Hallo Katrin,
Ein paar Zahlen und Fakten und ein paar Dönekes aus meinem Leben.
Erst die Dönekes:
Als ich schwanger war vor einigen Jahren las ich total neugierig meinen Mutterpass und stellte fest: Kein Toxoplasmose-Titer!
Ich meinen Arzt vorwurfsvoll gefragt: Warum sagst du mir das nicht, das ist doch gefährlich.
Sagt er: Du bist jetzt 29 Jahre alt und hast es in der ganzen Zeit nicht geschafft dich anzustecken, warum willst du das in den nächsten 6 Monaten tun? Das ist doch gar nicht wahrscheinlich.
Kurze Zeit danach, erzähl ich die Geschichte einem Freund und der zeigt mir seinen Sohn und erzählt, daß seine Frau während der Schwangerschaft in Unkenntnis anderleuts Katzen versorgt hat, sich angesteckt hat, das ist dann entdeckt worden, sie hat Antibiotika genommen und der Junge war topfit in Ordnung und jetzt auch mittlerweile fast 10, d.h. die Wahrscheinlichkeit, das etwas unerkanntes hinterher kommt war gegen Null.
Jetzt die Fakten.
Alle sind entnommen der Homepage des Robert-Koch-Instituts, das ist der Infektionskrankheitenwärter in Deutschland.
Zunächst das Ansteckungsrisiko (wurde ja unten schon diskutiert, ob nur über Kot oder auch über normalen Kontakt):
_Eine wesentliche Bedeutung als Infektionsquellen besitzen auch Toxoplasma-Oozysten, die über den Katzenkot in Garten- oder Ackerboden gelangen. Bei entsprechenden Kontakten kann man sich durch eine Finger-Mund-Übertragung infizieren. Der direkte Kontakt mit Katzen ist ohne Bedeutung. _
Und dann die Frage, was ist eigentlich die Gefahr dabei:
_Mit der Dauer der Schwangerschaft nimmt einerseits die Wahrscheinlichkeit der pränatalen Übertragung zu und andererseits die Schwere des Krankheitsbildes beim Feten ab.
Eine im ersten Drittel der Schwangerschaft eingetretene Infektion der Mutter kann auf den Embryo bzw. Fetus übergehen, dann u.U. das Kind schwer schädigen oder einen Abort bewirken.
Eine Erstinfektion im zweite oder dritten Drittel der Schwangerschaft kann sich beim Neugeborenen unterschiedlich manifestieren:
a) In etwa 1 % der Fälle entsteht das Schadensbild der klassischen Trias: Retinochorioiditische Narben, Hydrozephalus, intrazerebrale Verkalkungen, postenzephalitische Schäden.
b) Bis zu 10 % der Fälle: mehrdeutige Krankheitsbilder mit Zeichen der floriden Entzündung (Fieber, Splenomegalie, Hepatomegalie, Lymphadenitis, Retinochorioiditis, Anämie, Ikterus).
c) Bei etwa 90 % der Fälle: symptomloser Verlauf, es können sich aber in den folgenden Monaten oder Jahren Symptome, am häufigsten Retinochorioiditis und mentale Retardierung, entwickeln._
Beides entnommen dieser Stelle der Seite:
http://www.rki.de/cln_048/nn_504566/DE/Content/Infek…
An anderer Stelle, nämlich im Epidemiologischen Bulletin des Jahres 2003, dem letzten in dem was über Toxoplasmose steht, was zeigt, wie äußerst selten die konnatale Infektion in Deutschland ist, denn diese ist meldepflichtig, stehen noch weiter Fakten:
Es gab im Jahr 2002 18 gemeldete Fälle von konnataler Infektion*, wobei von 4 davon bekannt geworden ist, daß sie auffallende Symptome hatten. Die anderen könnten natürlich noch später welche bekommen haben.
18 von ich-weiß-nicht-wie-vielen Geburten im Jahr 2002 in BRD.
Ich hoffe, das konnte dich und du deinen Mann beruhigen.
Vater werden ist mit ungeheuren Ängsten verbunden, ähnlich wie Mutter werden. Im Zweifel soll er doch als Arzt das RKI anschreiben, die antworten immer sehr bereitwillig und praxisnah.
Viel Spaß beim Eltern-werden
Kerstin
* das ist eben die Ansteckung im Mutterleib, also das Geboren-Werden mit einer Toxoplasmose