Mandelenfernung bei 3-jähriger?

Hallo, unsere Tochter, 3 Jahre, geht seit 7 Monaten in den Kindergarten, seit dieser Zeit ist sie fast ständig erkältet, vorallem Schnupfen und Husten, ganz ganz selten mit leichten Fieber. Ihre Rachenmandel sind fast immer riesengroß, aber nicht vereitert. Sie sagt auch nicht, daß es weh tut.
Nun sagte mir unsere Hausärztin, daß sie alles im Kindergarten auffängt und sie dadurch muß. Wenn der Körper genug Bakterien kennt, hat sie es überstanden…???
Darauf sind wir zu einem anderen Arzt gegeangen, als wir erzählten, wie lange die Mandel schon so dick sind, verschrieb er ein Antibiotikum. Darauf schwellten die Mandel ab.
Bald darauf Mittelohrentzündung.
Nach dem Besuch beim HNO: Mandeln sollen raus und die Polypen gleich mit, da sie auch sehr groß sind.
Nun wissen wir nicht, was richtig ist. Schützen die Mandeln vor Infekten oder ist man besser ohne dran?
Hat jemand Erfahrung mit Mandelentfernung bei Kleinkindern?

Gruß Tina

Hallo!

Während man die Rachenmandel (=Polypen) ohne größere Bedenken opfern kann, ist man bei den Gaumenmandeln (= die Mandeln) zumindest bei Kindern bis 6 Jahren eher zurückhaltend, denn bis dahin übernehmen die Mandeln schon eine gewisse Schutz- und Ausbildungsfunktion für das Abwehrsyste. Treten aber immer wieder akute eitrige Mandelentzündungen auf, würde man trotzdem empfehlen, die Mandeln 'rauszunehmen.

Liegt alleine ein Platzproblem durch zu große Mandeln OHNE akute Entzündungen vor, so kann man auf eine Methode der Altvorderen zurückgreifen und das überschüssige Gewebe entfernen. Diese Mandelkappung oder Tonsillotomie erlebt auf Grund jüngerer Studien aus Berlin derzeit eine Renaissance.
Der Vorteil dabei ist, daß ein Teil des lymphatischen Gewebes am Ort bleibt, auch ist die Nachblutungsgefahr nach der Operation geringer.

Hat Eure Tochter denn außer der Infektneigung andere Beschwerden? Schnarcht sie oder atmet sie immer durch den Mund? Hat sie mehrmals im Jahr eine Mittelohrentzündung oder Ergüsse hinter dem Trommelfell?
Wenn die Mandeln nicht extrem riesig sind, kann man auch zunächst mal versuchen, nur die Polypen zu entfernen und abwarten, was dann passiert. Das kann man aber natürlich nicht auf die Ferne entscheiden.

Ich hoffe, ich konnte Dir etwas weiterhelfen, falls noch Fragen sind, kannst Du Dich ja nochmal melden.

Gruß
Peter

Auch hallo,

mein Sohn hat mit knapp 4 die „Polypen“ also die Rachenmandel entfernt bekommen und ein Jahr später die Gaumenmandeln. Heute würde ich beides auf einmal machen lassen, das spart eine Narkose.
Die Entfernung der „Polypen“ kann in einer ambulanten Klinik durchgeführt werden und das Kind hat nachher keine Schmerzen.

Die Entfernung der Gaumenmandeln geht wegen des Risikos für Nachblutungen nur stationär im KH und der Eingriff ist nicht ganz schmerzlos. Vor allem Abends können teilw. heftige Ohrenschmerzen auftreten, da sich in unmittelbarer Nähe Nerven befinden, die durch die Entfernung der Mandeln gereizt werden können.

Bei meinem Sohn waren die Mandeln damals gut kirschgroß und er schnarchte nachts sehr, da die dicken Mandeln immer hinten in den Hals rutschten und die Atemwege einengten. Irgendwann stellte ich entsetzt fest, dass er deshalb auch schon Atemaussetzer hatte!

Auch tagsüber bekam er nur Luft durch die Nase, wenn er absolut schnupfenfrei war. Schon bei einem kleinen Schnupfen waren die oberen Atemwege sehr zugeschwollen und auch mit Nasenspray nur bedingt frei zu halten.
(Ich habe mich auch immer gewundert, warum er zu worgsen anfing, wenn er einen Milchreis oder ähnliches mit Bröckchen darin futtern sollte, Heute weiß ich, dass die Bröckchen hinten in Hals hängen blieben und dort Brechreiz auslösten)
Dass Kinder wenn sie in den Kiga kommen mit allen möglichen neuen Keimen konfrontiert werden und dann öfter mal erkältet sind ist normal.
Wenn die Erkältung aber schon Normalzustand ist und gar nicht mehr weggehen will, und dazu noch Ohrenprobleme kommen, dann sollte man etwas tun.
Bei Einer Erkältung mit übergroßen Mandeln können diese die Verbindungswege zwischen Rachen und Ohrraum beeinträchtigen (Belüftung des Mittelohrs und Ablauf von Flüssigkeit)

Wenn die Mandeln auch nach einer durchstandenen Erkältung nicht wieder abschwellen, dann wirkt deren Oberfläche wie ein Schwamm und bietet einen hervorragenden Nährboden für allerhand Keime.

Das könnte interessant für Dich sein:
[http://www.tk-online.de/centaurus/generator/tk-onlin…](http://www.tk-online.de/centaurus/generator/tk-online.de/05 gute besserung/040 krankheiten/03 a bis z/R/rachenmandel-hyperplasie/rachenmandel-hyperplasie.html?subId=12500)

Später, wenn das Mandelgewebe schon sehr stark geschädigt ist und chronisch entzündet, könnnen Erreger auch in die Blutbahn gelangen und zu anderen Erkrankungen führen.
http://www.aok.de/bund/tools/medicity/diagnose.php?i…

Wühl Dich auch mal hier durch, das Thema ist ähnlich:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Nachdem mein Sohn seine Mandeln los war, konnte er richtig atmen, hatte keine Erkältungen mehr und auch keine Mittelohrentzündung.

Ich hoffe das hilft Dir bei der Entscheidungsfindung.

Gruß
Maja

Hallo Peter,
erst mal danke für die Antwort.
Unsere Tochter hat außer den Infekten keine Beschwerden, lediglich eine Mittelohrentzündung hatte sie.
Die Mandel sind einfach nur riesengroß, etwas größer als eine Kirsche. Ab und zu halt rot. Aber weder vertascht noch eitrig.
Ein schlechter Esser ist sie, am liebsten ißt sie nur weiches…egal was. Das war schon immer so. Möglich, daß die Mandeln schuld sind. Ob die Mandeln auch früher schon so groß waren, weiß ich nicht, ich habe einfach nicht darauf geachtet, erst als sie ständig erkältet war.
Beim Zähneputzen würgt sie immer, ich denke, daß sie die Zunge nicht nach hinten nehmen kann, ohne, daß der Würgereiz kommt.
Sie jammert auch nur sehr selten über Halsschmerzen, aber vielleicht sind die ja ständig da und sie hat sich daran geöhnt.

Was heißt Methode der Altvorderen? Bleibt da was von den Mandeln drin??? Echt??? Tonsillotomie ist das nicht immer „Mandeln raus“?
Bitte erkläre mir das nochmal.
Danke.
Gruß Tina 256

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Tina,
deine Frage hat mich persönlich sehr angesprochen, da ich mich mit diesem Thema bei meiner Tochter sehr intensiv beschäftigt habe.
Meine Tochter hatte in etwa das gleiche Problem wie du es schilderst, sie hat aber, mittlerweile 24 Jahre alt, ihre Mandeln noch immer.
Ich kann heute nicht sagen, ob es besser gewesen wäre, bei ihr die Rachenmandeln entfernen zu lassen. Einerseits hat sie sich eine Operation erspart und lt. unserer damaligen Kinderärztin ist jede nicht durchgeführte Operation die beste, andererseits „leidet“ (ich weiß nicht, ob man das wirklich als leiden bezeichnen kann) darunter, dass sie ständig das Gefühl hat, „es bleibt ihr was im Hals stecken“.
Die Polypen wurden damals (als sie 4 war) entfernt, das war aber eine eigene Geschichte - wir haben uns dazu entschlossen, da sie nächtens Atemaussetzer hatte und tagsüber unausgeschlafen war. Die Operation war nicht unspektakulär - es gab Komplikationen.

Was ich damit sagen will, oder dir vielleicht damit helfen will: sie hält es ganz gut aus, dass sie die großen Mandeln hat. Sie würde - jetzt, da sie selbst entscheidet - sich der Operation nicht unterziehen, so stark ist der Leidensdruck nicht.
Aus meiner Sicht: wir sind ein Risiko NICHT eingegangen, denn ein Risiko ist es, wie man leider immer wieder in den Medien hört - gerade heute wieder in unserer Tageszeitung … die Fälle, wo es massive, lebensbedrohliche Nachblutungen gibt kommen häufiger vor, als man denkt.
Meine persönliche Meinung: wenn die Mandeln nur groß sind und es nur mit dem Essen Probleme gibt, wenn nicht mindestens 6 x pro Jahr eine eitrige Mandelentzündung vorliegt, sollte man sich gegen eine Operation entscheiden.
Aber…wie du es ohnehin tust … informiere dich und entscheide, wie du fühlst, dass es richtig ist.
lg, Irene
Irene

Hi Tina!

Ich wage zu bezweifeln, daß sich jemand an Halsschmerzen gewöhnt, insbesondere ein drei Jahre altes Kind.

Was heißt Methode der Altvorderen? Bleibt da was von den
Mandeln drin??? Echt??? Tonsillotomie ist das nicht immer
„Mandeln raus“?

Es gibt zum einen die Tonsillektomie, dabei wird die Mandel entlang ihrer „Kapsel“ mit diversen Instrumenten von der Muskulatur der Gaumens abgeschoben. Im Prinzip, wie man eine Mandarine schält.

Dann gibt es die Tonsillotomie (Mandelkappung). Dabei wird in aller Regel mit einem LASER einmal durch die Mandel geschnitten, im Niveau ungefähr längs der Gaumenbögen.

Die Tonsillotomie wurde früher oft angewandt (natürlich nicht mit LASER) war später aber verpönt, da befürchtet wurde, daß die Mandeln dann vernarben und sich darin leichter Abszesse bilden könnten.
Aus neuerer Zeit gibt es nun Untersuchungen, die dies widerlegen, so daß man heute sagt: Wenn keine gehäuften Mandelentzündungen vorliegen sondern ein reines Platzproblem besteht, kann man die Mandeln ohne Nachteil auch kappen. Vorteile sind: Es bleibt lymphatisches Gewebe erhalten, die Beschwerden nach der Operation sind geringer und es blutet auch seltener.
Hier mal ein Bild http://www.hnopraxis.de/tonsillotomie.htm

Gruß
Peter

Hallo Peter,
Du bist echt Spitze. Danke für die genaue Erklärung.
Ich wußte gar nicht, daß es so etwas gibt. Also Tonsillotomie.
Es wäre wirklich eine Alternative. Ich habe auch gerade etwas im Internet geschnüffelt über das Thema.
Sobald wir wieder beim HNO sind, werde ich das gleich ansprechen.
Habe ganz vielen Dank!!!

PS: Ich habe die Mandeln mit 32 Jahren entfernt bekommen (TONSILLEKTOMIE) und es war die Hölle. 6kg abgenommen in 7 Tagen. Konnte tagelang die eigene Spucke nicht schlucken und von Sprechen keine Spur. Naja, war auch bestimmt die Ausnahme. Meine Mandeln waren auf einmal total groß, besonders die linke. Darunter wurde ein gutartiger Tumor gefunden 4x4x5cm. Bestimmt haben die Ärzte da erst mal richtig „gewühlt“. Aber der kam dann auch ein paar Monate zusammen mit der Ohrspeicheldrüse raus und alles lief gut.
Vielleicht mache ich mir deshalb die Entscheidung so schwer bei meiner Tochter.
Habe nochmal ganz vielen Dank für die Aufklärung, bist Du Arzt?

Danke und Gruß Tina 256

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ein schlechter Esser ist sie, am liebsten ißt sie nur
weiches…egal was. Das war schon immer so. Möglich, daß die
Mandeln schuld sind.

Beim Zähneputzen würgt sie immer, ich denke, daß sie die Zunge
nicht nach hinten nehmen kann, ohne, daß der Würgereiz kommt.

Hi,
das erinnert mich an die Tochter einer Freundin. Die wollte auf einmal nur noch Joghurt essen, es durfte aber nicht das kleinste Stückchen Obst drin sein, denn dann fing sie an zu würgen. Da sie schon ein Teenie war, hatte meine Freundin schon Angst, es könnte Magersucht oder was psychisches sein. Schließlich wurde dann aber festgestellt, dass es an zu großen Mandeln lag, die dann entfernt wurden. Danach hat sie wieder alles gegessen.

Liebe Grüße
Nelly

Hallo Tina,

nach allem was ich hier gelesen habe und dem, was ich schon wusste, würde ich an Deiner Stelle lieber abwarten. Häufige Erkältungen sind bei Kindern diesen Alters ziemlich normal. Ob die vergrößerten Mandeln tatsächlich das Schlucken behindern oder ob Dein Kind einfach nur gern weiche Lebensmittel mag - wer weiß das ganz genau? Soweit ich mich erinnere, hatte ich ganz ähnliche Vorlieben in dem Alter. Sie ist doch gerade erst aus dem Flaschen- und Babybrei-Alter heraus.

Tatsache ist aber, dass eine solche Operation nicht nur für das Kind sehr unangenehm ist und es zu ernsten Komplikationen kommen kann. Tatsache ist auch, dass es häufiger HNO-Ärzte gibt, die diese Operation auch aus wirtschaftlichen Gründen empfehlen. Erst letzten Samstag erzählte mir jemand diese Geschichte über einen HNO-Arzt in unserer Stadt. Er selbst sollte auch, lehnte aber ab und hatte seitdem keine Probleme mehr mit den Mandeln.

Da die Mandeln bei Deinem Kind anscheinend nicht chronisch entzündet sind, denke ich, dass es damit nicht eilig sein kann. Zwei Ärzte haben in der Hinsicht auch nichts vorgeschlagen und nur weil ein dritter das vorschlägt, soll das nun die ideale Lösung sein? Ich wäre da sehr vorsichtig. Warte doch erst einmal ab!

Viele Grüße

Anne

Hi Tina!

Die Beschwerden, die die Erwachsenen haben, sind mit denen von Kindern nicht vergleichbar, die Kleinen stecken das deutlich besser weg.

Habe nochmal ganz vielen Dank für die Aufklärung, bist Du
Arzt?

Ja, siehe Visitenkarte. Und dazu auch noch „5-Lochmechaniker“ (=HNO) :wink:)

Gruß
Peter