Nitrolingual Spray vs. Tachykardie

Hallo,

folgender Fall:

Pat. mit einem RR von durchschnittlich >200 systolisch und RR Schwankungen plus arrhytmischer tachkardie mit >100/min hat in der Anordnung folgendes stehen:

2 Hub Nitrolingual Spray bei RR >180sys. Kein Spray bei einem Puls von >100/min.

Das heißt also der Patient darf (laut Arztanordnung) kein Nitrospray zwecks Senkung des RR haben, wenn der P >100/min ist.

Warum darf das nicht sein? - war meine Frage an den Stationsarzt.
Antwort war: Weil das den Puls erhöht (ok, steht auch in den Nebenwirkungen).

Was nun wenn ein Patient einen RR (wie oben beschrieben) von >200sys hat und ebenfalls eine Puls von >100/min… Um den RR wirkungsvoll zu senken eignet sich Nitrospray ja ideal zu. Meine Frage nun: ab wann wird da ein Kompromiss gemacht? Lieber der RR in Kauf nehmen oder die Tachykardie?

Gruss levi

Hi,

mir würde als erstes ein beta-blocker in den sinn kommen.

Allerdings sind sowohl tachykardie als auch hypertonus lediglich symptom einer grunderkrankung.
Da wir aber wenig über diese erfahren kann man jetzt keine allgemeingültigen aussagen machen.

Bei einem RR >200 sys. und HF >100 würde ich eher einen notarzt rufen, da man durchaus schon von einer hypertensiven entgleisung sprechen kann…

LG Alex:smile:

Hallo!

folgender Fall:

Pat. mit einem RR von durchschnittlich >200 systolisch und
RR Schwankungen plus arrhytmischer tachkardie mit >100/min
hat in der Anordnung folgendes stehen:

2 Hub Nitrolingual Spray bei RR >180sys. Kein Spray bei
einem Puls von >100/min.

Zunächst ist anzumerken, daß Nitrolingual-Spray nicht für die Behandlung von Bluthochdruck zugelassen ist, was seine guten Gründe hat. Die Blutdrucksenkung ist lediglich eine Nebenwirkung. Leider wird es dennoch oft genommen bzw. verordnet, weil es leicht anzuwenden ist. Das macht es aber nicht automatisch zu einem guten Medikament (zumindest bei Hochdruck).

Das heißt also der Patient darf (laut Arztanordnung) kein
Nitrospray zwecks Senkung des RR haben, wenn der P >100/min
ist.

Warum darf das nicht sein? - war meine Frage an den
Stationsarzt.
Antwort war: Weil das den Puls erhöht (ok, steht auch in den
Nebenwirkungen).

Richtig, es handelt es sich um eine sogenannte „Reflextachykardie“, d.h. der Körper registriert einen plötzlichen Druckabfall und versucht durch Frequenzerhöhung gegenzusteuern. Ein weiterer Nachteil des Nitrosprays ist, daß man die Wirkung nicht vorher abschätzen kann. Ein und dieselbe Person kann nach zwei Hüben einmal lediglich eine leichte Blutdrucksenkung bekommen, und ein andermal kollabieren, weil der Blutdruck „in den Keller rauscht“.

Was nun wenn ein Patient einen RR (wie oben beschrieben) von
>200sys hat und ebenfalls eine Puls von >100/min… Um
den RR wirkungsvoll zu senken eignet sich Nitrospray ja ideal
zu. Meine Frage nun: ab wann wird da ein Kompromiss gemacht?
Lieber der RR in Kauf nehmen oder die Tachykardie?

Hierzu ist zu sagen: wenn man plötzlich einen systolischen Blutdruck von über 200 mmHg und dazu eine ausgeprägte Tachykardie hat, sollte man dies in der akuten Situation mit schnell wirksamen Medikamenten behandeln, also entweder intravenös gespritzt (z.B. Urapidil oder - je nach Ursache der Tachykardie - Verapamil oder auch einem Betablocker o.ä.), evtl. auch z.B. Nitrendipin oral (als Phiole: Handelsname „Bayotensin akut“).
Wenn solche Situationen aber öfter auftreten, dann muß man sich mehr Mühe machen, als lediglich eine „Notfallmedikation“ bei Bedarf anzuordnen; vielmehr sollte der Arzt eine vernünftige Einstellung von Blutdruck und Herzfrequenz mit Tabletten vornehmen und evtl. sogar eine zugrundeliegende Ursache behandeln.

Den konkreten Fall solltest Du, trotz aller Hinweise im Internet, mit einem „konkreten“ Arzt, der den „konkreten“ Patienten kennt, besprechen.

Grüße!