in der Regel bei schon manifesten Demenzen verordnet werden, wie u. a. auch Gingko:
http://medikamente.onmeda.de/Wirkstoffgruppe/durchbl…

Sprich mit dem Arzt und frag ihn, warum er z. B. Ginkgo verordnet. Ginkgo wird schon deshalb so gern verordnet, weil sich hierbei die Nebenwirkungen in Grenzen halten.

Gruß, Renate

1 „Gefällt mir“

Hallo Renate,

Hier findest Du eine Übersicht über die
durchblutungsfördernden Wirkstoffe in Medikamenten, die in der
Regel bei schon manifesten Demenzen verordnet werden, wie u.
a. auch Gingko:
http://medikamente.onmeda.de/Wirkstoffgruppe/durchbl…

Vielen Dank, das war sehr hilfreich. Ich werde mit meinem Vater vor seinem nächsten Arztbesuch sprechen.

Benni