Hallo nochmal,
und in eigener Verantwortung darauf abgestimmte Insulingabe
Wäre gut zu wissen, welche Therapieform hier verwendet wurde.
Es kann durchaus sein, daß aufgrund der jüngsten Geschichte
der bisherige Therapieplan ungünstig ist.
Was kann eine neue Herzklappe oder ein Bypass bzw. die Reanimation für Grundbedingungen einer Insulin-Therapie ändern? Mein laienhaftes Verständnis sagt mir einfach, dass man jemanden der dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen ist, und an dem jetzt genug „Aufbauarbeit“ zu diesem konkreten Thema zu leisten ist, nicht unnötig zusätzlich belastet werden sollte. Zumal man dort vor Ort selbst einräumt, keine Spezialisten für Diabetes zu sein, während die bisherige Einstellung von Spezialisten stammt. Zudem wurde auch keinerlei konkrete Begründung für die Umstellung gegeben. Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass hier einfach stur nach Schema F „best practices“ durchgezogen werden, die den konkreten Einzelfall mit bestehender gut begründeter Einstellung durch Spezialisten vollkommen außer acht lassen.
Neben der Herz-Reha wird der Patient sofort und von
heute auf Morgen auf anderes Insulin umgestellt.
Mit welcher Begründung?
S.o.
Waren die Blutzuckerwerte nicht gut?
Direkt nach OP/Reanimation/Koma natürlich nicht. Aber bei solchen klar begründbaren und zeitlich begrenzten Ereignissen würde man ja keine seit Jahrzehnten erfolgreiche Therapie gleich grundsätzlich über den Haufen schmeißen. Ausreißer z.B. bei Infekten hat es ja auch immer mal gegeben. Da weiß man woran es liegt, reagiert entsprechend, und nach einigen Tagen ist alles wieder im Lot und es ist wieder business as usual.
War der HBA1c hoch?
K.A.
War das bisher benutzte Insulin in dem
Hause nicht verfügbar?
Das war wohl während des Komas ein Problem (was man aber mit einem Anruf bei der Familie hätte klären können, denn es gab genug Vorrat im Gepäck). Während Koma und Durchgangssyndrom war es natürlich auch OK, dass der Patient nicht in Eigenverantwortung agieren konnte. Jetzt könnte/sollte man aber doch wohl wieder einfach in die bestehende Therapie zurückkehren.
Bestehen Diabetes-Folgekomplikationen?
etc…
Na ja, was erwartest Du bei einem Diabetiker mit über 70 und 40 Jahren Diabetes? Dafür hat er sich aber wirklich hervorragend gehalten, und wenn ich mir da andere in der Familie ansehe, die das ganze unter den selben Rahmenbedingungen erleben, die sind auch alle 80 und älter, ohne scheibchenweise Amputationen. Und wir wollen ja immer die Lebensqualität im Auge behalten.
Man versucht die Blutzuckerwerte möglichst weit runter zu bekommen
Soweit ist die Intention ok.
Warum? Das heute eingesetzte Humaninsulin ist doch ein körpereigener (analoger) Stoff. Bei jedem gesunden Menschen wird der nach Bedarf gebildet und liegt ein entsprechender Regelkreis vor, der aufgrund einer gewissen Hysterese den ein oder anderen Ausschlag hat, aber einen „gesunden“ Durchschnittswert optimiert. Warum sollte man dann einen Diabetiker versuchen mit Zwang auf einen niedrigeren Wert zu optimieren, der die Gefahr der Unterzuckerung in sich trägt? Wie gesagt, die bisherige Einstellung wurde von ausgewiesenen Spezialisten (u.a. spezialisierter Chefarzt in einem Ausbildungskrankenhaus) vorgenommen und funktioniert seit Jahren vollkommen problemlos. Es wird ständig gemessen, protokolliert und viermal täglich nach Bedarf gespritzt, und die Diätvorgaben entsprechen dem. Und da kommen jetzt plötzlich Leute daher, die selbst zugeben keine Spezialisten zu sein, fragen gar nicht groß und erklären und begründen auch nichts, aber werfen mal eben alles über den Haufen, und bringen damit den Patienten potentiell in Lebensgefahr.
Allerdings muß man schon die
(hier nicht bekannten) Umstände betrachten:
Warum brauchte der Pat. überhaupt Bypässe? Diabetes führt zu
Gefäßwandschäden und dies sehr gerne am Herzen. Eine Vermutung
wäre, daß die Blutzuckerwerte in den letzten Jahren doch nicht
so prima waren - je nach verwendetem Therapieplan können
starke Schwankungen vorkommen, die nicht immer bei
Blutzuckermessungen auffallen (daher auch die Frage: wie war
der HBA1c der letzten Zeit?). Dies würde erklären, warum der
Herr Bypässe brauchte - und anschließend eine strengere
Einstellung des Diabetes!
Schließe ich auch oben gesagtem aus. Kurzzeitige Effekte aufgrund der OP mal außen vor gelassen. Aber da sollte man dann doch vielleicht erst mal abwarten, bis sich alles wieder etwas eingependelt hat. Unter den aktuellen Umständen kann man keine verbindlichen Aussagen bzgl. Langzeitentwicklung treffen.
mit dem Ergebnis, dass es mehrfach zu außergewöhlicher Unterzuckerung
(~35) kommt.
Sollte nicht passieren, kann aber - weswegen eine
Insulineinstellung, d.h. Start eines neuen Therapieplans, im
Krankenhaus erfolgen sollte. Außerdem ist der Pat. so kurze
Zeit nach der Op noch immer in einer gewissen Streßsituation.
Da kommt es häufig vor, daß sich der Insulinbedarf plötzlich
ändert - und das kann niemand vorraussehen!
Aber gerade deshalb s.o. sollte man doch in so einer Situation keine zusätzlichen Experimente machen, oder?
Hat man sich da nicht einfach aus Dingen rauszuhalten,
die anderweitig behandelt werden, und bislang wunderbar
funktioniert haben?
Theoretisch ja, aber leider haben sich auch die Umstände nun
geändert und dies kann eine Anpassung der bisherigen Therapie
nötig machen.
Es mag ja sein, dass
eine entsprechende Änderung der Einstellungen durchaus auf
Dauer Sinn machen kann, aber muss man dies ausgerechnet jetzt
bei den gegebenen Randbedingungen machen?
Eine Insulineinstellugn sollte, wie gesagt, im Krankenhaus
(oder halt in der Reha) geschehen, damit der Pat. dabei unter
Beobachtung ist. Macht man es nicht während der Reha, würde
anschließend ein erneuter KRankenhausaufenthalt nötig werden -
das fände ich recht sinnlos 
Sehe ich ganz anders. Erst mal wieder dafür sorgen, dass der Patient auf die Beine und zu Kräften kommt und damit wieder in ein „geordnetes Leben“ mit konstanten/üblichen Bedingungen, also „normales“ Essen/gewohnter Tagesablauf, eigenverantwortliche Insulingabe. Stellt man dann fest, dass die nunmehr nicht mehr so funktioniert, kann man immer noch aktiv werden (wenn dies denn dann überhaupt nötig ist)
(und zudem teuer… -.- … und kontraproduktiv: erst wird er
in der Reha fit gemacht und landet dann wieder im Krankenhaus,
wo er immobiler ist als zu Hause…)
S.o. vermutlich wäre dann gar nicht mehr zu tun, und gerade angesichts der aktuellen „außergewöhnlichen“ Lebenssituation, die von atypischen Esszeiten und Essenszusammenstellung, einem vollkommen anderen Tagesablauf, … geprägt ist, kann eine hierauf aufbauende Einstellung eigentlich nichts taugen. Daher wurden die bisherigen Einstellungen (ich wiederhole mich gerne: Von einem ausgewiesenen Spezialisten) auch immer teilambulant durchgeführt, damit der Patient eben zwar einerseits unter Kontrolle ist, andererseits aber sein gewohntes Leben führt, auf das die Einstellung ja passen muss.
Denke aber
tatsächlich darüber nach auch selbst noch ein paar deutliche
Worte zu finden.
Wie wäre es erst mal mit fragen?
)
Nach dem warum, wieso, weshalb…
Kommt ganz sicher noch, wobei ich eigentlich davon ausgehen würde, dass Ärzte von sich aus begründen würden, warum sie - ohne mit dem Spezialisten der den Patienten seit Jahren kennt auch nur zu versuchen einmal Kontakt aufzunehmen - die Einstellung einfach komplett über den Haufen werfen.
Es kann ja sein, daß die da totalen Mist bauen *g* - es kann
aber auch sein, daß sie es wohl durchdacht haben und
dementsprechend vorgehen.
Und wie immer hilft da nur ein Gespräch 
S.O.
Gruß vom Wiz, der ganz sicher nicht zu den ständigen Ärztekritikern gehört, sich aber vorliegend schon einige Fragen stellt