Hallöchen!
Ich beschäftige mich gerade mit der Forschung an humanen embryonalen Stammzellen und kann eine rechtliche Lücke nicht schließen:
Die Stammzellgewinnung aus Embryonen ist durch das EschG in Deutschland verboten. Dieses Gesetz bezieht sich auf „entwicklungsfähige“ Embryonen. Damit schließt es abgetriebene Ebryonen/Föten ja eigentlich aus, da diese nicht mehr entwicklungsfähig sind. Heißt das nun, dass Deutschland hier eine Gesetzeslücke hat? Oder ist der Fall Stammzellgewinnung aus Keimzellen abgetriebener Föten durch andere Gesetze verboten?
Mücke
Hallo,
das Gewebe abgetriebener Föten oder auch Spontanaborten darf verwendet werden, diese sind aber nicht mehr omnipotent, können sich also nicht mehr in jedes beliebige Gewebe differenzieren.
Genau diese omnipotenten Stammzellen sind aber für die Forschung besonders interessant und die kann ich fast nur aus in Vitro gezeugten Embryonen gewinnen und da ist es verboten.
Gruß
Werner
Hallo Werner,
lieben Dank für Deine Antwort, ich nehme an omnipotent (kenne diesen Begriff nicht) = pluripotent?
Und hieße das, dass die aus fetalen Keimzellen gewonnenen Stammzellen eins zu eins mit adulten Stammzellen gleichzusetzen sind? Ich hatte gelesen, dass fetale Stammzellen irgendwo zwischen Pluri- und Multipotenz liegen - und wenn man davon ausgeht, müssten in Deutschland bei fehlender Eindeutigkeit der Gesetze die fetalen dann doch sogar unheimlich interessant sein.
Mücke
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Hallo Werner!
Der Begriff der Omnipotenz entspricht ja dem der Totipotenz. Mir erschien es eher so, als sei man besonders an embryonalen pluripotenten Stammzellinien interessiert. Ich habe in keiner der unteren der Veröffentlichungen gelesen, dass man wirklich totipotente/omnipotente Zelllinien etablieren wollte. Trophoblastenlinien werden aber in einer Veröffentlichung neben den pluripotenten auch erwähnt. Hast Du Informationen zur Etablierung totipotenter Stammzellinien? Davon habe ich auch im Studium noch nicht gehört. Gibt es sowas wirklich?
-NATURE news&views medicine Vol 439|12 January 2006
„Politic stem cells
Irving L. Weissman
Research on embryonic stem cells holds huge promise for understanding
and treating disease. Many people oppose such research on religious and ethical grounds, but two new methods may bypass some of these objections.“
-nature LETTERS Vol 439|12 January 2006|doi:10.1038/nature04257
„Generation of nuclear transfer-derived pluripotent
ES cells from cloned Cdx2-deficient blastocysts
Alexander Meissner & Rudolf Jaenisch“
-nature LETTERS Vol 439|12 January 2006|doi:10.1038/nature04277
"Embryonic and extraembryonic stem cell lines
derived from single mouse blastomeres
Young Chung, Irina Klimanskaya, Sandy Becker, Joel Marh, Shi-Jiang Lu, Julie Johnson,
Lorraine Meisner & Robert Lanza
VG, Stefan
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Uhps.
Da sind mir die Begriffe verrutscht.
In der Medizin spricht man natürlich von Totipotent.
Nein ich kenne auch kein totipotenten Zelllinien.
Aber für einige Forschungen will man ja möglichst potente Zellen, also so früh wie möglich gewonnene.
Soviel ich mich nun aus dem Kopf erinnere ist es doch schon vor der Einnistung mit der Totipotenz essig. Wenn man also an solchen Zellen Forschen will, geht das nur mit In vitro gezeugten Embryonen. Da diese aber noch die Potenz haben sich zu vollständigen Lebewesen fort zuentwickeln und um der gezielten Erzeugung von Embrypnen nur zum Zweck des Verbrauches in der Forschung Einhalt zu gebieten, wurde die Gewinnung von Material aus nicht implantierten Embryonen verboten.
Danach verengt sich das Spektrum der nur noch Pluripotenz immer mehr, darum sind die Zellen späterer Entwicklungsstadien immer uninteressanter.
Hallo Werner!
Schau mal in eine der Veröffentlichungen, wenn Du Zugang hast. Da werden Wege gezeigt, wie dieses Dilemma des Tötens eventuell umgangen werden kann, d.h. es werden zwei proof of principle Experimentreihen dazu präsentiert. Bei dem einen Versuch hat man die embryonenähnlichen Gebilde konditional CDX2-defizient gemacht mit einem geflocsten RNA-hairpin Gen. Dadurch kann der sog. Embryoid keinen Trophoblasten bilden. Erst nachdem man hieraus Zelllinien etabliert hat werden diese transient Cre-Rekombinase-positiv gemacht um CDX2 wieder anzuschalten, denn CDX2 ist für eine richtige Darmentwicklung nötig. Eine solche Zelle behält nur eine einzige locs-P-site zurück… Also fast normale Zelle.
Im anderen Fall werden totipotente Zellen wie bei der Präimplantationsdiagnostik entnommen und das schadet Mäuseembryonen offensichtlich nicht. Aus diesen totipotenten Zellen konnten Trophoblastenlinien und pluripotente ES-ähnliche-Zelllinien etabliert werden.
Dar so die Abkürzung der Ergebnisse.
VG, Stefan
kleine Berichtigung…
Hallo Werner!
Schau mal in eine der Veröffentlichungen, wenn Du Zugang hast.
Da werden Wege gezeigt, wie dieses Dilemma des Tötens
eventuell umgangen werden kann, d.h. es werden zwei proof of
principle Experimentreihen dazu präsentiert. Bei dem einen
Versuch hat man die embryonenähnlichen Gebilde konditional
CDX2-defizient gemacht mit einem geflocsten RNA-hairpin Gen.
Sorry, ein fibroblastenkern wird so manipuliert, bevor in eine entkernte Oocyte injeziert wird… entscheinder Unterschied…
Dennoch halte ich dieses Verfahren für zumindest aus logischer Sicht etwas merkwürdig, weil es ja tatsächlich nur das Töten umgeht ohne aber Leben zu retten. Bei den anderen Versuchen mit den totipotenten Zellen sehe ich das anderes… Vielleicht auch die Politiker mal… Wer weiß? VG, Stefan
Hallo Stefan,
leider verstehe ich von den Dir dargestellen Verfahren irgendwie nichts, bin weder Bio- noch Medizin-Student oder so was in der Richtung. Vielleicht kannst Du mir, so dass ich es verstehe, etwas erklären:
Es gelingt zur Zeit nicht, einem Embryo Stammmzellen zu entnehmen ohne ihn zu töten, auf der anderen Seite wird aber doch im Rahmen der PID dem Embryo auch eine Zelle entnommen, ohne dass er Schaden nimmt. Was weiß ich als Laie da nicht, um den Unterschied zu kapieren?
Mücke
Hallo Muecke!
leider verstehe ich von den Dir dargestellen Verfahren
irgendwie nichts, bin weder Bio- noch Medizin-Student oder so
was in der Richtung.
Es tut mir Leid. Ich bin SEHR im Stress… Habe die letzte Nacht nicht geschlafen und das wird die nächste wohl nicht anders sein und ich bin jeden Tag von 9 bis 6 im Labor… Da kann ich nichts mehr pädagogisch aufarbeiten 
Vielleicht kannst Du mir, so dass ich es
verstehe, etwas erklären:
Es gelingt zur Zeit nicht, einem Embryo Stammmzellen zu
entnehmen ohne ihn zu töten, auf der anderen Seite wird aber
doch im Rahmen der PID dem Embryo auch eine Zelle entnommen,
ohne dass er Schaden nimmt. Was weiß ich als Laie da nicht, um
den Unterschied zu kapieren?
Klassischerweise etabliert man ES-Zelllinien aus der „Inner Cell Mass“ von Blastocysten. Diese Inner Cell Mass ist durch genau definierte, aber gleichzeitig in vitro sehr labile Transskriptionsfakoren gekennzeichnet, also Proteine, die Gene, an und abschalten. Warum Blastocysten immer sterben, wenn man ihnen etwas von ihrer ICM wegnimmt, ich weiß es nicht. Ich habe das vor zwei Monaten meinen Professor für Entwicklungsbiologie gefragt, aber der wusste das auch nicht. Eine Blastocyste hat typischerweise nicht so viele ICM-Zellen. Ich hab keine Zeit nachzusehen, aber es sind so 13 oder 14 glaube ich. Auch hat eine Blastocyste ein Blastoel und wenn das angepiekst wird, könnte es ja vielleicht den Tot auslösen, weil sich beispielsweise die Calciumionenkonzentrationen eventuell stark verschieben… Da meinte der Professor… Gut möglich… Aber das wusste er auch nicht besser oder schlechter. Naja, eigentlich ist der ehe ein Fliegenmann…
Bei der PID sind es totipotente Zellen und die Zellen sind nebeneinander wie Erbsen. Da musst Du wohl nicht so extrem manipulieren, außerdem ist der Embryo so früh noch sehr wandlungsfähig und kann noch eher Verluste von Zellen ausgleichen.
Ein Problem ist hierbei auch, dass die Zellen wie bei einer PID eben keine ES-Zellen sind und man muss erst dafür sorgen, dass genau oben erwähnte Transskriptionsfaktoren angeschaltet werden… Ich glaube… Oct4 und irgendein Stat(3 oder 5) und irgendwas mit E… Ob AP2gamma runter sein muss für ES-Zellen, das weiß ich nicht… Die Trophoblasten brauchen es aber zur Etablierung. Zu Deinen ganzen Fragen könntest Du, wenn Du manches echt sehr genau wissen willst, mal an ner Uni nachfragen. (Aber nur, wenn es auch eine tricky Frage ist, sonst antwortet vielleicht keiner 
Ich würde empfehlen Prof. Hubert Schorle vom Institut für Pathologie in Bonn. Der forscht an AP2-gamma und kennt sich, was Stammzellen angeht VERDAMMT GUT aus und ist auch ein ausgezeichneter akademischer Lehrer. Ich muss weiterarbeiten…
VG, Stefan