Hallo zusammen,
weil auch in diesem Brett immer mal wieder Homöopathie und Naturheilkunde kunterbunt durcheinandergewürfelt werden und vielen Anfragenden gar nicht klar ist, was denn das Spezifische und Essentielle an der Homöopathie ist (und wodurch sie sich daher von allen anderen „Medizin-Richtungen“ unterscheidet), möchte ich mal anhand des unten genannten Beispiel von Carsten, die homöopathische Behandlung mal aufdröseln.
Ggf dient dieser Beitrag zu einer Diskussion, die zu einer FAQ über Homöopathie führt.
Also hier das Carsten´sche Beispiel (ggf. ergänze ich ein bisschen) als Modell einer typischen homöopathischen Bahandlung:
Ein Homöopath verschreibt einer depressiven Frau ein homöopathisches Medikament mit Johanniskraut in der Konzentration D100.
nun versuche ich diese Behandlung aufzudröseln. Vermutlich wird dies unvollständig sein, daher habe ich auch nichts gegen Ergänzungen…
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Der Homöopath erstellt eine Diagnose
(das steht zwar nicht da, aber das darf man getrost annehmen) Eine Diagnose erstellen ist sicherlich nichts Homöopathie-Spezifisches. -
Er verschreibt eine pflanzliche Medizin…
auch das ist nichts Homöopathie-Spezifisches. Die Chinesen und auch unsere Vorfahren haben das seit Jahrtausenden gemacht. -
…und zwar nach dem Grundsatz „Similia similibus curentur“ (Ähnliches mit Ähnlichem).
auch dies entbehrt nicht einer gewisseln Logik. Als ehemaliger Hitzeschockforscher weiss ich, dass ein milder Hitzestress die Menge der Hitzeschutzproteine erhöht und somit vor Hitze schützt. Auch wenn zwar Hahnemann das Prinzip „Similia similibus curentur“ entdeckt/erfunden/verbreitet hat (oder haben sollte), dann wird dieses Prinzip mittlerweile nicht nur von der Homöopathie -bewusst oder unbewusst- angewendet. -
Der Homöopath sucht die richtige Konzentration,…
Auch dass „viel hilft viel“ nicht immer richtig ist, ist vermutlich von allen medizinischen Richtungen anerkannt; insofern auch nichts Homöopathie-Spezifisches. -
…, die in diesem Beispiel D100 ist
(AFAIK heisst dass 100x nacheinander jeweils 1:100 verdünnen und zwar nach einem bestimmten Verfahren, dass sich Potenzieren nennt)
und JETZT sind wir bei DEM Unterschied der Homöopathie zu allen anderen medizinischen Richtungen: Ein Mittel wird stärker, je stärker es verdünnt ist, auch wenn kein einziges Wirkstoffmolekül mehr in dem Präparat ist.
(Kommentar s.u.) -
Das Medikament wirkt.
(das nehme ich mal in diesem Beispiel an)
Dies geschieht durch eine der beiden Möglichkeiten (oder durch die Kombination beider):
a. Placebo-Effekt, bzw. Mobilisierung der Selbstheilkräfte
Dieser Effekt ist gut dokumentiert; deswegen werden ja Doppel-Blind-Studien durchgeführt. Der Placebo-Effekt ist ebenfalls nichts Homöopathie-Spezifisches.
b. Zufall
kann es ja auch bei Heilungen geben („Wer heilt hat Recht“ genauso wie beim Fussball: wer die Tore schiesst ist der Held); sicher nichts Homöopathie-Spezifisches
ES KANN NICHT SEIN:
c. Ein Wunder/ bzw. ein metaphyischer Effekt
Denn die Homöopathie hält sich ja nicht für Hokuspokus sondern für eine seriöse Wissenschaft
d. eine biochemische Wirkung
Dies kann auch nicht sein, weil sich bei der D100-Verdünnung kein Wirkstoffmolekül in dem homöopathischen Präparat befunden hat. Bei einer geringen Verdünnung von z.B. D4 könnte man sicher überlegen, ob es eine biochemische Wirkung auf z.B. einen Rezeptor (wo?) geben könnte.
Bin mal gespannt, was ich bei dieser Aufzählung alles vergessen habe.
Wie man der „Aufdröselung“ entnehmen kann, sehe ich die „Potenzierung“ als das „Wesentliche der Homöopathie“ an (obiger Pkt.5) Alle anderen Punkte sind IMHO mit den anderen medizinischen Richtungen mehr oder weniger weitgehend vereinbar.
Aber die „Potenzierung“ steht in völligem Widerspruch zu dem naturwissenschaftlichen Weltbild. Wie Cess (10.04.2007 12:44) richtig bemerkte, hat Wasser nun mal kein Gedächtnis. Die scheinbaren Ergebnisse von J. Benviste von 1988 sind eindeutig widerlegt worden.
In diesem Punkt muss man sich entscheiden: entweder pro Naturwissenschaft oder pro Homöopathie.
Ich hätte nichts dagen, wenn die Hochpotenzierungs-Homöopathie behaupten würde, dass Ihre angeblichen Erfolge auf Wundern (mit Wundern könnte ich leben…) beruhen und deswegen nur dann und wann auftreten. Aber genau das will die Homöopathie ja nicht, da sie ja einen wissenschaftlichen Anspruch erhebt.
so far
yps