Hirninfarkt, wie behandeln, was tun?

Wie sollte ein solcher Patient sofort nach Einlieferung behandelt werden?

Was muß langfristig passieren, daß sich so etwas nicht wiederholt?
Vielen Dank für Eure Antworten!

Kay

Hallo Kay,

Wie sollte ein solcher Patient sofort nach Einlieferung
behandelt werden?

Leider kann man immer noch nicht sonderlich viel tun. Die Therapie nach der Einlieferung auf die Instensivstation besteht (wie bei einem Schlaganfall) normalerweise in der weitestgehenden Stabilisierung des Patienten. Also:

  1. Blutdruck - sofern notwendig - normalisieren (blutdrucksenkende Medikamente werden erst ab über 220 systolisch und/oder 120 diastolisch verabreicht; bei extrem niedrigen Blutdruck wird das Blutvolumen erhöht bzw. blutdrucksteigernde Medikamente gegeben)
  2. Blutzuckerspiegel kontrollieren und evtl. normalisieren
  3. Sauerstoffversorgung sicherstellen
  4. Kontrolle des zentralen Venendrucks; sofern erforderlich: Ausgleich des Flüssigkeitsmangels durch Infusionen
  5. Überprüfung auf Stauungslunge (zu viel Blut in den Lungengefäßen, dadurch verminderte Sauerstoffaufnahme)
  6. Senkung der Körpertemperatur (ab 37,5°C)
  7. Sofern erforderlich: Behandlung von Komplikationen (z. B. epileptische Anfälle, Hirnödem, etc.)
  8. Erst dann wird ein Computertomogramm erstellt werden.

Später:
8. Einleitung einer Heparin-Therapie (niedrige Dosierung!), um Thrombosen vorzubeugen
9. Evtl. Behandlung von Infektionen mit Antibiotika

In den Staaten wurde in der Zwischenzeit die sogenannte Lyse-Therapie zugelassen (wann das in Deutschland der Fall sein wird, weiß ich leider nicht). Dabei wird das Gerinnsel aufgelöst. Die Therapie funktioniert, hat aber den Haken, daß die Behandlung innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Hirninfarkt/Schlaganfall über die Bühne gehen muß.

Was muß langfristig passieren, daß sich so etwas nicht
wiederholt?

Ganz wichtig ist die dauerhafte Normalisierung des Blutdrucks, Bluthochdruck gehört nämlich zu den wichtigsten Ursachen des Hirninfarkts/Schlaganfalls. Eine Vorbeugung im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es leider nicht.

Ich hoffe, Du kommst damit erst einmal weiter.

Viele Grüße

Tessa

Vielen Dank Tessa,

was kann die Klinik dazu bewegen, einen solchen Patienten
in die Medizinische in ein Bett zu legen ohne Infusionen
vorzunehmen?

Gruß

Kay

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Aus yavivo, Information, Dialog und Service in der Medizin:

"Hat sich ein Schlaganfall ereignet, so versuchen die Ärzte durch Ihre Behandlung drei Dinge zu erreichen:smiley:ie Wiedereröffnung des verschlossenen Blutgefäßes, den Schutz des gesunden, nicht betroffenen Hirngewebes und die Unterstützung des gesamten Organismus durch Allgemeinmaßnahmen.

Die Wiedereröffnung des verschlossenen Hirngefäßes ist ein sehr wichtiges Behandlungsziel, leider aber nur schwer zu erreichen. Die Auflösung eines Blutgerinnsels durch Medikamente heißt Thrombolyse. Verschiedene Möglichkeiten stehen dem Arzt zur Verfügung. Es können z.B. blutgerinnselauflösende Medikamente direkt in das betroffene Blutgefäß im Gehirn eingebracht werden. Dies ist technisch sehr kompliziert, zeitaufwendig und nur in speziellen Krankenhäusern durchführbar. Auch darf bei manchen Patienten, etwa wenn eine Hirnblutung nicht ausgeschlossen werden kann oder wenn sehr viele Begleiterkrankungen bestehen, dieses Verfahren nicht angewandt werden. Noch im experimentellen Stadium ist die sogenannte systemische Thrombolyse. Hier wird das blutgerinnselauflösende Medikament im gesamten Blutkreislauf in Umlauf gebracht (z.B. durch eine Spritze in die Leiste). Dies ist technisch einfacher aber auch mit einer viel größeren Blutungsgefahr verbunden. Zur Zeit wird dieses Verfahren deshalb noch erforscht.

Die Medikamente Heparin und Acetylsalicylsäure (Abkürzung: ASS; z.B. Aspirin®) lösen ein Blutgerinnsel zwar nicht direkt auf, verhindern aber, dass ein einmal entstandenes Blutgerinnsel immer größer wird und unterstützen den Abbau des Gerinnsels durch körpereigene Substanzen. ASS hat sich wird vor allem auch zum Schutz vor einem weiteren Schlaganfall bewährt und wird in diesem Zusammenhang sehr oft verordnet.

Ist ein aus dem Herzen eingeschwemmtes Gerinnsel die Ursache des Schlaganfalles, so muss überlegt werden, eine Behandlung mit sogenannten Antikoagulantien einzuleiten. Das bekannteste Medikament dieser Art ist Marcumar®. Antikoagulantien sind Medikamente, die die Gerinnbarkeit des Blutes herabsetzen. Kann das Blut nicht mehr so gut gerinnen, bilden sich weniger Blutgerinnsel, die die Blutgefäße verstopfen und so eine Durchblutungsstörung, z.B. einen Schlaganfall auslösen können. Durch die herabgesetzte Blutgerinnung ist aber das Risiko von Blutungen erhöht. So bluten z.B. Schnittwunden länger als sonst. Ein Patient, der Antikoagulantien einnimmt, muss deshalb ärztlich regelmäßig überwacht werden und auch selber gut über das erhöhte Blutungsrisiko Bescheid wissen. Auch wird vielen Patienten, die Antikoagulantien einnehmen, vom behandelnden Arzt ein Patientenpass ausgestellt. Den muss der Patient bei Bedarf (z.B. vor dem Ziehen eines Zahnes) vorzeigen. Ein Maß für die Gerinnungsfähigkeit des Blutes ist der sogenannte Quickwert.

Die Überwachung und Einstellung von Blutdruck und Blutzucker spielen beim frischen Schlaganfall und später dann zur Vorbeugung eines weiteren Schlaganfalles eine große Rolle. Während bei einem frischen Schlaganfall erhöhte Blutdruckwerte durchaus akzeptiert werden, die Gehirndurchblutung sogar verbessern können, ist in der weiteren Behandlung des Schlaganfallpatienten eine Blutdrucknormalisierung zum Schutze der Blutgefäße erforderlich. Wichtig ist es, den Blutzucker von Beginn an in normalen Bereichen zu halten. Blutzuckerwerte über 200 mg % erfordern die Gabe von blutzuckersenkenden Medikamenten (sogenanntes Altinsulin).

Eine mögliche Folge der Durchblutungsstörung im Gehirn ist die Einlagerung von Wasser in die Gehirnzellen. Es kommt dann zur Schwellung des betroffenen Teils des Gehirns (Hirnödem). Der knöcherne Schädel verhindert aber eine Ausdehnung des Hirngewebes, so dass ein erhöhter Druck auf das Gehirn entsteht und dieses zusätzlich schädigt. Wichtige Maßnahmen beim Hirnödem sind die Oberkörperhochlagerung und die Gabe von wassertreibenden Medikamenten. Auch die vorübergehende maschinelle Beatmung verringert das Anschwellen des Gehirns und kann bei schwer betroffenen Patienten erforderlich werden. Bei sehr großen Schlaganfällen oder bei solchen, die sich im sogenannten Hirnstamm abspielen, kann auch die druckentlastende Operation erforderlich werden.

Eine entscheidende Allgemeinmaßnahme ist die kontrollierte Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung. Manchmal kann hier auch das Anlegen eines Tropfes erforderlich sein. Patienten, die in Folge des Schlaganfalles nicht mehr richtig schlucken können, müssen manchmal zeitweise über eine Sonde ernährt werden. Die richtige Lagerung des Patienten und die frühzeitige, wenn möglich am ersten Tag einsetzende, krankengymnastische Mobilisierung sind sehr wichtig."

Ich hoffe ich konnte dir helfen, Claus

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Hallo Kay,

was kann die Klinik dazu bewegen, einen solchen Patienten
in die Medizinische in ein Bett zu legen ohne Infusionen
vorzunehmen?

Ich fürchte, ich verstehe Deine Frage nicht ganz:

A) Möchtest Du, daß jemand einfach nur ins Bett gepackt und überwacht wird?

oder

B) Geht es darum, daß - evtl. dringend notwendige - Infusionen bisher nicht erfolgten?

Bitte nähere Infos!

Ciao

Tessa

PS. Deine Initialen kommen mir irgendwie bekannt vor. Heißt Deine Mutter zufällig Petra?

6 Stunden Zeitfenster
Bleibt noch hinzuzufügen, dass die Akuttherapie nur in einem Zeitfenster von 6 Stunden nach dem Insult einen Sinn macht, dann ist es zu spät, und das Gehirn erleidet irreversible Schäden.
Dazu gibt es neurologische „Stroke Units“

Hi Sebastian,

ich arbeite zwar schon seit Jahren nicht mehr als Krankenschwester, versuche aber trotzdem, mich soweit wie möglich auf dem Laufenden zu halten. Man weiß ja nie…

Bleibt noch hinzuzufügen, dass die Akuttherapie nur in einem
Zeitfenster von 6 Stunden nach dem Insult einen Sinn macht,
dann ist es zu spät, und das Gehirn erleidet irreversible
Schäden.

Bisher war mir nur ein „3-Stunden-Fenster“ bekannt. Wann und warum wurde es auf 6 Stunden verlängert? Weißt Du Näheres über die Lyse-Therapie, die mittlerweile in den Staaten zugelassen wurde (auch dort ist allerdings von 3 Stunden die Rede!)?

So long

Tessa

Hallo Tessa,

ich hoffe mal, auch ich darf antworten…

Bisher war mir nur ein „3-Stunden-Fenster“ bekannt. Wann und
warum wurde es auf 6 Stunden verlängert? Weißt Du Näheres über
die Lyse-Therapie, die mittlerweile in den Staaten zugelassen
wurde (auch dort ist allerdings von 3 Stunden die Rede!)?

Die Thrombolyse wird mittlerweile auch in D als standartisiertes
Verfahren beim akuten Gefäßverschluß durchgeführt. Da zur
korrekten Diagnosestellung - ein blutiger Insult MUSS
schließlich ausgeschlossen werden - mindestens CT und
neurologische Fachabteilung erforderlich sind ist die schnelle
Zuführung in eine stroke unit unbedingter „Gold standard“.
Die fachlich sehr hochwertige Behandlung in diesen Zentren führt
sowohl zu einer deutlich geringeren Mortalität als auch zu einer
geringeren Invalidität.
Ganz klar muss man sagen, daß der akute Schlaganfall lange Zeit
zu stiefmütterlich behandelt wurde.

Zur Zeit ist zu sagen, daß die Zuführung zwecks Lyse
optimalerweise innerhalb 3 Stunden erfolgen sollte, bis zu 6
Stunden nach Eintritt ist das Verfahren jedoch prinzipiell
möglich (wobei die Chancen natürlich sinken).

Leider jedoch wird der Schlaganfall noch immer sowohl von
Patienten und Angehörigen, als auch von Hausärzten zu wenig
ernst genommen; dieses setzt sich oft in den kleineren KH fort,
wo diese Patienten oft zunächst aufgenommen werden und erst
später (ZU spät) an eine neurologische Klinik oder stroke unit
überwiesen werden.
Die Entwicklung geht notfallmedizinisch immer mehr in Richtung
Behandlung wie ein akuter Herzinfarkt. Nicht zuletzt auch, was
die Dringlichkeit betrifft.
Ich kann mich noch gut erinnern, daß der Schlaganfall zu meiner
Anfangszeit im Rettungsdienst vor 8 Jahren i.d.R. ein normaler
Krankentransport war als Einweisung. Therapie meist gleich null.

Heute sehen die Kriterien beim Stichwort „Schlaganfall“ den
unbedingten Einsatz des Notarztwagens vor, umfangreiche
notfallmedizinische Versorgung mit O², Infusion (bei V.a.
unblutigen Insult incl. Heparin und ASS) und engmaschiges
Monitoring sowie Transport in eine stroke unit ist Standard.

Auf diesem Gebiet hat sich sehr viel entwickelt.

Gruß, Claus

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besser hätte ich es nicht formulieren können
ohne Text

Hi Claus,

ich hoffe mal, auch ich darf antworten…

Na logisch! Und vielen Dank noch mal für die aktuellen Infos. Du weißt ja: wenn man/frau nicht täglich damit zu tun hat, kriegt man die neuen Möglichkeiten nicht so ganz mit.

Auf diesem Gebiet hat sich sehr viel entwickelt.

… das wird auch hoffentlich auch künftig der Fall sein. Ich bin zuversichtlich.

So long

Tessa