Erhöhte Leukozyten ohne krank zu sein?

Hallo,

wenn man einen Wert von 30 bei den Leukozyten hat (normal: 4-10), obwohl man weder Stress hat, noch in irgendeiner Form krank ist oder sich krank fühlt, keine Infektion o.ä. hat, woher kann dann so ein hoher Wert noch kommen?

Alle anderen Werte des kleinen Blutbildes sind ok, bis auf das Hämoglobin, das zu niedrig ist.

Der Arzt zuckt mit den Schultern, „käme schon mal vor“ …

Aber ein dreifach erhöher Leukozytenwert?

Niedriges Hämoglobin/roter Blutfarbstoff, hat das was mit dem Eisen zu tun?

Danke. Christina

Hallo,

Du kannst Deine Blutwerte selbst mal durchchecken:
http://www.med4you.at/laborbefunde/lbef_liste2.htm#H

Wurde ein Differentialblutbild gemacht?
http://www.med4you.at/laborbefunde/lbef_leuko.htm

Niedriges Hämoglobin/roter Blutfarbstoff, hat das was mit dem
Eisen zu tun?

Ja, das kann damit zu tun haben.

Gruß
Maja

Hallo Christina,

ja, 4.000 bis 10.000 Leuko pro µl wären normal.

Bei 30.000 Leuko muss zum Einen die Blutuntersuchung unverzüglich wiederholt werden, um einen Laborfehler auszuschließen, und es gehört ein großes Blutbild gemacht, um mit Hilfe der Verteilung und des Aussehens der Leuko und evt. weiterer Auffälligkeiten, weitere Informationen zu erhalten. Das beinhaltet zusätzlich zum kleinen BB den Blutausstrich, also das Differenzialblutbild und in diesem Falle unter dem Mikroskop, nicht per Zellcounter.

Das niedrige Hb kann mit der Leukozytose in Verbindung stehen, muss aber nicht.

Der Arzt zuckt mit den Schultern, „käme schon mal vor“ …

Die Aussage kommt mir äußerst unpassend vor!

Man muss der Sache unverzüglich auf den Grund gehen, evt. weitere klin.-chem. Untersuchungen. Die Ursachen können vielfältig sein und lassen sich keinesfalls auf Grund der wenigen Informationen klären. Wenn der Hausarzt keine weiteren Hinweise findet und die Leukozytose besteht auch noch nach einer Kontrolluntersuchung in der Höhe, dann ist jetzt der Hämatologe der Facharzt der Wahl.

Alles Gute wünscht

Renate

Blutsenkung zu hoch
Hallo,

vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Ich habe heute erfahren, dass mir die Arzthelferin schlicht eine falsche, oder sagen wir mal, ungenaue Auskunft am Telefon gegeben hatte: nicht meine Leukozyten sind auf 30, sondern die Blutsenkung (BKS). Die Leukozyten sind bei 6, also in der Norm. Habe mir heute den Laborzettel geholt und es schwarz auf weiß nachgelesen.

Demnach sind alle Werte des kl. Blutbildes in der Norm, HB ist an der unteren Grenze, Leukos wie gesagt 6, einzig die Blutsenkung ist auf 30.

Allerdings war ich zum Zeitpunkt der Blutentnahme „pumperlgesund“. Wie kann dann die Blutsenkung so hoch sein?

Muss man dieser dann nochmal nachgehen, wenn die tatsächlichen Leukozytenwerte in der Norm sind?

Danke.
Christina

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Christina,

Gottseidank!

Der hohe Leukowert wäre wirklich nicht gut gewesen. Vor „100 Jahren“ hieß es daher wohl, keine Laborwerte per Telefon an den Patienten, es hatte alles seine Berechtigung.

Die BSG sollte nur im Zusammenhang gesehen werden, nicht isoliert. Häufig ist sie erhöht ohne feststellbaren Grund. Sie ist als Entzündungsparameter nicht so gut geeignet, wie das aussagekräftigere und schneller reagierende CRP zusammen mit den Leukozyten. Wenn eine Infektion überstanden ist, dann sind das CRP und die Leukos oft längst wieder normal, aber die Senkung hinkt noch eine Zeit hinterher.

Bei Frauen ist sie auch zyklusabhängig also prämenstruell höher, nimmt man die Pille, ist sie oft von daher erhöht, und besonders eindrucksvoll erhöht sie sich während einer Schwangerschaft.

Die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit wird auch Erythrozytensedimentationsrate genannt.
Wenn Dein Hb etwas reduziert ist, wird die Zahl (evt. auch die Größe) der Ery ebenfalls nicht hoch sein, sodass die Senkung schon rein volumenbedingt etwas höher sein wird als üblich. Bis 20 mm ist bei Frauen in der 1. Std. normal, dann können 30 mm zum Hb passen. Sollte gelegentlich kontrolliert werden.

Für später:
Sinkt das Hb weiter, dann ist der häufigste Grund dafür bei Frauen in den Jahren vor der Menopause, eine recht starke Menstruationsblutung oft bei verkürztem Zyklus. Eisensubstitution allein nützt dann wenig, die Ursache beheben ist dann effektiver, d. h. mit dem Frauenarzt sprechen.

Gruß, Renate

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HB-Wert und zu kleine Erythrozyten
Hallo Renate,

vielen Dank, da sehe ich jetzt schon wieder „Land“ :wink:

Wenn Dein Hb etwas reduziert ist, wird die Zahl (evt. auch die
Größe) der Ery ebenfalls nicht hoch sein, sodass die Senkung
schon rein volumenbedingt etwas höher sein wird als üblich.
Bis 20 mm ist bei Frauen in der 1. Std. normal, dann können 30
mm zum Hb passen. Sollte gelegentlich kontrolliert werden.

Sinkt das Hb weiter, dann ist der häufigste Grund dafür bei
Frauen in den Jahren vor der Menopause, eine recht starke
Menstruationsblutung oft bei verkürztem Zyklus.
Eisensubstitution allein nützt dann wenig, die Ursache beheben
ist dann effektiver, d. h. mit dem Frauenarzt sprechen.

Mein Hb war schon immer so niedrig, seit Jahren schon.
Der Gyn wollte Eisen verschreiben, aber mein Gastro war dagegen, weil Eisen wohl sehr stopfen würde und ich immer mal wieder große Darmprobleme habe - da hab ich es dann lieber gelassen.
Aber wenn du sagst, Eisentabletten hätte da eh wenig bewirkt …
Der Zyklus ist normal, keine Pille und die Regel ist auch normal.

Was kann dann eigentlich das Hb noch so absinken lassen?

z.B. sind meine MCH und MCV-Werte auch sehr niedrig. Mein Arzt erklärte mir was von „zu kleinen“ Erys - recht verstanden hab ich es nicht.

Aber warum sind die Erys so klein?

Gruß, Christina

Was kann dann eigentlich das Hb noch so absinken lassen?

z.B. sind meine MCH und MCV-Werte auch sehr niedrig. Mein Arzt
erklärte mir was von „zu kleinen“ Erys - recht verstanden hab
ich es nicht.

Aber warum sind die Erys so klein?

Hallo Christina,

bei einer mikrozytären Eisenmangelanämie beispielsweise kommen niedriges MCV wegen der kleinen Ery, niedriges Hb und Hk (Hämatokrit) vor, wegen des Zellvolumenmangels eben auch eine höhere Blutsenkungsrate. In solch einem Fall sind die Ery so klein, weil es an „Bausubstanz“ dem Eisen im Häm mangelt. Bei Vitaminmangel (Folsäure, B12) werden die Ery dagegen größer.

Wurde schon einmal ein Eisenstatus gemacht? Man unterscheidet mehrere Stufen bei Eisenmangel. Zuerst ist nur das Ferritin messbar niedrig, was anzeigt, das die Eisenspeicher der Leber entleert sind. Dann erst geht der Serumeisenspiegel runter, bevor dann der Hb-Wert ebenfalls betroffen ist. Transferrin ist dann erhöht.
Dann müsste man allerdings schon Symptome haben, wie z. B. Müdigkeit, evt. Haarprobleme, evt. Entzündungen der Mundwinkel, Blässe.

Die Frage ist nur, wie kommt es dazu, wenn der häufigste Grund, die Monatsblutung ausscheidet? Dann handelt es sich nicht um eine Blutungsanämie.
Vorkommen kann es evt. bei strengen Vegetariern oder wenn man stark untergewichtig ist, wenn man chron. zu wenig Magensäure hat, beispielsweise durch Antazida, usw.
Bei chron. Durchfällen oder Darmkrankheiten, z. B. M. Crohn ist ebenfalls die Eisenaufnahme aus dem Darm gestört!

Das sollte evt. auch mit Hilfe des Arztes geklärt werden.

Weil die Eisentabletten so schön stopfend sind, wie Du schon schreibst (und bei Resorptionsstörungen nicht helfen), geht man heute mehr und mehr dazu über, Eiseninfusionen zu geben, vor allem weil sie viel schneller Wirkung zeigen.
Trotzdem muss erst vor allem die Ursache gefunden werden.

Von der Ernährung her sind vor allem „rotes Fleisch“, Leber, Vollkorngetreide, usw. gute Eisenlieferanten. Vitamin C in der Nahrung oder auch Saures in anderer Form (Sauerkraut, säuerliches Obst) helfen wie ein Katalysator bei der Eisenaufnahme aus der Nahrung. Hemmend sind Phytinsäure (z. B. fermentiertes Frischgetreide), Phosphate (z. B. in Cola), Gerbsäuren (z. B. in Tee, Kaffee, Rotwein, Schoko.)

Gruß, Renate

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Blutungen im Körper
Hallo Renate,

du bist wirklich ganz, ganz toll - vielen, vielen Dank für die viele wertvollen Infos!

Ein Eisenstatus wurde noch nie gemacht. Aber das werde ich das nächste Mal beim Arzt ansprechen. Machen eigentlich auch Apotheken so etwas, die Ärzte haben sich immer furchtbar knauserig, wenn es um solche Blutwerte geht, solange man nicht mit dem Kopf unterm Arm auf allen Vieren in die Praxis gekrabbelt kommt :frowning:

Dann müsste man allerdings schon Symptome haben, wie z. B.
Müdigkeit, evt. Haarprobleme, evt. Entzündungen der
Mundwinkel, Blässe.

Müdigkeit ist ganz schlimm bei mir, Sommer wie Winter. Haare sind ok, Entzündungen ist nichts da, und blass bin ich eh immer :wink:

Die Frage ist nur, wie kommt es dazu, wenn der häufigste
Grund, die Monatsblutung ausscheidet?

Die Blutungen sind eigentlich normal, nicht stark, nicht schwach.
Nur hab ich vermutlich eine Endometriose, weil ich nicht in jedem, aber jeden 2. bis 3. Zyklus wahnwitzige Schmerzen mit Blutdruckabfall und kaltem Schweiß habe - die Blutung an sich ist aber dann eher wenig bis normal. Der Gyn meint, man könne das nur durch eine Bauchspiegelung feststellen, müsse da aber Nutzen-Risiko abwägen.

Vorkommen kann es , wenn man chron. zu wenig Magensäure
hat, beispielsweise durch Antazida, usw.

Hm, interessant. Ich nehme Protonenpumpenhemmer, nicht immer, aber alle 4 Wochen mal für ca. 1 Woche, weil ich wegen oben beschr. Schmerzen Schmerzmittel nehme, die wahnsinnig auf den Magen gehen. Daher hat er mir diese Hemmer verschrieben, die ich dann parallel für ein paar Tage nehmen soll - aber nur für die Zeit, nicht immer.

Trotzdem muss erst vor allem die Ursache gefunden werden.

Können dafür auch Blutungsabgänge sonstwo im Körper verantwortlich sein?
Nieren z.B.?

Danke dir. Christina

Hallo Christina,

na ja, es ist doch auch schön und das größte Lob überhaupt, wenn eine Antwort hilfreich war :smile:

Ein Eisenstatus wurde noch nie gemacht. Aber das werde ich das
nächste Mal beim Arzt ansprechen. Machen eigentlich auch
Apotheken so etwas, die Ärzte haben sich immer furchtbar
knauserig, wenn es um solche Blutwerte geht, solange man nicht
mit dem Kopf unterm Arm auf allen Vieren in die Praxis
gekrabbelt kommt :frowning:

Ich bezweifle, dass man mittlerweile einen Eisenstatus in der Apotheke machen lassen kann, weil hier meistens die gängigsten Parameter, wie Glucose, Chol, HDL, Harnsäure, Hb, usw. per Trockenchemie bestimmt werden. Die Angebote der Apotheken sind unterschiedlich, fragen kostet nichts.
Ich habe beim Hausarzt die Erfahrung gemacht, wenn wie in Deinem Fall, eine moderate Diagnostik plausibel begründet ist, sie auch problemlos durchgeführt wird. Schließlich sind Serumeisen, Ferritin und Transferrin keine besonders kostenaufwändigen Laborparameter. Aber danach weiß man, wo man dran ist.

Nur hab ich vermutlich eine Endometriose, weil ich nicht in
jedem, aber jeden 2. bis 3. Zyklus wahnwitzige Schmerzen mit
Blutdruckabfall und kaltem Schweiß habe - die Blutung an sich
ist aber dann eher wenig bis normal. Der Gyn meint, man könne
das nur durch eine Bauchspiegelung feststellen, müsse da aber
Nutzen-Risiko abwägen.

Wenn man bedenkt, dass es im Durchschnitt 10 Jahre dauert bis die Diagnose Endometriose bei den betroffenen Frauen gestellt wird, aber eingangs diagnostisch eine Bauchspiegelung nötig ist, dann würde ich mit den beschriebenen Schmerzen nicht zögern.

Vorkommen kann es , wenn man chron. zu wenig Magensäure
hat, beispielsweise durch Antazida, usw.

Hm, interessant. Ich nehme Protonenpumpenhemmer, nicht immer,
aber alle 4 Wochen mal für ca. 1 Woche, weil ich wegen oben
beschr. Schmerzen Schmerzmittel nehme, die wahnsinnig auf den
Magen gehen. Daher hat er mir diese Hemmer verschrieben, die
ich dann parallel für ein paar Tage nehmen soll - aber nur für
die Zeit, nicht immer.

Manchmal spielen ja auch mehrere Faktoren zusammen in die gleiche Richtung.

Trotzdem muss erst vor allem die Ursache gefunden werden.

Können dafür auch Blutungsabgänge sonstwo im Körper
verantwortlich sein?
Nieren z.B.?

Auf jeden Fall, unter Umständen auch im Rahmen einer Endometriose.
Häufig ist es sehr schwierig die Blutungsquelle zu finden.

Aber es ist einem Patienten nicht zuzumuten, sich so umfassend in allen Belangen auszukennen.
Im Optimalfall „zieht der Hausarzt die Fäden“ und leitet den Patienten durch die notwendigen Untersuchungen und überweist, wenn nötig weiter. Er ist auch Ansprechpartner, wenn man mit dem Facharzt, hier mit dem Gyn nicht recht weiterkommt. Der Hausarzt sollte auch aufgrund der bisher genannten Symptome und des Blutbildes den Eisenstatus veranlassen. Er ist auch der Ansprechpartner, wenn man mit den kurzgehaltenen Instruktionen des Facharztes eine Entscheidung treffen muss: Entscheidungsfindung in Richtung wieweit weitere Maßnahmen sinnvoll sind, z. B. die Bauchspiegelung mit kleiner Gewebeprobe für die Histologie.

Gute Besserung und viele Grüße

Renate