Hallo Werner,
ich halte die Hirntoddefinition für durchaus sinnvoll, aber
nicht absolut. Der Hirntod ist eine medizinisch/juristische
Definition, also kein natürliches Phänomen, sondern ein
menschliches Konstrukt.
Das kannst du persönlich gerne so sehen. Man muß den Tod aber auch medizinisch und juristisch fassen weil es nun mal einer offiziellen Definition bedarf. Sonst kommt irgendein Schlaumeier und sagt „Elvis lebt“ - und dann ist der King noch lebendig weil nach Ansicht des Schlaumeiers etwas von Elvis weiter lebt? Das geht nicht…
… bedeutet nicht dass der Mensch „irgendwie lebend gehalten
wird“, sondern der ist durchaus im klassischen Sinne tot -
weil „tot“ der Definition nach der Hirntod ist.
Tatsächlich wird nicht der ganze Mensch hier am leben
gehalten, aber ein wesentlicher Teil (Welchen klassischen Sinn
du hier meinst ist mir schleierhaft).
Damit meine ich den Tod, wie ihn der Mann (und die Frau) auf der Straße versteht, also den irreversiblen Verlust der Gesamtfunktionen des Gehirns, insbesondere des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms.
Leben wird klassischer
Weise auf zellulärer Ebene gekennzeichnet durch
- Stoffwechsel
- Reaktion auf Reize
- Wachstum
- Vermehrungsfähigkeit
Das ist auch beim Hirntoten, mit Ausnahme des Gehirns, noch
gegeben, sogar oberhalb der zellulären Ebene. Dass wir hier
feststellen, dass der entscheidende Teil menschlicher Existenz
verloren gegangen ist, und wir nun andere Dinge tun und
unterlassen dürfen, heißt aber nicht, dass alles von diesem
Menschen tot ist.
Wer gläubig ist lebt im Paradies sowieso weiter… 
Das ändert aber nichts daran dass die irdische Definition des Todes des Menschen nach dem momentanen Stand der Wissenschaft der Hirntod ist. Du kannst zwar gerne eine andere Meinung haben, das ändert aber dennoch nichts an der in der Medizin gültigen Definition.
Zwar wird es durchaus immer wieder diskutiert und das Thema eignet sich auch wunderbar um bis ins Esotherische zu gehen oder sich, wie du, in zelluläre Strukturen und Grundsätzdiskussionen zu verlieren. Die in der Medizin und Rechtsprechung gültige Sichtweise ist dennoch so, wie von mir dargelegt. Anders geht’s auch nicht weil bei entsprechenden Patienten irgendeine klare, konkrete Linie gelten muss.
Organe müssen nicht „am Leben“ gehalten werden, aber sie
müssen bis zur Transplantation funktionsfähig bleiben.
Von daher ist natürlich diese Aussage erst recht falsch. Die
Organe werden selbstverständlich am Leben gehalten. Ein
funktionierendes Organ lebt. Tatsächlich gibt es sogar nicht
funktionierende Organe die leben, aber ein totes Organ
funktioniert garantiert nicht und auch nie wieder.
Wollen wir uns jetzt in Wortklaubereien verlieren? Du kannst, wie schon mal erwähnt, für dich selber gerne „Leben“ und „Tod“ nach eigenen Ansichten auslegen. Es ändert aber nichts an der aktuellen medizinischen und juristischen Lehrmeinung.
Klar ist ein Organ, das funktionsfähig gehalten wird, noch lebend - wenn man es so bezeichnen will. Der Mensch, dem es entnommen wird, hat aber dennoch eine Hirntod-Diagnostik durchlaufen und gilt somit als tot.
Heute gilt der Hirntod als Maß der Dinge,
Hier scheinst du ja zu erkennen, dass diese Definition
fragwürdig mindestens im Sinne von zeitgebunden ist, darum
verstehe ich deine vorausgehenden Aussagen um so weniger.
Das medizinische Wissen erweitert sich natürlich und wenn man früher mit dem Spiegel prüfte ob jemand noch atmet, oder wenn ein Herzstillstand als Beweis des Todes galt, so wissen wir heute dass sowohl ein Atem- wie auch ein Herzstillstand reversibel sind indem man einen Patienten reanimiert. Insofern hat sich die Sichtweise im Laufe der Jahrhunderte verändert, denn es kamen neue Erkenntnisse hinzu.
In diesem Sinne kann man natürlich die Frage aufwerfen ob in 200 Jahren auch der Hirntod nicht mehr als Zeitpunkt des Todes gesehen wird. Das bringt uns im Moment aber nicht weiter, denn Stand der Wissenschaft heute ist nun mal dass als Tod des Menschen als Individuum - und nicht als Zellhaufen - der Hirntod betrachtet wird.
und laienhaft kann man sagen dass jemand, der
als hirntod gilt, tatsächlich „mausetot“ ist.
Das ist nicht laienhaft, sondern falsch.
Ich werde ungern persönlich, aber wenn ich es richtig gelesen habe bist du Berufsschullehrer und hast keine medizinische Berufsausbildung. Ich habe eine und deswegen kannst du vor deinen Schülern gerne den am längeren Hebel sitzenden Lehrer geben, aber mir gegenüber nicht.
Deine persönliche Ansicht über den Tod mag man interessant finden und man kann darüber endlose biologische und ethische Diskussionen führen, aber du bist nicht derjenige, der festlegt wie die Medizin heute den Todeszeitpunkt bestimmt.
Ich habe hier an manchen Stellen etwas laienhaft geschrieben weil ich nichts davon halte mich in fremdwortgespickten Selbstbeweihräucherungen zu ergehen oder ethisch-moralische Grunsatzfragen ins Endlose zu philosophieren, denn das bringt einen medizinisch nicht versierten Fragensteller nicht weiter. Der möchte eine Antwort lesen, mit der er jetzt und hier versteht wie der aktuelle Sachstand ist - und wo die banale, unausgesprochene Frage / Angst beantwortet wird ob man zuletzt doch noch lebt oder etwas spürt wenn einem Organe entnommen werden.
Die Frage wie lange Zellen leben usw. sind spannend, aber uninteressant wenn sich ein Otto Normalverbraucher fragt wann er denn eigentlich als tot gilt und in welchem Zustand er sich als Organspender befindet, wenn Organe aus seinem Körper entnommen werden.
Wenn man den Körper dennoch künstlich weiter betriebsfähig hält …
Hier drückst du dich um die Spannug herum, die mit der
Hirntoddefinition verbunden ist.
Ich drücke mich nicht darum, sondern beschreibe nur was Stand der Dinge ist, was heute gilt.
Du magst dich an Vokabeln aufhängen, aber wenn ich „betriebsfähig“, „ausbauen“ oder „Ersatzteil“ schreibe dann nicht um mich hinter technischen Begriffen zu verstecken, sondern weil es schlicht nur meinen Text auflockert und etwas lebendiger macht.
Das kannst du aber nicht auflösen, indem du unangemessene
technische Begriffe einzuführen versuchst. Der menschliche
Körper ist nicht in betrieb. Auch der Hirntote Körper wird
nicht von den Medizinern betrieben, bis auf die abgestorbenen
Teile lebt er.
Warum sollen wir das vernebeln?
Das viele Mediziner den Hirntod gerne absolut setzen, kann ich
als Entlastungsfunktion nachvollziehen. Es ist einfacher das
restlische Leben wegzudefinieren, aber weder biologisch, noch
logisch zutreffend und auch juristisch ist das
Hirntodkriterium nur mittelbar gültig.
Ich habe meine persönliche Meinung nicht zur Diskussion gestellt, sondern nur dargelegt wie es heute allgemein gesehen wird. Nach dieser Linie wird nämlich in der Praxis entschieden.
Als Bürger unterliegt man zwangsläufig dem, was Mediziner und Juristen definiert haben. Natürlich darf jeder Bürger seine eigene Ansicht haben und kann auch Verfügungen machen. Gibt es aber keine Verfügung oder ist ein Gericht (wiederum nach Beratung durch ärztliche Gutachter) einer bestimmten Meinung ist man zwangsläufig doch wieder im Geltungsbereich der offiziell geltenden Ansicht/Rechtsprechung.
Es steht dir selbstverständlich frei zu denken was und wie du möchtest. Das will ich dir keineswegs nehmen. Ich bin aber andererseits gerne ein Realo, der das wiedergibt, was draußen in der Praxis tatsächlich gilt oder wie es gehandhabt wird.
Gruß,
MecFleih