Alternativmedizin kontra Schulmedizin

Hallo,

Alternativmedizin oder Schulmedizin, welches ist die erfolgreichere
Behandlungsgrundlage in der BRD. Ich habe mich vor kurzer Zeit wegen dem Thema mit einem Bekanten in die Haare bekommen.
Ich bin der Meinung, das „alle“ (egal ob Schnupfen oder Krebsfall) erfolgreich abgeschlossenen Krankheitsfälle in der BRD immer noch zu mehr als 70 % Schulmedizinisch gelöst werden.
Er ist der Meinung, dass es umgekehrt sei, also mehr als 70 % werden
Alternativmedizinisch erfolgreich abgeschlossenen.
Meine Frage: kann mir das jemand sagen, der Ahnung von so einer demoskopischen Sache hat was richtig ist? Wobei ich nicht den genauen %-Wert brauche, sondern nur die tendenziell richtige Lösung.
Wir sind beide nur Leien und würden gerne nur Klarheit haben.
Danke für jede Meldung.

MfG S Sommer

Hallo!

Diese Frage hat denke ich mehrere Probleme. Drei Punkte sind mir aufgefallen:

Aufgabe der Medizin oder auch einer Gesundheitsversorgung ist es u.a. auch, Krankheiten zu verhindern.
Hier hat die Wissenschaftsmedizin mit Impfungen einen riesigen Erfolg zu verbuchen. Dadurch, dass wir obligat pathogene Mikroorganismen, sozusagen solche, die von sich heraus ansonsten gesunden Menschen schaden können, zum großen Teil gut unter Kontrolle haben, sieht man diese nicht mehr so und es wird einem nicht so sehr bewusst, wie es bei uns auch aussehen könnte ohne Impfungen oder Antibiotika. Heute betrachtet man umsichtiges Verhalten bezüglich Rauchen, Sport, Ernährung usw. als sehr wichtige Faktoren bei der Vorbeugung schlimmer Erkrankungen. Die Bedeutung solcher Faktoren ist evident und die Aufklärung hierüber dadurch Teil der Wissenschaftsmedizin.

Auch werden sehr viele Krankheitsfälle nicht behandelt und gehen trotzdem weg. Ein einfacher Schnupfen, gegen den man nicht Impfen kann, weil es davon tausende gibt, ist sicherlich ein Krankheitsfall, der oft keiner speziellen medizinischen Behandlung bedarf und ohne Folgeschäden ausheilt.

Das dritte Problem ist ein noch viel grundlegenderes.
Eine Medizin, von der man wissentlich sagen kann, sie habe eine Wirkung über einer Scheinbehandlung hinaus ist per Definition Wissenschaftsmedizin, also „Schulmedizin“.
(Natürlich sind Behandlungsoptimierungen auch wichtig für Wissenschaftsmedizin.)
Man kann annehmen, dass manche Formen alternativer Medizin Erfolge über einer Scheinbehandlung hinaus erzielen. Wissen kann man es nicht und wird es nicht, weil diese Medizinformen dann der Wissenschaftsmedizin zugehörig sind und sein werden.

Auch ist die Frage, ob es Dir überhaupt darum geht, dass die Behandlung spezifisch wirken muss. Wenn alle Menschen ihren Schnupfen oder die Erkältung mit offensichtlichen Scheintherapien behandeln würden, könnte man sowas theoretisch auch als alternative Medizin bezeichnen und die heilt dann alle Krankheiten, so sie denn abheilen.
In vergangenen Zeiten hat man ja oft für Gesundung gebetet. Trat sie ein, war es dann eine Transzendenz, die diese Heilung bewirkt hat.
Man kann also ne Menge Schindluder betreiben, wenn Therapien ohne beweisbare Wirkung bei der Statistik erlaubt wären.
Wenn sie erlaubt sind, dann geht es viel darum, was die Leute bevorzugen und nicht unbedingt ob und wie erfolgreich einzelne Behandlungen wirklich sind.

Gruß, Stefan

Hi Sommer (besser als Winter, zumindest die Jaheszeit)
Ergänzend zu Stefan, der ja schon Wesentliches geschrieben hat, möchte ich nur grundlegend darauf aufmerksam machen, dass allein schon die WÖRTER einen Hinweis geben: Die SCHULE (Schulmedizin) ist das, was sich aufgrund jahrhundertelanger Erfahrung und immer neuer Überprüfung als das Sinnvolle in der Medizin durchgesetzt hat. Es kann dazu nur (sekundär!) ALTERNATIVEN geben. Wenn die ALTERNATIV-MEDIZIN der mainstream wäre, hieße sie ja nicht mehr Alternativ-Medizin.
Gruß,
Branden

Hallo,

Alternativmedizin oder Schulmedizin, welches ist die
erfolgreichere
Behandlungsgrundlage in der BRD.

Hallo,

längst nicht mehr sind Schul- und Alternativmedizin sich total ausschließende Gegensätze. Vielfach ist man dabei, sie eher miteinander als nebeneinander zu sehen und anzuwenden. Statt „alternativ“ sagt man darum heute gerne „komplementär“. Jeder gute Arzt arbeitet schon immer nicht nur wissenschaftlich, sondern ganz unbewusst durch seine persönliche Ausstrahlung, die man sicherlich nicht schulmedizinisch lernen kann.
Die Integration von Schulmedizin und komplementären/wie alternativen Heilmethoden (CAM)bedeutet natürlich nicht, dass jeder Unfug, der als Heilmethode angepriesen wird, dazu gehört.
Knapp 60% der Deutschen, so heisst es, wenden unkonventionelle Methoden und Medikamente an.

Grüße,
Montanus

Hallo Branden,

Die SCHULE(Schulmedizin) ist das, was sich aufgrund jahrhundertelanger
Erfahrung und immer neuer Überprüfung als das Sinnvolle in der
Medizin durchgesetzt hat.

Gestatten, ich widerspreche.
Bevor das, was man heute als Schulmedizin versteht, überhaupt entstanden ist, haben die Völker das praktiziert, was man heute Alternativmedizin nennt.

Gruß Steffi

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Hallo Sascha,

die Frage wird sich so kaum beantworten lassen.

Du gehst von Deutschland aus?
In fernen Ländern bei fernen Völken ist das z.T. anders.

Worauf beziehst du den Begriff Behandlung?
Auf die Arbeit eines Therapeuten/Arztes oder auf die Verwendung von Arznei- und sonstigen Mitteln?

Wie definierst du alternativ?
Auch Ärzte wenden z.B. Homöopathika an.

Was heißt für dich abgeschlossen?
Wenn der Schmerz aufhört? Wenn die gezerrte Sehne nicht mehr schmerzt, dann ist sie noch nicht zu 100% ausgeheilt. Der Patient geht nicht mehr zum Arzt, wendet aber vielleicht noch Alternativbehandlungen an.

Auch die Bandbreite von Schnupfen bis Krebs ist problematisch.
Bei der ganz normalen Erkältung nutzen viele Menschen selbstständig Alternativen, ohne Arzt. Die Schulmedizin hat gar nicht die Chance einen Fall abzuschließen, da sie gar keinen Fall hat.

Du siehst, daß man um Zahlen zu erhalten erst mal eine absolut klare Definition aufstellen müßte und diese dann nur für einen bestimmten Bereich gelten würde.

Tendenziell kann man eigentlich nur feststellen…

  • Bei geringfügigen Erkrankungen greifen die Menschen in Eigenregie immer mehr zu Alternativen.
  • Der Mensch geht hierzulande bei richtigen Erkrankungen erstmal zum Arzt und überlegt sich dann, ob er Alternativen nutzt.
    Aber es gibt auch einige wenige Menschen, die erst z.B. zum Homöopathen gehen und dann auf dessen Anraten bestimmte fachärztliche Untersuchungen machen lassen.
  • Bei Krankheiten, die die Medizin nicht heilen, sondern nur evtl. lindern kann, werden die Alternativen immer stärker genutzt.
  • Alternative Behandlungsmethoden werden von Ärzten immer öfter als ergänzende Therapie eingesetzt.

Gruß Steffi

Hi Steffi

Gestatten, ich widerspreche.
Bevor das, was man heute als Schulmedizin versteht, überhaupt
entstanden ist, haben die Völker das praktiziert, was man
heute Alternativmedizin nennt.

Das ist imho kein Widerspruch, nicht einmal ein Gegensatz. Was die Völker jahrhundertelang praktiziert haben, ist -wenn du so willst- Traditionelle Medizin (z.B. TCM = Traditionelle Chinesische Medizin mit Akupunktur etc.). Diesen Namen finde ich dann oftmals passender als „Alternative Medizin“.
Aus der „Traditionellen“ oder „Alternativen“ Medizin hat sich aber dann das herausgeschält, was sich als immer wieder wirkungsvoll und überprüfbar erwiesen hat, und das ist dann die Schule, die Schulmedizin geworden.
Also kein Widerspruch!
Ich selbst habe ja damals als Allgemeinarzt auch viel Naturheilverfahren neben der Schulmedizin angewendet und habe nicht das eine gegen das andere ausgespielt.
Gruß,
Branden

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Hallo Branden,

gut, aber was verstehst du dann unter alternativen Behandlungsmethoden? Alles das was neuer ist/scheint? wie z.B. Sauerstofftherapie, Eigenblutbehandlung …

Gruß Steffi

Hallo,
da hast du uns ja in einen Schönen Definitionsstreit geführt.

Deine eigentliche Frage kann niemand beantworten, weil niemand solche Daten erhebt.
Was man vielleicht noch herausfinden könnte wäre wieviele Ärzte (fast) nur schulmedizinisch oder alternativ arbeiten. Aber selbst das gäbe wohl kein klares Erbebnis, da wie schon gesagt wurde, zum Teil verschiedene Verfahrten gleichzeitig eingesetzt werden ohne das man weiß, was nun welchen Anteil am Erfolg hatte. Aber auch weil selbst wenn eine eindeutig zuzuordnende Therapie durchgeführt wurde, letztlich nicht festzustellen ist welchen Anteil diese an einer Heilung hatte. Tatsächlich gehen nämlich viele Krankheiten auch völlig unbehandelt vorüber.

Um auch noch einen Beitrag zum Definitionsstreit zu leiste:

Polarisierend ausgedrückt ist Schulmedizin heute das, was sich im wissenschaftlichen Diskurs druchgesetzt hat und an medizinischen Hochschulen gelehrt wird. Das sind überwiegend Therapien deren Wirksamkeit entweder kausal oder statistisch nachgewiesen werden kann. Alternativmedizin, ist dann alles was abseits davon besteht.

Da gibt es dann auch Grauzonen, weil Alternativ-Verfahren evtl. nach einiger Zeit zumindest statistisch als wirksam erkannt werden und dann auch in die Lehrpläne Eingang finden und an Hochschulen zum Teil auch Dinge gelehrt werden, die in ihrer Wirksamkeit umstritten sind. Außerdem wurden früher auch Dinge als schulmedizinisch gehandelt, die sich als Irrtum erwiesen und danach zur Alternativmedizin zählen würden (wenn nicht sogar als Kunstfehler).

Völlig in Verwirrung geraten die Begriffe allerdings, wenn du den westlichen Kulturkreis verlässt.

Gruß
Werner