Hi,
die US-Gesellschaft der Narkoseärzte hat Studien vorgelegt,
die beweisen soll, dass die Regelung die Patientensicherheit
vermindert und bedroht.
Klar - es wäre eine schlechte Lobbyarbeit wenn eine Anästhesisten-Vereinigung sinngemäß bescheinigen würde daß jeder Hinz und Kunz eine Narkose fahren kann.
Narkosen durchzuführen ist tatsächlich sogar recht einfach.
Solange während der Narkose absolut gar ncihts passiert!!
Da widerspreche ich Dir schon. Wenn man nicht in der Lage ist die Narkose fortzuführen und auch bei Komplikationen klar zu kommen darf man sie erst gar nicht einleiten.
Es reicht aber schon eine winzige Abweichung von der Norm,
z.b. eine Blutdruckschwankung - das kann völlig harmlos sein
oder aber der Beginn einer dramatischen Komplikation. Das
Zauberwort heißt hier: das Problem sofort und korrekt(!)
erkennen und richtig handeln.
Sorry, aber dafür sind Pflegekräfte absolut nicht
qualifiziert!
Es geht hier wohl hauptsächlich um Pflegekräfte im Krankenhaus. OK, da tut es nicht not daß Anästhesiepfleger/pflegerinnen die Narkose machen, denn es gibt ja einen zuständigen Arzt. Daß ein fitter Anästhesiepfleger es aber generell nicht kann bestreite ich. Es wird genügend Leute geben, die das sehr wohl können.
Ich habe 13 Jahre im Rettungsdienst und im ADAC-Rückholdienst gearbeitet und OK, Rettungsdienst ist nicht die Klinik, und der Rückholdienst schon dreimal nicht.
Ich habe in der Ausbildung aber wochenlang im OP gearbeitet und dabei in allen Säälen eines großen Krankenhauses, in denen operiert wurde, intubiert und Narkosen eingeleitet damit das „auf der Straße“ „sitzt“. Und meine Erfahrung ist: es ist Übungssache.
Wenn ich mir ansehe was abgeht wenn Chirurgen oder Internisten als Notärzte fahren - wollen wir mal gar nicht von den Ohren-, Frauen- oder Sonstwas-Ärzten anfangen, die allesamt auch berechtigt wären als NA tätig zu werden wenn sie den Fachkundenachweis haben - schönen Dank, da möchte ich aber um alles in der Welt lieber einen Anästhesiepfleger oder einen geübten Rettungsassistenten das Laryngoskop schwingen sehen.
Wieviel Übung haben Ärzte fremder Fachrichtungen denn darin zu intubieren und Narkosen zu fahren? Üben die das regelmäßig, wann hat denn der gemeine Internist oder Chirurg die letzte Narkose von Anfang bis Ende gefahren? Wann war er überhaupt zuletzt als Zuschauer dabei? Das ist bei vielen Leute Jahre her.
Es ist schlicht und einfach falsch daß ein Anästhesiepfleger das nicht genauso könnte - wenn es gesetzlich vorgesehen wäre und dann aus der Übung heraus entsprechend oft gemacht würde. Bei Komplikationen könnte der Pfleger immer noch einen Arzt rufen, genauso wie der Assistenzarzt sich den Oberarzt holt wenn er nicht mehr weiter weiß.
Im Rettungsdienst mag es eine andere Situation sein als in der Klinik, aber in den USA und selbst der Schweiz ist es gang und gäbe daß Paramedics intubieren, Narkosen fahren und defibrillieren.
In Deutschland wird stattdessen ein unglaublicher Krampf veranstaltet, da muß jeder angehende Rettungsassistent lernen wie es funktioniert, er muß üben, wird darin geprüft, man gibt ihm eine Garantenstellung und droht im rechtliche Konsequenzen an wenn er die Maßnahme nicht durchführt (weil man verstanden hat wie wichtig die Frühdefibrillation ist).
Es geht sogar noch weiter: man konstruiert Halbautomaten, Defis, die automatisch erkennen sollen ob defibrilliert werden muß, der RA soll dann den Schock auslösen, auch rechtlich verantworten - ist aber rechtlich dazu nicht befugt und kann sich nur darauf herausreden in Notkompetenz gehandelt zu haben. Das ist doch lächerlich…
Entweder können und dürfen die Leute es - oder nicht. Aber doch nicht so ein Schwachsinn, man darf es nicht, man muß sich einem Gerät unterwerfen, kriegt aber einen auf den Deckel wenn man es läßt??? Wie kann das denn sein?
Es versteht sich von selber daß man nicht intubiert wenn man dann nicht in der Lage ist die weitere Narkose zu fahren - und selbstredend auch gängige Komplikationen zu beherrschen! Es ist doch völlig üblich daß der Anäshesist während der laufenden Narkose Kaffee trinken, Zeitung lesen oder telefonieren geht während der Pfleger die Narkose beaufsichtigt.
Dieser Thread hier vermittelt allen unbedarften Lesern, die mit dem System nichts zu tun haben, daß sie permanent unter der Obhut eines erfahrenen Anästhesisten oder im Notfall in der Hand eines über alles erhabenen Notarztes wären - und genau so ist es oft nicht.
Ich habe mehr als einmal erlebt daß sich Notärzte generell nicht zugetraut haben überhaupt eine Narkose zu beginnen - und das nicht weil der Zustand des Patienten oder die Umstände kritisch waren, sondern weil sie blöderweise auf einer Planstelle gelandet waren, die ihnen abverlangte als Notärzte zu fahren/fliegen obwohl sie dafür weder fit noch fachlich geeignet - und auch nicht interessiert - waren. Sowas passiert selbst bei Hubschrauber-Notärzten, die fachlich nichts anderes und nicht besser sind als bodengebundene Kräfte, aber vom Image her weiter oben stehen weil der Auftritt spektakulärer ist. Ist ja auch lustig mit dem ADAC-Heli vom Himmel zu schweben… Aber auch da gibt es zahlreiche „Flaschen“, die jeder gute RA in die Tasche stecken würde.
Ich will damit keine Grundsatzdiskussionen über die Qualifikation einzelner Berufe anfangen und natürlich hat ein Arzt nicht 6 Jahre richtig hart studiert um sich von Pfadfindern mit Pflegeausbildung erzählen zu lassen wie er seinen Job zu machen hat.
Aber ich glaube daß dieser grundsätzliche empörte Aufschrei, daß es ja unmöglich sei daß manche Maßnahmen auch von Nicht-Ärzten beherrscht werden, die die entsprechende Übung haben, nur aus der deutschen Sichtweise heraus entspringt. In anderen Ländern - und auch hier in vielen Situationen - zeigt sich daß Maßnahmen, die nicht allein mit „Wissen“, sondern auch sehr stark von „Übung“ und „Erfahrung“ bestimmt werden, von jedem durchgeführt werden können, der die Übung hat - und nicht nur von denen, die auf dem Papier irgendeinen Titel besitzen.
Es scheitert also primär am deutschen Horizont und Standesdünkel, an mehr nicht.
Würde man anderswo auf der Welt erzählen daß deutsche Nicht-Ärzte nicht mal intravenösen Zugänge legen dürfen würden alle das für einen Witz halten, weil’s ja auch wirklich „unglaublich“ und lächerlich ist.
Aber es kommt ja noch besser: selbst Diagnosen dürfen nur Ärzte stellen. Da fragt man sich: auf welcher rechtlichen Grundlage arbeitet der Rettungsdienst denn überhaupt, wenn eigentlich nicht mal eine Diagnose gestellt werden darf???
Ja, die Pfleger KÖNNTEN die Stunden voller Langeweile
übernehmen - aber ich zweifle sehr daran, daß sie
Komplikationen frühzeitig erkennen können. Und ob sie sie nun
frühzeitig oder später erkennen, dennoch geht dann Zeit
verloren: der Arzt muß kommen, sich einen Überblick
verschaffen und kann dann erst handeln. Da gehen wertvolle
Minuten flöten.
Was ist wenn der Assistent nicht weiter weiß und nach dem Oberarzt ruft? Dann gehen auch wertvolle Minuten verloren. Die Situation ist nicht viel anders als wenn geübter Pfleger sich einen (Ober)arzt rufen muß - und er würde es aufgrund seiner Übung kaum öfter tun als ein Assistenzarzt.
Und dann mach’ es mal bitte konkret: was gibt es denn an Parametern, die nur ein Arzt, nicht aber ein Pfleger richtig deuten kann? Was erkennt ein Anästhesiepfleger nicht, das der Arzt erkennen würde? Da würde ich jetzt gerne harte Fakten haben…
Es ist zwar mal wieder der Unterschied zwischen Klinik und Rettungsdienst, aber wenn es eins gibt was jedem Rettungsassistenten bis zum Erbrechen eingeprügelt wird, dann das Beobachten und Bewerten von Vitalfunktionen.
Patienten, die im Hubschrauber transportiert werden, werden übrigens überproportional oft narkotisiert weil man bei Komplikationen während des Fluges - je nach Hubschraubermodell - nicht intubieren könnte (zu eng) und dementsprechend tendiert man hier dazu lieber sehr frühzeitig eine Narkose einzuleiten. Außerdem ist es an Bord des Hubschraubers sehr laut, so daß es unterwegs besonders wichtig ist die Vitalparameter im Blick zu haben - und das bei oft schwerst verletzten Patienten, die bodengebunden nicht schnell genug in ein geeignetes Krankenhaus gebracht werden könnten.
Ich bestreite schlichtweg daß die „Handvoll“ Parameter, die man im Griff haben muß, von einem Nicht-Arzt mit entsprechender guter Übung nicht behrrscht werden können. Es ist nahezu tagtägliche Praxis daß es so läuft.
Man kann einiges im Gesundheitssystem einsparen, aber bitte
nicht in den Bereichen, wo es um die Patientensicherheit geht!
Das ist so allgemein formuliert richtig, aber da kann man an 1000 Stellen ansetzen, wo es mächtig schief läuft.
Gruß,
MecFleih