Hallo
Ich leide seit rund 4 Jahren an dieser Krankheit.
Hat jemand Erfahrung mit dieser Krankheit?
Ist es schon vorgekommen, dass sich die Anzahl Thrombozyten ohne Medikamente wieder gesenkt hat?
Hat jemand die Chemotherapie gemacht und mit welchem Erfolg?
Danke für jeden Hinweis.
Niga
Liegt eine essentielle Thrombozythämie (ET) vor ??? Bist Du Hochrisikopatient (> 60 Jahre, Thrombos > 1,5 Mio, schon Thrombosen gehabt) ??? Nur bei Hochrisikopatienten ist eine Chemotherapie zu empfehlen. Es ist auch möglich dass die Thrombozytenzahlen ohne Therapie deutlichen Schwankungen unterworfen ist…
Das Ziel der Therapie ist die Prävention oder Milderung von Symptomen beziehungsweise krankheitsbedingten Komplikationen, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Da alle für die Behandlung der ET eingesetzten Medikamente Risiken und Nebenwirkungen haben, kommt der Abwägung des individuellen Risikos entscheidende Bedeutung in der Wahl der Therapie.
Zytostatische Medikamente wie Hydroxyurea (HU) werden schon seit vielen Jahren bei ET eingesetzt. Das Problem hier ist dass natürlich auch die anderen Zellreihen des Blutbildes (weiße Blutkörperchen, rote Blutkörperchen) beeinflusst werden. Dies stellt natürlich eine Limitierung der Therapie dar. Eine Therapierefraktärität ( = Therapie spricht nicht an) wurde bei HU auch beschrieben. Zudem vermutet man bei der Langzeitbehandlung mit HU eine erhöhtes Risiko für das Entstehen von Leukämien; dies konnte jedoch bis jetzt nie wissenschaftlich nachgewiesen werden und wird in Fachkreisen sehr kontrovers diskutiert !!! Als weitere Einschränkung der Langzeitbehandlung mit Hydroxyurea gelten die dermatologischen Nebenwirkungen, insbesondere das Auftreten von Hauttumoren und Hautulzera.
Interferon alpha (IFN) wird seit 20 Jahren zur Behandlung der ET eingesetzt. Im Gegensatz zu Hydroxy-
urea hat IFN keine leukämogenen oder teratogenen Eigenschaften. Die Wirksamkeit, gemessen an der Senkung der Thrombozytenzahl, entspricht in etwa der von Hydroxyurea. Allerdings treten bei den meisten Patienten akute unerwünschte Nebenwirkungen wie grippeartige Symptome mit Fieber, Abgeschlagenheit und Knochenschmerzen auf, die bei bis zu einem Drittel aller Patienten zum Absetzen des Medikamentes führen.
Das Medikament Anagrelid stellt eine neuere Möglichkeit in der Behandlung der ET dar und ist oral
einzunehmen. In Europa ist Anagrelid zur Verringerung der erhöhten Thrombozytenzahl bei solchen Risikopatienten mit essenzieller Thrombozythämie zugelassen, die ihre derzeitige Therapie nicht vertragen oder deren erhöhte Thrombozytenzahl durch ihre derzeitige Behandlung nicht signifikant gesenkt werden kann. Im Gegensatz zu Hydroxyurea hat es keinen wesentlichen myelodysplastischen beziehungsweise toxischen Effekt auf die übrige Hämatopoese (=Blutbildung). Die am häufigsten berichteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind Kopfschmerzen, Herzrasen, Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (=Ödeme), Übelkeit und Durchfall.
Und dann gibts natürlich noch ASS 100 mg…aber das nimmst Du wahrscheinlich eh schon…
Grüße Rainer
Lieber Rainer
Vielen Dank für deine detaillierten Ausführungen. Ich bin bei 1,3 Mio angelangt, über 60-jährig, nehme täglich ein Aspirin Cardio 100, hatte - Gott sei Dank - bisher noch nie eine Thrombose, bewege mich regelmässig, trinke wenig Alkohol und habe kein Übergewicht.
Ich hoffe, um eine Therapie herumzukommen, denn ich reagiere auf jede Impfung, auf jedes Medikament sehr stark. Vielleicht habe ich Glück und die Zahl der Thrombozyten senkt sich irgendwann wieder von selbst.
Ich bin froh um deine fachmännischen Angaben.
Alles Gute und liebe Grüsse aus Paraguay
Vreni