Baby verträgt keine Trennung

Hallo Experten,

in diesem Fall weiß ich nicht weiter:
Das 15-monatige Baby muß immer (immer!, jede Sekunde) mit der Mutter genügend Kontakt (d.h. mindestens einarmige Umarmung; Berührung mit der Hand ist ungenügend) haben, sonst gerät es so in Panik und Verzweiflung, daß es sich gar erbricht.
Ein Kinderarzt (der nicht mehr zu erreichen ist) habe vor 6 Monaten beiläufig erwähnt, daß dieses Kind wohl besonders viel Mühe machen werde.
Es ist eine ausländische Familie mit kaum Deutschkenntnissen, und bevor die womöglich eine Tour von Arzt zu Arzt macht, haben sie mich gefragt: was ist das für eine Krankheit/Entwicklungssstörung, und was kann man da tun?

lG

w

Hi,

für einen Diagnose sind die Auskünfte hier wohl zu gering (Stichwort Sozialanamnese), daher würde ich der Familie empfehlen, ein Sozialpädiatrisches Zentrum, eine Familienberatungsstelle oder einen Kinderpsychologen aufzusuchen, wenn das Problem so gravierend ist.

Ins Blaue geschossen würde ich sagen: Trennungsängste, unsichere Bindung an die Eltern, aber wie gesagt ohne weitere Kenntnisse und es „selbst“ gesehen zu haben, ist die Frage schwer zu beantworten.

Gruß,

Elke

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Vielleicht hat es schlechte Erfahrungen gemacht, wurde schon zu früh zu anderen Leuten gegeben, seien es auch Familienangehörige.

Gerade unsere ausländischen Mitbürger neigen dazu - ist bei ihnen nun mal so Sitte - die Kinder öfter mal „herumzureichen“, von anderen betreuen zu lassen als von der Mutter.

Das verträgt vielleicht nicht jedes Kind so gut, wenn dies in zu frühen Lebensjahren beginnt…

Hallo Elke,

die Familienverhältnisse erscheinen mir einigermaßen in Ordnung. um etwas als Ursache von Trennungsängsten auszumachen, müßte man m.E. so tief graben, daß man in der gleichen Tiefe bei jeder Familie etwas finden würde.

Es ist ein Einzelkind. Der Vater (Manager) ist nur ca. 4 Tage monatlich bei der Familie. Die Coping-Situation der Mutter, im Ausland und alleine, ist nachfühlbar nicht hilfreich gegen das bestehende Problem, doch gesehen worden ist es es offenbar bereits in der Heimat bei der Vorsorgeuntersuchung im 6. Lebensmonat, und da war mehr Familie präsent.

ich habe der geplagten Mutter fürs erste geraten, zu versuchen, doch diesem Kinderarzt in der Heimat einen Brief zu schicken

lG

w

Hallo,

wie sicher sind die Schilderunge des Problems denn?
Könnte es sein, dass vielmehr die Mutter eine Trennung nicht erträgt und daher jede Äußerung des Kindes dahingehend überinterpretiert oder die eigenen Ängste dem Kind vermittelt?
Das wäre in der Situation dieser Frau ja fast normal, im fremden Land, wegen Sprachdefizit kaum Möglichkeit Kontakte aufzubauen, Verlust eines wohl engen familiären Umfeldes im Herkunftsland, Mann ständig weg.
Da wäre eine totale Fixierung auf das Kind naheliegend, und die eigene Beschränktheit kann mit einem (übermäßigen) Bedürfnis des Kindes unhinterfragbar gerechtfertigt werden.

Vielleicht hat es schlechte Erfahrungen gemacht, wurde schon
zu früh zu anderen Leuten gegeben, seien es auch
Familienangehörige

Solche südländischen Kinder sind eher im Gegenteil oft übertrieben kontaktfreudig. Das kann man oft beobachten.

lg

w

Hallo,

die Familienverhältnisse erscheinen mir einigermaßen in
Ordnung. um etwas als Ursache von Trennungsängsten
auszumachen, müßte man m.E. so tief graben, daß man in der
gleichen Tiefe bei jeder Familie etwas finden würde.

vielleicht :wink:.

Es ist ein Einzelkind. Der Vater (Manager) ist nur ca. 4 Tage
monatlich bei der Familie. Die Coping-Situation der Mutter, im
Ausland und alleine, ist nachfühlbar nicht hilfreich gegen das
bestehende Problem, doch gesehen worden ist es es offenbar
bereits in der Heimat bei der Vorsorgeuntersuchung im 6.
Lebensmonat, und da war mehr Familie präsent.

Da stellt sich natürlich die Frage, inwieweit es sich dabei natürlich z.T. auch um eine selbsterfüllende Prophezeiung handelt. Und die FAmilienverhältnisse sind gewiss nicht ideal um das Problem zu lösen.

Werners Hinweis finde ich auch als eine Möglichkeit. Kinder sind schließlich sehr sensitiv für die Gefühle ihrer Mütter. Meiner Erfahrung nach klammern zum Beispiel kleine Kinder bei der Eingewöhnung in eine Krippe besonders dann, wenn die Mütter unsicher sind.

Es kann aber auch so sein, dass die Mutter vom Klammern des Kindes genervt ist und das Kind zum Loslassen bewegen möchte, das Kind darauf wiederum mit mehr Klammern reagiert…

ich habe der geplagten Mutter fürs erste geraten, zu
versuchen, doch diesem Kinderarzt in der Heimat einen Brief zu
schicken

Einen Arzt zu kontaktieren, der die Muttersprache der Mutter spricht, ist auf jeden Fall keine schlechte Idee. Ihm/ Ihr kann die Mutter sich dann wirklich ausdrücken und muß nicht um Worte ringen…

Ach und da fällt mir noch ein, ich hab letztens gelesen, dass Schreikinder manchmal Probleme mit Verspannungen haben (im Rücken und Nackenbereich) und dementsprechend Schmerzen haben und durch Chiropraktiker wieder „ins Lot“ gebracht werden können. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit dass in den Bereich der Märchen gehört…

Lg

Elke

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Kind hat nicht gerlernt, sich zu trennen.
Hallo,

ich habe es erlebt, dass ein Kind aus Angst kotzt.

Da war ich selbst ein Kind und mein Schulfreund hatte panische Angst vor dem Schwimmunterricht (DDR). Er kotzte jedesmal, wenn wir am Beckenrand standen. Warum? Wir (Gruppe 3, das waren die, die nach wenigen Unterrichtsstunden noch nicht schwimmen konnten) wurden dann einfach ins tiefe Wasser geschmissen. Wenn wir uns nicht mehr von alleine über dem Wasser halten konnten, reichten uns die Lehrer endlich den rettenden Stab. Mir selbst wird bis heute (bin 33) schlecht, wenn ich Schwimmbad-Chlorgeruch wahrnehme.

Dass das Klammern des Babys hier mit einer Krankheit zu tun haben könnte wage ich fast zu bezweifeln. Vielmehr gehe ich von schierer Angst aus: extremer Trennungsangst.

  1. hat das Kind scheinbar nur eine einzige Bezugsperson weit und breit.
    Wenn es diese verliert, dann sieht es alt aus (denkt es).

  2. könnte die Mutter sich in vergangenen Zeiten evtl. falsch vom Kind verabschiedet haben (bzw. gar nicht), wenn sie sich mal entfernt hat.

Es gibt die sogenannte 8-Monats-Angst. Babys in dem Alter fremdeln plötzlich. Sie haben erkannt, wer die wichtigste Person/die Hauptbezugsperson ist. Dies einmal erkannt, trennen sie sich nur unwillig von ihr.

Wenn das Baby damals nicht gelernt hat, dass
a) es auch mal ohne die Mutter geht
b) es sich auf das Weggehen der Mutter einstellen und
c) ihr Wiederkommen verlassen kann,
kann sich durchaus eine neurotische Verhaltensauffälligkeit, wie die hier beschriebene entwickeln.

_____________________ WAS TUN? ____________________

Hier im beschriebenen Fall hat das Kind wohl schon eine derartige Verhaltensauffälligkeit entwickelt.
Deshalb halte ich Elkes Rat, ein Sozialpädiatrisches Zentrum, eine Familienberatungsstelle oder einen Kinderpsychologen aufzusuchen , für sehr sinnvoll.
Ein Kinderarzt und andere Mediziner sind da nicht unbedingt die richtigen Ansprechpartner.

Aber was prinzipiell tun?:

Sich immer beim Kind verabschieden, wenn man geht!
Nicht denken: och, der spielt grad so schön, da merkt er gar nicht, dass ich gehe und es gibt auch kein Geschrei.
Das Kind wird sehr bald merken, dass die Mutter weg (und nur noch der Babysitter/die Krippenerzieherin/die Tante da) ist.

Nun stellt Euch mal vor, ihr seid in mit einer Reisegruppe im Dschungel. Ihr schaut Euch eine Pflanze genauer an und wenn Ihr aufschaut ist die lebensrettende Gruppe verschwunden! Na, vielen Dank!
Da wende ich mich lieber doch nicht der Umgebung zu, sondern geb Acht, dass ich den Kontakt zur Gruppe nicht verliere.

Dem Kind (bis es loslassen kann) immer Bescheid sagen, wenn man mal kurz wohin geht (z.B. auf Toilette) / das Zimmer verläßt.
Dann wird es lernen, dass es nicht immerzu kontrollieren muß, ob die Mutter noch da ist. Das Kind kann also loslassen. Die Mutter sagt ja schließlich, wenn sie geht.

Das Kind deutlich/intensiv begrüßen (z.B. umarmen), wenn eine (auch kurze) Trennungsphase vorbei ist.
Trennungsphasen sind für ein Kind schwer durchzustehen/sind Stress. Umso mehr braucht es nachher Zuwendung/die Möglichkeit, sich gehen lassen zu können, innerlich zur Ruhe zu kommen.

Trennungsphasen bis zur Verbesserung der Lage so kurz wie möglich halten.
Ein Kind erlebt Zeit anders/langsamer/länger als Erwachsene.

Das Kind niemals zurückweisen!
Auch wenn es nervt, dass es ständig am Bein hängt. Es einfach mal am Kopf streicheln. Mal hochnehmen, knutschen, wieder absetzen. Wenn Kinder voll der Liebe sind, wenden sie sich auch mal ab - bis der Tank wieder leer ist.

Beste Grüße
Claudia