Hallo liebe Wissenden!
Situation: Nach langwieriger Behandlung (Chemo- und Strahlentherapie) ist beim Patienten zwar noch immer ein Tumor im Gehirn sichtbar (MRT), die Ärzte hoffen aufgrund der PET-Ergebnisse jedoch darauf, dass dieser aus toten Zellen besteht.
Nun also meine Frage: Was passiert mit einem „toten Tumor“? Löst er sich mit der Zeit von selbst auf?
Danke im Voraus für eure Antworten!
Viele Grüße,
Anja
PS: Ich habe hier nur sehr kurz die Infos zusammengefasst, da der gesamte Behandlungsverlauf den Rahmen sprengen würde und meiner Meinung nach für diese eher allgemeine Fragestellung nicht von Bedeutung ist. Falls ich mich irre, präzisiere ich die Situation natürlich gern.
Hallo Anja,
MRes Medical & Molecular Biosciences - das studierst Du doch, oder?
Dann ist Dir sicher auch das Immunsystem bekannt, und selbiges entsorgt allen „Müll“ im Gewebe, wozu auch zerfallen(d)e tote Zellen gehören.
Beteiligt sind v.a. Granulozyten und Makrophagen, die - zumindest bei „normalen“ Nekrosen durch die Freisetzung von Prostaglandinen und Leukotrienen angelockt werden („Nekrotaxis“).
Der Abbau der toten Zellen und deren Ersatz durch zunächst Granulationsgewebe und dann durch Narbengewebe dauert insgesamt einige Wochen. Es ist möglich, dass die Narbengewebe in bildgebenden Verfahren wie dem MRT langfristig sichtbar bleiben, der Stoffwechsel ist aber ein anderer als im Tumor, so dass diese Gebilde mit der PET eigentlich als nicht-tumorös identifiziert werden können sollten. Problematisch bleiben dabei nur rezidivierende Tumorzellen innerhalb des nekrotischen oder vernarbten Bereichs, die im PET nicht zu erkennen sind. Wenn sie nach einigen Wochen aber nicht gewachsen sind, dann waren wohl keine mehr drin.
LG
Jochen
Hallo Jo,
vielen Dank für deine Antwort!
Im vorliegenden Fall wird, da dieses Gewebe nicht operabel ist, weiterhin eine Erhaltungs-Chemotherapie durchgeführt. Der behandelnde Arzt sieht jedoch letztlich als die allerbeste Möglichkeit die Operation und hofft darauf, dass das Gebilde mit der Zeit operabel wird. Ich vermutete, dass das einerseits daran liegt, dass man evtl. noch lebende Tumorzellen mit „herausschneiden“ würde und zweitens ein solches - wenn auch totes - Gewebe die Gehirnfunktionen schädigen kann (z.B. durch Epilepsie). Beim zweiten Punkt war ich mir halt nicht sicher, da ich dachte, dass das Tumorgewebe mit der Zeit evtl. komplett entsorgt werden könnte. Wenn du aber sagst, dass an dieser Stelle eine Narbe entsteht, ergibt das schon Sinn.
Viele Grüße,
Anja