Hallo Schmusedecke,
bei der von Dir geschilderten Hautkrankheit habe ich spontan an Krätze (der Mediziner spricht von Scabies oder Skabies) gedacht. Das ist ein Befall von einer bestimmten Milben-Art, die weiblichen Milben bohren sich einen kleinen Gang in die Haut, in dem sie dann ihre Eier ablegen. Das, was juckt, ist vor allem die Kacke von diesen Milben. Daher kann das Jucken auch nach dem Absterben der Milben noch lange anhalten, da sie in den Gängen zurückbleibt. Das Jucken ist insbesondere nachts in der Bettwärme ganz schlimm.
Krätze ist hochansteckend. Wenn also die Freundin Deines Bruders mit ihm ein Bett teilt, hat sie gute Chancen, auch befallen zu werden. Aber davon schreibst Du nichts.
Dass die Anfälle alle 3 Wochen auftauchen paßt auch gut dazu, da eine Generation von Krätzmilben genau 3 Wochen braucht, um zu schlüpfen. Daher merken die meisten Menschen auch erst Wochen nach der Infektion, dass sie überhaupt befallen wurden. Ich selber habe mir letzten Sommer die Krätze eingehandelt: und zwar dadurch, dass ich in einem Klamotten-Discounter im Hochsommer Kleidung anprobiert habe. Auch Leute, die mit vielen Menschen im Engen Kontakt stehen (Erzieher, Lehrer, Street-Worker, Sozialpädagogen…) sind häufiger daran erkrankt.
Früher war Krätze ein Synonym für ungepflegte Leute, aber ebenso wie bei einem Befall von Läusen kann auch der sauberste Mensch einfach mal Pech haben…
Behandeln läßt sich die Krätze nur durch hochgiftige Mittelchen, die verschreibungspflichtig sind.
Wenn man erstmal eine durch Krätze geschädigte Haut hat, sind Tor und Tür geöffnet für weitere Infektionen, z.B. durch Bakterien (Sekundärinfektion).
Aber das ist nur eine von vielen Möglichkeiten… die Haut Deines Bruders müsste natürlich am besten von einem Dermatologen begutachtet werden. Der würde dann auch eventuell eine Probe entnehmen und im Labor untersuchen lassen.
Aber damit sind wir beim nächsten Problem: Arztbesuch.
Schon wieder fühle ich mich an meine eigene Vergangenheit erinnert, denn ich hatte vor gut 10 Jahren gaaanz schlimme Neurodermitis und bin auch gerade da, wo der Ausschlag am schlimmsten war, NICHT zum Arzt gegangen. Ich habe dafür auch keinen triftigen Grund, und für Nicht-Betroffene klingt das unlogisch und bescheuert. Liegt es doch am nahesten, gerade dann endlich mal zum Doc zu gehen. Rückblickend würde ich sagen, dass auch ich in einer handfesten Depression gesteckt habe, denn ich habe auch mein Studium, Freunde, Familie und insbesondere mich selbst damals total vernachlässigt. Aber genau das macht ja schließlich eine Depression aus!
Eine Sozialpädagogin, die mit meiner Mutter befreundet ist, riet meiner besorgten Mutter damals: „Wenn Deine Tochter keine Hilfe sucht, geht es ihr auch noch nicht schlecht genug!“
Was für ein gefährlicher Unsinn!!!
Depressionen zeichnen sich dadurch aus, dass der Betroffene ANTRIEBSLOS ist. Im Volksmund nenne viele eine Traurigkeit oder schlechte Laune „Depression“. Aber so ist es eigentlich nicht. Wer traurig oder wütend ist, hat wenigstens noch Emotionen und Kraft. Der Depressive aber lässt sich hängen, verweigert sich, macht nix, kommt nicht aus dem Bett oder mit dem Arsch vors Haus. Er hat auch oft keine Meinung mehr zu irgendwelchen Themen und insbesondere nicht über sich selbst, ist von Minderwertigkeitskomplexen geplagt und hat vielleicht sogar unbewußt die Haltung, dass er gar nicht das Recht habe, die Zeit und Aufmerksamkeit eines Arztes in Anspruch zu nehmen. Ich weiß, wovon ich rede!
Außerdem fehlt dem Depressiven Menschen oft ein gutes Maß an Resilienz, also die Fähigkeit, sich selber wieder am eigenen Schopfe aus dem Dreck zu ziehen, sich zu regenerieren und einen Schicksalsschlag zu überwinden.
Vielleicht steckt Dein Bruder in einem Teufelskreis, aus dem er sich selbst nicht mehr befreien kann.
Ich bin kein Psychologe, aber wenn Du die Kraft dazu hast würde ich Dir raten, Deinen Bruder im wahrsten Sinne des Wortes „an die Hand zu nehmen“, und ihm den Weg zur Lösung so weit wie möglich vorzubereiten und ihn dabei zu begleiten. Er wird es wahrscheinlich so bald nicht von alleine schaffen. Ohne Dir unnötig Angst machen zu wollen, möchte ich auch auf die bei Depressionen oft vorhandene Suizidgefahr hinweisen. Oftmals ist es die letzte Handlung eines sonst so antriebslosen, depressiven Menschen, dem ganzen ein Ende zu setzen. Sozusagen ein letztes Mobilisieren der Kräfte. Das klingt jetzt sehr theatralisch, aber so ist das eben bei einer Depression. (Nicht immer, klar, die Menschen sind auch in ihrer Depression verschieden, aber die Gefahr besteht.)
Im Einzelnen meine ich:
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kau Deinem Bruder den Arztbesuch vor. Ruf einen Dermatologen an, versuch, mit ihm direkt zu sprechen und nicht nur mit der Arzthelferin. Erklär ihm das Problem. Wenn Du den Arzt schon mal gesprochen hast, kannst Du Deinem Bruder den Arztbesuch auch besser schmackhaft machen. Vielleicht hat der Arzt auch einen Tip für Dich. Mach bei der Arzthelferin einen Termin aus, an dem Du Deinen Bruder begleiten kannst. Je nachdem, wie Dein Bruder drauf ist, vielleicht schämt er sich ja, kannst Du vor der Praxis oder im Wartezimmer auf ihn warten, oder auch mit ins Untersuchungszimmer rein kommen. (Meine beste Freundin hat sich mal eingeredet, sie hätte Hautkrebs am Bein und hat sich vor Angst vor der Diagnose nicht zum Arzt getraut. Ich hab damals auch einfach den Termin für sie gemacht, ihr erklärt, dass man bei einer frühen Diagnose auch am ehesten noch helfen kann, habe sie abgeholt und im Wartezimmer auf sie gewartet. Und sie kam völlig erleichtert aus dem Behandlungsraum und hatte nur einen normalen Leberfleck.
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Rede mit Deinem Bruder. Frag ihn nicht groß, OB er dahin will, denn dann könnte er nein sagen, sondern erklär ihm, WARUM er jetzt dahin geht. „Du möchtest doch, dass der Ausschlag verschwindet.“ Laß keine Ausreden gelten, sondern biete ihm an „nach dem Arztbesuch kannst Du mir sagen, wie der Arzt so war. Vorurteile zählen nicht.“ „Ich verstehe, dass Dir bei dem Gedanken unwohl ist (Panik/Angst respektieren!). Ich komme ja mit und unterstütze Dich. Der Arzt macht auf mich einen sympathischen Eindruck. Hinterher werden wir mehr wissen. Er kann Dir bestimmt helfen.“ „Stell Dir mal vor, Du wachst morgens auf und der Ausschlag ist nur noch kaum zu sehen. Was das für ein schönes Gefühl wird!“ = Perspektiven schaffen!
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Geh Du selber zu einem Psychologen / Psychotherapeuten und schilder ihm/ihr die Lage. Hol Dir zuvor die Überweisung von Deinem Hausarzt. Zum einen leidest Du selber unter der Situation, und zum anderen kennen Psychologen diese verzwickte Situation, dass der eigentliche Patient nicht von selber kommt. Der Therapeut hat Erfahrung mit der Situation und kann Dir sagen, wie und ob Du Deinem Bruder helfen kannst bzw. mit welchen Mitteln Du ihn zum Therapeuten kriegst. Also wie man es anpacken muss. Die Betreuung durch einen Psychologen halte ich für Deinen Bruder für sehr wichtig, denn Familienangehörige kennen den Patienten zwar am besten, sind aber als Therapeuten meistens gerade wegen der besonderen Nähe ungeeignet. Ein Therapeut, der etwas „entfernter“ von Deinem Bruder ist, ist als Berater und Helfer besser geeignet. Von ihm wird Dein Bruder vermutlich auch besser Hilfe annehmen können, als von seiner großen Schwester.
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Sei für Deinen Bruder da und mach Dir ruhig Gedanken um ihn, hilf ihm, aber verlier dabei Dich selbst nicht aus den Augen. Beachte Deine eigenen Grenzen und verlier Dich nicht im Helfer-Syndrom. Wenn Du mal selber total fertig bist, brauchst Du auch mal nicht ans Telefon zu gehen oder darfst Du auch ruhig mal die Schnauze voll haben. Ein Helfer, der selber zugrunde geht, ist auch kein guter Helfer mehr. 
Jemand, der depressiv ist, weiß meistens selbst nicht mehr, was er will. Dann müssen andere für eine Weile die Entscheidungen für ihn treffen. Auf der anderen Seite mußt Du aufpassen, dass Du Deinen Bruder nicht wie ein Kind behandelst oder als wenn er völlig verblödet wäre. Das ist eine Gratwanderung, aber als Sozialpädagogin wirst Du das schaffen. 
Hey Schmusedecke, nochwas: ich finde Du bist ein super Schwesterli. *drück*. Dein Bruder kann froh sein, Dich zu haben! 
Wünsche Euch alles Gute!!!
Biddel
(und wenn Du magst, schreib mir doch, wie´s so läuft.)